VCD zum „Tag gegen Lärm“: Straßen und Flughäfen gefährden die Gesundheit
Lärm gefährdet die Gesundheit in erheblichem Maße. Darauf weist der Verkehrsclub Deutschland (VCD) zum Tag gegen Lärm am Mittwoch (16. April) hin. Wesentlichen Anteil an der Lärmbelastung vor Ort habe der Verkehr: Wer etwa an einer viel befahrenen Straße, einer lauten Eisenbahntrasse oder im Einzugsbereich eines Flughafens lebe, habe ein höheres Herzinfarktrisiko als Menschen in ruhiger Umgebung, so der VCD. Diesen Zusammenhang hätten medizinische Studien wiederholt nachgewiesen. Zuletzt habe eine internationale Studie unter Beteiligung des Umweltbundesamtes vom Januar 2008 belegt, dass der Blutdruck mit zunehmender Flug- und Straßenverkehrslärmbelastung steigt.
„Nicht nur die negativen Auswirkungen auf Klima und Umwelt sollten uns dazu veranlassen, unsere Mobilität neu zu organisieren. Auch gegen die Gesundheitsgefahren des Verkehrslärms müssen wir aktiv vorgehen”, mahnt Werner Geiß, Vorsitzender des VCD Hessen. Noch immer werde die negative Wirkung von Verkehrslärm stark unterschätzt. Dabei seien in Deutschland rund 15 Millionen Menschen massiv und dauerhaft davon betroffen. Sie müssten mit einem erhöhten Herzinfarktrisiko rechnen. Daneben träten häufig Müdigkeit, Konzentrationsschwäche und Beeinträchtigung des allgemeinen Wohlbefindens auf. Das Transit- und Flughafenland Hessen sei besonders stark mit Verkehrslärm belastet. Als Beispiel nennt der VCD den Ausbau der A661 im Frankfurter Stadtgebiet. Ein Gutachten habe ergeben, dass nach der Fertigstellung die Lärmgrenzwerte in den angrenzenden Wohngebieten zum Teil deutlich überschritten werden.
Nach EU-Vorgaben müssen spätestens bis Juli dieses Jahres zunächst für die Ballungsräume Frankfurt und Wiesbaden Lärmaktionspläne erstellt werden. Sie sollen konkrete Maßnahmen beinhalten, wie die Lärmbelastung der Bevölkerung an den neuralgischen Punkten verringert werden kann. „Verkehrsverlagerung auf leisere und umweltschonendere Verkehrsmittel sowie aktive Lärmschutzmaßnahmen sind die Schlüssel zu einem verträglicheren Verkehr“, erklärt Geiß. Um spürbare Verbesserungen der Lärmsituation zu erreichen, müsse auch die Landes- und Kommunalpolitik in Hessen aktiv werden. „Am vielversprechendsten ist der aktive Lärmschutz, also die Begrenzung des Verkehrslärms an der Quelle“, meint der VCD-Experte. Wie dringend der Handlungsbedarf ist, zeigen die im vergangenen Jahr im Auftrag des Landes erstellten Lärmkarten. Demnach sind allein in Frankfurt tagsüber 190.000 Menschen von übermäßigem Verkehrslärm betroffen.
Konkret fordert Geiß die verstärkte Einrichtung von Tempo-30-Zonen in Städten sowie ein generelles Nachtfahrverbot für Lastwagen. Lkw-Durchfahrverbote wie auf den Bundesstraßen 7 (zwischen Kassel und Wehretal) und 27 (zwischen Friedland und Fulda) seien ein Schritt in die richtige Richtung. Auf Autobahnen könne in Siedlungsnähe eine Geschwindigkeitsbegrenzung von maximal 100 km/h für Pkw bzw. 60 km/h für Lkw den Lärmpegel senken und so die Anwohner entlasten. Zudem müsse der Einsatz von lärmarmen Reifen und Straßenbelägen gefördert werden.
Auch bei Flughäfen müsse das Ruhebedürfnis der Anwohner stärker gewichtet werden. Wie im benachbarten Europa sollten Flughäfen nach VCD-Meinung aus den Ballungsräumen verlegt oder auf Tagbetrieb mit besonders lärmarmen Flugzeugen begrenzt werden. Der Verkehrsclub fordert zudem eine Neufassung des Fluglärmgesetzes mit klaren Vorgaben für aktiven Lärmschutz. Die Genehmigung von Nacht- und lauten Sonderflügen müsse restriktiver gehandhabt werden.
Sorgen bereitet dem ökologisch orientierten Verband aber auch der Lärm des Schienenverkehrs. Hier könne der Bund über lärmabhängige Trassenpreise die Eisenbahnunternehmen dazu bringen, in deutlich leisere Fahrzeuge zu investieren. Besonderen Handlungsbedarf sieht Geiß beim Schienenverkehr im Mittelrheintal. Hier sei eine Lärmsanierung der Gleisanlagen sowie der Aufbau von Lärmschutzwänden notwendig.

