Startseite Suche Sitemap
 

Planfeststellung A 44 VCD Hessen: Straßenbauwahn gefährdet Staatsfinanzen – Neue Wirtschaftlichkeitsberechnung gefordert

Kassel, 28. Oktober 2011. Angesichts der erneuten Kostensteigerung bei der geplanten Bundesautobahn 44 von Kassel nach Eisenach fordert der ökologische Verkehrsclub VCD Hessen eine erneute Wirtschaftlichkeitsberechnung für das Projekt.

VCD-Landesgeschäftsführer Martin Mützel: „Vor zwanzig Jahren hat man die Straße im Einheitstaumel für sinnvoll erklärt. Zuerst war von weniger als einer Milliarde Mark die Rede, heute sind wir bei 1,6 Milliarden Euro. Gleichzeitig sank die Verkehrsprognose von 50.000 auf abschnittsweise nur 25.800 Fahrten am Tag. Zeit zur Neubesinnung!“ Allein die jetzt bekannten Steigerungen von 1,3 auf 1,6 Milliarden Euro übertreffen die Gesamtkosten der Kasseler Regiotram einschließlich Fahrzeuge, die insgesamt 180 Mio. Euro kostete. Der heute unterzeichnete Abschnitt ist seit der vorigen Kostenschätzung von 183 auf 224 Mio. Euro gestiegen.

Hauptursache für die Kostensteigerungen sind laut VCD unrealistisch niedrige Kostenschätzungen bei der Durchsetzung des Projektes. Mützel: „Flughafen Calden, Stuttgart 21, diverse Autobahnen: Bis zum Baubeschluss wird schöngerechnet, danach darf die Baulobby den ganz tiefen Schluck aus der Pulle nehmen.“ Es wurde lange ignoriert, dass das durchquerte Mittelgebirge mit Bruchzonen, ehemaligen Bergbaugebieten und Rüstungsaltlasten ein schwieriger Baugrund ist. Davon versuche die Politik, mit Schuldzuweisungen an Andere abzulenken: „Es ist eine dreiste Lüge, dafür die Umweltschützer verantwortlich machen zu wollen!“ Umweltverbände können nur dort Änderungen einklagen, wo eindeutig gegen geltendes Recht verstoßen wurde.

Er weist darauf hin, dass Posch vor einem Monat 20 Millionen Euro bei den Verkehrsverbünden gespart hat, weil angeblich kein Geld mehr verfügbar sei. Mützel: „Geld ist eine Frage der Prioritätensetzung, und da ist Posch eindeutig: Erst werden Straße und Luft bedient, dann ist nichts mehr da.“

Besonders kritisch am jetzigen Abschnitt sieht der VCD die Spitzkehre bei Oetmannshausen. „Mit zwei Tunneln und einer Talbrücke wird hier eine Extraschleife eingebaut, nur damit Eschwege etwas näher an die Autobahn kommt. Man darf das als Nordhessenfilz-Gedächtniskurve bezeichnen“ kritisiert Mützel. Für den Ort Oetmannshausen bedeutet das, dass er von Süden bis Nordwesten von derselben Fernstraße umgeben wird. Dies ist ein Widerspruch zu der Aussage, die Autobahn diene der Vermeidung von Umwegen und dem Lärmschutz.

Wie schon weiter westlich wird auch für diesen Abschnitt die Trasse der ehemaligen Bahnstrecke Eschwege–Kassel überbaut. Damit verschenkt die Region eine mögliche Anbindung. Mützel: „Die Straßenbauer tun alles, um jede Alternative zu behindern.“

 

Mehr zum Thema auch unter www.fairkehr-magazin.de/1135.html

 


Kommentare? Anmerkungen? Sie können uns direkt per Email erreichen.

Im VCD-Blog können Sie ihre Meinung zu unseren Beiträgen veröffentlichen. Unsere Pressemitteilungen erscheinen dort kurz nach Herausgabe.

 

 

 

Seite weiterempfehlenSeite drucken