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20 Jahre VCD in Hessen: Fahrgäste fordern mehr Mitspracherechte – Finanzkrise als Chance für Klimaschutz

Im öffentlichen Nahverkehr müssen die Interessen der Fahrgäste künftig stärker berücksichtigt werden. Das hat der Landesverband Hessen des Verkehrsclubs Deutschland (VCD) anlässlich der Feier seines 20-jährigen Bestehens in Frankfurt gefordert. „Bei der Ausschreibung von Bus- und Bahnverkehr darf es nicht nur um den Preis gehen, sondern es muss die Qualität im Vordergrund stehen“, sagte Udo Messer, Vorstandsmitglied des Umwelt- und Verbraucherverbandes. Einsparungen, die durch verstärkten Wettbewerb der Anbieter erzielt werden, dürften nicht zur Sanierung der öffentlichen Haushalte verwendet werden, sondern müssten in die Verbesserung des Angebots fließen. Die Nutzer des öffentlichen Nahverkehrs müssten mehr Mitspracherechte erhalten, zum Beispiel über Fahrgastbeiräte oder Fahrplankonferenzen.

Der VCD sieht einen kundenfreundlichen Nahverkehr als wichtigen Baustein für ein klimafreundliches Verkehrskonzept. Klimaschutz wird der Schwerpunkt der Arbeit des VCD in den nächsten Jahren sein. „Die Finanzkrise bieten eine große Chance, jetzt unsere Mobilität auf eine neue solide Basis jenseits veralteter, klimaschädlicher Konzepte zu stellen“, meint VCD-Vorstandsmitglied Werner Geiß. Gerade Hessens Wirtschaft werde immer noch zu sehr vom Öl angetrieben. „Der Treibstoff Hirnschmalz schafft viel mehr Arbeitsplätze, erhitzt höchstens die Gemüter, aber nicht das Weltklima“, so Geiß. Im Gegensatz zur Politik reagiere die Bevölkerung auf die Krise sehr besonnen, indem sie ihren Konsum von protzigen Statussymbolen wie spritfressenden Auto-Dinosauriern auf sinnvollere Leistungen verlagere. Geiß: „Das sind gute Voraussetzungen, jetzt die Verbraucher von den Belangen des Klimaschutzes zu überzeugen.“ Dann werde auch die Politik einsehen, dass Investitionen in Flughäfen und Autobahnen schiere Verschwendung sind, Umwelt-, Klima- und Naturschutz, öffentliche Verkehrsmittel und alternative Energien dagegen der Gesellschaft hohe Renditen bringen werden. „Nie waren wir so wichtig wie heute“, beschreibt Geiß die Aufgaben der Umweltverbände.

Der VCD Hessen wurde 1988 als Interessenvertretung für Fußgänger, Radfahrer, Fahrgäste von Bussen und Bahnen sowie für umweltbewusste Autofahrer gegründet. „Wir haben in diesen 20 Jahren wichtige Impulse gegeben“, sagte Vorstandsmitglied Andreas Henning bei der Jubiläumsveranstaltung im Frankfurter Gewerkschaftshaus. So habe der VCD bereits 1991 zusammen mit anderen Verbänden ein Schienenverkehrskonzept für die Rhein-Main-Region erarbeitet, in dem bereits richtungsweisende Projekte wie die „Regionaltangente West“ enthalten waren. Der VCD-Bundesvorsitzende Michael Gehrmann lobte den VCD Hessen unter anderem für seinen Beitrag zur Verhinderung des Projekts „Frankfurt 21“, bei dem der Hauptbahnhof in einen Tunnel verlegt werden sollte. „Jetzt müssen endlich die Alternativkonzepte zum Tragen kommen, die der VCD zusammen mit anderen entwickelt hat“, forderte Gehrmann.

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