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Fahrplanwechsel und Preiserhöhungen: VCD: Drastischer Einschnitt Ruhr–Kassel–Erfurt ist „Armutszeugnis“

(KASSEL, 1. DEZEMBER 2010)

Am Dritten Advent wechselt der Fahrplan bei Bahn und Verkehrsverbünden. Im Nahverkehr finden sich viele kleine Änderungen, im Fernverkehr verschwinden die meisten Züge von der „Mitte-Deutschland-Bahn“ Ruhr–Kassel–Erfurt. Zugleich werden viele Fahrgäste stärker zur Kasse gebeten. Beides kritisiert der VCD Hessen.

Der größte Einschnitt erfolgt auf der „Mitte-Deutschland-Bahn“ Ruhr–Kassel–Erfurt. Wo derzeit noch durchgehende Intercity im Zwei-Stunden-Takt rollen, wird es nur noch einen durchgehenden Intercity geben, ein weiterer Zug wird durch einen teureren, aber gleich schnellen ICE ersetzt. Hinzu kommt noch ein ICE Darmstadt–Dortmund–Kassel–München. „Das sieht nach einem Experiment mit ungewissem Ausgang aus“, so VCD-Landesgeschäftsführer Martin Mützel in Kassel. Die Lücken zwischen Kassel und Paderborn werden teilweise mit Nahverkehrszügen gefüllt, die der Nordhessische Verkehrsverbund (NVV) bei der Eurobahn bestellt hat.

Für den VCD ist die Streichung der IC-Linie ein „Armutszeugnis für Politik und Bahn“. Mützel: „Man hat es in zwei Jahrzehnten nicht geschafft oder nicht gewollt, eine attraktive Verbindung einzurichten.“ Er weist darauf hin, dass bereits in den 1980er Jahren ein Streckenausbau zwischen dem Ruhrgebiet und Kassel vorgesehen war, mit der Deutschen Einheit wurde auch ein Ausbau weiter nach Eisenach zugesagt. Folgenlos, so Mützel: „Im hessischen Abschnitt zwischen Warburg (Westfalen) und Bebra ist nichts passiert. Hier haben Berlin und Wiesbaden komplett geschlafen!“ Durch das „alljährliche Bröckeln des IC-Verkehrs“ verschlechtern sich zudem die Möglichkeiten, Fahrräder mitzunehmen. Die Bahn weigert sich bislang, Fahrräder im ICE zu befördern.

Im Nahverkehr kommt es zu Verbesserungen zwischen Kassel und Frankfurt. Die Regiotram Kassel–Treysa und die Regionalbahn Gießen–Frankfurt fahren häufiger, auf der S 6 Friedberg–Frankfurt werden die Anschlüsse verbessert und einzelne Züge beschleunigt. Dadurch werden einige der Probleme behoben, die beim letzten Fahrplanwechsel durch die Änderungen im IC-Fahrplan entstanden sind. Ebenfalls positiv sieht der VCD den neuen Stundentakt auf der Rheingau-Linie Frankfurt–Wiesbaden–Koblenz. In Nordhessen ist auch die neu eingerichtete direkte Fahrt von Kassel nach Eschwege Stadt „ein kleiner Schritt in die richtige Richtung“, so Mützel.

Im Nahverkehr erhöhen die Verkehrsverbünde RMV (plus 1,7 Prozent) und NVV (plus 1,5 Prozent) sowie die Deutsche Bahn (plus 1,9 Prozent) die Preise erneut über der Inflationsrate (1,2 Prozent). Der auch nach Südhessen reichende Verkehrsverbund Rhein-Neckar (VRN) verlangt von 1. Januar an sogar 2,8 Prozent mehr. Der VCD hält diese Anhebungen für unbegründet, Mützel: „Weder gibt es größere Verbesserungen der Leistungen, noch sind Energiepreise oder Löhne im selben Maß gestiegen“. Im DB-Fernverkehr bleiben die Grundpreise stabil. „Dennoch muss man mehr zahlen, wenn die Sparpreise knapper werden oder ein IC durch ICE oder eine Umwegverbindung ersetzt wird.“

Der VCD empfiehlt, bei Fernreisen immer auch nach Verbindungen ohne ICE zu fragen. Diese sind immer preisgünstiger, aber in vielen Fällen nicht deutlich langsamer als die ICE. Wer unabhängige Beratung sucht, kann sich auch an die VCD-Fahrgastberatung wenden. Der ehrenamtlich erbrachte Service ist unter der Telefonnummer 06031 61464 und unter der E-Mail-Adresse fahrgastberatung-hessen@vcd.org am besten abends und am Wochenende zu erreichen – also genau dann, wenn Bahnhöfe und Reisebüros geschlossen sind. Es können auch Nachrichten auf dem Anrufbeantworter hinterlassen werden.


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