VCD sieht Bahnhof Kassel-Wilhelmshöhe als hervorragende Verteilerplattform zu anderen Flughäfen - Flughafenausbau in Calden ist wirtschaftlich nicht zu rechtfertigen
Der Verkehrsclub Deutschland (VCD), Landesverband Hessen, sieht seine Bedenken gegenüber Kassel-Calden nach einer konstruktiven Fachtagung an der Ev. Akademie Hofgeismar bestätigt. „Wir teilen die Ansichten mehrerer renommierter Fachreferenten, dass der vom Antragsteller prognostizierte Bedarf den Ausbau nicht rechtfertigt“, sagt der hessische Luftverkehrsexperte des VCD, Werner Geiß, „lokale Sichtweisen dominieren abermals über nachhaltige und volkswirtschaftlich sinnvolle Strukturen.
Selbst für große Geschäftsreiseflugzeuge und damit für die Belange der örtlichen Wirtschaft ist die derzeitige Landebahn allemal ausreichend. Die Bedarfsprognose beruht auf Flugtourismus, der aber keinen wirtschaftlichen Betrieb eines derart vergrößerten Flughafens zulässt.
Annahmen zur Beschäftigungsentwicklung beruhen auf sehr optimistischen positiven Effekten; die Substitutionseffekte wurden gar nicht erst untersucht. Gerade der Flugtourismus aber schädigt den heimischen Arbeitsmarkt durch enorme Kaufkraftverlagerung, dies jedoch mitunter außerhalb der Interessensphäre nordhessischer Politiker.“
Der VCD Hessen verweist in diesem Zusammenhang auf Verkehrsprognosen für viele andere Regionalflughäfen, die selten eingetroffen sind. Allein der verkehrsreiche Regionalflughafen Hahn gilt als beispielhaft, obwohl die günstigen Konditionen für die Billig-Airline „Ryanair“ auch dort dem Betreiber Defizite bescheren. Zudem kommt der Ausbau von Calden angesichts der gesättigten Märkte viel zu spät.
Unterstützt wird die Aussage von Ulrich Kohnen, Projektleiter Flugverkehr beim VCD in Berlin. „Deutschland hat bereits heute die höchste Flughafendichte in ganz Europa. Dennoch werden landauf, landab immer mehr Flugplätze mit öffentlichen Geldern ausgebaut, häufig völlig am Bedarf vorbei. Dauerhaft werden so öffentliche Haushalte durch defizitäre Regionalflughäfen belastet, gleichzeitig werden Fluglärm und Abgase in bisher nur schwach belastete Regionen exportiert.“
Alternativ verweist der VCD Hessen auf die hervorragende Standort-Situation des ICE-Bahnhofs Kassel-Wilhelmshöhe.
„Kassel ist hervorragend an das Hochgeschwindigkeitsnetz der Bahn angeschlossen. In rund eineinhalb Stunden können die Großflughäfen Frankfurt und Hannover auf dem Schienenwege bequem erreicht werden. Darüber hinaus bieten drei Regionalflughäfen in der Umgebung – Paderborn, Erfurt und Dortmund – ein umfassendes Angebot an Flugtourismus. Die in Deutschland sicherlich einzigartige Anbindung an den Schienenfernverkehr gilt es zu nutzen und auszubauen.“
Der VCD Hessen fordert eine koordinierte nationale Luftinfrastrukturplanung, um ineffiziente lokale Projekte zu vermeiden und statt dessen die immensen Überkapazitäten zu nutzen. Dringend fordert der VCD den Gesetzgeber auf, das Privileg des Flugverkehrs als öffentliches Interesse aufzugeben. Gleichberechtigt mit dem Bedarf an Flugverkehr sollten konkurrierende Verkehrsträger sowie ökologische Belange und die Lebensqualität der Anwohner bewertet werden.
Angesichts leerer Staatskassen kommt es auf möglichst effiziente Investitionen für den Arbeitsmarkt und eine nachhaltige wirtschaftliche Entwicklung an. Diese Kriterien erfüllt das Projekt keinesfalls. Selbst unter Verzicht auf die für den Flughafen zweckgebundenen Landesmittel von 108 Mio. Euro ließen sich mit dem verbleibenden Betrag weit mehr sichere und zukunftsweisende Arbeitsplätze schaffen.

