Verkehrsclub Deutschland zum Internationalen Tag gegen Lärm am 25. April / Unterschätzte Gefahr: Lärm ist Umweltplage Nummer eins!
11/2006
Kassel, 24. April 2006
Zum morgigen Internationalen Tag gegen Lärm weist der Verkehrsclub Deutschland (VCD) auf die umwelt- und gesundheitsschädliche Wirkung von Lärm hin. Obwohl sich in Deutschland weit über die Hälfte aller Menschen vom Straßenverkehrslärm belästigt fühlen, gibt es nach Ansicht des VCD immer noch zu wenig Aufmerksamkeit für das Thema und nur mangelhafte Aufklärung über die krankmachenden Folgen des Lärms.
Guido Spohr, der hessische VCD-Pressesprecher: „Verkehrslärm wird immer wieder unterschätzt. Dabei ist er für viele Menschen inzwischen Umweltplage Nummer eins. Allein in Deutschland haben rund 13 Millionen Menschen ein deutlich erhöhtes Herzinfarktrisiko, da sie dauerhaft an zu lauten Straßen oder Schienen leben müssen. Weitere negative Folgen sind permanente Müdigkeit, Konzentrationsschwäche und die Beeinträchtigung des allgemeinen Wohlbefindens. Wir brauchen deshalb dringend wirksame Maßnahmen gegen den Lärm.“
Auch wenn der Flugverkehr – besonders in Hessen – immer mehr an Bedeutung zunimmt, ist der Straßenverkehr weiterhin die Lärmquelle Nummer eins. Der VCD schlägt deshalb in Städten und Ortschaften eine weitergehende Beschränkung auf Tempo 30 und ein generelles Nachtfahrverbot für LKW vor. Auf Autobahnen sollten in Siedlungsnähe Tempolimits von maximal 100 km/h für PKW und 60 km/h für LKW gelten. Auch beim Straßen- und Fahrzeugbau muss durch den Einsatz von lärmarmen Straßenbelägen und Reifen sowie strengeren Grenzwerten Verkehrslärm an der Quelle verringert werden. Der VCD fordert außerdem eine stringentere Lärmschutzgesetzgebung, damit Betroffene endlich auch einen Rechtsanspruch auf Lärmsanierung erhalten. Spohr: "In bestehenden Bebauungsbereichen tauchen die meisten Konflikte auf. Da die meisten Kommunen vom Durchgangsverkehr betroffen sind, stehen viele Kommunen dem Problem hilflos gegenüber. Ausbaden müssen es die Bewohner an den Trassen. Beispielhaft nennt der VCD
- den Ortsteil Niederseelbach bei Niedernhausen an der A 3,
- viele Gemeinden an der B 3 um Marburg Richtung Cölbe,
- die Gemeinde Elz an der ICE-Trasse Frankfurt in Richtung Köln sowie der A 3,
- die Ortsdurchfahrt 43 in Mühlheim.
Der VCD begrüßt die Bemühungen der Landesregierung, die durch die Mautflucht entstandenen Zusatzbelastungen durch Ausweichverkehre mittels LKW-Durchfahrverboten zu senken. Hierüber freuen sich seit Mitte letzten Jahres u.a. die Anwohner der B 7, der B 27 und B 400 in Nordhessen.
Vorbildlich gestalten sich für den VCD auch die Bemühungen der Stadt Darmstadt, um die Stadt von Verkehr zu entlasten und die Lärm- und Feinstaubwerte zu senken. "Mit dem ambitionierten Verkehrsentwicklungsplan, der kommunalen Lärmminderungsplanung und dem Aktionsplan gegen Feinstaub ist Darmstadt absolut federführend in Hessen", sagt Spohr. Der VCD Hessen unterstützt die Kommunalpolitik und wünscht sich, dass andere Kommunen ebenfalls ein solches Engagement im Umwelt- und Verkehrsbereich an den Tag legen. Dies gilt insbesondere für die Stadt Kassel. "Hier fehlen jegliche kommunale Planungen für mehr Ruhe in der Stadt. Zwar wird dort das vorbildliche RegioTram-Konzept derzeit umgesetzt, trotzdem hat der Ruheschutz als ein Ausdruck der Wohn- und Lebensqualität in der Kasseler Stadtentwicklung keinen hohen Stellenwert. So sind dort mehr als 35.000 Menschen an Hauptverkehrsstraßen durch überdurchschnittlichen Lärm betroffen.“
Der VCD warnt jedoch nicht nur vor den gesundheitlichen Folgen von Verkehrslärm. "Es macht sich an vom Verkehr besonders geprägten Trassen ein zunehmender Wohnungs- und Gewerbeflächenleerstand bemerkbar. Dies ist bspw. in der Kasseler oder der Darmstädter Innenstadt, aber auch in allen größeren Städten Hessens feststellbar," weiß Spohr. „Die Attraktivität der Lage sinkt mit zunehmendem Verkehr und Geräuschpegel.“
Lärmschutz beginnt für den VCD vor der Haustür. Jeder Einzelne kann einen Beitrag leisten, indem er gerade auf kurzen Strecken bis zu 5 km das Auto stehen lässt und stattdessen das Fahrrad, die Füße oder den Bus und die Tram benutzt.“
Der VCD engagiert sich als Umwelt- und Verbraucherverband bereits seit vielen Jahren gegen Verkehrslärm. Um Betroffene zu unterstützen, hat der VCD beispielsweise eigens so genannte Lärm-Aktionskoffer für den Einsatz vor Ort entwickelt. Diese enthalten neben Informationsmaterialien ein leicht zu bedienendes Schallpegel-Messgerät. Überschreiten die ermittelten Werte die empfohlenen Höchstwerte, können zuständige Behörden ebenso wie die Öffentlichkeit informiert und Maßnahmen zur Lärmsenkung eingefordert werden
Zum aktuellen Stand der Verkehrslärmbekämpfung hat der VCD zwei Informationsbroschüren aufgelegt.
- Maßnahmen gegen Verkehrslärm (Bundesverband)
- Für mehr Ruhe in der Stadt – Kommunale Verkehrslärmbekämpfung und –vorsorge in Hessen (Landesverband Hessen)
Beide Broschüren können über die Geschäftsstelle des Verkehrsclub Deutschland Landesverband Hessen e.V., Steinweg 21, 34117 Kassel bezogen werden.
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