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VCD: Kahlschlag im öffentlichen Nahverkehr vermeiden – Nordhessen auf dem Weg zur Bahn-Diaspora?

15/2006

Kassel, 23. Mai 2006

Mit großer Sorge reagiert der Umwelt- und Verbraucherverband Verkehrsclub Deutschland (VCD) auf die offizielle Ankündigung des Nordhessischen Verkehrsverbundes (NVV), flächendeckend den Busbetrieb zu reduzieren und insbesondere den Bahnverkehr drastisch einzuschränken oder gar Strecken stillzulegen. „Mit einem attraktiveren Angebot konnte der NVV neue Kunden gewinnen und durch eine deutlich höhere Auslastung sollte das Defizit spürbar gesenkt werden. Massive Fahrpreiserhöhungen, Einsparungen bei Service und Fahrgastinformationen machen die Bemühungen zunichte, die Verluste werden sogar zunehmen,“ erklärte Werner Geiß, Mitglied des VCD-Landesvorstands.

„Wenn die Preise, wie angekündigt, innerhalb von drei Jahren um 18 Prozent steigen und es gleichzeitig deutlich weniger Möglichkeiten gibt, mit Bus und Bahn zu fahren, wird Nordhessen zu einer Nahverkehrs-Diaspora.“ Hier teilt der VCD Hessen die Meinung der Kurhessenbahn, der Grünen im hessischen Landtag und des Kreisbeigeordneten des Kreises Waldeck-Frankenberg, Otto Wilke.
Der NVV hatte am Freitag drastische Einschnitte im Bus- und Bahnverkehr sowie kräftige Fahrpreiserhöhungen angekündigt. Hintergrund sind die drohenden Kürzungen der Regionalisierungsmittel von 2.3 Milliarden Euro durch den Bund, denen auch die hessische Landesregierung zustimmt. „Wenn die Landesregierung den Bund bei seinen Sparplänen nach dem „Rasenmäherprinzip“ unterstützt, geht dies nicht nur zu Lasten hessischer Fahrgäste,“ erklärt Geiß. „Mit der Zustimmung zum Haushaltsbegleitgesetz in der Fassung vom Februar wird der Abbau von mehreren hundert Arbeitsplätzen im strukturschwachen Nordhessen betrieben.“

Folgende Auswirkungen erwartet der Verkehrsclub Deutschland für Nordhessen

Arbeitsmarktpolitisch:

Sozialpolitisch:

Auswirkungen auf die Regionalentwicklung Nordhessens:

Volkswirtschaftlich:

Geiß:„Ziel einer nachhaltigen Verkehrspolitik sollte sein, mehr Verkehr auf die Schiene zu verlagern, doch mit der drohenden Mittelkürzung werden die Weichen leider falsch gestellt. Mit den eingeleiteten Investitionen in das nordhessische Nahverkehrsnetz wurden Kapazitäten geschaffen, um eine langfristig steigende Verkehrsnachfrage ohne nennenswerte Mehrkosten befriedigen zu können. Mit der drohenden Mittelkürzung wird die Nachfrage wieder zurück auf die Straßen verlagert. Doch die Befriedigung von Verkehrsnachfrage durch Straßenbau kommt den Steuerzahler deutlich teurer als die Nutzung und Erweiterung von Kapazitäten auf der Schiene. Sparmaßnahmen nach dem Rasenmäherprinzip sind eine Milchmädchenrechnung. Die absurde Entwicklung in Nordhessen unterstreicht die Notwendigkeit eines hessischen Verkehrsmasterplans, einer integrierten Verkehrswegeplanung, die eine sinnvolle, kostenoptimale Zuordnung der Verkehrsnachfrage auf Schiene, Bus und Individualverkehr gewährleistet.“

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