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Flughafenausbau Rhein-Main: VCD hält Verkehrsprognose für viel zu hoch

Pressemitteilung 28/2006

Kassel, den 7. November 2006

Der Verkehrsclub Deutschland (VCD) begrüßt es, dass die Öffentlichkeit erneut am Planfeststellungsverfahren beteiligt werden soll. Dabei müsse die Luftverkehrsprognose endlich eingehend analysiert werden“, forderte Werner Geiss, Vorstandsmitglied des VCD Hessen. „Bisher blieb die Frage offen, ob die prophezeiten Flugbewegungen wirklich der öffentlichen Daseinsvorsorge dienen und damit einen Ausbau in Frankfurt erfordern.“ Geiss forderte eine differenzierte Prognose. Bisher wurde mit 660 000 Flugbewegungen im Jahr 2015 gerechnet, nach neuen Kalkulationen sollen es 701 000 Flugbewegungen im Jahr 2020 sein. Nach Ansicht des VCD müssten es nicht so viele sein.

„Unser dichtes Netz an Flughäfen kann doppelt so viel Verkehr bewältigen als derzeit bundesweit abgefertigt wird“, meint Geiss. „Warum sollen so viele Ferienflieger oder Frachter mit Schnittblumen und Speisefisch ausgerechnet dort landen, wo sie die relativ größte Belastung der Allgemeinheit hervorrufen?“ Auch die überholte Geschäftspolitik eines Luftfahrtdrehkreuzes widerspreche der Marktentwicklung und dem öffentlichen Interesse. „Umsteigen ist out“, sagte Geiss, „Im Interkontinentalverkehr setzen Airlines auf Direktflüge, auch von diversen anderen deutschen Flughäfen. Deshalb ist der Riesen-Airbus A380 ein Ladenhüter, verdrängt von kleineren und klimafreundlicheren Jets für den Punkt-zu-Punkt-Verkehr.“ Dieser aktuelle Trend, der viele Zubringer- und Fernflüge in Frankfurt einsparen werde, sei in den Prognosen nicht berücksichtigt. Gleiches gelte für innereuropäische Kurzstrecken: „Hierfür wächst ein Netz schneller Bahnlinien, und im Schnittpunkt liegt Frankfurt.“, so Geiss, „Die europäischen Regierungen haben sich mit diesem Investment klar gegen den Kurzstreckenflugverkehr entschieden, das muss in den Prognosen endlich berücksichtigt werden.“ Die vorliegende Prognose geht noch immer von einer totalen Steuerbefreiung des internationalen Flugverkehrs aus. Wegen dessen bedrohlicher Klimaschädigung ist aber nach Überzeugung des VCD eine zumindest europaweite Besteuerung nicht mehr aufzuhalten. Unter diesen Bedingungen sei das prognostizierte Verkehrsvolumen viel zu hoch und widerspreche in diesem Ausmaß auch dem öffentlichen Interesse.

Vom Ausbau betroffene VCD-Mitglieder hatten schon im Erörterungstermin beantragt, den prognostizierten Bedarf unter all diesen Gesichtspunkten zu differenzieren. Der Verkehrsclub erwartet, dass die Stellungnahmen hierzu in die neue öffentliche Debatte einfließen. So ergebe sich eine gute Chance, doch noch zu einer realistischen Einschätzung des Flugverkehrsbedarfs zu kommen, damit das Ausbauprojekt endgültig begraben werden könne.

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