Verkehrsclub Deutschland: Weichen stellen für mehr Ruhe im Mittelrheintal- Flüsterbremsen und leisere Achsen bringen deutlich mehr Entlastung
Pressemitteilung
Kassel, 19.12.06
Mehr Güterverkehr auf der Schiene und Lärmschutz sind kein Widerspruch, findet der ökologisch orientierte Verkehrsclub Deutschland (VCD). Er appelliert deshalb an die hessischen Städte und Gemeinden am Rhein, sich weiterhin für das umweltverträgliche Verkehrssystem Bahn und für neue Technologien zum Lärmschutz an der Quelle einzusetzen.
Hierfür hat der VCD in einem Brief an die politischen Mandatsträger der Rheinanliegerstädte und -gemeinden sowie dem Landkreis Rheingau-Taunus geworben.
Hintergrund ist die offen entbrannte Debatte über den zunehmenden Bahnlärm im Mittelrheintal durch den Güterschienenverkehr zwischen Lorch und Eltville.
"Die Bahn ist für den Güterverkehr das umweltverträglichste System, das wir haben. Leider hat es eine Achillesferse, und das ist der Lärm durch das Bremsen und Kurvenquietschen bei Altfahrzeugen", bedauert der hessische Sprecher des VCD, Guido Spohr. Gerade der Bahnlärm mache den Bürgern im Mittelrheintal schwer zu schaffen und beeinträchtige Wohn- und Lebensqualität und langfristig deren Gesundheit.
Daher begrüßt der VCD Hessen die Initiative des rheinland-pfälzischen Verkehrsministeriums, das Bundesprogramm zur Lärmsanierung auch für Maßnahmen zu öffnen, die den Lärmschutz an der Quelle verbessern. "Damit würden die Eisenbahnunternehmen endlich die Möglichkeit erhalten, ihre Güterwaggons in großem Ausmaß von den Graugussbremsen auf die K-Sohlen Bremsen sowie auf leisere Achsen umzurüsten", erklärte Spohr. „Gerade die Graugussbremsen rauen den Radreifen so auf, dass die unangenehmen Geräusche auch während der Fahrt bestehen bleiben.“ Der VCD wirbt beim Land Hessen dafür, sich an dieser Initiative konstruktiv im Sinne der Schiene zu beteiligen. Verkehrsminister Rhiel habe sich, wie seine Ministerkollegen, im Oktober bei der
Verkehrsministerkonferenz dafür ausgesprochen, den Bund durch eine Bundesratsinitiative seitens Rheinland-Pfalz aufzufordern, hier endlich und rasch zu handeln.
Der VCD weist darauf hin, dass dieser Lärmschutz an der Quelle bisher nicht im Sanierungsprogramm des Bundes vorgesehen sei und der Bund dies auch nicht für notwendig erachtet habe.
Die Umrüstung der Waggons reicht nach Ansicht des VCD jedoch noch nicht aus, um das Problem Lärm auf der Schiene zu lösen. Daher fordert der VCD
· die Deutsche Bahn AG auf, den Rückbau von Überholgleisen zu stoppen und deren Ausbau zur Ausweitung der Kapazitäten im Tagesverkehr voranzutreiben.
· den verstärkten Einsatz von leiseren Fahrzeugen.
· die Einrichtung eines europaweiten Umrüstungsprogramm, da auch viele ausländische Waggons auf dem deutschen Schienennetz fahren.
· eine gesetzliche Verpflichtung zur Einführung lärmbezogener Trassenpreise zu schaffen, um die Anreize für den Einsatz leiserer Fahrzeuge und Waggons zu erhöhen.
· die Aufstockung des Lärmsanierungsprogramms des Bundes und die Beschleunigung der Sanierung bestehender Schienenwege sowie die prioritäre Behandlung des Mittelrheintals bei der Umsetzung aktiver und passiver Schallschutzmaßnahmen.
· neue gesetzliche Regelungen und Grenzwerte für Lärmemissionen im Schienenverkehr sowie Lärmgrenzwerte für Schienenfahrzeuge.
· kurzfristig den „Schienenbonus“ beim Lärmschutz zu überprüfen und gegebenenfalls zu streichen, bis eine neue gesetzliche Regelung verabschiedet ist. Dem Schienenverkehr wird ein Abschlag von 5 dB(A) bei der Bewertung von Lärmemissionen eingeräumt, Ausnahme: hochfrequentierte Strecken mit durchgehendem Schienengüterverkehr.
Durch dieses Maßnahmenpaket, so ist sich der VCD sicher, lasse sich der Lärm im Mittelrheintal und auch in ganz Hessen im Güterverkehr reduzieren. Hierzu müssen Bund und Länder rasch die Weichen stellen, um die Wohn- und Lebensqualität an Schienentrassen weiterhin zu gewährleisten.

