VCD zur Flughafenverhandlung am VGH: Wirtschaftliche Folgen neu bewerten
In der laufenden Verhandlung am Verwaltungsgerichtshof (VGH) in Kassel zum Ausbau des Frankfurter Flughafens müssen nach Ansicht des Verkehrsclubs Deutschland (VCD) die geänderten Rahmenbedingungen berücksichtigt werden. „Aufgrund der aktuellen Marktentwicklung und der Erkenntnisse über den Klimawandel ist der Planfeststellungsbeschluss nur noch Makulatur“, sagte Werner Geiß, Vorsitzender des VCD-Landesverbandes Hessen. „Die wirtschaftlichen Folgen des Flughafenausbaus müssen völlig neu bewertet werden.“
Wesentliche Bedenken der Einwender und Kläger gegen die Gutachten des Flughafenbetreibers Fraport seien inzwischen von der Realität bestätigt worden, so der Umwelt- und Verbraucherverband. Gerade in der Wirtschaftkrise werde der Beweis erbracht, dass der Luftverkehr nicht ständig weiter wachse. „Pauschalflugreisen und eingeflogene Konsumgüter dürfen keinen Vorrang haben vor anderen öffentlichen Interessen wie Lärmschutz und Lebensqualität“, sagte Geiß. „Außerdem reift angesichts der Krise bei einigen Politikern doch die Einsicht, dass man die Umsätze des Flugtourismus, der Kaufkraft aus unserem Land abzieht, nicht unbedingt fördern muss.“
Die Drehkreuzfunktion des Flughafens, die stets als erstrangiges Argument für den Ausbau genannt wird, entspreche längst nicht mehr der Marktentwicklung. Auch die Frankfurt anfliegenden Airlines bestellten überwiegend kleinere Langstreckenjets, die für Direktflüge konzipiert seien und den Passagieren das Umsteigen an Großflughäfen ersparen sollen. Dagegen erwiesen sich die großen Maschinen wie der Airbus 380 als Ladenhüter. Inzwischen wachse auch auf anderen deutschen Flughäfen das Angebot an direkten Fernflügen – zu Lasten von Frankfurt. Kurz- und Mittelstreckenflüge würden zunehmend auf die Schiene verlagert. Mit dem Neubau der Schnellbahn Frankfurt-Mannheim werde eine entscheidende Lücke im europäischen Hochgeschwindigkeitsnetz geschlossen.
Bei der Planung des Flughafenausbaus sei darüber hinaus die künftige Flugzeugtechnologie nicht berücksichtigt worden, kritisiert der VCD. Ab 2020 gelten die Standards von Ökoflugzeugen, wie sie derzeit im EU-Projekt „Clean Sky“ und von der NASA für die amerikanischen Hersteller entwickelt werden. Ziel sei eine um 50 bis 75 % geringere Erderwärmungswirkung. Dieses Ziel kann nur mit lauteren Triebwerken erreicht werden, die für einen Flughafen inmitten dichter Bebauung völlig ungeeignet seien.
Auch das Arbeitsplatz-Argument muss nach Einschätzung des VCD neu bewertet werden. Die Luftfahrtbranchen hätten sich seit Beginn der Ausbauplanung mitnichten als die gepriesene „Jobmaschine“ erwiesen. Ganz im Gegenteil hätten bei insgesamt sinkender Nachfrage die mit minimalem Personaleinsatz operierenden Billigflieger ihren Marktanteil steigern können.
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