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VCD: Kinder nicht zur Schule fahren

(KASSEL, 24. AUGUST 2009)

 

Eltern sollen ihre Kinder nicht mit dem Auto zur Schule fahren. Das empfiehlt der Verkehrsclub Deutschland (VCD) zu Beginn des neuen Schuljahres in Hessen. „Es ist ein Irrtum zu glauben, Kinder seien nur im Auto der Eltern sicher“, erklärte Udo Messer, Landesvorsitzender des VCD Hessen. „Fast die Hälfte aller im Straßenverkehr verunglückten Kinder saß im Pkw.“ Tatsächlich seien gerade die Eltern, die ihre Kinder mehr oder weniger gestresst zur Schule fahren oder abholen, eine Gefahr.

 

Der VCD rät Eltern, den Schulweg gemeinsam mit ihren Kindern abzugehen und mögliche gefährliche Stellen durchzusprechen. Das diene auch der Entwicklung der Kinder. „Wenn sie sich zu Fuß oder mit dem Fahrrad fortbewegen, nehmen sie ihre Umwelt bewusst wahr“, sagte Messer, der selber mit sieben Jahren Opfer eines Verkehrsunfalls war. „Werden sie dagegen im Auto gefahren, reduziert sich ihr Lebensumfeld auf einzelne Inseln, die nur durch das Elterntaxi miteinander verbunden sind.“

Rücksicht fordert der Verkehrsclub aber auch von den Autofahrern: Vor allem in Straßen mit vielen parkenden Autos sollten Autofahrer achtsam fahren. Die stehenden Fahrzeuge versperrten Kindern beim Überqueren der Straße die Sicht. Umgekehrt würden die Kinder wegen ihrer geringen Körpergröße von den Autos verdeckt und von Autofahrern leicht übersehen. Anders als Erwachsene seien Kinder aufgrund mangelnder Erfahrung und eines geringeren Reaktionsvermögens nicht in der Lage, die Gefahren des Straßenverkehrs richtig einzuschätzen und sich angemessen zu verhalten.

Außerdem forderte der VCD Autofahrer auf, sich an die Geschwindigkeitsbegrenzung in Tempo-30-Zonen zu halten. Polizei und Ordnungsbehörden müssten Tempolimits gerade rund um Schulen stärker kontrollieren. Ein Pkw-Fahrer, der 30 km/h fahre, könne noch rechtzeitig anhalten, wenn ein Kind 15 Meter vor ihm auf die Fahrbahn laufe. Bei Tempo 50 hingegen komme das Auto erst nach 28 Metern zum Stehen. Nach 15 Metern hätte das Fahrzeug noch immer eine Aufprallgeschwindigkeit von 45 km/h, wodurch das Kind entweder getötet oder schwer verletzt würde. Der VCD fordert daher, Tempo 30 innerorts auf allen Straßen zur Regelgeschwindigkeit zu machen.

Der VCD verweist auf seine Forderung einer optimierten Gestaltung des Straßenraumes in der Umgebung von Schulen und Kindergärten. Wie im benachbarten Europa bewährt, könnten auch in Hessen geeignete Verkehrsberuhigungsmaßnahmen und Regelungen den Schulweg sicherer machen. Das EU-Modell "Shared Space" oder die Schweizer "Begegnungszone" räumen dem Fußgänger mehr Freiräume und Rechte ein, erhöhen zugleich die Aufmerksamkeit der Autofahrer. Messer: „Wir brauchen einen kindergerechten Verkehr, nicht verkehrsgerechte Kinder.“

In Frankfurt und im Main-Taunus-Kreis stattet der VCD in Zusammenarbeit mit den Schulämtern die Eltern aller Erstklässler mit einer „Mobilitätsfibel“ aus. Diese kleine Broschüre macht Eltern mit Alternativen zum „Eltern-Taxi“ vertraut und zeigt, wie die Verkehrssicherheit auf dem Schulweg erhöht werden kann. Zudem werden zahlreiche Informationen über lokale Beratungs- und Service-Angebote gegeben.

Nach Angaben der hessischen Unfallkasse verunglücken etwa 28 Kinder pro Tag in Hessen auf dem Schulweg.

 

Die erwähnte Mobilitätsfibel können sie beim VCD Rhein-Main herunterladen (pdf, 3,7 MB)

 


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