Zurückgehender Luftverkehr: Neutrales Gutachten auch für Frankfurter Flughafenausbau erforderlich
(Frankfurt, 15. Oktober 2009)
Nach Auffassung des ökologisch orientierten Verkehrsclub Deutschland (VCD) steckt der interkontinentale Flugverkehr in einer strukturellen Krise. London stoppt den Bau einer dritten Landebahn am Heathrow Airport; Ministerpräsident Seehofer willigt ein, eine realistische Bedarfsprognose für den Münchner Flughafen zu erstellen, wo bislang ebenfalls eine dritte Bahn geplant war.
Die Nachfrage an den großen europäischen Luftfahrtdrehkreuzen leide nicht nur unter der schwachen Konjunktur, sie sei vielmehr Folge einer Trendwende. Werner Geiß vom VCD Hessen: „Der Markt favorisiert inzwischen umsteigefreie Direktverbindungen im Fernverkehr. Umsteigen ist out.“ Das beweise auch die Vorliebe der Airlines für kleinere Jets (Boeing 787, Airbus 350), die zudem geringere spezifische Umwelt-, Klima- und Lärmbelastungen verursachten.
„Nur in Frankfurt klammert sich die verantwortliche Politik noch an die Illusion eines wachsenden Luftfahrtdrehkreuzes.“, schimpft Geiß, „mit Schützenhilfe der künftigen Bundesregierung, die nun grenzenlosen Nachtflugbetrieb gesetzlich ermöglichen will.“ Nach Seehofers Einlenken erwarten die Anlieger des Münchner Flughafens jetzt eine faire Abwägung öffentlicher Interessen im laufenden Planungsverfahren. Geiß fordert deshalb auch eine objektive Bewertung des Frankfurter Projekts durch die hessische Landesregierung: „Massive Defizite bei Lebensqualität, Wohlstand, Klima- und Umweltschutz wurden einer dubiosen, völlig veralteten Bedarfsprognose untergeordnet, die nun der Flughafenbetreiber Fraport selbst widerlegt hat. Würde Fraport sonst aufs neue Terminal verzichten und so eifrig um neue Airlines buhlen?“ Sogar die einst verschmähten Billigflieger seien willkommen, um die künftigen Überkapazitäten einer vierten Piste auszuschöpfen.
Auch für Frankfurt müsse ein neutrales Gutachten erstellt werden: „Dürfen wegen einer uralten Prophezeiung ganze Städte zum Siedlungsbeschränkungsgebiet degradiert werden?“ Der VCD verlangt eine bundesweit einheitliche, objektive Verkehrsplanung. Geiß: “Es kann doch nicht sein, dass in Bayern öffentliche Interessen respektiert, in Hessen aber Flughäfen nach Gutsherrenart geplant werden. Der Landebahnbau muss ruhen, bis eine neutrale und realistische Bedarfsprognose vorliegt.“
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