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20 Jahre Grenzöffnung: Hessens Schienenverkehr wartet noch auf deutsche Einheit

(KASSEL, 5. NOVEMBER 2009)

Auch zwanzig Jahre nach der Grenzöffnung sind die Ost-West-Schienenstrecken in Hessen nicht auf zeitgemäßem Stand. Dies kritisiert der VCD Hessen. „Nach wie vor kann man die Landesgrenze zwischen Thüringen und Hessen nur auf der alten Transitstrecke Bebra–Eisenach im Personenzug queren“, so die Bilanz von Martin Mützel, Landesgeschäftsführer des Umwelt- und Verbraucherverbandes. Darüber hinaus profitiere Nordhessen von der Wiedereröffnung der Bahnstrecke Halle–Nordhausen–Kassel, die allerdings von Thüringen über Niedersachsen nach Hessen führt.

Ein weiteres Problem sieht der VCD darin, dass auch diese beiden Verbindungen keinen gut ausgebauten Zulauf in Hessen haben. So wird die ansonsten durchgehend zweigleisige Bahn aus Richtung Halle eingleisig in den hessischen Bahnhof Eichenberg eingeführt. Auch auf der „Mitte-Deutschland-Bahn“ von Sachsen über Erfurt und Kassel in das Ruhrgebiet warte der hessische Abschnitt seit zwei Jahrzehnten auf den Ausbau. Mützel: „Ab 2015 kann man von Leipzig nach Erfurt mit Tempo 300 fahren, von dort nach Bebra immerhin noch 160, kurvt dann mit 60 durch Guntershausen und mit 70 durch Hümme, um in Nordrhein-Westfalen wieder auf Tempo 200 zu kommen.“ Der südliche Anschluss von Bebra über Fulda nach Frankfurt ist schneller, galt aber bereits vor der Wiedervereinigung als überlastet. Der VCD fordert, die stockenden Planungen für einen Ausbau zumindest zwischen Hanau und Fulda wieder aufzunehmen.

Der VCD weist darauf hin, dass mehrmals täglich Linienflüge von Erfurt nach Düsseldorf und von Leipzig nach Frankfurt angeboten werden. VCD-Luftverkehrsexperte Werner Geiß: „Das unzulängliche Schienennetz bietet keine attraktive Alternative zu den Inlandsflügen, die auf anderen Relationen schon eingestellt werden konnten. Enorme Fehlinvestitionen in Schnellstraßen und Flughäfen zu Lasten der Schienenwege haben dazu geführt, dass das Transitland Hessen die Klimaschutzziele von Bundesregierung und EU kaum wird erreichen können."

1945 bis 1962 wurden die meisten Verkehrswege, darunter acht Bahnstrecken, an der hessischen Ostgrenze unterbrochen. Sämtliche Fernstraßen wurden zwischenzeitlich wiederhergestellt, mit der geplanten A 44 und der B 87n kämen zwei neue hinzu. „Mit dem ersten Abschnitt der A 44 wurde zudem die Trasse der alten Bahnstrecke Mühlhausen–Eschwege–Kassel verbaut“, kritisiert Mützel.


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