Lärm treibt die Menschen aus den Städten...
![]() |
»Mehr Ruhe bitte!« - Das ist die Forderung des Verkehrsclubs Deutschland (VCD) zur Diskussion um das Fluglärmgesetz und die EU-Umgebungslärmrichtlinie.
Verkehrslärm macht krank und verringert die Wohn- und Lebensqualität in den hessischen Städten und Gemeinden. Verkehrslawinen von 35.000 bis 40.000 Fahrzeugen am Tag sind in Kassel auf der Ihringshäuser Straße oder in Frankfurt auf der Hanauer Landstraße keine Seltenheit, sondern die Regel. Die Gemeinde Elz bei Limburg steht dem Verkehr und seinen Umweltauswirkungen hilflos gegenüber. Eine Durchgangsstraße mit 18.000 Fahrzeugen am Tag zerschneidet den Ortskern, die Menschen am Rand der Gemeinde werden bei ungünstigen Großwetterlagen von der A3 wie auch von der ICE-Trasse Frankfurt-Köln beschallt. Über dem Bieberer Berg, dem Stadion der Offenbacher Kickers kann man im Minuten-Takt die Flugzeuge Richtung Frankfurter Flughafen einfliegen sehen und hören.
Und der Verkehr zu Lande und in der Luft soll noch weiter zunehmen, EU-Osterweiterung, Flughafenausbau Rhein-Main oder die Pläne zum Ausbau von Kassel-Calden lassen grüßen und wenig Gutes für den Schutz der Ruhe erahnen. Lärmminderung und Verkehrsberuhigung im klassischen Sinn sind für viele Politiker unattraktiv: »Wir haben kein Geld für solche Maßnahmen«, ist die gängige Aussage. Alle wissen um das Problem, doch (fast) alle drücken sich auch davor. Eine Tempo-30-Forderung hat schließlich schon die SPD in Kassel vor mehr als 10 Jahren die Mehrheit gekostet.
Viele Kommunen wie Darmstadt oder Offenbach fühlen sich darüber hinaus bei der Flughafenausbaudiskussion in ihrer Planungshoheit und ihrem Mitbestimmungsrecht stark beschränkt. Beim anstehenden Planfeststellungsverfahren wird die kommunale und bürgerliche Mitbestimmung sicherlich wieder eine große Rolle spielen. Der VCD Hessen fordert, basierend auf eigenen Recherchen im Rahmen seines Projektes »Für mehr Ruhe in der Stadt - Kommunale Verkehrslärmbekämpfung und -vorsorge in Hessen« die Landesregierung, die Kommunen und andere Baulastträger auf, den Lärmschutz an bestehenden Trassen deutlich verbessern. Die Kommunen haben seit 1990 die gesetzliche Pflicht, durch kommunale Planungen für mehr Ruhe durch angemessene Maßnahmen zu sorgen. Dieser Pflicht sind bis auf wenige Städte wie Wiesbaden oder Weiterstadt noch kaum Kommunen nachgekommen. Frankfurt und Darmstadt folgen nun endlich. In Frankfurt gibt es eine intensive Bürgerbeteiligung, die zum Nachmachen durch andere Kommunen anregt. Denn die Menschen vor Ort kennen die Lärmprobleme am besten. In Kassel oder Marburg wird die Existenz von Straßenverkehrslärm dagegen von der Politik fast schlichtweg ignoriert. Verkehrsberuhigung muss wieder als Qualitätsziel in die Stadtentwicklung Einzug halten. Die Brundtlandstadt Viernheim ist hier ein Vorbild. Ruhebeauftragte können am Beispiel von Hattersheim gut zu sehen, kommunale Experten und Ansprechpartner für Bürgerinnen und Bürger sein. Bei einem Schwerlastverkehrsaufkommen von 3 000 bis 4 000 Fahrzeugen pro Tag und Nacht an Ortsdurchfahrten wie Helsa und Kaufungen in Nordhessen muss über Nachtfahrverbote nachgedacht werden, um den Schlaf der Menschen zu schützen.
Die Landesregierung hat mit dem »Lärmpakt Hessen« eine hohe Messlatte gelegt, die sie in sechs Jahren erfüllt haben will. Sie muss im Rahmen dieses Paktes die Industrie auffordern, die technische Lärmminderung an den Fahrzeugen und Reifen weiter zu forcieren. Leider will die Landesregierung nicht den Fluglärm in den Lärmpakt integrieren, da es ihr offensichtlich ein zu heißes Eisen ist. Trotzdem ist die Landesregierung aufgefordert, offensiv die Interessen des Ruheschutzes im Rahmen der Novellierung des Fluglärmgesetzes sowie der Umsetzung der EU-Umgebungslärmrichtlinie zu vertreten. Ruheschutz bedeutet mehr Wohn- und Lebensqualität in den Städten und Gemeinden.
Der VCD Hessen ist sich sicher, dass ein aktiver Schutz vor Lärm, auch durch Förderung des Umweltverbundes, einen Beitrag dazu leisten kann, die Abwanderung ins Stadtumland zu verringern und Städte und Gemeinden zu revitalisieren. Und mehr Menschen in der Stadt bedeuten schließlich mehr Steuern für die Kommune.
Also: Mehr Ruhe bitte!
Informationen zum Tag gegen Lärm finden Sie auch beim VCD-Bundesverband.


