Mobilität und Lebensstile
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Lebensqualität, Beschäftigungseffekt und Klimafaktor - Zum Vergrößern anklicken! |
Ein Essay von Werner Geiß
Seit es Höhlenmalereien gibt, suchte der Mensch seine Selbstbestätigung in höheren Werten jenseits zweckgebundener Aktivitäten und Gegenstände, die nur das Überleben sichern. Ob Literatur, Theater, Konzert oder bildende Kunst, die Liebe zur Kultur war jene spezifische Eigenschaft, die den Menschen von allen anderen Spezies unterschieden hat. Die industrielle Massenproduktion im Verein mit Massenmedien hat diese Entwicklung nun unterbrochen. Jetzt sind es banale Gebrauchsgegenstände und Tätigkeiten, die zur Glückseligkeit gereichen sollen. Zumal die Mobilität, einst nur notwendiges Übel zum Zwecke des Daseins, dient heute der Selbstbestätigung. Das Auto, dessen Größe und Leistungsfähigkeit, der rasante Fahrstil, die möglichst weite Flugreise zum Badestrand sollen uns heute zufrieden stellen.
Das gelingt aber immer weniger, weil die Massenprodukte dem menschlichen Wunsch nach Individualität zuwiderlaufen. So hilft es uns kaum, wenn wir deshalb immer weiter fliegen, noch teurere Autos kaufen. Denn der Nachbar bemerkt beiläufig, dass er auch schon in Neuseeland war, als er uns seinen neuen Mercedes vorführt.
So opfern wir immer mehr unserer Ersparnisse für Produkte, die mit immer weniger Personaleinsatz immer größere Gewinne anwerfen. Bereitwillig finanzieren wir Arbeitslosigkeit, Großkonzerne und Heuschrecken, jene üblen Begleiterscheinungen der Globalisierung.
Während in der S-Bahn die Leserin eines Romans (9,95 Euro) so gefesselt ist, dass sie fast das Aussteigen vergisst, schimpft der Besitzer eines Sportwagens (60.000,- Euro) nur über die Staus und all die Idioten, die immer die linke Spur blockieren. Obwohl die Premiere (Eintritt 50 Euro) ein Reinfall war, drängen stets nur glückliche Menschen aus dem Theater in die nächste Kneipe, während der Bericht über die Pauschalflugreise (1.200 Euro pro Kopf) sich in Klagen über die Baustelle neben dem Hotel und den dreckigen Strand erschöpft.
Physische Mobilität macht nicht glücklich, geistige sehr wohl. Kultur schafft viele Arbeitsplätze, denn sie kann nun mal nicht am Fließband hergestellt werden. Kultur ist klimaneutral, denn sie wird nicht mit Superbenzin, sondern mit Hirnschmalz produziert.
Klar: der Wille des Menschen ist fremdbestimmt. Permanente Werbebotschaften steuern sein Konsumverhalten. Aber ist er deshalb für die Kultur verloren? Für immer dem Geschwindigkeitsrausch erlegen? Ebenso leicht sollte es doch gelingen, positive Gewohnheiten zu vermitteln. Intellektuelle, Kulturschaffende und Umweltschützer sollten schon aufgrund ihrer geistigen Überlegenheit ebenso überzeugen können wie BMW, TUI und RTL.
Wir brauchen eine interdisziplinäre Initiative: Gegen Klimawandel, Verblödung und globale Konzerne. Für Lebensfreude, Vollbeschäftigung und gesunde Luft. All das hat sich der VCD auf die Fahnen geschrieben. Liebe Bildungsbürger, Umweltschützer, Pädagogen, Schriftsteller, Architekten, Musiker, Künstler..., liebes Volk der Dichter und Denker. Machen Sie mit. Bewahren wir gemeinsam die Umwelt, die Lebensqualität, Ihren interessanten Job und uns alle vor gierigen Heuschrecken und Großkonzernen.




