Offener Brief
An die Fraktionen im Rat der Stadt Hildesheim
An die Stadtverwaltung Hildesheim
Kopie an die Hildesheimer Allgemeine Zeitung [abgedruckt am 18. März 2006]
14.03.2006
Klare Lösung für Fußgängerüberweg am Almstor: Tunnel schließen – Händlern Alternativen anbieten
Sehr geehrte Damen und Herren,
im November 2005 hat der Rat unserer Stadt beschlossen, am Almstor einen ebenerdigen Überweg über die B1 zu bauen. Dieser Beschluss ist zu begrüßen, denn die meisten Fußgänger möchten nicht in den Untergrund verbannt werden, und Tunnel sind immer auch Angst-Räume, vor allem für Frauen und vor allem abends oder am Wochenende. Viele Großstädte sind in den letzten Jahren bereits erfolgreich den Weg gegangen, Fußgängertunnel zu schließen und durch oberirdische Überwege zu ersetzen. Durch einen Überweg am Almstor wird die Attraktivität der Innenstadt für Fußgänger zunehmen, die Bernwardstraße wird besser mit der Almsstraße verbunden, und das Almstor kann gestalterisch aufgewertet werden. Gut und richtig ist, dass der Rat gleichzeitig beschlossen hat, den Ampelüberweg Osterstraße beizubehalten, denn die Osterstraße ist eine der wichtigsten Fahrradverbindungen durch die Innenstadt und zum Bahnhof.
Mit gewisser Sorge beobachtet der VCD, dass der Ratsbeschluss nach einem Viertel Jahr in der öffentlichen Diskussion schon wieder in Frage gestellt wird. Es zeigt sich nun, dass die Entscheidung, zusätzlich zum neuen oberirdischen Überweg den Tunnel weiterhin beizubehalten – wenn auch ohne Rolltreppen – zu halbherzig war. Sobald eine oberirdische Querung vorhanden ist, werden vermutlich die meisten Fußgänger diese vorziehen und der Tunnel wird nur noch schwach frequentiert. Es liegt auf der Hand, dass die Händler im Tunnel sofort ab Eröffnung des oberirdischen Überwegs erhebliche Umsatzeinbußen erleiden werden, und es ist verständlich, dass sie sich dagegen wehren. Doch dies wird nicht das einzige Problem bleiben: Wenn weniger Personen den Tunnel benutzen, nimmt dort unten die soziale Kontrolle ab, und es sind verstärkt Probleme mit der Sicherheit und Sauberkeit (Vandalismus) vorhersehbar.
Der sich jetzt abzeichnende Ärger und langwierige, unerfreuliche, überflüssige (für Hildesheim typische?) Auseinandersetzungen könnten nach Auffassung des VCD vermieden werden, wenn der Tunnel sofort nach Eröffnung des oberirdischen Überwegs geschlossen würde. Den Tunnel-Geschäften muss die Stadt bei der Suche nach geeigneten und bezahlbaren Alternativen helfen, um Härten zu vermeiden.
Wir möchten Stadtverwaltung und Rat ermutigen, zu Ihrem Beschluss für einen oberirdischen Überweg zu stehen und die Konflikte entsprechend unserem Vorschlag auszuräumen. Keinesfalls sollte man zu viel Zeit zwischen Eröffnung des Überwegs und Schließung des Tunnels verstreichen lassen.
Mit freundlichen Grüßen
für den Vorstand des Verkehrsclubs Deutschland - Kreisverband Hildesheim e.V.
Doris Schupp

