Neue Fahrpläne: VCD kritisiert Sunderns Bus-Schiene-Verknüpfung
Eigentlich hatte sich der Kreisverband des Verkehrsclub Deutschland (VCD) e. V. schon auf die Fahrplanwechsel von Bussen (im September) und Bahn (Mitte Dezember) gefreut, denn es gibt Verbesserungen zu vermelden, die auf Vorschläge des VCD zurückgehen: So wurde die Umstiegszeit vom ersten morgendlichen Bus Zug am Bahnhof Neheim-Hüsten erheblich verkürzt und von Langscheid fährt ein zusätzlicher Bus zum Bahnhof Arnsberg. Inzwischen jedoch sieht man sich gezwungen, auch Kritik zu äußern.
Grund: Seit einigen Tagen stehen die neuen Fahrzeiten der Züge auf der Oberen Ruhrtalbahn fest, darunter auch die zukünftig stündlich verkehrenden Express-Züge nach Dortmund.
„Diese deutliche Angebotsverbesserung sollte für die Sunderner Bevölkerung durch den neuen Schnellbus (S 20) erschlossen werden, der immerhin die Fahrzeit von Sundern nach Neheim-Hüsten auf ca. eine halbe Stunde verkürzt“, so Roland Quentmeier vom Kreisverband des VCD.
Insgesamt hätte diese Kombination einen wirklichen Anreiz bieten können, das Oberzentrum Dortmund nicht mit dem PKW sondern mit dem Öffentlichen Personennahverkehr anzusteuern.
„Beim Studium der jetzt veröffentlichten Fahrplantabellen kann man sich nur erstaunt die Augen reiben. Als ich die eingeplanten Umstiegszeiten am Neheimer Bahnhof verglich, stellte ich fest, dass man ab Mitte Dezember nur 3 Minuten hat man Zeit, vom Bus in die Bahn zu wechseln, auf der Rückfahrt von Dortmund bleibt sogar nur eine Minute Zeit! - Das reicht noch nicht einmal, um den Bahnhofsvorplatz in normalem Tempo zu überqueren. Hat die Bahn auch nur geringe Verspätung (wie es in Stoßzeiten regelmäßig zu erwarten ist), so ist der Schnellbus weg. Eine halbe Stunde Warten auf den Stadtbus C2 ist dann nötig! - Jeder der es sich erlauben kann, wird also weiterhin lieber mit dem PKW nach Neheim pendeln und erst dort in den Zug wechseln“, so die Einschätzung von Quentmeier. „Alle anderen sind gekniffen“ !
Den Werbeslogan für den Schnellbus „Wer fährt denn da noch Auto...“ bleibt für Reisende in Richtung Dortmund leider keine rhetorische Frage, sondern muss zu der Aussage „...alle, die in Neheim den Zug bekommen wollen“ ergänzt werden.
Völlig unverständlich ist, wie es zu dieser Situation kommen konnte, denn das Thema „Bus-Schiene-Verknüpfung“ wurde vom VCD auch bereits im Arnsberger Fahrgastbeirat thematisiert, da sich schon seit längerem die Umstiegszeit auf die Linie 331 in Stoßzeiten als zu knapp erwies.
„Angesichts der Tatsache, dass das Röhrtal langsam aber sicher im Verkehr erstickt, kann es nicht hingenommen werden, dass diese Planung bis zum nächsten regulären Fahrplanwechsel Bestand hat. Der Nahverkehrsplan des Hochsauerlandkreises gibt als übergeordnetes Ziel ganz klar vor, dass das Busnetz auf die Schienenverbindungen auszurichten ist! Dafür ist ausdrücklich eine Zeit von 6 - 11 Minuten vorzusehen. - Hier ist man somit über das Ziel der Optimierung hinausgeschossen“, so die Ansicht des VCD.
Immerhin gibt es aber einen Tipp für Reisende aus den Richtungen Hagen bzw. Kassel: „Wer in die Ortsteile Hachen, Langscheid, Hövel oder Sundern gelangen möchte, sollte lieber am Arnsberger Bahnhof aussteigen, denn dort erhält man stündlich mit ausreichender Umstiegszeit einen Busanschluss, während in Neheim die auch in diesem Fall vorgesehenen 2 Minuten viel zu knapp bemessen sind.“
Faktisch verloren gegangen ist für die Stadt Sundern und das Alte Testament auch die Möglichkeit, zweistündlich die Anschlusszüge der Oberen Ruhrtalbahn in Freienohl zu erreichen. Seit dem Fahrplanwechsel verkehren lediglich nur noch drei Busse am Tag im Schülerverkehr. „Ob eine reine Schülerverkehrslinie überhaupt noch in die Kategorie „zeitweilige Bedienung“ des Nahverkehrsplanes des HSK gehört, ist doch zumindest fraglich, denn schließlich verkehrt hier in den insgesamt 3 Ferienmonaten kein einziger Bus“, resümiert Quentmeier.
Insgesamt bezweifelt der VCD gar nicht das Bemühen der Busgesellschaften, vernünftige Anschlüsse hinzubekommen. Man wisse sehr genau, dass auch noch andere Zwänge, wie z. B. die Verknüpfung der Buslinien untereinander oder eine zu späte Übersendung der Fahrplandaten durch die DB AG, eine wichtige Rolle spielten.
Das ständige „Hinterherhinken“ Sunderns im ÖPNV sei jedoch auch auf die fehlende Bahnanbindung zurückzuführen, denn dann könnte der Sunderner Bahnhof endlich zu einem zentralen Busbahnhof umgestaltet werden, wo sich die Linien des Stadtgebietes treffen. Das Problem, dass Linien sowohl Regionalverkehrs- und als auch Stadtverkehrsfunktion erfüllen müssen, wie es derzeit im Röhrtal der Fall ist, könnte dadurch endlich gelöst werden.
11. November 2002
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