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Neues aus Köln Nippes: Planungen für die fahrradfreundliche Umgestaltung der Neusser und Kempener Straße

Seit Ende letzten Jahres liegen die von der Stadt in Auftrag gegebenen Umbaupläne für Teile der Neusser und der Kempener Straße vor. Ampeln sollen abgebaut werden, Fußgänger, Fahrradfahrer  und Bäume mehr Platz erhalten. Dazu nimmt der Arbeitskreis „Fahrradfreundliches Nippes“ jetzt Stellung. Bei dem Arbeitskreis handelt es sich um einen Zusammenschluss von aktiven Fahrradfahrern und Fußgängern, die zumeist Mitglieder des ADFC oder des VCD (Verkehrsclub Deutschland) sind.

Fahrradabstellanlagen: Mangelware

Die Anzahl der geplanten Fahrradständer an den U-Bahn-Haltestellen Florastraße und Lohsestraße hält der Arbeitskreis für viel zu niedrig. Es besteht ein hoher Bike&Ride Bedarf mit noch erheblichem Wachstumspotential, welches vom Arbeitskreis auf das 2,5- bis 4-fache des bisherigen Angebots geschätzt wird. Das größte Defizit herrscht zurzeit im Bereich der Brauereigaststätte „Em golde Kappes“ – hier stellen derzeit viele Schüler und Berufspendler ihre Räder gezwungenermaßen ungeordnet ab, bzw.sie werden an der Nutzung von Bike&Ride gehindert.

Der Arbeitskreis moniert jedoch nicht nur die geplante Anzahl der Abstellanlagen, sondern auch deren Qualität: Zurzeit existiert nur eine einzige überdachte Abstellanlage am Eingang Lohsestraße, und das soll laut Plan leider auch so bleiben. Auch sollten abschließbare Fahrradboxen für eine gesicherte Unterstellung von zukünftig verstärkt auftretenden E-Bikes nicht vergessen werden.

Für die Kreuzung Innere Kanalstraße – Neusser Straße regt der Arbeitskreis in Fahrtrichtung Nippes einen besseren „Einstieg“ in den vorhandenen Radweg an.

Radstreifen statt Schutzstreifen

Möglichst mit Radpiktogrammen gekennzeichnete Radstreifen (das sind die mit einer durchgehenden breiten Linie) - anstelle der heutigen  Schutzstreifen (das sind die mit einer unterbrochenen schmalen Linie) wünschen sich die Mitglieder des Arbeitskreises. Leider sind auch die Radverkehrsanlagen in der Regel nur in den Mindestmaßen ausgeführt – hier sollte  möglichst das Standardmaß verwandt werden. Auch sollte auf zu starke Verschwenkungen bei den Übergängen der baulichen Radwege zur  Fahrbahnführung verzichtet werden.

Der Arbeitskreis weist darauf hin, dass laut Planung die die derzeitige Konfliktsituation am U-Bahn Aufgang Lohsestraße (Ostseite – gegenüber Tankstelle) sowie am Glascontainer bestehen bleibt. Diese könnte jedoch im Rahmen des Umbaus sicherlich leicht aufgelöst werden.

Im Plan nicht vorgesehen ist das Linksabbiegen von stadtauswärts fahrenden Radfahrern in die Lohsestraße, so wie es für die Autofahrer möglich ist.

Kritik auch aus Sicht der Fußgänger

In der Kritik steht die geplante Änderung an der Kreuzung vor dem Kaufhof: Aufgrund der nicht mehr eingeplanten Ampeln funktioniert dann das gefahrlose diagonale Überqueren der gesamten Kreuzung für Fußgänger nicht mehr. Auch bieten geplante, verbreiterte Gehwege an manchen Stellen wie beispielsweise vor dem dm-Drogeriemarkt immer noch nicht Platz genug für Fußgänger. Um mehr Raum zu erhalten, müssten einige Parkplätze wegfallen – so die Forderung des Arbeitskreises.

Lob gibt es hingegen für den Bereich Neusser Straße/Florastraße. Hier ist durch die besondere Straßengestaltung eine Art Platz mit vielfältigen Querungsmöglichkeiten für Fußgänger gelungen. Der Straßenbelag signalisiert den Auto- und Radfahrern deutlich, dass hier die Fußgänger Vorrang haben. Eine ähnliche Lösung hätte man sich auch in Höhe des Bio-Supermarktes gewünscht: Hier fehlt eindeutig eine Querungshilfe über die Neusser Straße.

Warum keine Fußgängerzone?

Der Arbeitskreis schlägt noch eine ganz neue Variante der Straßenumgestaltung vor: Der viel genutzte Einkaufsbereich könnte in eine Fußgängerzone umgewandelt werden, so, wie es schon viele Städte mit stark befahrenen Hauptverkehrsstraßen gemacht haben. Und das in der Regel zum Wohle der anliegenden Geschäfte. Die Mitglieder des Arbeitskreises sind sich sicher: Die Neusser Straße als Flaniermeile mit hohem Aufenthaltscharakter, das wäre doch etwas. Und dass eine Sperrung der Straße funktioniert, zeigt doch das alljährlich stattfindende Straßenfest.

Kempener Straße – querende Radverkehrsverbindungen berücksichtigen

Bei der Neuplanung der Kempener Straße fordert der Arbeitskreis, beim Knotenpunkt Kempener Straße – Wartburgstraße – Thüringer Straße alle betroffenen Einbahnstraßen für den Radverkehr zu öffnen. Gerade die Einbahnstraßen, welche in Ost-West-Richtung verlaufen, stellen eine wichtige Wegebeziehung zwischen Neusser Straße und den neuen Siedlungen im Nippeser Westen dar.

Die Mitglieder des Arbeitskreises bedauern, dass die Mittelallee zwischen Gocher Straße und Merheimer Straße nach wie vor für PKW-Stellplätze genutzt werden soll. Dadurch büßt die Straße viel an Aufenthaltsqualität ein. Der Arbeitskreis empfiehlt den Planern, mal die Weissenburgstraße im Agnesviertel zu besuchen. Da ist die Mittelallee für Fahrräder und Fußgänger nutzbar. Und an lauen  Sommerabenden kann man dort sogar Boule spielen.

Kein großer Wurf – zu wenig Mut und zu wenig Vision

Ein Schritt in die richtige Richtung, doch im Detail sind noch Verbesserungen notwendig – so lautet das Fazit des Arbeitskreises zu den Plänen der Umgestaltung von Neusser Straße und Kempener Straße. Und für den großen Wurf, nämlich die Neusser Straße in eine Fußgängerzone umzuwandeln, da fehlte den Planern wohl der Mut und die Vision.

 

Hans-Georg Kleinmann für den AK Rad des VCD Köln

21.02.2011

 

 

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