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Mitgliederrundbrief 2008

Das hat uns besonders gefreut: Im Frühjahr 2007 war die Landesmitgliederversammlung des VCD zu Gast in Marburg. Weniger gefreut haben uns dagegen die in diesem Jahr gemachten Planungsfortschritte bei der Autobahn A 49, die wir weiterhin ablehnen. Wie jedes Jahr gibt der VCD-Vorstand hiermit einen Überblick über die gelungenen und weniger gelungenen verkehrspolitischen Ereignisse 2007 und seine Einmischung:

 

Vorstandswahl

Die Jahreshauptversammlung am 16. März 2007 bestätigte die bisherigen Vorstandsmitglieder im Amt. Vorsitzender ist weiterhin Gerhard Kaminski. Andrea Tobelander wurde erneut zur stellvertretenden Vorsitzenden gewählt. Klaus-Peter Kronemann betreut wieder als Schatzmeister unsere Finanzen und wird dabei unterstützt von seinem Stellvertreter Jochen Rodewald. Als Beisitzer gehören dem Vorstand weiterhin an: Sandra Laaz, Inge Vey und Heinz-Christian Kaletsch.

Landesmitgliederversammlung

Gleich am nächsten Tag, dem 17. März 2007, führte der Landesverband seine Jahresmitgliederversammlung in Marburg durch. Dabei hatte Günter Murr vom Landesvorstand für die rund 25 Teilnehmerinnen und Teilnehmer die erfreuliche Nachricht, dass die Mitgliederzahl des VCD Hessen in den vorhergehenden Monaten leicht angestiegen sei. Wichtige inhaltliche Schwerpunkte setzte er bei der Ablehnung des Ausbaus des Frankfurter Flughafens durch den VCD und bei der Weiterentwicklung des Hochgeschwindigkeitsverkehrs auf der Schiene als Alternative zum Flugverkehr. Mit einem kurzen Grußwort erläuterte Dr. Karsten McGovern, Erster Kreisbeigeordneter des Lankreises MarBid, der Versammlung in der Marburger Jugendherberge die durch die Kürzungen der Regionalisierungsmittel des Bundes entstandene Situation für den regionalen ÖPNV. Bisher sei es im Bereich des Rhein-Main-Verkehrsverbunds (RMV) gelungen, die Situation zu meistern, ohne größere Einschnitte in den Fahrplan oder gar Streckenstilllegungen auszukommen. Mit dem „Mittelhessen-Express“ habe der RMV sogar ein neues Produkt eingeführt, das den Nahverkehr attraktiver mache.

In dieses Lob auf die zusätzlichen Regionalzüge stimmte auch Gerhard Kaminski ein. Er erläuterte der Versammlung die Überlegungen des KV MarBid, den Mittelhessen-Express weiterzuentwickeln zu einem modernen und attraktiven Verkehrsmittel, das das Umland mit den Stadtzentren von Gießen, Marburg und Wetzlar direkt verbindet. Eine solche Regiotram, wie sie in Saarbrücken, Karlsruhe und Kassel bereits erfolgreich betrieben wird, solle auf ihre Machbarkeit hin geprüft werden. Ein Konzept dazu werde der KV in Form einer Broschüre zusammen mit den Nachbar-Kreisverbänden erstellen.

 

Fahrradtour zu Fronleichnam

Auch in diesem Jahr haben wir zu Fronleichnam eine Fahrradtour „für die ganze Familie“ angeboten. Sie führte dieses Mal vom Bahnhof Kirchhain nach Neustadt. Dort konnten wir den Teilnehmerinnen und Teilnehmern mit Unterstützung der Stadt Neustadt eine Besichtigung des Junker-Hansen-Turms mit fachkundigen Erläuterungen zu den historischen Zusammenhängen anbieten. Seit wenigen Jahren hat die Kommune im Turm eine Ausstellung eingerichtet, welche seine baugeschichtliche Bedeutung (größter Fachwerkrundbau Europas) verdeutlicht und einen kurzen Überblick zur Stadtgeschichte gibt. Die Radtour, die Verschnauf­pause im Gemeinschaftszentrum, wo es Gelegenheit zu einem Imbiss gab, und die anschließende Turmbesichtigung haben die Teilnehmenden als gelungenen Familienausflug erlebt.

Fahrgastbeirat nimmt Arbeit auf

Am 25. April ist der Fahrgastbeirat für den Landkreis Marburg-Biedenkopf zu seiner ersten Sitzung zusammengetroffen. Nach Grußworten des Oberbürgermeisters der Stadt Marburg, Egon Vaupel, und des Ersten Kreisbeigeordneten des Landkreises, Karsten McGovern, informierte der Sprecher des Fahrgastverbandes des Kreises Gießen die Versammlung über dessen Arbeit. Nach der Diskussion einiger Aspekte des regionalen Nahverkehrs beschloss man, eine Geschäftsordnung auszuarbeiten und wählte zwei Sprecher: Michael Herbst aus Marburg und Michael Marinc aus Biedenkopf. Die Geschäftsordnung ist mittlerweile verabschiedet und der Beirat in die inhaltliche Arbeit eingestiegen.

Da der VCD mit einem Mitglied vertreten ist, geben wir Kritik und Anregungen zur Organisation des ÖPNV im Landkreis Marburg-Biedenkopf, die an uns herangetragen werden, gern in diese Runde und versuchen dort, Verbesserungen anzuregen.

Aktionstag: "In die Stadt - ohne Auto!"

Im September führte der Magistrat der Stadt Marburg erneut den Aktionstag: „In die Stadt – ohne mein Auto!“ durch. Wie im letzten Jahr wurden einen Sonntag lang Straßenabschnitte zwischen der Uferstraße und der Biegenstraße für den Autoverkehr gesperrt. Aktivitäten im Sinne eines Kinderfests fanden am Elisabeth-Blochmann-Platz statt. Darüber hinaus gab es zahlreiche Aktivitäten an und auf der Lahn. Auch das Gelände am Cineplex-Kino war wieder einbezogen, was eine gute Verbindung zwischen den Aktivitäten am Blochmann-Platz und der Biegenstraße schaffte.

Der VCD war – wie in den Jahren zuvor – mit einem Infostand beteiligt. Einen inhaltlichen Schwerpunkt hatten wir diesmal auf den Verbrauch an Energie und Rohstoffen gelegt, den der Autoverkehr verursacht. Mit einer Frage dazu beteiligten wir uns auch an dem Wettbewerb/Fragenkatalog, den die Stadtverwaltung den Teilnehmenden am Aktionstag wieder anbot. Das haben wir auch dieses Jahr wieder sehr positiv aufgenommen. Das hat Interesse geweckt, Kontakte gefördert und Spaß gemacht.

Andererseits hat sich an dem Trend zur „Entpolitisierung“ des Aktionstags aus unserer Sicht nichts geändert. Wir hatten den Magistrat im Vorfeld angeschrieben und angeregt aus dem Aktionstag einen „autofreien Sonntag“ zu machen. Ausgehend von den Anfang des Jahres vom Weltklimarat (IPCC) veröffentlichten Gutachten zum bedrohlichen Voranschreiten des Klimawandels, hatten wir der Stadt nahegelegt, stärker als bisher auf den Autoverkehr als eine Ursache für die Klimaveränderungen hinzuweisen. Dies lehnte Bürgermeister Dr. Franz Kahle jedoch mit Hinweis auf die bereits erfolgten Aktivitäten der Stadt ab.

 Da wir im Unterschied zu dieser Auffassung nicht meinen, dass schon genug getan wird, um dem Klimawandel zu begegnen, sollte auch der Aktionstag in diesem Sinn genutzt werden. Es ist dringender denn je nötig, sich wieder auf seine ursprüngliche Idee zu besinnen und die Attraktivität des Umweltverbunds im Verkehr gegenüber dem motorisierten Individualverkehr herauszustellen. Bus statt Auto bedeutet in der Summe für eine Stadt auch weniger Emissionen, sowohl an Treibhausgasen, aber auch an Feinstaub und – nicht zuletzt – an Lärm. Ob wir diese politischen Inhalte weiterhin auch im Rahmen des Aktionstags vertreten wollen oder ob wir diesen – wie der ADFC – nicht mehr als „reformierbar“ ansehen, das wird eine der wichtigen Fragen sein, die der nächste VCD-Vorstand zu klären haben wird.

Keine A 49!

Die Landesregierung hat ihre Pläne für den Bau der A 49 auf der Variante der „Herrenwaldtrasse“ weiter vorangetrieben. Für den nördlichen Bauabschnitt Bischhausen – Treysa hat Verkehrsminister Alois Rhiel bereits den Planfeststellungsbeschluss erlassen, der die rechtliche Grundlage schafft, damit tatsächlich mit dem Bau begonnen werden kann. Wegen der zahlreichen Mängel des Beschlusses hat sich der Landesverband des BUND entschlossen, dagegen Klage einzureichen. Er wie die privaten Kläger werden weiterhin von den Bürgerinitiativen in der Region, in denen auch der VCD mitarbeitet, unterstützt. Da die rechtlichen Auseinandersetzungen viel Geld kosten, bitten wir unsere Mitglieder erneut um eine Spende oder eine andere Form der finanziellen Unterstützung. Ein entsprechender Spendenaufruf, der auch den aktuellen Stand der Diskussion in den Bürgerinitiativen wiedergibt, ist dem Rundbrief beigefügt.

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