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Radverkehr auf Rügen

Wanderer wichtiger als Radler

Rügener Wanderwegenetz: Fachbeirat warnt davor, Wanderwege zu versiegeln und schlägt „Solidarpakt“ zwischen Ost- und Westrügen vor

 

Nachdem die Insel Rügen im vergangene Jahr ein Integriertes Verkehrskonzept erhielt (www.landkreis-ruegen.de), welches die Möglichkeit eines entgeltlosen ÖPNV für die hochbelastete Region im Südosten der Insel prüfen möchte, geht man nun daran, das Konzept für ein Rad-, Reit- und Wanderwegenetz zu erstellen.


Natürliche Fortbewegungsarten, insbesondere der “Klassiker” Wandern, erleben eine Renaissance. So ergab eine jüngste Zielgruppenanalyse, dass Urlauber in erster Linie der einmaligen Natur wegen nach Rügen kommen. Wichtigste Zielgruppe nach Häufigkeit und Konsum sind dabei nicht etwa Wassersportler, sondern Wanderer gefolgt von Radfahrern. Dabei sei für die Wanderer entscheidend, dass sie – neben einem gut beschilderten Wegenetz, abwechslungsreicher Landschaft und attraktiven Aussichten – vor allem auf naturbelassenen Wegen gehen können.

Dabei jedoch würden Defizite drohen, warnte der mit der Durchführung beauftragte Fachbeirat auf seiner vergangenen Sitzung: Im touristischen Leitbild und Marketing der Insel werde Naturerlebnis und –aktivitäten, insbesondere dem Wandern, nicht die Bedeutung beigemessen, die ihnen aufgrund der Zielgruppenanalyse zukomme. Hier müsse „unbedingt eine Sensibilisierung der Entscheidungsträger erfolgen“, die „Mut zu einem klaren touristischen Profil“ beweisen müssten.

Und viele Gemeinden insbesondere solche des Amtes Mönchgut-Granitz würden noch immer den Radfahrer und nicht den Wanderer als Hauptzielgruppe ansehen, da sehr viele für den Wanderer attraktive Wege bereits befestigt wurden oder dies geplant sei. Wanderer würden aber nicht auf befestigten Wegen gehen, weiß Ingrid Lankenau vom Stralsunder Ingenieurbüro „Blau“, welches das Wegekonzept erstellt.

Im selben Maße, wie eine Gemeinde nun Wege und Landschaft versiegele, würde sie sich „eine große touristische Chance verbauen“. Gerade Rügens Biosphärenreservat bilde aufgrund der abwechslungsreichen Landschaft und der Naturvielfalt mit langen abwechslungsreichen Küstenabschnitten und herrlichen Aussichten ideale Voraussetzungen für den Wandertourismus. Zudem seien naturbelassene Wanderwege in Herstellung und Pflege kostengünstig und benötigen lediglich nachvollziehbare Markierungen. Aus diesen Gründen sprach sich der Fachbeirat jetzt dafür aus, künftig dem Wandertourismus Vorrang vor dem Radtourismus einzuräumen und auch den Ausbau der Wege mit dieser Priorisierung zu empfehlen.

Radwege fehlen insbesondere in West- und Südrügen, weil es den dortigen Gemeinden schwerer fällt, die dafür notwendigen Mittel aufzubringen. Hier empfiehlt der Fachbeirat im Interesse der Erschließung des Marktes für die ganze Insel - schließlich kehre kein Gast an einer Gemeindegrenze um - einen solidarischen Ansatz, bei dem sich auch die Gemeinden der Ostseeküste an der Finanzierung im Westen beteiligen würden.

Uwe Driest

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