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Der Flugbetrieb am Flughafen Zweibrücken geht „vorerst in vollem Umfang weiter“

Rheinpfalz 30.07.2014

Die Beantragung von Insolvenzgeld bei der Agentur für Arbeit sei in die Wege geleitet, sodass die Mitarbeiter allenfalls geringstmöglichen Zeitverzug bei der Auszahlung der Juli-Gehälter hinnehmen müssten. Dies seien Ergebnisse seiner ersten Kontakte mit Kunden und Lieferanten der Flughafen Zweibrücken GmbH sowie der Agentur für Arbeit, erklärte gestern der am Freitag bestellte vorläufige Insolvenzverwalter Jan Markus Plathner. Plathner, Rechtsanwalt bei der auf Insolvenzen und Unternehmenssanierungen spezialisierten, bundesweit tätigen Kanzlei Brinkmann & Partner, begann mit Routinearbeiten.

Namentlich mit Zustimmung der größten Kunden, Tuifly und Thomas Cook, sowie Lieferanten wie der fürs Catering der Urlaubsflieger zuständigen Firma Gate-Gourmet und dem Mineralöl-Konzern Shell sei der Betrieb gesichert. Auch mit der türkischen Pegasus, die eine Linienverbindung nach Istanbul unterhält, habe man sich verständigt. Die Formulierung "vorerst gesichert" bedeute, für die Dauer des vorläufigen Insolvenzverfahrens, drei Monate. "Damit sind wir schon im September. Wie es bis zum Ende des Sommerflugplans weitergeht, darüber werden wir uns zu gegebener Zeit mit den Fluggesellschaften unterhalten", sagte ein Sprecher des vorläufigen Insolvenzverwalters. "Der unmittelbare Kollaps ist erst einmal abgewendet. Für die Sicherung der weiteren Zukunft brauchen wir jedoch einen Investor", betonte Plathner selbst gestern. Die Suche sei aufgenommen, erste Gespräche bereits geführt. Wie berichtet, verlangt die EU-Kommission von den Flughafengesellschaften Flugplatz GmbH Aeroville Zweibrücken (FGAZ) und Flughafen Zweibrücken GmbH (FZG) die Rückzahlung von bis zu 57 Millionen Euro unzulässig gewährter Beihilfen. Für die Förderung von Personenluftverkehr in Zweibrücken gibt es angesichts der Nähe und der Kapazität des älteren Flughafens Ensheim keine Rechtfertigung in der Region, so die Meinung der EU-Kommission.

Die Forderungen übersteigen das Anlagevermögen des Flughafens Zweibrücken, weshalb die Geschäftsführung am Donnerstagvormittag Insolvenzantrag stellen musste. Bei einem Verkauf des Flughafens an ein Privatunternehmen greifen die der Brüsseler Entscheidung zugrundeliegenden, seit April geltenden neuen Luftverkehrs-Leitlinien nicht. Plathner hatte die 117 Mitarbeiter bereits am Freitag in einer ersten Versammlung über sein Vorgehen informiert. Und seine Einschätzung kundgetan, dass die Rettung des Flughafens aller Voraussicht nach nur mit einem neuen Investor gelingen kann. "Wir kennen die Vorgeschichte und wissen um die Bedeutung des Flughafens für die Region. Wir werden deshalb alles daran setzen, das Interesse von Investoren am Flughafen Zweibrücken zu wecken und sie von seinen Vorzügen zu überzeugen", so Plathner. Im Falle der Anfang 2013 zum Insolvenzfall gewordenen Regionalfluggesellschaft OLT Germany Express war ihm dies nicht gelungen. Obwohl damals 1000 potenzielle Interessenten nach Worten Plathners von ihm kontaktiert wurden.

Gut 400 Mitarbeiter verloren ihren Job. Steffen Hasenfratz, der Betriebsratsvorsitzende des Flughafens Zweibrücken, sagte, aus den ersten Kontakten habe er einen guten Eindruck vom vorläufigen Insolvenzverwalter gewonnen. Der Betriebsrat versuche, möglichst noch in dieser Woche eine weitere Mitarbeiterversammlung abzuhalten. (cps)

 

 

Lässt Mainz den Flughafen fallen?

Rheinpfalz 12.04.2014

Im Mai könnte eine politische Bombe hochgehen. Denn dann entscheidet die EU über die Zukunft der Flughäfen Zweibrücken und Saarbrücken. Die könnte so aussehen: beide werden geschlossen, Saarbrücken verwaltet Zweibrücken mit – oder Franzosen übernehmen Zweibrücken.

Von Georg Altherr

Noch im April müssen die Flughäfen Zweibrücken und Saarbrücken der Europäischen Kommission in Brüssel langfristige Geschäftspläne vorlegen. Die Flughäfen müssen darin klipp und klar darlegen, wie sie die erheblichen Defizite in der Bilanz bis zum Jahr 2024 auf null zurückfahren wollen.

Die EU hat den Landesregierungen von Rheinland-Pfalz und dem Saarland sehr deutlich gemacht, dass sie weder Fantasie-Berechnungen noch Versteckspielchen noch weitere Verzögerungen dulden wird. Sowohl in Mainz als auch in Saarbrücken geht man davon aus, dass die EU-Kommission zur Not die Schließung beider Flughäfen erzwingt, wenn sie zu dem Urteil kommt, dass die vorgelegten Geschäftspläne aus einem Wolkenkuckucksheim stammen.

Das wird die EU nicht mehr dulden: den weiteren Betrieb von zwei Flughäfen, die nur 30 Kilometer voneinander entfernt liegen und die jedes Jahr Verlust machen – Zweibrücken 2,8 Millionen jährlich und Saarbrücken zehn Millionen Euro.

Den Regierungen in Saarbrücken und Mainz ist klar, dass nicht ausreicht, was jüngst an Kooperation zwischen Zweibrücken und Ensheim vereinbart wurde. Wenn beide Flughäfen ihr Enteisungsmittel gemeinsam einkaufen, sparen sie ein paar Kröten, aber keine Millionen.

Angesichts des Ernsts der Lage scheint die Landesregierung in Mainz inzwischen bereit zu sein, den Flughafen Zweibrücken dem Saarland zu überlassen, falls es hart auf hart kommt. Bisher vertrat die Regierungs-SPD in Mainz die Position, dass sich die Flughäfen Zweibrücken und Ensheim zu einer Saar-Pfalz-Airport-Gesellschaft zusammenschließen sollten, welche von beiden Landesregierungen gemeinsam geführt wird. Das Saarland lehnt dieses Modell nach anfänglicher Zustimmung strikt ab und bietet lediglich an, dass der Flughafen Ensheim den von Zweibrücken mitbetreibt, quasi als Außenstelle. Um der Befürchtung zu begegnen, das Saarland werde den Flugbetrieb in Zweibrücken einstellen, sobald der Vertrag unterschrieben ist, versprach Saarbrücken, Flugbetrieb in Zweibrücken für zehn Jahre zu garantieren – mit mindestens 200 000 Passagieren pro Jahr. Allerdings hat Saarbrücken es bisher vermieden, diese Zusage schriftlich zu fassen.

Inzwischen scheint Mainz bereit zu sein, auf den saarländischen Vorschlag einzugehen, das Schicksal des Zweibrücker Flughafens also in die Hände des Saarlandes zu legen. Der Grund: Die rot-grüne Landesregierung hat mit den Großprojekten Nürburgring und Flughafen Hahn so viel Ärger mit der EU-Kommission, dass sie den lästigen zusätzlichen Konfliktherd Zweibrücken gerne los wäre. Außerdem will sie sich darauf konzentrieren, zumindest den Flughafen Hahn zu retten.

Allerdings ist die SPD-geführte Landesregierung daran interessiert, dass die Bombe nicht vor dem 25. Mai platzt. Der 25. Mai ist nämlich ein Großwahltag. Das Europaparlament wird gewählt sowie sämtliche Gemeinde- und Stadträte in Rheinland-Pfalz – und Kreistage und Bürgermeister. Wenn zu früh bekannt wird, dass die Landesregierung den Flughafen Zweibrücken entgegen ihrer bisherigen Beteuerungen fallen lässt, dann würde das am Wahltag vor allem der SPD schaden, so die Befürchtung der Genossen.

Noch hat Zweibrücken eine Chance, dem Zugriff der Saarländer zu entgehen: Zurzeit verhandelt der Flughafen ernsthaft mit einem französischen Investor. Sollten die Verhandlungen erfolgreich verlaufen, so könnte am Ende das folgende Modell stehen: Die Flughafen-Gesellschaft Zweibrücken teilt sich in eine Betriebs- und eine Besitz-Gesellschaft. Das Land und die Kommunen behalten die Infrastruktur – also die Landebahn, das Gelände und sämtliche Gebäude – und verwalten alles mittels einer Besitz-Gesellschaft. Die Franzosen betreiben den Flughafen als Konzessionär und bestimmen damit über den Flugverkehr von und nach Zweibrücken. Das finanzielle Risiko würde somit zwischen Staat und Privat-Investor geteilt.

Eine Privatisierung wäre im Sinne der EU.

„Wellblechbaracke“

„Wellblechbaracke“

Saarländische Landtagsabgeordnete fallen in alte Flughafen-Rhetorik zurück

VON CLAUS-PETER SCHMIDT 19.03.2014

 

Mittwoch im Landtag zu Saarbrücken. In der neunten Stunde nach Beginn der Plenarsitzung. Die Reihen der 51 Abgeordneten haben sich gelichtet. Nach Verabschiedung des Jagdgesetzes, dringender aktueller Stunden, in denen man sich für die Rettung des Saarländischen Rundfunks (ein Land, ein Sender!) gegenseitig auf die Schultern geklopft hat, weiterer ermüdender Diskussionen, kommt noch ein Entschließungsantrag zum Aufruf. Die Linkspartei will sich vergewissern, dass „sich der Landtag für den Erhalt des Flughafens Saarbrücken ausspricht“. Zudem wollen die Linken, dass sich die Landesregierung unterstützt fühlt, im Bemühen „zielführende, landesorientierte und interessensgerechte Kooperationen der beiden Flughäfen Saarbrücken und Zweibrücken anzustreben“. Bemerkenswerterweise treten die Regierungs-Fraktionen CDU und SPD dem Linken-Antrag einfach so bei. Kommt selten vor, aber Not macht halt solidarisch.Die vier Abgeordneten der Piraten und die zwei Grünen sind weniger staatstragend, stellen eigene Anträge.

Staatsgefährdende, wie ihnen in der Debatte der SPD-Fraktionsvorsitzende Stefan Pauluhn aus Walsheim, Kreisvorsitzender Saarpfalz, unterstellen wird. „Dass ein von saarländischen Wählern gewählter Abgeordneter in so abschätziger Weise gegen die eigenen Landesinteressen redet, habe ich noch nicht erlebt“, poltert Pauluhn in Richtung des Piraten-Fraktionschefs Michael Hilberer. Er besorge das Geschäft der Pfälzer. Landesverrat. Hilberer hatte sich erdreistet, im Antrag seiner Fraktion eben gerade nicht den Erhalt des Flughafens Ensheim zu fordern, sondern schnellstmöglich dessen Abwicklung zu organisieren.

Begründung: Der saarländische Steuerzahler stecke jedes Jahr acht Millionen Euro in ein Fass ohne Boden, in einen Flughafen, der gemäß den Beihilferegeln der EU-Kommission keine Chance habe zu überleben. Des Piraten Rat: Die Kollegen mögen von ihrem überkommenen Flughafen-Dogma (ein Land, ein Flughafen!) abkommen.

Die Grünen forderten nicht gleich die Abwicklung. Aber doch mit Rheinland-Pfalz ernsthaft über einen Zusammenschluss der Flughäfen Ensheim und Zweibrücken zu verhandeln. Nicht nur pseudomäßig. Und unter Einschluss der Möglichkeit, dass der Flughafen der Region Saar-Pfalz in Zweibrücken liegen könnte.

Empörung im Plenum. Das Reizwort Zweibrücken stachelte den wirtschaftspolitischen Sprecher der CDU, Peter Strobel, zu alten Vergleichen auf. Der Flug-Platz Zweibrücken sei eine Wellblechhütte, auf dessen Parkplätzen man in Löchern versinken könne. Auf Augenhöhe zum Flug-Hafen Ensheim könne die Pfalz ohnehin nicht verhandeln. Denn, so Strobel: „Zweibrücken verfügt über ein Outlet mit angeschlossener Landebahn.“ Ähnlich SPD-Kollege Pauluhn. Eine Fusion sei schon deshalb schwer möglich, weil eine „Wellblechbaracke“ (Zweibrücken) einem Terminal (Ensheim) gegenüberstehe. Klartext in der blauen Stunde, Verkehrsministerin Anke Rehlinger versicherte: „Das Saarland hat seine Hausaufgaben gemacht.“ Der Flughafen Ensheim sei auf einem „außerordentlich guten Weg“. Dieser führe auch ohne Kooperation zu einem zukunftsfähigen Saar-Airport. Es werde vielleicht nur etwas anstrengender.

Quelle

Ausgabe Die Rheinpfalz - Zweibrücker Rundschau - Nr. 68

Datum Freitag, den 21. März 2014 Seite 13

 

VCD: Flughafenförderung umgestalten

Saar-Haushalt darf nicht länger mit Rekorddefizit des Flughafens Saarbrücken belasten werden – Ticketaufschlag kann Abhilfe schaffen

Saarbrücken 25. Oktober 2012 Werner Matthias Ried 

Angesichts des Rekorddefizites von 10,1 Millionen Euro allein im Jahr 2011 schlägt der ökologische Verkehrsclub VCD Saar vor, die Finanzierung des Flughafens Saarbrücken sozial gerechter und somit auf die tatsächlichen Fluggäste umzulegen. Es darf nicht weiter sein, dass der saarländische Steuerzahler jedes Flugticket ab Saarbrücken mit mehr als 22 Euro bezuschusst. Dieser Betrag ergibt sich, wenn man die Flughafenförderung durch das Land auf die rund 450.000 Fluggäste pro Jahr teilt. Eine solche Förderung ist weder sozial noch ökologisch zu rechtfertigen. Nach Ansicht des VCD sollten die Fluggäste selbst seinen Beitrag leisten, so zum Beispiel über einen Aufschlag von rund 25 Euro je Flugticket ab Saarbrücken-Ensheim.

Mit diesem Vorschlag hat der Landesvorstand des VCD Saar in seinem gestrigen Gespräch mit Staatsskretär Jürgen Barke das zuständige saarländische Wirtschafts- und Verkehrsministerium konfrontiert. „Zum Glück hat die Landesregierung erkannt, dass sie die Subventionierung zurückfahren muss. Dies sollte jedoch vollständig passieren und nicht halbherzig! Die Streichung der Flughafen-Subventionen bietet die Chance, der Saar-Haushalt auch ökologischer und sozial zu sanieren und eine neue Verkehrspolitik einzuleiten“, so Andrea Schrickel, Landesvorsitzende des VCD Saar. Die Fluggäste selbst sollen ihren Anteil leisten, wenn sie den Flughafen vor der Haustür für nötig halten.

Der Vorschlag des VCD sieht vor, dass nach dem Verursacher-Prinzip jeder Fluggast selbst seinen Anteil leistet, um die hohen Kosten eines eigenen Flughafens vor der Haustür zu tragen. Die Linienflieger z. B. nach Berlin, die von zahlreichen Entscheidungsträgern aus der Saarregierung genutzt werden, aber auch die Ferienflieger, haben es dann selbst in der Hand, den Fortbestand des Flughafens zu sichern. Damit würde deutlich, was den Nutzern die Nähe zu einem eigenen Flughafen im Saarland wert ist.

 

Hat Saarbrücker Flughafen gegen EU-Recht verstoßen?

Beitrag vom: 23.02.2012, 01:49

Die EU-Kommission prüft, ob die Flughäfen in Saarbrücken und Zweibrücken gegen EU-Bestimmungen zu staatlichen Beihilfen für Fluggesellschaften verstoßen haben. Die Landesregierungen in Saarbrücken und Mainz bestreiten dies.

Von Detlef Drewes und Thomas Sponticcia (SZ)

Brüssel/Saarbrücken. Die Brüsseler Wettbewerbshüter haben die Landesregierungen an der Saar und in Rheinland-Pfalz ins Visier genommen. Überprüft werden „bestimmte finanzielle Vereinbarungen zwischen staatlichen Stellen und den Flughäfen Saarbrücken, Zweibrücken, Lübeck-Blankensee und Klagenfurt“. Dabei geht es auch um die Frage, ob Rabatte oder Vermarktungsverträge zwischen den Flughäfen sowie einigen Airlines geschlossen wurden, die gegen EU-Vorschriften über staatliche Beihilfen verstoßen. Im Klartext: wurden Landegebühren vergünstigt oderwurde eine Airline gegenüber einem Konkurrenten bevorzugt? Die Einleitung des Prüfverfahrens bedeutet noch nicht, dass es auch zu formellen Ermittlungen kommen wird. Es entspricht einer Anhörung.

Alle Beteiligten müssen nun Zahlen, Daten, Fakten auf den Tisch legen. Es kann ein Jahr dauern, bis die Kommission endgültig entscheidet. Brüssel verhandelt nicht mit den Landesregierungen direkt, sondern mit dem Bundes-Wirtschaftsministerium. Das widerum verhandelt mit den Ländern. Der gleiche Weg gilt umgekehrt. Die Kriterien sind klar definiert: Wurde durch die Zahlung öffentlicher Hilfen der Wettbewerb verzerrt? Entsprechen die Hilfen des Landes jener Unterstützung, die auch ein privater Investor getätigt hätte? An der Spitze der Generaldirektion Wettbewerb in Brüssel steht der spanische Kommissar Joaquin Almunia. Er gilt als konsequent, im Ernstfall hart. Vor allem, wenn es um Sanktionen geht. Auch diese sind in den europäischen Verträgen geregelt: Alle unberechtigt gezahlten Beihilfen oder Hilfen müssen erstattet werden. Unabhängig davon, ob dies das Aus für einen Flughafen bedeutet oder nicht. Zwar kann der Beklagte in letzter Instanz den Europäischen Gerichtshof (EuGH) in Luxemburg anrufen. In allen Fällen bekam bisher jedoch die EU-Kommission Recht.

Die Ermittlungen können also Auswirkungen auf den Fortbestand der Flughäfen in Saarbrücken und Zweibrücken haben, selbst dann, wenn sich diese zum „Saarpfalz-Airport“ mit einer Betreibergesellschaft und zwei Standorten zusammenschließen sollten. Denn Brüssel ermittelt auch rückwirkend Vorgänge, die selbst Jahrzehnte zurückliegen. Und fordert selbst dann zu Unrecht gezahlte Fördermittel zurück. In Mainz und Saarbrücken reagiert man gelassen. Beide Regierungen argumentieren, die Unterstützungsleistungen für die Flughäfen entsprächen den EU-Vorgaben. Der saarländische Wirtschaftsund Finanzstaatssekretär Gerhard Wack (CDU) betont, man habe sich nichts vorzuwerfen. „Am Saarbrücker Airport wurde niemand bevorzugt.“ Alle mit Airlines abgeschlossenen Verträge seien auf die Rechtmäßigkeit nach EU-Vorgaben geprüft worden. Seit dem Jahr 2000 lasse man sich zudem von Fachanwälten auf dem Gebiet des Luftverkehrs und der EU-Vorschriften beraten und vor Ort in Brüssel vertreten, damit es zu keinerlei Verstößen kommen kann, so Wack. Besonders 2006/2007/2008 sei Brüssel gegen 180 Flughäfen europaweit in Verfahren vorgegangen, weil in dieser Phase Billigfluggesellschaften versucht hätten, sich an vielen Flughäfen gegen entsprechende Konditionen zu etablieren. Diese Welle sei mittlerweile stark abgeebbt. Deshalb arbeite Brüssel derzeit an neuen Leitlinien für den Luftverkehrssektor, die nicht mehr so streng seien wie die derzeit gültigen.

 

Auf dem Weg zum Saar-Pfalz-Flughafen

Saarbrücker Zeitung 1.10.2011

Einigung auf gemeinsames Geschäftsmodell für die Flughäfen Saarbrücken und Zweibrücken Das Kriegsbeil ist begraben, der Frieden nimmt Gestalt an. Nach Jahren der Konkurrenz der beiden Flughäfen in Saarbrücken und Zweibrücken geht es jetzt an die Detailplanungen für eine gemeinsame Flughafengesellschaft.

Von SZ-Redakteur Volker Meyer zu Tittingdorf

Saarbrücken/Zweibrücken. Die beiden Landesregierungen im Saarland und in Rheinland-Pfalz kommen in ihren Verhandlungen über ein Bündnis der beiden Flughäfen in Saarbrücken-Ensheim und Zweibrücken voran. Wie Ende Juni versprochen, erzielten beide Seiten inzwischen eine grundsätzliche Einigung über ein gemeinsames Geschäftsmodell für einen künftigen Saar-Pfalz-Flughafen mit zwei Standorten und zwei Landebahnen.

„Die jeweiligen Standorte könnten sich auf bestimmte Kundengruppen konzentrieren“, heißt es in einer gestern veröffentlichten gemeinsamen Erklärung des saarländischen Wirtschaftsstaatssekretärs Peter Hauptmann (FDP) und des Staatssekretärs Jürgen Häfner (SPD), der in der rheinland-pfälzischen Regierung im Ministerium für Inneres, Sport und Infrastruktur arbeitet. Beide Staatssekretäre, die zugleich auch die Aufsichtsratsvorsitzende der jeweiligen Flughafengesellschaft sind, trafen sich gestern zu weiteren Gesprächen und besichtigten beide Flughäfen.

Ende des Jahres sollen Detailpläne und verschiedene Varianten des Kooperationsmodells vorliegen, kündigte Hauptmann an. Für den Sommer kommenden Jahres peilt er den Start der gemeinsamen Gesellschaft an. „Ein gemeinsamer Flughafen für die Saar-Pfalz-Region kann Realität werden“, stellt Hauptmann in Aussicht.

Wie das Geschäftsmodell im Detail aussehen könnte, ließen die beiden Verhandlungspartner offen. Häfner deutete nur an, dass ein Verbund eine gemeinsame Streckenplanung beinhalten müsse. Und Hauptmann sprach davon, dass „sich beide Flughäfen in ihrer funktionalen Eignung ergänzen könnten“. Unbestritten ist aber, dass Zweibrücken eher der Standort für die Urlaubsflüge ist, während Saarbrücken viel stärker Geschäftsreisende anspricht. Die Reiseveranstalter goutieren die niedrigeren Kosten in Zweibrücken, weil sie dann die Urlauber mit günstigeren Angeboten locken können. Saarbrücken bietet dagegen den passenden Service für Geschäftsreisende und dank Air Berlin die Anbindung an ein umfangreiches Streckennetz. Die jeweiligen Stärken der Flughäfen geschickt zu kombinieren und auszubauen, wird die Zukunftsaufgabe sein. Hauptmann sieht die Chance, dadurch die Passagierzahl von derzeit zusammen rund 750 000 im Jahr um bis zu 20 Prozent zu steigern.

Offen ist auch, wie die Kooperation gesellschaftsrechtlich aussieht. Denkbar ist eine Holding, die den Flughäfen weitgehend Eigenständigkeit lässt. Oder eine gemeinsame Betriebsgesellschaft, während die Immobilien im Besitz der jeweiligen Länder bleiben. Oder eine vollständige Fusion.

Hauptmann wie auch Häfner gehen davon aus, dass sich durch eine Kooperation die Kosten senken lassen. Hauptmann deutete an, dass es um erhebliche Beträge gehe. Zahlen wollte er aber nicht nennen. Die Möglichkeit zu sparen war wohl entscheidend dafür, dass die Verhandlungen in jüngster Zeit vorangekommen sind. Beide Länder sind hoch verschuldet und müssen angesichts der Schuldenbremse massiv sparen. In Zweibrücken laufen jährlich rund vier Millionen Euro an Verlusten auf. In Saarbrücken sind es laut Hauptmann zwischen neun und zehn Millionen Euro. Bislang herrschte ein heftiger Konkurrenzkampf. Zeitweise war von einem Flughafen-Krieg die Rede.

 

Ein Flughafen für die Region? Literatur zum vertiefenden Einstieg

Regionalökonomische Bedeutung und Perspektiven des Flugplatzes Zweibrücken

Prof. Dr. Kai R. Heuer Dipl. Kfm. / M.B.A, USA (hons.)
mit R. Klophaus unter Mitarbeit von P. Berster und D. Wilken (DLR)
Studie, Birkenfeld 2006.    k.heuer@umwelt-campus.de

 

"Die fünf Flughäfen des Grenzraumes im Vergleich"

VCD Saarland, W.M. Ried, Juli/November 2011
Präsentation

 

VCD fordert Einigung auf einen Flughafen für die Großregion

Jährlich acht Millionen Euro im Saarland einsparen durch Einigung auf einen Flughafen für die Großregion
"Windpark statt Flughafen" verspricht mehr Rendite


Pressemitteilung 25.06.2011  hier downloaden


Der ökologische Verkehrsclub (VCD) Landesverband Saarland regt an, anlässlich der aktuellen Sparüberlegungen im Saarland und der Flughafengespräche mit Rheinland-Pfalz am 29.6.2011, den Flugverkehr als Einsparpotenzial genauer zu untersuchen.

Nach Analysen des VCD flossen seit 2009 über 30 Millionen Euro aus Steuergeldern in den Saarbrücker Flughafen Ensheim. Seine Eignerin, die „Verkehrsholding Saarland GmbH“ empfängt jährlich acht Millionen Euro aus Landesmitteln für die Flughafen Saarbrücken GmbH (siehe Anlage). Ohne diese öffentlichen Subventionen steht der Flughafenbetrieb vor dem Aus.

Seit Jahrzehnten fließen saarländische Steuermittel zur Förderung einer hier laut VCD Saar ökologisch fragwürdigen Verkehrstechnik. Sie kommt nur Wenigen zu Gute kommt und muss daher besser organisiert werden. Diese Subventionen fließen zudem zusätzlich zu den bestehenden Befreiungen des Flugverkehrs von der Mehrwertsteuer (international) und von der Mineralölsteuer.

Jeder der nur 400.000 Fluggäste ab Saarbrücken wird somit mit rund 20,- € aus dem Saarhaushalt bezuschusst. Aus diesem Grund regt der VCD Saar an, folgende Aspekte in die Diskussion der Haushaltsstrukturkommission einzubringen:

• „Die Großregion braucht höchstens einen gemeinsamen Flughafen und nicht
fünf“, erläutert Werner Matthias Ried vom Vorstand des VCD-Saar die
regionale Flughafensituation mit den konkurrierenden Standorten Luxemburg,
Hahn, Zweibrücken, Ensheim und Metz-Nancy-Lorraine.

• Ein Fortbestehen von fünf internationalen Verkehrsflughäfen, deren paralleles
Überleben jeweils mit erheblichen Steuermitteln betrieben wird, ist nicht
zukunftsfähig, weder ökologisch noch ökonomisch.

• Eine entsprechende Kooperation mit den Nachbarregionen erlaubte,
erhebliche Mittel einzusparen; die Stilllegung von Saarbrücken Ensheim darf
kein Tabu mehr sein.

• Das Einsparen der saarländischen Flughafenmillionen sollte auch die
Diskussion um eine Nachfolgenutzung des Standortes Ensheim beflügeln: „Er
bietet angesichts bereits vorhandener Energieerzeugungsanlagen und dank
seiner Topographie ideale Voraussetzungen für einen Windpark“, so Ried
weiter. Ein Windpark wird zudem ökologisch und ökonomisch mehr Rendite
abwerfen im Vergleich zum derzeit subventionierten Flughafenbetrieb.
Angesichts der Blockadepolitik des Saarlandes bei der Diskussion zur Reaktivierung von Bahnstrecken ist die Subvention des Flugbetriebs in dieser großen Millionenhöhe nach Meinung des VCD unerträglich: Zum Betrieb neuer Bahnen wie z.B. Homburg-Zweibrücken werde um wenige hunderttausend Euro gestritten. Der ökologisch und sozialpolitisch zweifelhafte Flugverkehr erhält hingegen wie selbstverständlich einen jährlichen Steuersegen in Höhe von acht Millionen für ein künstliches Überleben.

Bei Rückfragen:
W. M. Ried, stellv. Landesvorsitzender VCD Saar, Mobil 0151/16407460

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AUSZUG von S. 29 des Haushaltsplanes des Saarlandes für das Rechnungsjahr 2011, Kapitel 21 01 21 02 21 03 21 04 Einzelplan 21
Allgemeine Finanzverwaltung INHALT
Vorbemerkungen Steuereinnahmen, Finanzausgleich und Ergänzungszuweisungen Allgemeine
Bewilligungen Forderungen und Schulden Versorgung
831 17 835 Kapitalzuführung an die Verkehrsholding Saarland GmbH............ 8000000 8000000 — 16185
Die Verkehrsholding Saarland GmbH ist Alleingesellschafter der Hafenbetriebe Saarland GmbH und der Flughafen Saarbrücken GmbH und mit diesen beiden Tochtergesellschaften durch Ergebnisabführungsverträge verbunden.

 




Fünf mal Flughafen auf engstem Raum - ist das sinnvoll oder ist das kurfürstliches Denken?

2011 Flughäfen auf Suche nach einem gemeinsamen Ziel

Staatssekretär Hauptmann drängt auf großes regionales Bündnis

Am 29. Juni 2011 sollen neue Gespräche über eine intensive Zusammenarbeit der Flughäfen Saarbrücken und Zweibrücken beginnen. Eine Lösung solle auch Luxemburg einbeziehen, so das Saar-Wirtschaftsministerium.

Von Merkur-Mitarbeiter Volker Meyer zu Tittingdorf

Mainz/Saarbrücken. Das Saarland und Rheinland-Pfalz wollen einen neuen Anlauf unternehmen, Möglichkeiten für eine Zusammenarbeit der beiden bisher konkurrierenden Flughäfen Saarbrücken-Ensheim und Zweibrücken auszuloten. „Es ist unser Ziel, eine enge Kooperation mit dem Saarland und dem Flughafen Saarbrücken zu erreichen“, sagte der neue rheinland-pfälzische Minister Roger Lewentz (SPD). Sein Staatssekretär Jürgen Häfner, der neue Aufsichtsratschef des Flughafens Zweibrücken, kündigte erste Gespräche für Ende Juni an (wir berichteten). Die saarländische Landesregierung sei offen dafür, sagte Wirtschaftsstaatssekretär Peter Hauptmann. Das erste Treffen sei für den 29. Juni geplant.

Der Aufsichtsratschef des Flughafens Saarbrücken hält nichts von einem fortgesetzten Konkurrenzkampf der Flughäfen. „Es macht keinen Sinn, dass wir uns auf so kleinem Raum gegenseitig kannibalisieren.“ Eines stellt der Staatssekretär jedoch klar: „Weder das Saarland noch Rheinland-Pfalz wollen den Standortfaktor Flughafen aufgeben.“ Wird nun die Idee eines Saar-Pfalz-Airports wieder aus der Schublade geholt? Zwei Landebahnen, ein Flughafen – das hatten Gutachter 2002 empfohlen. Die dann folgenden Verhandlungen blieben aber ohne Ergebnis. Hauptmann hofft nun auf einen echten Neuanfang. „Haben wir den Mut zu springen? Oder reden wir über die Zusammenarbeit in wenigen kleinen Bereichen?“ Eine Kooperation in nur einzelnen Punkten „reicht nicht für ein tragfähiges Konzept“, ist sich Hauptmann sicher. Das habe man in früheren Verhandlungen festgestellt, am Ende blieb dann jeder Flughafen für sich. Schlimmer noch: Immer wieder war die Atmosphäre vergiftet, man sprach zeitweise sogar von „Flughafen-Krieg“.

„Können wir ein gemeinsames Ziel definieren, so dass schließlich jeder profitiert?“ Das ist für Hauptmann die entscheidende Frage einer gemeinsamen Ausrichtung der Flughäfen in der Region. Eine Lösung muss nach seiner Auffassung auch den Flughafen Findel in Luxemburg einschließen. Der Staatssekretär sieht im Luftfahrtsektor grundsätzlich Wachstumschancen. Daher „ist Platz für die drei Flughäfen Saarbrücken, Zweibrücken und Luxemburg“, sagt Hauptmann, schränkt aber ein: „Unter der Voraussetzung einer Zusammenarbeit. In Konkurrenz langfristig nicht.“ Der Koalitionsvertrag der rot-grünen Landesregierung in Rheinland-Pfalz hatte der kaum mehr ernsthaft verfolgten Idee einer Zusammenarbeit einen neuen Schub gegeben. Demnach „wird angestrebt, die Zuschüsse aus dem Landeshaushalt“ für die Flughäfen Hahn und Zweibrücken „schnellstmöglich zurückzuführen“ – ein Ziel, auf das besonders die Grünen drängen. In Zweibrücken fallen im Flugbetrieb nach Angaben des Ministeriums „derzeit jährliche Verluste von vier Millionen Euro an“. Eine Zusammenarbeit könne helfen, in Zweibrücken und Saarbrücken Betriebs- und Investitionskosten zu sparen, sagte Häfner. Schaut man auf die Unternehmenszahlen, steht das Saarland nicht minder unter Spar-Druck als Rheinland-Pfalz. Bei der Flughafen Saarbrücken GmbH lief laut Bilanz im Krisenjahr 2009 ein Minus von rund 9,3 Millionen Euro auf, 2008 waren es gut 4,5 Millionen Euro.

 

Meinung

Wahre Herkulesaufgabe

Von Merkur-Mitarbeiter Volker Meyer zu Tittingdorf

Der Konkurrenzkampf der beiden Regionalflughäfen Saarbrücken und Zweibrücken hat bislang nur zu Millionenverlusten für die Steuerzahler geführt. Keiner will weichen. Zu wichtig ist beiden Bundesländern der Wirtschaftsfaktor Flughafen. Kooperation heißt da das Zauberwort. Verhandlungen darüber sind gewiss sinnvoll. Doch eine tragfähige Lösung zu finden, ist eine wahre Herkulesaufgabe. Wenn es aber gelingen kann, dann nur, wie der saarländische Staatssekretär meint, mit einem mutigen Neuanfang, einem pragmatischen Ansatz jenseits aller Parteien-Taktiererei und einem unternehmerisch ausgerichteten Konzept.

 

2011 Windräder statt Flugzeuge in Ensheim?

Saarbrücker Zeitung 05.07.2011

Verkehrsclub VCD schlägt Alternative zum Flugbetrieb auf dem Saar-Airport vor Der Saar-Verband des Verkehrsclubs Deutschland denkt über eine Nutzung des Saarbrücker Flughafens als Windpark-Gelände nach. Voraussetzung: Im Zuge künftiger Flughafen-Kooperationen in der Großregion wird Ensheim aufgegeben.

Saarbrücken. Neue Flügel für Ensheim: Statt Passagierjets könnten auf dem Saarbrücker Flughafengelände künftig Windräder ihre Flügel kreisen lassen. Einen Windpark kann sich – zwar polemisch gedacht –, aber doch mit ernsthaftem Kern zumindest der Landesverband Saarland des Verkehrsclub Deutschland (VCD) vorstellen. „Kein Mensch stellt die Millionen infrage, mit denen dieser Flugplatz jährlich gefördert wird, wir sprechen hier von acht Millionen Euro“, empört sich Werner Matthias Ried, stellvertretender Landesvorsitzender des VCD Saar.

Der Verkehrsclub kann sich – vorausgesetzt der Flugplatz Ensheim fällt in künftiger Zusammenarbeit der bisherigen fünf Flughäfen in der Großregion (Saarbrücken, Zweibrücken, Hahn, Luxemburg und Metz/Nancy) weg – den Windpark auf dem Gelände vorstellen. „Die Höhenlage wäre ideal, und es gibt dort bereits eine Photovoltaikanlage“, sagt Ried. Rieds Tochter habe spontan gesagt, man könne ja auch noch ein Riesenrad aufbauen – mit einer Riesenaussicht auf den Bliesgau.

Daniel Bollig (CDU), Bürgermeister im Saarbrücker Bezirk Halberg, zu dem Ensheim zählt, zeigt sich überrascht: „Für mich ist dieser Gedanke völlig neu.“

Von Flughafenchef Friedhelm Schwan gab es auf Anfrage keine Stellungnahme. Aus dem für den Flughafen Saarbrücken zuständigen Wirtschaftsministerium hieß es: „Der internationale Verkehrsflughafen Saarbrücken ist nicht nur für die saarländische Infrastruktur von herausragender Bedeutung. Rund 120 Mitarbeiter beschäftigt die Flughafengesellschaft, am Airport gibt es insgesamt ein Vielfaches an Arbeitsplätzen. Die Forderung, die moderne bauliche Ausstattung abzureißen, die Arbeitsplätze zu vernichten, auf die Fluganbindungen zu verzichten und stattdessen Windräder zu bauen, lässt dies völlig außer Acht und ist deswegen indiskutabel.“ hcr

 

ICE-Werbung auf Flugzeug



Bild: BI für den S-Bahn-Ausbau Homburg-Zweibrücken

Die Verkehrswerbung führt manchmal zu recht merkwürdigen Ergebnissen. So wurde jetzt am Flughafen Zweibrücken ein Flugzeug gesichtet, das mit DB-Werbung beschriftet ist und wie ein Luft-ICE aussieht.

 

2010 Saar-Flughafen will wieder zulegen

Airport-Chef Friedhelm Schwan: 2010 wird ein schwieriges Jahr

Der Flughafen Ensheim verbuchte angesichts der Wirtschaftslage im vergangenen Jahr einen Passagierrückgang. Neue Linien ab Saarbrücken sollen 2010 wieder mehr Passagiere anlocken.

 

Von SZ-Mitarbeiter Udo Rau    SZ 19.01.2010 Saarbrücken.

 

Der Flughafen Saarbrücken musste wie die gesamte Luftfahrt-Branche im vergangenen Jahr einen Passagierrückgang hinnehmen. Die Passagierzahl sank von 517 920 im Jahr 2008 auf 470 147 – ein Minus von 9,3 Prozent. „Damit liegen wir auf Höhe vergleichbarer deutscher Airports, die zwischen 8,8 und elf Prozent verloren“, sagte Friedhelm Schwan, Vorsitzender der Geschäftsführung am Saar-Flughafen (Foto: Rau). Nach Flugausfällen im Dezember würden gut 8000 Passagiere in der Bilanz fehlen. Die 23 Internationalen Verkehrsflughäfen in Deutschland registrierten laut der Arbeitsgemeinschaft Deutscher Verkehrsflughäfen (ADV) 2009 ein Minus von 4,8 Prozent auf 180,8 Millionen Passagiere. Der ADV rechnet für 2010 mit einer verhaltenen Erholung von etwa drei Prozent. „Das wirtschaftliche Umfeld und die erwartete steigende Arbeitslosigkeit 2010 an der Saar werden uns nicht ungeschoren lassen, das vor allem im Reiseverkehr“, sagt Schwan. Dennoch hofft der Flughafen-Chef mit neuen Linien und vermehrten Marketing-Anstrengungen auf zusätzliches Aufkommen und peilt das bisherige Rekordaufkommen von rund 518 000 im Jahr 2008 wieder an. Schwan: „Ich halte das für einigermaßen realistisch.“ Air Berlin wird ab Ende März einen zusätzlichen Flug nach Berlin anbieten. Zudem bietet auch Luxair mehr Kapazität auf der Berlin-Strecke an. Die türkische Fluggesellschaft Pegasus soll vier Mal wöchentlich Istanbul ab Saarbrücken (mit Anschlüssen in die Türkei) anbieten. Erste Auswirkungen der Zusammenarbeit mit Friedrichshafen im Ferienflugverkehr erwartet Schwan ab Winter 2010. Die angekündigte Linie vom Bodensee-Flughafen Friedrichshafen via Saarbrücken nach Amsterdam sollen mit dem Sommerflugplan Ende März verfügbar sein. Die Zeitfenster in Amsterdam durch Air France/KLM stünden, interessiert an der Strecke seien die Fluggesellschaften OLT und Luxair. Air Berlin werde von bisher drei Wochenflügen nach Palma de Mallorca wieder auf vier gehen. Zudem „denkt Air Berlin fleißig über eine Anbindung des portugiesischen Porto nach“. Erste positive Auswirkungen beim Passagieraufkommen aus Lothringen erwartet Schwan im Gefolge der neuen Zusammenarbeit mit der französischen Reisbürokette Ailleurs. Die mehrfach angekündigten Baumaßnahmen wie neues Parkhaus und Technikhalle, ein Simulatorzentrum und ein mit einer Klinik kombiniertes Hotel sollen nach Grundsatzbeschlüssen des neuen Flughafen-Aufsichtsrates „im Jahresverlauf in die Gänge kommen“, so Schwan. Für das Simulatorzentrum stünde ein niederländischer Investor bereit. Gerüchte über eine Neubesetzung der Flughafenspitze durch die neue Landesregierung beantwortet Schwan kühl: „Ich habe einen Fünfjahresvertrag und den werde ich erfüllen.“ An einen Stellenabbau bei der Flughafengesellschaft – derzeit 143 Mitarbeiter – sei nicht gedacht.  

 

Hintergrund

Am Flughafen Saarbrücken war Air Berlin war 2009 mit knapp 183 000 Passagieren am Flughafen Saarbrücken unangefochtene Nummer eins, gefolgt von der Luxair mit knapp 130 000. Es folgen Hamburg International (80 000), Cirrus Airlines (24 000), sowie Sun Express, Tunisair, Sky und weitere. Der Flughafen Zweibrücken meldete zwar mit 338 219 Passagieren einen Rekord (Vorjahr: 327 012) einen neuen Rekord. Allerdings ist Ryanair mit der Verbindung nach London wieder abgesprungen. Der luxemburgische Flughafen Findel meldet hat 1,55 Millionen Passagiere (minus neun Prozent). Der Hunsrück-Airport Hahn kam mit einem Minus von rund 100 000 Passagieren auf 3,8 Millionen relativ glimpflich davon. Vom lothringische Flughafen Metz-Nancy-Lorraine flogen 9,6 Prozent weniger Passagiere (263 000). ur

 

 

Hering erwartet Passagierrekord

28.12.2009 Pfälzer Merkur     Minister sieht Zweibrücker Flughafen im Aufwind

Mainz/Zweibrücken. Der rheinland-pfälzische Wirtschaftsminister Hendrik Hering (SPD) erwartet für den Flughafen Zweibrücken in diesem Jahr einen neuen Passagierrekord. „Die Entwicklung ist jetzt seit drei Jahren stabil am Flughafen Zweibrücken – seitdem wir mit Germanwings den Durchbruch geschafft haben“, sagte Hering im Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur dpa in Mainz. Der Billigflieger Germanwings bietet seit 2006 von Zweibrücken aus Flüge nach Berlin und in europäische Urlaubsregionen an. Im vergangenen Jahr flogen von Zweibrücken rund 327 000 Passagiere ab, das waren fast 14 Prozent mehr als im Vorjahr. Bereits Mitte November hatte Flughafen-Geschäftsführer Michael Keller gegenüber dem Merkur ein Plus von acht bis zehn Prozent prognostiziert.

Gefasst reagierte Hering auf die Entscheidung des irischen Billigfliegers Ryanair, eine Verbindung von Zweibrücken nach London nach kurzer Zeit wieder einzustellen. Es gebe in Zweibrücken trotzdem deutlich über 300 000 Passagiere. Das Land habe aber „nicht den falschen Ehrgeiz“, ständig mehr Passagiere zu akquirieren, ergänzte der Minister. Das Engagement solle vielmehr betriebswirtschaftlich sinnvoll sein, und das bedeute, das sogenannte Vier-Säulen-Konzept zur Entfaltung zu bringen. Hierzu gehören neben dem Flugverkehr auch das Direktverkaufszentrum in Flughafennähe, ein Multimedia-Internet-Park für Firmen auf dem Flughafengelände sowie ein Sport- und Freizeitbereich mit einer Eis-Arena, einem Bowling-Center und einem Indoor-Spielpark für Kinder.

Vor fünf Jahren wäre man froh gewesen, wenn man gewusst hätte, wie sich der Flughafen entwickeln würde, sagte Hering. „Wir reden dort mittlerweile über 2250 Arbeitsplätze am Flughafen. Zu amerikanischen Zeiten waren es 350.“ Nach Herings Angaben erhält das Projekt jährlich Subventionen des Landes von zwei bis drei Millionen Euro. dpa

 

Gespräch über Flughafen-Kooperation geplant

24.12.2009 SZ

Saarbrücken. Der saarländische Wirtschaftsminister Christoph Hartmann hat auf der Konferenz der Länder-Wirtschaftsminister seinen rheinland-pfälzischen Amtskollegen Hendrik Hering zu einem Gespräch über Möglichkeiten einer Kooperation der Flughäfen Saarbrücken und Zweibrücken eingeladen. Ein Termin steht noch nicht fest. Hering hat die Einladung angenommen. ts

 

Landebahn-Sanierung dauert noch an

05.12.2009 PM

Zweibrücken. Der Großteil der Bauarbeiten an der Zweibrücker Landebahn ist erledigt. „Es sind aber noch einige Feinarbeiten zu machen, das wird sicher noch mindestens den halben Dezember dauern“, sagte Flughafen-Sprecher Franz-Rudolf Ubach am Freitag auf Merkur-Anfrage. Danach stünden noch einige Abnahmen an, zum Beispiel für das verbesserte Nebellandesystem (Cat 2). Wann dieses genutzt werden könne, sei noch offen.

Germanwings habe seinen Gesamt-Flugplan nun erneut überarbeitet und dabei auch alle Zweibrücker Samstags-Umläufe wieder in den Flugplan integriert. Die kurzzeitige Streichung habe nicht an mangelnder Auslastung gelegen, betonte Ubach: „Die Wochenend-Verbindungen sind besonders beliebt, weil man sich da keinen Urlaub zu nehmen braucht.“ In Frage standen die Samstagsflüge zwischen dem 3. Juli und 28. August 2010. lf

 

Scharping: Flughafen Zweibrücken braucht Saarbrücken nicht

21.11.2009 PM

Zweibrücken. Der frühere rheinland-pfälzische Ministerpräsident und Bundesverteidigungsminister Rudolf Scharping (SPD) hält den Zweibrücker Flughafen auch allein für überlebensfähig. Das belegten auch die ständig steigenden Passagierzahlen, sagte er am Freitag am Rande des Festaktes zum 15-jährigen Bestehen der Zweibrücker Fachhochschule dem Pfälzischen Merkur. Zwar sei eine Zusammenarbeit mit dem nur 23 Kilometer entfernten Flughafen Saarbrücken-Ensheim wünschenswert: „Ich bin aber nicht super optimistisch, dass etwas daraus wird.“

Flughafen Zweibrücken, Flughafen Saarbrücken – für Mainz ist's eins

11.11.2009 Glosse in PM

Von Merkur-Redakteur Lutz Fröhlich

Groß waren die Hoffnungen, den Flughafen Zweibrücken bundesweit berühmt zu machen: Ein Fernsehteam hatte für die renommierte Reihe „ZDF Reportage“ am Westpfalz-Airport gedreht, am Sonntagabend zur besten Sendezeit wurde die Sendung „Liebe nach dem Mauerfall“ ausgestrahlt. Tatsächlich auch mit schönen Bildern aus der Zweibrücker Ankunftshalle, groß im Bild Werbeplakate von Germanwings, Ryanair, Outlet-Center und dem Pfälzischen Merkur (danke, ZDF!). Brigitte aus Berlin besuche Jürgen, verkündet der Sprecher, „früher wären solche schnellen Flüge für Brigitte undenkbar gewesen“. Eine schöne Werbung für die täglichen Billigflüge zwischen Zweibrücken und Berlin-Schönefeld – hätte, ja hätte der Sprecher diese Szene nicht mit den Worten „Flughafen Saarbrücken“ angekündigt. Unbeirrt davon, dass Jürgen Brigitte mit „willkommen im kalten Zwobrigge“ begrüßt, als er sie mit Rosen vor der Ankunftshalle begrüßt.

Kein Wunder, dass da die Wellen der Empörung hoch schlagen im Internetforum Zweibrücker Flughafenfreunde. „Oh wie peinlich“ steht dort, „das ZDF, ein Fernsehsender aus Rheinland-Pfalz, ist nicht in der Lage, Zweibrücken mit Saarbrücken auseinanderzuhalten“.

Gemach, gemach. Kann man es den Reportern aus unserer fernen Bundeslandeshauptstadt nicht mal nachsehen, dass sie, beeindruckt von unserem Flughafen, glauben, sie seien in einer Großstadt? Und muss man wirklich so kleinlich sein, wegen der paar Kilometer, die sich die Reporter zwischen den Flughäfen im Osten (Zweibrücken) und Westen (Saarbrücken) vertan haben, gleich Protestmails nach Mainz zu schicken – wo doch Brigitte in der Sendung mahnt: „Man kann nicht immer sagen, die aus dem Osten oder der aus dem Westen – wir sind hier ein Land.“ Was ja auch wir hier gerne wären, mit Zweibrücken als Hauptstadt von Rheinland-Saar-Pfalz.

Und hätten eingefleischte Zweibrücker Flughafenfans nach dem Fauxpas der Reporter das ZDF nicht wutentbrannt weggezappt, hätten sie zum Schluss auch noch antisaarländischen Trost gefunden. Da läuft Brigitte nämlich mit Jürgen durch die Gassen am St. Johanner Markt in Saarbrücken (diesmal wirklich . . .), und der Sprecher kommentiert: „Bei allen netten West-Gässchen in Saarbrücken – leben will Brigitte hier nicht.“ Was man als Zweibrücker ja verstehen kann.

 

Cirrus investiert 7,6 Millionen in Ensheim

Insolvente Cirrus Technik lebt in neuer Gesellschaft weiter – 80 Arbeitsplätze gerettet

Die Zukunft der insolventen Cirrus Technik ist gesichert. Sie wird überführt in die neu gegründete Cirrus Maintenance GmbH, eine 100 prozentige Tochter der Cirrus Airlines. Gleichzeitig investiert deren geschäftsführender Gesellschafter Gerd Brandecker 7,6 Millionen Euro in den Standort am Flughafen Ensheim.

22.12.2009 Von Merkur-Mitarbeiter Thomas Sponticcia

Saarbrücken/Zweibrücken. Der Geschäftsführende Gesellschafter von Cirrus Airlines, Gerd Brandecker, investiert 7,6 Millionen Euro in den Standort Saarbrücken und will sich auch langfristig am Flughafen Ensheim engagieren. Gleichzeitig wird der Verwaltungssitz der Airline von München nach Saarbrücken zurückverlegt. Von dort wechseln 60 Mitarbeiter an die Saar. Gleichzeitig entstehen 40 neue Arbeitsplätze. In Folge dieses Engagements ist es auch gelungen, die Insolvenz der Saarbrücker Cirrus Technik erfolgreich zu beenden. Sie wird in die neu gegründete Cirrus Maintenance GmbH überführt. Cirrus Maintenance ist eine 100 prozentige Tochter von Cirrus Airlines und soll als technischer Betrieb die Flugzeuge der Cirrus Gruppe und Fremdflugzeuge in Saarbrücken warten. Wirtschafts-Staatssekretär Peter Hauptmann erklärte gestern, vor allem durch das umfangreiche finanzielle Engagement von Gerd Brandecker am Standort Ensheim sei es gelungen, das Insolvenzverfahren von Cirrus-Technik erfolgreich zu beenden. Damit sind 80 Arbeitsplätze in Ensheim gesichert.

Gerd Brandecker will in der Weiterentwicklung der Wartung und des gesamten Cirrus-Engagements vor allem auf saarländisches Personal setzen. Viele Mitarbeiter seien in München immer wieder von Konkurrenten abgeworben worden. Die Ausbildung eines eigenen Ingenieurs koste aber in der Regel zwischen 200 000 und 300 000 Euro. Solches Fachpersonal wolle man selbst behalten. Die Saarländer seien eher bereit, in ihrer Heimatregion zu bleiben.

Brandecker sieht großen Bedarf an seiner Flotte für private Geschäftsflüge und Linienflüge, für die er weitere sieben Flugzeuge zum Gesamtpreis von 21 Millionen Dollar (14, 6 Millionen Euro) erworben hat. Insgesamt sind für Cirrus 23 Flugzeuge europaweit im Einsatz. Geflogen werden Maschinen vom Typ Dornier beziehungsweise Embraer mit Kapazitäten zwischen 31 und 78 Sitzplätzen. Brandecker möchte möglichst auch wieder Linienflüge ab Saarbrücken bedienen. Mehrere Strecken seien in der Prüfung. Favorit ist eine Verbindung von Saarbrücken nach Dresden über Mannheim. Hier werde in vier bis sechs Wochen eine Entscheidung fallen.

Die Cirrus Airlines ist ein Unternehmen der Aviation Investment GmbH, zu der auch die eigenständigen Gesellschaften Cirrus Maintenance, die zurzeit noch am Zweibrücker Flughafen angesiedelte Cirrus Flight-Training und der Reiseveranstalter Nana Tours gehören, der auch zurück nach Saarbrücken kommt. Die Gruppe beschäftigt insgesamt rund 500 Mitarbeiter.

Hintergrund

Auch die am Zweibrücker Flughafen angesiedelte Cirrus-Flugschule soll bis Ende des Jahres an den Flughafen Saarbrücken-Ensheim verlegt werden. Cirrus Flight Training ist mit elf Festangestellten und 45 Fluglehrern einer der größten Arbeitgeber am Flughafen Zweibrücken. red

 

Ryanair startet ab Zweibrücken

Irische Fluggesellschaft bietet ab Oktober eine London-Verbindung an

Ab Oktober bietet die Fluggesellschaft Ryanair Flüge nach London-Stansted an. Es ist zunächst die einzige Ryanair-Verbindung vom Pfalz-Airport aus. Außerdem wird ein Käufer für den Flughafen gesucht.

Zweibrücken. Der Billigflieger Ryanair nimmt eine tägliche Verbindung zwischen Zweibrücken und London ins Programm. Die erste Maschine hebe am 28. Oktober ab, teilt die irische Fluggesellschaft in London mit. Damit ist Ryanair zum ersten Mal auch am Flughafen Zweibrücken vertreten. Tickets für die Flüge nach London-Stansted können ab sofort gebucht werden. Der Preis für den einfachen Flug kostete gestern 25,99 Euro. Von Stansted aus fährt alle 15 Minuten ein Express in die Londoner City; Fahrtzeit: 45 Minuten; Preis: 18 Pfund (rund 22 Euro).

Anja Seugling, Ryanair-Repräsentantin für Deutschland, sagte dazu: „Wir setzen auf Airports, die effektiv und kostengünstig arbeiten. und dies geben wir in Form von Niedrigpreisen an unsere Passagiere weiter.“ Zweibrücken passe ideal in dieses Konzept. Seugling: „Die günstige Gebührensituation in Zweibrücken, die Pünktlichkeit der Flüge und die kurzen Umschlagzeiten von unter 25 Minuten sind überzeugende Argumente.“ Seugling machte klar, dass Ryanair sein Engagement in Zweibrücken als „langfristig“ betrachtet. Ob bei entsprechendem Erfolg Ryanair weitere Städte von Zweibrücken aus anfliegen werde, ließ sie offen: „Grundsätzlich sind wir immer daran interessiert. Aber Zweibrücken steht natürlich in der Region auch im Wettbewerb mit anderen Flughäfen.“

dpa/eck/sf

 

Aus dem Jamaika Koalitionsvertrag 2009

"Der Flughafen Saarbrücken ist für uns ein unverzichtbarer regionalwirtschaftlicher Standortfaktor, den wir bedarfsgerecht ausbauen. Dies umfasst sowohl weitere Investitionen in die direkte Flughafeninfrastruktur als auch Investitionen in die umliegende Infrastruktur, u.a. verstärkte Kooperation mit der HTW unter Einbeziehung des Standortes Göttelborn sowie Unterstützung privater Initiativen und Investitionen im Sinne der Entwicklung eines Kompetenzzentrums für Luftfahrt am Flughafen. Wichtig ist uns die Anbindung des Flughafens an weitere Destinationen im Linien- und Charterverkehr. Um die Zukunftschancen unseres Flughafens gegenüber benachbarten Großflughäfen zu verbessern, wollen wir auch Kooperationsmöglichkeiten mit anderen Flughäfen in der SaarLorLux-Region prüfen."

 

Flughafen Ensheim wird zum „Zentrum“ ausgebaut

350 neue Arbeitsplätze geplant – Geldgeber investiert 90 Millionen

Am Saarbrücker Flughafen sollen in den nächsten Jahren bis zu 90 Millionen Euro investiert werden. Die Geschäftsführung plant den Ausbau zu einem „Kompetenzzentrum Luftfahrt“ mit 350 neuen Jobs.

4.9.2009 SZ

Saarbrücken. Der Flughafen in Saarbrücken-Ensheim soll sich in den nächsten Jahren zu einer kleinen Job-Maschine entwickeln. Flughafen-Chef Professor Friedhelm Schwan stellte gestern seine ehrgeizigen Pläne vor: „Wir wollen Flugverkehr, Ausbildung, Wartung und medizinische Dienstleistungen zusammenführen.“ Wenn die Planung von Flughafen-Geschäftsführung und Landesregierung aufgeht, könnten damit rund 350 neue Arbeitsplätze entstehen.

Nach Schwans Angaben wollen private Geldgeber, die „bei ähnlichen Projekten weltweit tätig“ sind, bis zu 90 Millionen Euro in Ensheim investieren. Den größten Anteil macht ein geplantes Flugsimulator-Zentrum mit sechs Simulatoren aus. Dafür sind rund 65 Millionen Euro veranschlagt, 60 Beschäftigte sollen dort arbeiten.

Zehn Millionen Euro wird die Stuttgarter Gesellschaft Contact Air in den Ausbau ihrer Flugzeug-Wartung investieren, die in Ensheim konzentriert wird. Zu den bestehenden 100 Stellen sollen 80 hinzukommen. 3,5 Millionen Euro fließen in ein neues Parkhaus, zudem wird der bisherige Wartungsbereich der Fluggesellschaft Cirrus zum Ankunftsbereich umgebaut. Am Flughafen soll ferner ein Gesundheitshotel mit 300 Betten und 100 Arbeitsplätzen entstehen. Dort will man Gesundheits-Dienstleistungen für eine zahlungskräftige Kundschaft anbieten.

Ab dem Winterflugplan (Ende Oktober) werden ab Ensheim neue Ziele angesteuert. Mit der KLM soll es nach Amsterdam gehen, Air Berlin bietet eine dritte tägliche Verbindung nach Berlin an.

Der Gründer von Cirrus Airlines, Gerd Brandecker, kündigte offiziell die Rückverlagerung der Gesellschaft an den Standort Saarbrücken an (die SZ berichtete). Zum 1. April 2008 war der Sitz in die Nähe des Flughafens München verlagert worden. „Zwei Standorte mit Technik in Saarbrücken und Flugbetrieb in München machen auf Dauer keinen Sinn“, so Brandecker. Auch die am Flughafen Zweibrücken angesiedelte Cirrus-Flugschule kommt nun nach Saarbrücken. ur

 

Mehr Sicherheit für Saarbrücker Airport

Flughafen Ensheim wird für 15 Millionen Euro saniert – Neuer Belag für Landebahnen und zusätzliche Sicherheitszonen

Großbaustelle Flughafen Saarbrücken: Für rund 15 Millionen Euro wird die Landebahn komplett saniert und werden an den beiden Bahnenden so genannte Sicherheitszonen aufgeschüttet. Der Flugbetrieb soll dadurch nicht beeinträchtigt werden.

30.07.2009 Von SZ-Mitarbeiter Udo Rau

Saarbrücken. Das letzte Flugzeug der Air Berlin am Dienstagabend mit Urlaubern aus Mallorca landet gegen 22 Uhr. Draußen wartet unterdessen vor dem Tor eins eine Armada von Spezialfahrzeugen mit flackernden, gelben Warnleuchten. Kaum haben die letzten Passagiere den kurzen Weg zum Terminal hinter sich, rollen die ersten Fahrzeuge in wohlgeordneter Reihenfolge Richtung Start- und Landebahn. Die Zeit drängt, jede Minute zählt. Denn die Start- und Landebahn wird saniert.

Der Flughafen bleibt tagsüber bis Betriebsende gegen 22.30 Uhr offen. Deshalb wird nur nachts gearbeitet, wenn der Flugverkehr bis zum frühen Morgen für einige Stunden ruht. „Das ist eine anspruchsvolle logistische Aufgabe, bei der alle Beteiligten minutiös zusammenspielen müssen“, sagt der Saarbrücker Flughafenchef, Professor Friedhelm Schwan. Neben der Bahnsanierung, die je nach Nutzungsgrad in bestimmten Zeitabständen bei jedem Flughafen fällig wird, wird gleichzeitig sicherheitstechnisch aufgerüstet. „Bei der Bahn wird der bisherige Asphalt vier Zentimeter tief abgefräst und im zweiten Schritt gleich neu aufgebracht. Pro Nacht fallen 500 bis 600 Tonnen Asphaltmaterial an, das recycelt wird und bei anderen Baumaßnahmen wieder eingesetzt wird“, sagt Roman Grethel, Geschäftsführer Verkehr und Technik. Die Asphalt-Bauarbeiten werden von einer Arbeitsgemeinschaft der beiden saarländischen Unternehmen Gross (St. Ingbert) und Wolf (Saarbrücken) ausgeführt. In dieser Nacht vom Dienstag zum Mittwoch sind etwa 70 Mann und 60 Fahrzeuge auf der Landebahn in Aktion.

Etwa 300 Meter hinter den Asphaltwerkern rückt eine andere Spezialtruppe langsam vor. „Wir bringen auf dem neuen Asphalt einen Sicherheitsbelag – in der Fachsprache Anti-Skid genannt – auf. Der sorgt für größere Griffigkeit der Bahn beim Bremsen oder Startabbruch, besseren Grip der Flugzeugreifen bei Seitenwind und große Sicherheit bei Regen gegen Aquaplanung“, so Knut Ohloff von der Possehl Spezialbau (Sprendlingen). Das Verfahren von Possehl gilt weltweit als das Non-Plus-Ultra der Belags-Technik. Experte Ohloff, weltweit renommiert, hat den Belag und Spezialmaschinen für die Verarbeitung selbst entwickelt. „Der besteht aus Epoxidharz und einem feinkörnigen Edel-Basalt aus dem Westerwald“, so Ohloff. Der Possehl-Manager tourt mit seiner Spezialtruppe quer durch Europa: „Wir kommen gerade von Athen, nach Saarbrücken geht es nach Brüssel und dann nach Osteuropa.“ Vor einem fürchtet sich Ohloff: Vor Regen. „Auf nassem Asphalt können wir nicht auftragen.“ In den bisher zweieinhalb Wochen sind für die Belags-Techniker vier Nächte wegen Nässe ausgefallen. Morgens kann maximal bis halb sechs gearbeitet werden, geräumt wird die Bahn etwas früher. Denn gegen sechs geht das erste Flugzeug wieder raus. Bis Mitte, spätestens Ende September sollen alle Arbeiten abgeschlossen sein.

Parallel zu den Bahnarbeiten werden derzeit an den Bahnenden neue Sicherheitsflächen installiert. Dazu müssen am Bahnende der Bahn 09 (Anflug von Westen) rund 60 000 Kubikmeter Erdmassen zur Aufschüttung bewegt werden. Am gegenüberliegenden Ende (Bahn 27) wird nur ein geringfügiges Aufschütten nötig. Die Installation der Sicherheitsflächen (jeweils 90 mal 90 Meter) und der jeweils vorgelagerten Sicherheitstreifen von 60 Metern verändert die Aufsetzpunkte, die nach innen rücken. Die physische Bahnlänge aber bleibt mit 2000 Metern gleich. Dadurch verkürzen sich aber in den Flughandbüchern die zur Berechnung verfügbaren (theoretischen) Bahnlängen auf 1.941 Meter (Bahn 27) und 1.900 Meter (Bahn 09).

 

Sogar ein Jumbo käme hoch

Zum Vergleich: Die entsprechenden Längen beim benachbarten Flughafen Zweibrücken betragen jeweils 2675 Meter (Bahnen 03 und 21). Neben den Standard-Kurz- und Mittelstrecken-Flugzeugen wie Airbus 319, 320, 321 können die Boeing-Typen 737, 757 und 767 in Saarbrücken starten und landen. „Sogar eine Boeing 747, der Jumbo, käme mit vielleicht 50 Passagieren und Sprit für eine halbe Stunde in Saarbrücken wieder hoch“, so ein Experte.

 

Neue Strecken für den Saar-Flughafen

Air France/KLM bietet Verbindung nach Amsterdam – Cirrus Airlines kehrt aus München zurück

Am Flughafen Saarbrücken werden trotz Wirtschaftskrise und gesunkenem Passagieraufkommen neue Verbindungen angeboten: darunter Amsterdam und Lissabon. Zudem wird die Berlin-Strecke ausgebaut.

04.09.2009 Von SZ-Mitarbeiter Udo Rau

Saarbrücken. Trotz der aktuellen Krise in der Luftfahrt sind neue Flugverbindungen vom Saar-Airport aus geplant. Nach dem Rekordergebnis von 518 000 Passagieren im Vorjahr rechnet Flughafen-Chef Friedhelm Schwan für dieses Jahr mit einem Rückgang auf rund 470 000 Passagieren. Die Saarländer sollen ab dem Winterflugplan 2009/2010 von ihrem Heimatflughafen aus über das niederländische Drehkreuz Amsterdam-Schiphol mit Air France/KLM in die weite Welt fliegen können. Schwan ist fest überzeugt, mit Air France/KLM noch für dieses Jahr die Aufnahme der Tagesrandflüge nach Amsterdam hinzubekommen.

Weiterhin wird die Air Berlin ab Winterflugplan zu den bisherigen zwei Verbindungen Saarbrücken-Berlin eine dritte hinzufügen: „Wir fassen einen Abflugtermin ab Saarbrücken gegen neun Uhr ins Auge, was für viele Kunden interessanter ist als die Frühmaschine“, so der Flughafen-Chef. Air Berlin hat sich verpflichtet, bis Ende 2010 dem Saar-Flughafen auf jeden Fall treu zu bleiben. Aufgegeben wurde seitens Air Berlin die Idee einer Wiederaufnahme der Verbindung Saarbrücken-München. „Hier fliegt die Luxair. Eine zweite Airline auf der Strecke macht keinen Sinn“, sagte Schwan. Die Luxair weitet ihre Kapazität auf der Strecke Saarbrücken-Hamburg aus: Statt bisher zwei soll ab Winterflugplan drei Mal täglich geflogen werden, sagte Luxair-Vorstand Alberto Kunkel. Zudem fliegt Cirrus Airlines seit langem diese Strecke. Auch die nur wenige Wochen über den Sommer von der Luxair geflogene neue Strecke Saarbrücken-Catania (Sizilien) soll 2010 wieder bedient werden, so Kinkel. Ab März 2010 bietet Air Berlin Nizza – einmal wöchentlich – an. Für Sommer 2010 stehen Porto, Lissabon und Süditalien auf der Planung.

Cirrus-Airlines-Gründer Gerd Brandecker verkündete die Rückverlagerung seiner Gesellschaft vom Flughafen München nach Saarbrücken (wir berichteten). Zum 1. April 2008 war die Gesellschaft dorthin umgezogen. Brandecker stellte gestern auch seine langjährige Verkaufschefin Ingrid Jung als neue Geschäftsführerin der Airline vor. Er selbst werde nur noch als Allein-Gesellschafter fungieren. Brandecker hat sich aber durchaus einiges vorgenommen: „Wir brauchen dringend neue Strecken für unsere Flugzeuge. Angesichts der Krise machen wir nach einem katastrophalen Jahr 2008 auch für 2009 wieder Verlust.“ Von Saarbrücken aus sei derzeit jedoch noch keine neue Strecke für Cirrus in Sicht.

Mit der Rückverlagerung der Cirrus Airlines – rund 500 Beschäftigte, 18 Flugzeuge – werden Verwaltung und Firmensitz wieder in Saarbrücken konzentriert. Von der 90 Köpfe starken Verwaltung nahe des Münchener Airports wollen 60 nicht mit nach Saarbrücken zurück. Entsprechend sucht Cirrus Airlines nach dem bis Frühjahr 2010 geplanten Umzug Ersatz am Saar-Arbeitsmarkt. Verlagert wird auch der Sitz der Cirrus-Flugschule („Cirrus Flight Training“) vom benachbarten Flughafen Zweibrücken an den Saar-Airport.

 

Meinung

Saar setzt auf eigene Kraft

Von SZ-Mitarbeiter Udo Rau

 

Vor Jahren drohten die Westpfälzer, dem Saar-Flughafen die Luft abzudrehen. Germanwings startete ab Zweibrücken nach Berlin-Schönefeld, der Reisekonzern Tui strich weitgehend die Segel in Saarbrücken. Nachdem alle Versuche einer Kooperation beider benachbarter Flughäfen gescheitert waren, gingen die Saarländer neue, eigene Wege. Sie setzen mit Airport-Geschäftsführer Friedhelm Schwan auf das Konzept des Ausbaus zum „Kompetenzzentrum Luftfahrt“. Die Strategie ist richtig. Denn allein vom Passagieraufkommen kann der kleine Saar-Flughafen nicht leben. Also müssen neue Arbeitsplätze rund um Start- und Landebahn her. Jetzt werden die Verantwortlichen an der Umsetzung der Pläne gemessen. Von Zweibrücken redet in Bezug auf die strategische Ausrichtung der Luftfahrt an der Saar niemand mehr.

 

500 000 Passagiere bleiben das Ziel

Im ersten Halbjahr 13 Prozent weniger Fluggäste in Saarbrücken-Ensheim – Air Berlin fliegt wieder nach München

Wie fast alle deutschen Flughäfen hat auch Saarbrücken-Ensheim wegen der Wirtschaftskrise mit sinkenden Passagierzahlen zu kämpfen. Neue Strecken und die Urlaubszeit geben aber Anlass für Optimismus.

15.07.2009 Von SZ-Mitarbeiter Udo Rau

Saarbrücken. Der Flughafen Saarbrücken verbuchte im ersten Halbjahr 2009 einen Passagierrückgang von 13 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Die Zahl sank von 240 982 in den ersten sechs Monaten 2008 auf 209 636. Innerhalb der 23 Internationalen Verkehrsflughäfen in Deutschland liegt der Saar-Airport damit über dem statistischen und von den Krisenfolgen geprägten Bundesdurchschnitt von minus 7,9 Prozent. „Wir müssen unsere Zahlen aber mit Flughäfen ähnlicher Größenordnung vergleichen, da liegen wir dann so schlecht nicht und sind noch mit einem blauen Auge davongekommen“, erklärte Flughafenchef Friedhelm Schwan (Foto: SZ) gestern gegenüber unserer Zeitung. Der Flughafen Stuttgart musste in den ersten fünf Monaten Einbußen von 14 Prozent einstecken, sogar über 30 Prozent liegt der Flughafen Dortmund im Minus. „Ich bin sicher, dass wir im Gesamtjahr die 500 000 Passagiere auch mit Blick auf den anlaufenden Urlaubsverkehr schaffen“, sagte Schwan. So werde Air Berlin ab Ende September wieder (wie schon 2008) die München-Strecke sechs Mal pro Woche mit einem Turboprop Bombardier Q 400 (72 Plätze) bedienen, die derzeit nur von der Luxair geflogen wird. Geplant sei ab Winterflugplan auch ein Zubringer von Saarbrücken zum Amsterdamer Flughafen Schiphol. Die ausführende Gesellschaft wird in Kürze benannt, so Schwan.

Die Gesellschaft Hamburg International plane die Aufnahme neuer Ziele auf Kreta und in Marokko. Zudem arbeite man am Saar-Airport an einer Vernetzung mit mehreren deutschen Flughäfen, die sich gegenseitig beim Auffüllen der Maschinen zu bestimmten Zielen unterstützen wollen, indem statt Direktflügen eine Zwischenlandung zur Aufnahme von Passagieren bei den Partnern eingelegt wird. Neu wird eine Verbindung von Saarbrücken nach Nizza ab 14. Februar 2010 sein, die von Air Berlin (einmal wöchentlich mit dem Airbus A 320) geflogen werden soll. Angesichts der gut frequentierten Berlin-Strecke „arbeiten wir an weiteren Optionen auf dieser Linie, also zusätzlichen Slots, um Warteschlangen in der Buchung abzubauen“, sagte Schwan.

Im Linienverkehr wurden in Saarbrücken in den ersten sechs Monaten 160 497 (Vorjahr 179 578) Passagiere gezählt – ein Minus von 10,6 Prozent. Stärker eingebrochen ist der Charterverkehr: Dazu zählen so genannte Ad-hoc-Charter und der Pauschalreise-Verkehr als größter Block. Der musste im ersten Halbjahr ein Minus von 20,4 Prozent verbuchen – von 59 532 auf 47 382. Erfreuliches Plus im Berlin-Verkehr trotz der Konkurrenz in Zweibrücken durch Germanwings: Der Verkehr in die Bundeshauptstadt stieg um knapp fünf Prozent auf 54 272 Passagiere. Die Ferien-Rennstrecke nach Mallorca verbuchte knapp fünf Prozent weniger (rund 38 500).

Im ersten Halbjahr fertigten die deutschen Verkehrsflughäfen 84,5 Millionen Passagiere ab, wie der Flughafenverband ADV mitteilte. Für das Gesamtjahr rechnet der ADV mit einem Minus von sechs Prozent. Dennoch: „Wir gehen davon aus, dass wir das Schlimmste hinter uns haben“, so ADV-Hauptgeschäftsführer Ralph Beisel.

 

Pilotenvereinigung Cockpit gibt Flughafen Zweibrücken schlechte Noten

Flughafen-Geschäftsführung: Mängel werden noch dieses Jahr abgestellt – Keine Kritik an Saarbrücker Airport

Die Pilotenvereinigung Cockpit hat beim Flughafen Zweibrücken etliche Sicherheitsmängel festgestellt. Die Airport-Geschäftsführung verspricht Besserung.

08.06.2009 ur SZ

Frankfurt/Zweibrücken. Die führende deutsche Pilotenvereinigung Cockpit (Frankfurt) hat in ihrer jüngsten, jährlich erscheinenden Flughafen-Mängelliste den westpfälzischen Flughafen Zweibrücken mit einem roten Stern (Mängel vorhanden) gekennzeichnet. Damit werden aus Sicht der Piloten und des Weltpilotenverbandes (Ifalpa) bei Flughäfen Mängel aufgezeigt, die im Interesse der Sicherheit abgestellt werden müssen. Cockpit hat 32 Flughäfen untersucht, die regelmäßig von Verkehrsflugzeugen angeflogen werden.

So bemängelt die Pilotenvereinigung Cockpit in Zweibrücken einen nicht nutzbaren Parallel-Taxiway (jene getrennte Bahn, auf der Flugzeuge zur Hauptbahn rollen oder diese nach der Landung verlassen), eine fehlende Befeuerung der Mittellinie der Start-/Landebahn sowie fehlende Rollwegbefeuerung und nicht vorhandene schaltbare, rote Haltebarren („Stopbars“). Weiterhin werden fehlende Schilder über die verbleibende Bahnlänge („Tora“) sowie nicht ein existierender Anti-Skid-Belag (Anti-Rutsch-Belag) beziehungsweise nicht vorhandene Querrillen („Grooving“) moniert. Weiter kritisiert Cockpit eine verkürzte Anflugbefeuerung und die nicht eingerichtete automatische Informationsdurchsage („Atis“) mit wichtigen Flughafendaten (wie etwa Wetter, Windrichtung, Temperatur).

In einer Stellungnahme (veröffentlicht in der jüngsten Cockpit-Zeitschrift) kündigt die Geschäftsführung des Flughafens Zweibrücken die Abstellung dieser Mängel noch für dieses Jahr an. So laufe von Mai bis Ende September 2009 eine Landebahnsanierung einschließlich der Einführung des Anflugverfahrens CAT II. Dabei würden die entsprechenden Licht-Befeuerung-Systeme eingebaut. Ferner würde ein Parallel-Taxiway zur Nutzung durch jeglichen Flugverkehr freigegeben, „so dass ein Zurückrollen auf der Piste (...) in Kürze nicht mehr notwendig sein wird“. Die Atis-Frequenz soll im Juli 2009 in Betrieb gehen.

Mit roten Sternen wurden neben Zweibrücken die Fluglätze/Flughäfen in Westerland (Sylt), Lübeck, Rostock-Laage, Heringsdorf (Usedom), Altenburg, Hof, Mannheim, Lahr und Memmingen belegt. Die Flughäfen Saarbrücken und Hahn werden als mängelfrei geführt. ur

 

Luxair will Drehkreuz Saarbrücken ausbauen

London-Linie ist weiter geplant – Gruppe erwartet deutlichen Verlust für 2009

Die Fluggesellschaft Luxair ist wie die gesamte Luftfahrt-Branche von einem massiven Rückgang der Nachfrage betroffen. Der Saar-Airport als zweites Drehkreuz in der Großregion wird für die Luxair wichtiger.

20.05.2009  Von SZ-Mitarbeiter Udo Rau

Luxemburg. Die Turbulenzen der Wirtschafts- und Finanzkrise werden auch die Luxair-Gruppe in diesem Jahr heftig durchschütteln. Der Gegenwind für die am Luxemburger Flughafen Findel ansässige Fluggesellschaft ist in allen Bereichen spürbar: im Urlaubs- und Linienverkehr und vor allem in der Frachtabfertigung in Findel, die von Luxair abgewickelt wird. Hier ist die global operierende Frachtfluggesellschaft Cargolux, an der Luxair mit 34,9 Prozent beteiligt ist, besonders stark vom Rückgang des Frachtaufkommens betroffen, sagte gestern Luxair-Verwaltungsratsvorsitzender Marc Hoffmann bei der Vorlage der Jahresbilanz für 2008 und der Vorschau auf aktuelle Jahr.

Trotz aller Widrigkeiten vor allem im vierten Quartal konnte die Gruppe bei einem auf 416 Millionen Euro gestiegenen Umsatz (Luxair, Cargo und Passagierabfertigung, Touristik und Airport-Shops ) das Jahr 2008 noch mit einem operativen Gewinn von 1,55 (Vorjahr: 5,51) Millionen Euro abschließen. Die Fluggesellschaft blieb (vor Steuern) mit knapp zwei (Vorjahr: 1,2) Millionen Euro im Minus. Sowohl für die Fluggesellschaft als auch für die gesamte Gruppe erwartet Hoffmann für 2009 mit einem Minus von jeweils knapp 15 Millionen Euro tiefrote Zahlen (vor Steuern). Allein Luxair steuerte von Januar bis April mit sechs (Vorjahr: minus 2,8) Millionen Euro in die Verlustzone.

Unterdessen hält die Luxair strategisch an ihrer vor zwei Jahren begonnen Neuausrichtung fest, sich als die führende Airline der Großregion zu positionieren. „Luxemburg ist unser Heimatdrehkreuz, und Saarbrücken ist mittlerweile unser zweites Standbein in der Region“, sagte Luxair-Vorstandschef Adrien Ney (Foto: Rau). Das Büro am Saar-Flughafen werde personell aufgestockt und mit Dirk Bernhard (bisher Luxair Tours) einen neuen Stationsleiter bekommen. Die nach kurzem Betrieb wieder gestrichene Linie Saarbrücken-Luxemburg-London steht weiter auf dem Programm. Ney: „Wenn sich die Weltwirtschaft wieder erholt hat und der Geschäftsreiseverkehr wieder zunimmt, schließe ich die Aufnahme der Verbindung Saarbrücken nach London nicht aus.“ Die Zahlen an der Saar jedenfalls haben sich gut entwickelt: 2008 hat Luxair auf ihren Strecken nach Hamburg (parallel zur Cirrus), München und Berlin ihr Passagieraufkommen mit 35 200 verdoppelt. „Wir fürchten uns auch nicht vor einer Wiederaufnahme der München-Strecke durch Air Berlin. Wir leben mit der Konkurrenz und behaupten uns“, sagte Ney. Die neue Linie Saarbrücken-Catania (Sizilien) über den Sommer 2009 werde bei Erfolg 2010 in den Flugplan integriert, so Luxair-Touristik-Vorstand Alberto Kunkel.

Trotz der Krise sollen die Arbeitsplätze erhalten bleiben: „Die Rettung der 2400 Stellen in der Gruppe ist vorrangiges Ziel“, sagte Ney: „Es gibt weder Kurzarbeit noch einen Sozialplan.“ Mit einer Anpassung der Flugkapazitäten, Überstundenabbau und Personalumschichtungen will man der Krise trotzen.

 

2007-2008 Machbarkeitsstudie optimierte Verlängerung RWY

Varianten der Start- und Landebahn-Auslegung wurden untersucht

Das Saarland bzw. die Flughafen Saarbrücken Besitzgesellschaft GmbH (Vorhabensträger) plant die Ertüchtigung des einzigen internationalen Verkehrsflughafens des Bundeslandes hinsichtlich der erforderlichen Sicherheitszonen gemäß ICAO-Richtlinien. In diesem Zusammenhang wurden sieben unterschiedliche Varianten der Start- und Landebahn-Auslegung auf ihre planerisch-technische Machbarkeit hin untersucht von DORSCH INTERNATIONAL CONSULTS aus Offenbach. Besonders interessant ist die grafische Darstellung der Varianten auf der Webseite.

 

 

 

Landebahn in Ensheim wird nicht verlängert

Saarbrücker Zeitung 30.10.2007

Saar-Landesregierung sieht Airport nach Verpflichtung der Air Berlin im Wettbewerb besser positioniert

Die Saar-Landesregierung will ihren Plan nicht mehr weiterverfolgen, die Landebahn am Flughafen Saarbrücken-Ensheim zu verlängern. Dies bestätigte gestern Wirtschafts-Staatssekretär Albert Hettrich gegenüber unserer Zeitung.

Von Merkur-Mitarbeiter

Thomas Sponticcia

Saarbrücken. Die saarländische Landesregierung sieht wegen geänderter Wettbewerbs-Bedingungen am Flughafen Saarbrücken-Ensheim keine Notwendigkeit mehr darin, die dortige Landebahn zu verlängern. „Aus heutiger Sicht braucht man die Verlängerung der Landebahn nicht mehr. Die Air Berlin kann zu den derzeitigen Bedingungen ihre Flugzeuge mit 150 bis 180 Passagieren füllen und fliegen“, sagte Wirtschafts-Staatssekretär Albert Hettrich (Foto: pm) gestern zu unserer Zeitung. Auch für andere Airlines reiche die Länge der Landebahn aus. Die erfolgreiche Verpflichtung der Air Berlin habe dem Saar-Flughafen nicht nur zu deutlich mehr Verbindungen ins In- und Ausland verholfen, sondern auch die Position des Airports sowie des Wirtschafts-Standortes Saarland gestärkt. Ganz begraben habe man die Möglichkeit einer Landebahnverlängerung nicht. Eine Voruntersuchung laufe noch. Doch schon alleine ein Planfeststellungsverfahren für ein solches Vorhaben dauere drei bis fünf Jahre. Man setze jetzt lieber auf die verbesserten Wettbewerbs-Bedingungen gegenüber Konkurrenz-Flughäfen. Ohnehin sei die Verlängerung der Landebahn von der Landesregierung nur als Option gesehen worden, betonte Hettrich.

Auch der neue Luftfahrt-Berater der Landesregierung, Friedhelm Schwan, hat offensichtlich den Ministerpräsidenten davon überzeugt, vom Plan einer Verlängerung der Landebahn abzusehen. Schwan war entscheidend an der Verpflichtung der Air Berlin beteiligt. „Ich habe immer gesagt, auch gegenüber der Politik, dass ich eine Verlängerung der Landebahn für völligen Unsinn halte“, so Schwan gegenüber dem Pfälzischen Merkur. Die Airlines kämen mit der Größe der Landebahn aus. Außerdem hält es Schwan für unausweichlich, in Zukunft mit allen Flughäfen in der Region zu kooperieren: von Zweibrücken über Luxemburg bis hin zu Metz und Hahn. Die Wettbewerbsbedingungen veränderten sich europaweit in den nächsten Jahren dramatisch. Ohne eine Kooperation aller Flughäfen in der Region könne am Ende keiner überleben, prognostiziert Schwan.

Ministerpräsident Peter Müller hatte vor der Verpflichtung der Air Berlin beim Neujahrsempfang angekündigt, als Antwort auf die Zweibrücker Konkurrenz eine Verlängerung der Landebahn ins Auge zu fassen. Die rheinland-pfälzische Landesregierung brach die Kooperationsgespräche mit dem Saarland ab. Unter dem neuen Wirtschaftsminister Joachim Rippel laufen Bemühungen, das Klima zur Mainzer Staatskanzlei und zum Flughafen Zweibrücken zu entspannen.

 

Meinung

Kräftig mit dem Säbel gerasselt

Von Merkur-Mitarbeiter

Thomas Sponticcia

Noch vor wenigen Monaten stand die Saar-Landesregierung in ihrer Flughafenpolitik mit dem Rücken zur Wand. Die Konkurrenz aus Zweibrücken schien übermächtig zu werden. Da holte Saar-Ministerpräsident Peter Müller zum Befreiungsschlag aus, konterte auf dem Neujahrsempfang mit der Ankündigung, die Landebahn in Ensheim auszubauen. Jetzt der Rückzieher. Brauchen wir nicht mehr, heißt es aus der Landesregierung. Stimmt! Der Saar-Flughafen ist nach der Verpflichtung der Air Berlin mit ihren zahlreichen Verbindungen deutlich besser positioniert, auch Zweibrücken gegenüber. Dadurch stehen wiederum die Zeichen in Richtung der rheinland-pfälzischen Landesregierung und dem Zweibrücker Flughafen auf Entspannung. Die Zeiten haben sich geändert. Nach viel Säbelrasseln wird dieser jetzt eingepackt. Neue Gespräche über Kooperationen sind möglich.

 

 

Passagierzahlen 2006

(Pressemitteilung der Flughafen Saarbrücken GmbH  5.1.2007)
Nach dem Rekordjahr 2005 mit 487.314 Passagieren waren ab Saarbrücken 2006 421.369 Fluggäste zu verzeichnen.

Allein in die Türkei flogen 2006 rund 25.000 Passagiere weniger als im Vorjahr. Grund waren die Anschläge dort und der damit verbundene Nachfragerückgang bundesweit.

Weiterhin fehlten 2006 dem Flughafen Saarbrücken 6000 Fluggäste resultierend aus Ausweichlandungen vom Hahn mit Ryanair. Im letzten Jahr wurde auf dem Hahn die Landebahn erweitert und eine neues ILS eingebaut. Dadurch war es in der Bauphase bei Nebel schwierig bis unmöglich auf dem Hahn zu landen. Die Flüge wurden 2005 nach Saarbrücken umgeleitet.

Weil kleineres Fluggerät wie die Boeing 737-700 vermehrt eingesetzt wurde, fehlten auf verschiedenen Destinationen in der Summe noch einmal rund 10.000 Plätze.

Auch Mallorca hatte rund 13.000 Passagiere weniger und schloss mit 106.740 Fluggästen ab.

Hier wurde die Entscheidung der Reiseveranstalter aus der Fläche zu gehen und sich auf die Großflughäfen zu konzentrieren deutlich. Ein Trend, von dem 2006 alle kleineren Flughäfen betroffen waren. Ein Trend der 2007 nach Angaben der Reiseveranstalter wieder umgekehrt werden soll.

2006 wurden die Strecken nach Dalaman, Ankara und das Drehkreuz München nicht bedient. Damit verbunden fehlen noch einmal 9.000 Passagiere.

Die Berlinstrecke hat nicht die erwarteten Einbußen erlitten. Geschäftsreisende schätzen die Vorteile direkt ins Zentrum von Berlin zu fliegen und die hohe Frequenz, die sehr viel Flexibilität bedeuten. Hinzu kommen attraktive Wochenendpreise ab 59 Euro inkl. aller Gebühren. München blieb mit rund 21.000 Fluggästen stabil, Hamburg konnte sich auf über 25.000 Fluggäste steigern.

Für 2007 erwartet der Flughafen Saarbrücken eine sehr hohe Auslastung der Ferienflieger, die mit über 35 Reiseveranstaltern und Fluggesellschaften alle Ziele des Jahres 2006 weiterhin anfliegen werden.
Für Berlin ist wegen der gestiegenen Nachfrage geplant, die Anzahl der Umläufe von 3 auf 4 mal täglich zu erhöhen.

 

Spielplatz für Landesfürsten

Saarland kündigt Planfeststellungsverfahren für Verlängerung der Startbahn an, Rheinland-Pfalz kündigt Kooperationsgespräche auf

Die Meinung des VCD liegt klar auf der Hand: fliegen ist so die umweltschädlichste Fortbewegung, die sich der Mensch zu eigen gemacht hat -- vgl. die Themenseite unseres Bundesverbandes. Wenn noch lokalpolitisches Tauziehen hinzukommt, entsteht ein beißender Cocktail. Lesen sie selbst in dpa-Meldungen, wie die saarländische Lokalpolitik das Klima zusätzlich schädigen und den Landeshaushalt mit weiteren 50 Mio € belasten will.

VCD Meinung: Negative Folgen des Flughafenausbaus

Beide Flughäfen sind in Besitz der Länder. Diese stecken jährlich Millionen an Steuergeldern in den Betrieb und die Erweiterung der Flughäfen mit der Begründung, dadurch bestehende Arbeitsplätze zu erhalten und neue zu schaffen. Wachstum und Beschäftigung treten erfahrungsgemäß nur in den seltensten Fällen wie vorhergesagt ein. Viele Projekte sind von vornherein unrentabel. Steuergelder, die an anderer Stelle sinnvoller eingesetzt werden hätten können, verpuffen.

Flughäfen sind angeblich „Jobmotoren”. Im Saarland wie auch in Rheinland-Pfalz sind die Politiker ganz benommen von den Jobzahlen - 1.000 Stellen in Ensheim, noch mehr in Zweibrücken! Allerorten entstehen demnach neue Arbeitsplätze nicht nur direkt am Flughafen und bei den Airlines, sondern auch bei den Lieferanten und Dienstleistern sowie durch verstärkte Nachfrage in anderen Branchen.

Unabhängige Gutachten zur Entwicklung der Arbeitsplätze an Flughafen fehlen indes. Bei den Prognosen wird nicht berücksichtigt, dass an anderer Stelle Arbeitsplätze wegfallen können. Verkehr wird durch einen Flughafenausbau oftmals nur von der Bahn auf das Flugzeug verlagert. Rund um den Flughafen kommt es zu Neueinstellungen, bei der − deutlich beschäftigungsintensiveren − Bahn aber fallen Stellen weg. Entsprechend verhalten äußerte sich beispielsweise das Rheinisch-Westfälische Institut für Wirtschaftsforschung in einem Gutachten zum Ausbau des Frankfurter Flughafens: „Ein Einfluss einer Flughafeninfrastruktur auf den Arbeitsmarkt ist statistisch nicht nachweisbar.”

 

Status quo in Ensheim

Mit 487.314 Passagieren 2005 hat der Flughafen Saarbrücken sein bis dato bestes Ergebnis erzielt und damit die Höchstmarke aus dem Jahr 2000 mit damals 484.615 Passagieren übertroffen. Gegenüber 2004 mit 461.348 Passagieren entspricht dies einer Steigerung um 5,6 Prozent. Für 2006 strebte der Flughafen Saarbrücken an, die 500.000er-Marke zu überschreiten, stattdessen war jedoch ein Rückgang um 13% auf 421.369 Passagiere zu verbuchen.

Besonders die seit September 2006 bestehende Verbindung von Germanwings zwischen Berlin und Zweibrücken wird als Ursache dafür angesehen. Als Konsequenz kündigte der Mehrheitseigner Fraport an, seine Anteile am Saarbrücker Flughafen Mitte 2007 zu veräußern. Die saarländische Landesregierung will das Unternehmen dann als Alleingesellschafter weiterführen, Fraport jedoch die Betriebsführung übertragen.

Die Gesellschaft Hapagfly ist wegen der längeren Landebahn ab März 2007 nach Zweibrücken gewechselt. Jedoch existieren Gerüchte darüber, dass LTU an die Stelle von Hapagfly treten wird und die so entstandenen Lücken - zumindest teilweise - füllen soll. Dennoch rechnet die Geschäftsleitung zunächst mit weiter rückläufigen Passagierzahlen.

Um Sicherheitsmängel zu beseitigen und Ensheim gegen Zweibrücken konkurrenzfähig zu machen, will die Landesregierung die Ensheimer Landebahn für 50 Mio. EURO um 400 Meter verlängern.

Quelle: Wikipedia 4/2007

 

Die Meinung der Lokal-CDU

Der Ensheimer CDU-Landtagsabgeordnete Martin Karren und Bernd Wegner, verkehrspolitischer Sprecher der CDU-Landtagsfraktion: „In der aktuellen Diskussion ist es nicht hilfreich, die rund 1.000 Beschäftigten vor Ort durch Mutmaßungen zu verunsichern, wie dies die SPD-Stadtratsfraktion derzeit tut. Die CDU-geführte Landesregierung hat sich ganz klar für Ensheim ausgesprochen, prüft nun Möglichkeiten einer Landebahnverlängerung, um den Internationalen Verkehrsflughafen auch für größere Maschinen attraktiv zu machen. Zeitgleich schürt die SPD völlig unbegründete Ängste und macht Stimmung auf dem Rücken der Mitarbeiter“, so Martin Karren.

Info zu Flughafen Zweibrücken

Das neue Terminal kann rund eine halbe Million Fluggäste pro Jahr abfertigen. Das ursprüngliche Terminal wurde in eine Militärhalle für rund 500 000 Euro hineingebaut. Die jetzige Erweiterung kostete laut Kühl knapp 1,2 Millionen Euro.

 

Pressestimmen

Bereits jetzt neuer Jahresrekord am Zweibrücker Flughafen

14. Juni 2007 Saarbrücker Zeitung

Zweibrücken. Am Flughafen Zweibrücken sind dieses Jahr bereits etwa 40.000 Passagiere mehr geflogen als im gesamten Jahr 2006 – so viel wie noch nie zuvor. „Wir sind jetzt schon bei rund 100.000 Passagieren“, freute sich gestern auf Merkur-Anfrage Flughafen-Geschäftsführer Peter Schmitt. Eine Prognose für dieses Jahr wollte er aber nicht wagen: „Da müssen wir erst die Auswirkungen der geplanten Air-Berlin-Flüge ab Saarbrücken abwarten.“ Air Berlin steuert von dort, ebenso wie Germanwings ab Zweibrücken, Berlin an.

 

Teure Luftschlösser REGIONALFLUGHÄFEN

Karl-Otto Sattler

Mit Steuergeldern wurden sie finanziert. Jetzt gibt es zu viele. Zuweilen findet sich doch noch ein verstecktes Sümmchen. Das mit über 9 Milliarden Euro verschuldete Saarland klagt derzeit in Karlsruhe wegen "extremer Haushaltsnotlage" auf zusätzliche Bundeshilfen. Nun aber kündigen CDU-Regierungschef Peter Müller und Wirtschaftsminister Hanspeter Georgi die 50 Millionen Euro teure Verlängerung der Zwei-Kilometer-Landebahn des Saarbrücker Flughafens an, um Fernreisen von Ensheim aus zu ermöglichen. Mit dieser Investition will man der mit einer Drei-Kilometer-Piste ausgestatteten Konkurrenz im knapp 40 Kilometer entfernten Zweibrücker Airport Paroli bieten.

Wettlauf mit Kannibalisierungseffekten

Nun belebt Konkurrenz das Geschäft, worüber sich wegen günstiger Tarife Reisende freuen können. Allerdings findet dieses Kräftemessen auf dem Rücken der Steuerzahler statt. Angesichts von Verdrängungswettbewerb und Subventionswettlauf meint Georgi, es werde "zwangsläufig zu Kannibalisierungseffekten kommen". Aus dem Saar-Etat flossen in einem Jahrzehnt schon 40 Millionen Euro nach Ensheim. Seit einiger Zeit steckt das CDU-Kabinett jährlich 3 Millionen Euro in den Flughafen, die 2007 auf 8 Millionen aufgestockt werden - auch um über niedrigere Abfertigungsgebühren Fluglinien zu umgarnen. Der ehemalige US-Militärairport Zweibrücken wurde seit 1991 mit über 30 Millionen Euro aus Mainzer Landesmitteln und EU-Töpfen bedacht, um die Infrastruktur zu entwickeln und Defizite der Betriebsgesellschaft auszugleichen.

Spielplatz für Landesfürsten

Der Clinch zwischen Saarbrücken und Zweibrücken ist nicht das einzige Beispiel für ruinöse Existenz- und Konkurrenzkämpfe bei Regionalflughäfen. Bundesweit existieren inzwischen 41 solcher Airports, wobei Saarbrücken und auch Erfurt trotz bescheidener Passagierzahlen bei den 19 internationalen Flughäfen eingruppiert sind. Eine Studie der Deutschen Bank Research, wonach von den regionalen Airports nur fünf annähernd kostendeckend arbeiten, hat die Kritik an deren öffentlicher Subventionierung untermauert. Der Erfurter Verkehrswissenschaftler Bernd Kortschak: "Regional unausgelastete Flughäfen, die sich gegenseitig Passagiere abjagen, agieren nicht anders als Blutegel, die sich gegenseitig aussaugen." Nun steckt hinter dem Investitionseifer das hehre Motiv, über Airports die Wirtschaft vor Ort anzukurbeln und Arbeitsplätze zu schaffen. Auch Prestigedenken dürfte mit im Spiel sein: Der Verkehrsclub Deutschland (VCD) outet Regionalflughäfen als "Spielplatz für Landesfürsten".

Als Vorbild dient Ministerpräsidenten und Rathauschefs das "Wunder von Hahn": Bei dem Hunsrück-Airport mit 3,7 Millionen Passagieren im Jahr, Drehkreuz des Billiganbieters Ryanair, entstanden mit Hilfe öffentlicher Gelder 8.000 Arbeitsplätze. Aber selbst auf dem Hahn dauerte es ein Jahrzehnt, bis 2006 erstmals schwarze Zahlen geschrieben wurden. Der Mainzer SPD-Wirtschaftsminister Hendrik Hering will nach diesem Muster auch den Zweibrücker Flughafen als Jobmotor auf Touren bringen. Im Gegenzug verteidigen Müller und Georgi die 1.000 Arbeitsplätze in Ensheim. Welcher der beiden Airports auf der Strecke bleiben wird oder ob beide in Subventionsgräbern ihr Leben aushauchen, darf als offen gelten. Der VCD meint nüchtern: "Das Wunder von Hahn ist ein Einzelereignis." Republikweit sind in der Tat eher "Kannibalisierungseffekte" zu beobachten, wie die Expertise der Deutschen Bank kons-tatiert - und anders als bei Boom-Flughäfen wie Frankfurt, München oder Düsseldorf sind eben häufig finanzielle Löcher zu stopfen. Beispiele gibt es zuhauf.

Strom- und Gaskunden zahlen mit

So soll für über 100 Millionen Euro aus öffentlichen Mitteln Kassel-Calden ausgebaut werden, obwohl von der Stadt aus beste Zugverbindungen zu Airports in Hannover, Paderborn, Dortmund, Frankfurt oder Erfurt existieren. Für Millionenverluste in Dortmund müssen Steuerzahler sowie Strom- und Gaskunden in die Tasche greifen: Am Flughafen sind zu 74 Prozent die Stadtwerke und zu 26 Prozent die Kommune beteiligt. Ein Minus von rund einer Million Euro jährlich hat Hof-Plauen zu verkraften: Nun sollen Investitionen, die auch mit Millionenzuschüssen aus dem bayerischen Haushalt finanziert werden, dem kleinen Airport Flügel verleihen.

Auf Konfrontationskurs gehen die benachbarten Flughäfen in Friedrichshafen am Bodensee und in Memmingen im bayerischen Allgäu, und dies bei einem regional begrenzten Passagierreservoir. An die 20 Millionen Euro sollen den ehemaligen Memminger Militärairport aufmöbeln, Brüssel genehmigte jetzt Subventionen des Landes Bayern von 7,5 Millionen Euro. Expandieren will aber auch Friedrichshafen, das Geld kommt vor allem vom Flughafen Wien, der neuerdings größter Anteilseigner neben regionalen Gebietskörperschaften und dem Land Baden-Württemberg ist. Unweit entfernt liebäugelt zudem der profitable Airport Stuttgart mit einer zweiten Landebahn.

Ein Sinnbild für fragwürdigen Wettbewerb ist auch der Oberrhein, dessen Flughäfen keineswegs ausgelastet sind. Im nordbadischen Söllingen starten und landen jährlich über 800.000 Personen. Nebenan registriert Straßburg zwei Millionen Reisende, davon 200.000 Deutsche. Der schweizerisch-französische Airport Basel-Mülhausen verbucht vier Millionen Gäste, ein Drittel kommt aus Südbaden. Gleichwohl setzte die Stadt Lahr gegen erbitterten Widerstand der Söllinger Konkurrenz mit massivem Lobbying bei der Stuttgarter Regierung durch, dass von Juni an eine australische Gesellschaft über den früheren kanadischen Militär-Airport jedes Jahr Hunderttausende von Touristen speziell zum Europapark Rust befördern darf, einem gigantischen Freizeitpark.

Der Kern des Problems: Es fehlt eine bundesweite Flughafenplanung. Auf der Hand liegt etwa eine Zusammenarbeit zwischen Saarbrücken und Zweibrücken, wofür auch ein Gutachten plädiert: Ensheim deckt mit seiner Zwei-Kilometer-Piste den Verkehr für Strecken bis zu vier Stunden Dauer ab, die Pfälzer konzentrieren sich mit ihrer Drei-Kilometer-Landebahn auf Fernflüge. Es kursierten bereits Planspiele zu einem Saar-Pfalz-Flughafen mit zwei Standorten. Doch Kooperationsgespräche zwischen Hering und Georgi sind gescheitert, Kirchturmdenken obsiegt. Nun greifen beide Regierungen noch tiefer in ihre Steuertöpfe. Karl-Otto Sattler z

Mehr zum Thema unter: www.adv-net.org und www.dbresearch.com

Ausdruck aus dem Internet-Angebot der Zeitschrift "Das Parlament" mit der Beilage "Aus Politik und Zeitgeschichte"
© Deutscher Bundestag und Bundeszentrale für politische Bildung, 2007.


Debakel am Boden und in der Luft

Saarland: Airport benötigt Millionensubventionen

Karl-Otto Sattler

Stümperei" wirft SPD-Oppositionsführer Heiko Maas CDU-Ministerpräsident Peter Müller und Wirtschaftsminister Hans-Peter Georgi vor. Und für FDP-Chef Christoph Hartmann hat die Regierung eine "Bruchlandung" hingelegt. Grünen-Vormann Hubert Ulrich sieht die Kabinettsriege "Luftschlösser" bauen und fordert Georgis Rücktritt. Angesichts der Krise des Saarbrücker Flughafens feuert die Opposition ganze Breitseiten ab. Denn auf dem Airport brechen die Passagierzahlen ein, das Frankfurter Flughafenunternehmen Fraport als Mehrheitseigner der Betriebsgesellschaft steigt angesichts fehlender Gewinnperspektiven aus und nur 40 Kilometer entfernt boomt vor der Haustür als neue Konkurrenz der westpfälzische Flughafen in Zweibrücken.

Großes ökonomisches Gewicht

Der Saarbrücker Airport sichert direkt rund 1000 teils hochqualifizierte Arbeitsplätze und indirekt mehrere hundert weitere Jobs. Für die Saar hat der Flughafen damit ein enormes ökonomisches Gewicht. Zudem geht die Furcht um, dass der Landstrich ohne "richtigen" Airport ins provinzielle Aus stürzt. Das Debakel im Luftraum wirft indes auch ein Schlaglicht auf die fragwürdige Subventionierung des Wettbewerbs zwischen defizitären Flughäfen zu Lasten der Steuerzahler.

2000 wurde in Saarbrücken für rund zwölf Millionen Euro eine neue Abfertigungshalle gebaut, um eines Tages für 700.0000 Passagiere gerüstet zu sein. 2006 sank freilich die Zahl der Reisenden von 490.000 im Jahr 2005 auf 420.000. Für das Jahr 2007 dürften nur noch 350.000 Passagiere zu erwarten sein. Ein Grund: Ferienflieger starten seltener im Saarland. Mit einer preisgünstigen Verbindung nach Berlin von Zweibrücken aus zieht Billiganbieter Germanwings Kundschaft ab.

Nun ist guter Rat wahrlich teuer. Nach dem Ausstieg von Fraport wird die Regierung, ohnehin im Besitz von Immobilie und Infrastruktur, als bisheriger Minderheitseigner die Betriebsgesellschaft wohl alleine übernehmen müssen, da sich potente Investoren schwerlich finden lassen dürften. Statt wie bislang drei Millionen Euro an jährlichen Subventionen steckt das Kabinett 2007 acht Millionen Euro in den Airport - auch um mit günstigeren Abfertigungsgebühren Fluglinien anzulocken. Zudem will Müller die zwei Kilometer lange Startbahn verlängern, um auch das Abheben größerer Maschinen zu ermöglichen. Die Kosten eines solchen Ausbaus werden auf 50 Millionen Euro geschätzt.

Für SPD-Chef Maas kommt dieser Vorstoß viel zu spät, das sei nur ein "Ablenkungsmanöver" des Ministerpräsidenten. In der Tat würde die Verwirklichung dieses Projekts, gegen das Umlandgemeinden bereits Protest anmelden, Jahre dauern - und bis dahin könnte der Flughafen noch tiefer in die Krise trudeln. Grüne und FDP halten eine Ausdehnung der Piste ohnehin für sinnlos und plädieren für eine Kooperation mit Zweibrücken, wo die Mainzer Regierung ebenfalls Millionen zuschießt. "Das ist volkswirtschaftlicher Unsinn": So kommentiert der Steuerzahlerbund die steuersubventionierte Konkurrenz unmittelbar benachbarter Airports. In der Westpfalz existiert schon eine drei Kilometer lange Piste. Ende Januar verhandeln die Wirtschaftsministerien von Mainz und Saarbrücken erneut über eine Zusammenarbeit zwischen den beiden Flughäfen, selbst die Idee einer Fusion geistert herum. Alle bisherigen Bemühungen dieser Art sind jedoch gescheitert. Das Hemd ist näher als der Rock, und sei das Hemd noch so teuer.

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Luftkampf zwischen den Nachbarn

Saarland, Rheinland-Pfalz und der Coup von Germanwings

Karl-Otto Sattler

Einen "knallharten Verdrängungswettbewerb" sieht Christian Baldauf heraufziehen. Den rheinland-pfälzischen CDU-Oppositionsführer treibt die Sorge um den eskalierenden Konkurrenzkampf zwischen den benachbarten Flughäfen im westpfälzischen Zweibrücken und in Saarbrücken um.

An diesem Luftkampf ist ein Parteifreund Baldaufs, der Zweibrücker Rathauschef Helmut Reichling, nicht ganz unbeteiligt: Der CDU-Politiker stichelte schon mal gegen den saarländischen Airport, dessen Sicherheit angeblich nicht optimal sei. Prompt konterte Albert Hettrich, CDU-Wirtschafts-Staatssekretär im Saarland: "Der Flughafen ist sicher, und wir arbeiten daran, dass er noch sicherer wird."

Ein anderes Mal erklärte Rolf Linsler, dass "für zwei Flughäfen in der Region kein Platz" sei. Aus Sicht des Verdi-Landesleiters an der Saar sind die Subventionen der Mainzer Regierung für die Westpfälzer Piste eine "gigantische Verschwendung von Steuermitteln." Linslers Vorstoß erboste wiederum den Betriebsrat in Zweibrücken.

Nun aber mutiert der seit langem schwelende Kleinkrieg über den Gartenzaun zum offenen Fight: Seit diesem Wochenende offeriert der Billigflieger Germanwings Passagiertransfers zwischen Zweibrücken und Berlin - und dies deutlich günstiger als die von Saarbrücken aus startende Cirrus-Airline. Die Konkurrenz zwischen den direkt benachbarten Airports wird durch den pfälzischen Coup spürbar verschärft. Der Mainzer SPD-Wirtschaftsminister Hendrik Hering meint, sein Saarbrücker Kollege Hanspeter Georgi (CDU) sei "nicht begeistert". Das ist natürlich ein gewisses Understatement: An der Saar läuten die Alarmglocken. Hering feiert einen "Durchbruch" für die westpfälzische Region. Immerhin kalkuliert Germanwings mit jährlich rund 160.000 Berlin-Reisenden. Schon vor dem Start Mitte September verzeichnete die Gesellschaft, die von der Westpfalz aus Flüge in die Hauptstadt je nach Bestelltermin schon von 19 Euro an für eine einfache Strecke anbietet, rund 20.000 Buchungen. 2005 hatte Zweibrücken, einer der 39 deutschen Regionalflughäfen, gerade mal 18.000 zahlende Gäste. Ohne Zweifel dürfte das Kölner Unternehmen künftig auch einen Teil der jährlich 50.000 Berlin-Passagiere anziehen, die bislang über Saarbrücken pendeln.

2005 verzeichnete der vor allem vom Ferienverkehr lebende Saar-Airport, eine der kleineren der 17 internationalen Pisten in Deutschland, 487.000 Kunden: Aus der Hoffnung, die magische Zahl von 500.000 zu überspringen, wird jetzt wohl kaum noch etwas werden.

Nun liegt Wettbewerb in der marktwirtschaftlichen Logik: Warum soll die Pfalz der Saar keine Konkurrenz machen? Allerdings ist es mit der Marktwirtschaft im Flugverkehr so eine Sache: Weder Zweibrücken noch Saarbrücken finanzieren sich selbst, beide Airports sind für den Staat Zuschussbetriebe. Nach dem Abzug der US-Army flossen zwischen 1991 und heute insgesamt knapp 30 Millionen Euro aus EU-Mitteln und dem Mainzer Landesetat nach Zweibrücken. 15,4 Millionen Euro stützten den Ausbau der Infrastruktur auf dem Flughafen - und überdies wurden bisher mit insgesamt 14,3 Millionen Euro die Defizite ausgeglichen, die bei der vom Land und von regionalen Gebietskörperschaften zu je 50 Prozent getragenen Betreibergesellschaft anfallen. Laut Saar-Wirtschaftsministerium schreibt zwar die Saarbrücker Betriebsgesellschaft, an der neben dem Land auch die Fraport vom Frankfurter Flughafen beteiligt ist, eine schwarze Null. Doch für die zu 100 Prozent dem Land gehörende Besitzgesellschaft, die den Airport an die Betreiber verpachtet, werden im Landeshaushalt jährlich knapp drei Millionen Euro an Zuschüssen bereitgestellt.

Der Luftstreit im Südwesten beleuchtet eine bundesweite Malaise: In Deutschland gibt es zu viele Flughäfen, die vielfach gegeneinander konkurrieren, finanziell oft auf keinen grünen Zweig kommen und häufig nur mit öffentlichen Beihilfen zu überleben vermögen. Nach einer Studie der Deutschen Bank arbeiten lediglich fünf der 39 Regional-Airports kostendeckend. Hinter dem Kannibalismus im Luftraum steckt das hehre Motiv, über gute Flugverbindungen die Wirtschaft anzukurbeln und Arbeitsplätze zu schaffen.


Indes kritisiert Bernd Kortschak, Professor für Verkehrswissenschaften in Erfurt: "Regional unausgelastete Flughäfen, die sich nur gegenseitig Passagiere abjagen, agieren nicht anders als Blutegel, die sich gegenseitig aussaugen." Selbst zwei Nachbarn wie Saarbrücken und Zweibrücken tun sich mit der Abstimmung schwer. Schon 2002 schlugen Gutachter eine Zusammenarbeit vor: Saarbrücken solle mit seiner zwei Kilometer langen Piste den Passagierverkehr für Reisen bis zu vier Stunden Dauer abdecken, während sich Zweibrücken mit seiner drei Kilometer langen Landebahn auf Fernflüge konzentrieren könnte. Bislang ist aus solchen Plänen freilich nichts geworden. Nach einem Gespräch zwischen den Ministern Georgi und Hering hieß es lediglich, man wolle Kooperationsmöglichkeiten "prüfen". Wenn es nicht bald mit einer Aufgabenverteilung klappe, fürchtet der saarländische CDU-Ministerpräsident Peter Müller, "wird allein der Wettbewerb entscheiden". So wie die Dinge liegen, spricht manches für einen harten Preiskampf im Zuge des Coups von Germanwings. In Saarbrücken bietet Cirrus an Wochenenden bereits "One Way"-Reisen nach Berlin für 49 Euro an. Für Flughafen-Geschäftsführer Markus Brunk ist eine Kooperation mit Zweibrücken "eine Sache der Politik". Er will auf die Suche nach Niedrigpreis-Airlines gehen, die von Saarbrücken aus starten. Sinkende Tarife, die unter anderem auch mit niedrigen Abfertigungsgebühren für die Fluggesellschaften zu tun haben, sind bei defizitären Airports indes ohne staatliche Zuschüsse nicht denkbar. Im Südwesten droht nun ein verschärfter Subventionswettlauf. Was des Passagiers Freud', ist des Steuerzahlers Leid.

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Rheinland-Pfalz hat die Gespräche zu einer Kooperation der Flughäfen Zweibrücken und Saarbrücken-Ensheim abgebrochen.

06.02.2007, Mainz/Saarbrücken (ddp-rps).

Das teilte Wirtschaftsminister Hendrik Hering (SPD) am Dienstag in Mainz mit. Hauptgründe seien das vom Saarland angestrebte Planfeststellungsverfahren für eine Verlängerung der Landebahn in Saarbrücken sowie die Ankündigung, auch ein jährliches Defizit von acht Millionen statt bisher drei Millionen Euro zu tragen, um die Wettbewerbsfähigkeit des Airports zu erhalten. Rheinland-Pfalz will nun verstärkt Gespräche mit Investoren führen.

Seitens des Saarlandes habe «kein ernsthafter Wille an einer Kooperation» bestanden, sagte Hering. Die andere Seite sei nicht bereit gewesen, das Planfeststellungsverfahren auch im Falle einer erfolgreich vereinbarten Kooperation zu beenden. Es sei notwendig gewesen, daraus schnell Konsequenzen zu ziehen. «Wir wollten die Gespräche zeitnah zu Ende führen und nicht wieder sechs Jahre ohne Ergebnis bleiben», sagte Hering.

Der saarländische Wirtschaftsminister Hanspeter Georgi (CDU) wies die Kritik zurück: «Das Saarland stand immer für den Kooperationsgedanken - aber mit einem Gewinn für beide Seiten und fairen Partnern.» Grundvoraussetzung einer Kooperation sei eine so genannte Win-Win-Situation, sagte Georgi. Dazu gehöre, den Standort Saarbrücken nicht in Frage zu stellen. Es liege an Rheinland-Pfalz, wenn keine Kooperation zustande komme. Der Flughafen Saarbrücken sei am Markt fest etabliert und decke den Bedarf in der Region vollständig ab. Doppelinvestitionen seien durch Rheinland-Pfalz in Angriff genommen worden.

Ministerpräsident Peter Müller (CDU) betonte, das Saarland sei unverändert zu Gesprächen bereit, werde sich aber auch dem Wettbewerb stellen. Der Flughafen Saarbrücken sei wegen seiner besonderen «regionalwirtschaftlichen Funktion» in der Vergangenheit ausgebaut worden. Zur weiteren Entwicklung und damit auch zur Beschäftigungssicherung werde weiter investiert. Kritik daran nannte Müller «unverständlich».

Hering betonte, dass es in Zweibrücken «keinen Wettbewerb mit Steuermitteln» geben werde. Alle Investitionen würden weiterhin nur dann getätigt, wenn sie notwendig seien. Er kündigte weiter an, dass Rheinland-Pfalz nun verstärkt Gespräche mit privaten Investoren führen werde, die aufgrund der laufenden Gespräche bislang geruht hätten. Welche Interessenten das sind, wollte der Minister nicht sagen.

Anfang November 2006 hatte die Wirtschaftsminister beider Länder vereinbart, ein Eckpunktepapier über mögliche Formen der Zusammenarbeit der nur 40 Kilometer entfernt liegenden Flughäfen zu erarbeiten. Im Januar kündigte Georgi an, das Planfeststellungsverfahren zur Verlängerung der Landebahn in Saarbrücken einzuleiten. Bislang hatte es geheißen, das sei aus baulichen Gründen nicht möglich. Der Flughafen Zweibrücken verfügt über eine rund 900 Meter längere Start- und Landebahn als Saarbrücken und kann deshalb auch größere Maschinen abfertigen. Daher waren auch Germanwings und die TUI-Tochter Hapagfly von Saarbrücken nach Zweibrücken gewechselt.

© Deutscher Depeschen Dienst (ddp)

Georgi steht zum Flughafen Ensheim

Wirtschaftsminister Georgi hat sich für den bedingungslosen Erhalt des Flughafens Ensheim ausgesprochen. Er schloss allerdings nicht aus, dass am Ende eine Herabstufung zum "Luftlandeplatz" die Konkurrenzsituation zu Zweibrücken entschärfen könnte.

(09.01.2007 Saarländischer Rundfunk) Das saarländische Kabinett hat sich auf seiner ersten Sitzung des Jahres 2007 mit der Zukunft des Saarbrücker Flughafens beschäftigt. Wirtschaftsminister Hanspeter Georgi (CDU) sagte, der Airport sei aus Sicht der saarländischen Landesregierung ein "unverzichtbarer Bestandteil der Standortqualität" des Saarlandes. Die Landesregierung werde alles tun, um den Flughafen am Leben zu halten und weiter zu entwickeln.

Der augenblickliche Rückgang der Passagierzahlen und der Rückzug von Fraport aus der Betreibergesellschaft des Flughafens bedeute keineswegs eine "dramatische Situation". Er könne die Aufgeregtheit bei dem Thema nicht verstehen. Rücktrittsforderungen wollte er nicht kommentieren.

Status-Rückstufung als Lösung?

Georgi kündigte für die anstehenden Regierungsverhandlungen zwischen dem Saarland und Rheinland-Pfalz an, dass am Ende auf jeden Fall eine Win-Win-Situation für beide Seiten herauskommen müsse. Mit einer solchen Einigung rechne er noch im ersten Halbjahr 2007.

Georgi schloss die Möglichkeit nicht aus, dass man den Ensheimer Flughafen von seinem aktuellen Status eines "Internationalen Airports" auf den Status eines Luftlandeplatzes zurückstufen lassen könnte. Für diese sind die gesetzlichen Regelungen zu Flugsicherung und Infrastruktur niedriger, wodurch man die Betriebskosten senken könnte. Zweibrücken sei derzeit ebenfalls lediglich als "Luftlandeplatz" kategorisiert und könne auch deshalb seinen Fluggesellschaftskunden aktuell günstigere Konditionen anbieten als der Saar-Airport.

Nein zu Ensheim-Schließung

Ein klares Bekenntnis pro Ensheim also - und ein deutliches Nein zur immer wieder in die Diskussion gebrachten Schließung des subventionierten Standorts zu Gunsten des - alleinigen - Standorts Zweibrücken als Zentralflughafen in der Region. 

Konkurrenz

Der Airport Zweibrücken hat 2006 seine Passagierzahlen auf 62.000 verdreifacht und rechnet mit weiteren hohen Steigerungsraten.  Umgekehrt sind die Gästezahlen in Saarbrücken Ensheim um 13,4 Prozent auf rund 421.000 gesunken, und Ensheim rechnet mit weiteren Rückgängen. Beide Airports liegen nur rund 40 Kilometer auseinander und werden mit Ländermitteln subventioniert.

Kooperieren oder fusionieren - aber wie oder wo?

Fakt aber ist, dass spätestens seit dem bevorstehenden Wechsel des Ferienfliegers TUI nach Zweibrücken und dem Einstieg von Billigflieger Germanwings am selben Standort eine deutliche Konkurrenzsituation zwischen den beiden Regionalflughäfen herrscht. Und die Frage nach einer Lösung zur Entschärfung der Konkurrenzsituation, mit der sowohl Wirtschaft und Politik als auch die Flughäfen und ihre Passagiere leben könnten, scheint noch immer in weiter Ferne. So wurde zuletzt neben der Absicht einer besseren Kooperation immer wieder das Modell eines gemeinsamen Saar-Pfalz-Airports ins Gespräch gebracht - allerdings erscheint es äußerst unwahrscheinlich, dass einer der Flughäfen bereit wäre, seine Landebahnen zu Gunsten des Konkurrenten zu schließen.

Hintergründe

Zankapfel Ensheim
Erst eine mäßige Jahresbilanz, dann der Rückzug von Hauptgesellschafter Fraport - der Flughafen Saarbrücken-Ensheim kommt nicht aus den Schlagzeilen. Das Wirtschaftsministerium beschwichtigt, die Opposition übt scharfe Kritik.

Viel Arbeit von Januar bis März

Bis Ende März wollen die Staatssekretäre der Wirtschaftsministerien im Saarland und in Rheinland-Pfalz nun ein Eckpunktepapier über die zukünftige Zusammenarbeit der Standorte Saarbrücken und Zweibrücken erarbeiten. Das erste Treffen auf Staatssekretärsebene soll bereits Ende Januar stattfinden.

Quo vadis, Ensheim?

Bereits am Montag hatten sich die Industrie- und Handelskammer (IHK) des Saarlandes, die Stadt Saarbrücken und die saarländischen Landtagsfraktionen zum Stein des Anstoßes geäußert.

IHK: Ensheim nicht um jeden Preis subventionieren!

Die IHK forderte mehr Landesmittel für den Saarbrücker Flughafen. Der Flughafen habe besondere Bedeutung für die Infrastruktur des Landes. Das zeigten auch die konstanten Auslastungen der Flüge nach Berlin, Hamburg und München. Man dürfe aber nicht um jeden Preis am Flughafen festhalten.

Finanzdezernent Saarbrücken: Ruinösen Wettbewerb beenden!

Der Saarbrücker Finanzdezernent Oran forderte eine verbesserte Zusammenarbeit mit dem Zweibrücker Flughafen. Es ergebe keinen Sinn, wenn sich zwei staatlich subventionierte Flughäfen einen ruinösen Wettbewerb lieferten.

SPD: "vorgezogenes Todesurteil"

Der SPD-Fraktionsvorsitzende Heiko Maas warf der Landesregierung vor, nicht ernsthaft mit Rheinland-Pfalz über Kooperationslösungen verhandelt zu haben. Nun müsse schnell ein neuer privater Partner für die Betriebsgesellschaft her. Der stellvertretende Fraktionsvorsitzende im Saar-Landtag, Ulrich Commerçon, hatte aufgrund der Nachricht vom Fraport-Rückzug sogar von einem "vorgezogenen Todesurteil" für den Flughafen Ensheim gesprochen.

Liberale wollen neue Wege gehen

Auch die FDP-Fraktion kritisierte die Landesregierung: Ministerpräsident Peter Müller müsse den Flughafen zur Chefsache machen und neue Wege suchen, um den Flughafen nach vorne zu bringen - zum Beispiel mit Billigfliegern.

Grüne fordern Georgis Rücktritt

Die Landtagsfraktion von Bündnis 90/Die Grünen forderte sogar den Rücktritt von Wirtschaftsminister Hanspeter Georgi. Er habe die "existenzbedrohliche Situation für den Flughafen" mitverschuldet. Außerdem müssten umgehend Kooperationsmöglichkeiten mit anderen Flughäfen ausgelotet werden.

Keine Einigung  

22.01.2007, Zweibrücken (dpa) - Für die Luftfahrt sind 1.000 Kilometer keine große Strecke. Doch an der Grenze zwischen dem Saarland und Rheinland-Pfalz scheinen schon knapp 30 Kilometer kaum überbrückbar zu sein. So kurz ist die Luftlinie zwischen den Flughäfen Saarbrücken und Zweibrücken in der Pfalz. Seit Jahren wird über eine Kooperation beider Airports bis hin zu einer Fusion diskutiert. Die beiden Bundesländer, die sich ihre Regionalflughäfen mehrere Millionen Euro im Jahr kosten lassen, konnten sich indes bislang nicht einigen.

Seit vergangenem Jahr hat sich der Konkurrenzkampf der Flughäfen noch deutlich verschärft, der Ton zwischen den Landesregierungen in Mainz und Saarbrücken wird zunehmend rauer. Rheinland-Pfalz hatte 2006 für den bislang deutlich kleineren Flughafen in Zweibrücken einige Erfolgsmeldungen verkündet. Besonders schmerzhaft für den saarländischen Nachbarn war dabei, dass es gelang, die TUI-Tochter Hapagfly, die inzwischen unter dem Namen TUIfly fliegt, von Saarbrücken in die Pfalz zu locken. Während Saarbrücken sinkende Passagierzahlen auf zuletzt 421 000 meldet, ist der Nachbar im Aufwind. Nach 65 000 Fluggästen im vergangenen Jahr werden für 2007 in Zweibrücken etwa drei Mal so viele angepeilt.

Von der für einem kostendeckenden Flugbetrieb notwendigen Größe ist Zweibrücken damit allerdings noch weiter als Saarbrücken entfernt: Die liegt einer Studie der Deutschen Bank zufolge bei 500 000 bis zwei Millionen Passagieren jährlich. Zweibrücken sieht sich in dem Konkurrenzkampf mit seiner deutlich längeren Landebahn im Vorteil. Saarlands Ministerpräsident Peter Müller (CDU) wiederum hat kürzlich angekündigt, eine Landebahn-Verlängerung in Saarbrücken zu prüfen. Die Reaktion des Mainzer Wirtschaftsminister Hendrik Hering (SPD): «Es macht keinen Sinn, in einen Wettbewerb der Ankündigungen einzutreten.»

Jährlich etwa zwei Millionen Euro lässt sich Rheinland-Pfalz den Flughafen Zweibrücken in der strukturschwachen Südwestpfalz kosten. Dieses Jahr sind nach Angaben des Wirtschaftsministeriums außerdem gut 800 000 Euro für die Modernisierung der Abfertigungshalle vorgesehen. In Saarbrücken steht bereits ein hochmodernes Terminal. In den vergangenen Jahren hat das kleinste deutsche Flächenland einen mittleren zweistelligen Millionenbetrag in den Flughafen investiert. Der Airport gilt als eines der Symbole der saarländischen Eigenständigkeit als Bundesland. Ein wichtiger Faktor für den Wirtschafts- und Wissenschaftsstandort ist er allemal.

Deshalb betont die saarländische CDU-Regierung: Wenn es nicht zu einer Kooperation der beiden Flughäfen kommt, ist harter Wettbewerb angesagt. Die Mittel für den Saarbrücker Airport wurden von bislang drei auf acht Millionen Euro jährlich aufgestockt. Damit sollen nach den Worten des saarländischen Wirtschaftsministers Hanspeter Georgi (CDU) vor allen verschärfte Sicherheitsanforderungen erfüllt und zusätzliches Marketing finanziert werden.

Der Bund der Steuerzahler hat für das Tauziehen kein Verständnis. Peter Pferdekemper vom rheinland-pfälzischen Landesverband spricht von einem «Prestige-Duell, das auf dem Rücken des Steuerzahlers ausgetragen wird». Ende Januar wollen die zuständigen Staatssekretäre beider Länder das Thema Flughäfen wieder besprechen.

© Von Dörthe Hein und Marc Strehler, dpa

Alle vier Landtagsfraktionen für den Erhalt des Flughafens

17.01.2007, Saarbrücken (ddp-rps).

In einer heftig geführten Debatte um die Zukunft des Flughafens Saarbrücken-Ensheim haben sich am Mittwoch alle vier Landtagsfraktionen für den Erhalt des Flughafens als wichtigem Standortfaktor für das Saarland ausgesprochen. Wirtschaftsminister Hanspeter Georgi (CDU) verteidigte eine mögliche Erweiterung der Start- und Landebahn am Flughafen Saarbrücken. Zugleich betonte er, dass sich durch den angekündigten Ausstieg der Fraport aus der Betriebsgesellschaft in Saarbrücken nichts ändern werde.

Unterstützung für eine Landesbahnverlängerung erhielt Georgi von der CDU-Fraktion. Die SPD bezeichnete eine Landebahnverlängerung zwar als geeignete Möglichkeit zur Verbesserung der Wettbewerbsfähigkeit, allerdings komme dieses Vorhaben in der aktuellen Konkurrenzsituation viel zu spät. Die Landesregierung habe in den letzten sieben Jahren geschlafen, kritisierte SPD-Fraktionsvize Ulrich Commercon. FDP und Grüne forderten die Landesregierung auf, eine Kooperation der Flughäfen Saarbrücken und Zweibrücken zu forcieren.

Beide warnten vor einem Subventionswettstreit zwischen dem Saarland und Rheinland-Pfalz. Notwendig sei ein neuer Investor und ein Zukunftskonzept, das auch die «Konkurrenzsituation in der Region» berücksichtigt, betonte Grünen-Chef Hubert Ulrich. Eine Landebahnverlängerung sei wirtschaftlich nicht sinnvoll, sagte FDP-Chef Christoph Hartmann. Er setzte sich für eine Kooperation unter dem Motto «zwei Landebahnen - eine gemeinsame Betriebsgesellschaft» ein.

Mit einem Planfeststellungsverfahren soll die Option zu einer Erweiterung der Startbahn auch angesichts steigender Sicherheitsanforderungen eröffnet werden, betonte Georgi. In dem Verfahren sollen alle Beteiligten «möglichst frühzeitig» eingebunden werden. Über mögliche Kosten könnten erst am Ende konkrete Angaben gemacht werden. Das Land sei zu den notwendigen Investitionen bereit.

Mit dem angekündigten Ausstieg der Fraport aus der Betriebsgesellschaft in Ensheim gebe es weder für die Beschäftigten noch für Fluggäste Veränderungen. Das Land werde zunächst die 51 Prozent Fraport-Anteile übernehmen. Dabei sei man offen für einen anderen Partner, aber «es steht keiner in der Warteschlange», betonte Georgi. Derzeit liefen Verhandlungen, ob Fraport gegen Kostenerstattung weiterhin das Management des Flughafens übernehme. Der Ausstieg aus der Gesellschaft sei durch eine geänderte Strategie der Fraport bei Beteiligungen zustande gekommen.

Hintergrund der Aussprachen ist die Konkurrenz des nur knapp 40 Kilometer entfernt liegenden Flughafens Zweibrücken. Seit vergangenem Jahr macht der Billigflieger Germanwings mit der Direktverbindung Zweibrücken-Berlin dem Saarbrücker Flughafen direkte Konkurrenz. Zudem hat die TUI-Tochter Hapagfly angekündigt, ab dem Sommerflugplan diesen Jahres ihre Angebote von Saarbrücken nach Zweibrücken zu verlagern.

© Deutscher Depeschen Dienst (ddp)

unverzichtbarer regionalwirtschaftlicher Standortvorteil

09.01.2007, Saarbrücken (ddp-rps).

Der saarländische Wirtschaftsminister Hanspeter Georgi (CDU) hält auch nach dem angekündigten Ausstieg der Fraport am Saarbrücker Flughafen fest. Der Flughafen stelle einen «unverzichtbaren regionalwirtschaftlichen Standortvorteil» dar, sagte der Minister im Anschluss an eine Kabinettssitzung am Dienstag in Saarbrücken. Durch den Rückzug der Fraport ändere sich für die Fluggäste «jetzt und in Zukunft nichts».

Am Wochenende war bekannt geworden, dass die Fraport ihre 51 Prozent-Anteile an der Betriebsgesellschaft des Saarbrücker Flughafens zurückgeben will. Das Land hält die übrigen 49 Prozent. Dennoch wird Fraport den Flughafen wohl weiter betreiben, aber nicht als Eigner, sondern gegen Bezahlung. Darüber werde derzeit verhandelt, sagte Georgi.

Unklar ist indes noch, ob und wie viel die Rückgabe der Fraport-Anteile das Land kosten wird. Er gehe davon aus, dass Fraport die Anteile «für Null» zurückgeben werde, sagte Georgi. Allerdings werde auch darüber noch verhandelt, räumte der Minister auf Nachfrage ein. Die im Haushalt für 2007 vorgesehene Erhöhung der Mittel für den Flughafen von bislang rund drei auf acht Millionen Euro habe damit aber nichts zu tun, betonte Georgi. Diese Gelder sollten zum überwiegenden Teil in gestiegene Sicherheitsmaßnahmen seit den Anschlägen vom 11. September 2001, aber auch in Marketingmaßnahmen investiert werden.

Ob möglicherweise ein anderer Partner die bisherigen Anteile von Fraport übernehmen könnte, lies Georgi offen. Es sei allerdings schwierig, neue Partner zu gewinnen, da der Flughafen keine schwarzen Zahlen schreibe. Zur Kritik der Opposition und der Rücktrittsforderung der Grünen wegen der Entwicklung am Flughafen wollte sich der Minister nicht äußern.

Die Industrie und Handelskammer (IHK) des Saarlandes fordert unterdessen mehr Landesmittel für den Flughafen Saarbrücken. Der Flughafen habe eine besondere Bedeutung für die Infrastruktur des Landes, sagte ein IHK-Sprecher. Dies zeige nicht zuletzt die Auslastung der Flüge nach Berlin, Hamburg und München.

Die Veränderung der Gesellschafterstruktur bedeutet laut Georgi auch keine Veränderung für die Gespräche mit Rheinland-Pfalz über eine mögliche Kooperationen mit dem Flughafen im benachbarten Zweibrücken. Voraussetzung sei allerdings, dass sich beide Seiten eine «Win-Win-Situation» ergebe. Sollte dies nicht der Fall sein, werde man «den Wettbewerb annehmen».

Die Passagierzahlen in Saarbrücken waren von 487 000 in 2005 auf 421 000 im vergangenen Jahr gesunken. In Zweibrücken hingegen, das über eine längere Startbahn verfügt, stiegen die Passagierzahlen im gleichen Zeitraum von 18 000 auf über 60 000. Der Billigflieger Germanwings bietet seit vergangenem Jahr von Zweibrücken aus Direktverbindungen nach Berlin an. Zudem will der Tourismusanbieter TUI mit der ehemaligen Hapagfly ab dem Sommerflugplan von Saarbrücken nach Zweibrücken umsiedeln.

© Deutscher Depeschen Dienst (ddp)


Land rüstet Flughafen auf

Sechs bis acht Millionen Euro Investitionen für Sicherheitsmaßnahmen – Flugbetrieb läuft weiter

Der Internationale Verkehrsflughafen Saarbrücken muss mehrere Millionen Euro für Sicherheitsmaßnahmen in die Hand nehmen. Die Investitionen werden teils auf Grund neuer EU-Auflagen nötig.

19.01.2006 - von sz-redakteur udo rau

Saarbrücken. Das Saarland muss in den nächsten Jahren weiter in seinen Flughafen investieren. Fällig werden „zwischen sechs bis acht Millionen Euro“, so Wirtschaftsstaatssekretär Albert Hettrich gestern zur Saarbrücker Zeitung. Damit wird offensichtlich ein gewisser Nachholbedarf in der gesamten Sicherheits-Infrastruktur des auf den Ensheimer Höhen gelegenen Internationalen Verkehrsflughafens abgedeckt, den Hettrich auch einräumt. Das Gesamtpaket, das unter anderem auf Grund neuer EU-Auflagen nötig wird, umfasst mehrere Positionen:

Ausweisung vorgeschriebener Sicherheitsflächen an den jeweiligen Bahn-Enden von 90 Metern, die bislang nicht ausgewiesen sind und deren Fehlen im Deutschen Luftfahrt-Handbuch auch angezeigt sind;

Vergrößerung der Vorfeldfläche vor dem Terminal, auf der die Flugzeuge zum Aus- und Einsteigen abgestellt sind. Grund: Der Abstand zwischen Terminal-Ausgang und den Maschinen muss vergrößert werden, damit im Katastrophenfall die Fluchtwege Richtung Vorfeld bis zu den geparkten Maschinen größer und damit sicherer werden;

Ausweisung und Bau einer gesonderten Abstellfläche weg vom Terminal für Flugzeuge nach Bombendrohungen. Dazu wird die bisherige Abrollbahn (Taxiway) vom Bahnwestende zum Terminal nach der Abbiegung parallel zur Hauptbahn verlängert, und es wird kurz vor deren Ende eine Sonderplatz für den Bombendrohungs-Fall geschaffen.

Gleichzeitig müssen weitere Arbeiten an der Hauptbahn vorgenommen werden, das aber alles bei „laufendem Flugbetrieb“, so Hettrich. Es soll keine Flugausfälle durch die Baumaßnahmen geben.

Die Sicherheitsdebatte erhält durch die nötige Ausweisung der Sicherheitsflächen neuen Auftrieb. „Derzeit laufen Untersuchungen eines von uns beauftragten Spezialunternehmens über die nötigen Maßnahmen“, so Hettrich. Die Vorschläge – es soll mehrere Alternativen geben – sollen im März auf dem Tisch liegen. Je nach Umsetzung der Maßnahmen kann sich die amtliche Bahnlänge verkürzen, räumt Hettrich ein. Ob damit auch eine Beschränkung für den Einsatz der bisherigen Maschinen – dabei geht es vor allem um die Ferienjets – einhergehen könnte, sei derzeit aber noch offen. Man strebe aber an, dass alle Flugzeugtypen, die bisher in Saarbrücken starten und landen, auch künftig den Saar-Flughafen nutzen können.

Das Geld für die Investitionen muss die im Landesbesitz befindliche Flughafen Besitzgesellschaft aufbringen, der die Immobilie gehört. Die Frankfurter Flughafengesellschaft Fraport, mit 51 Prozent mehrheitlich an der Betriebsgesellschaft des Flughafens beteiligt, braucht kein Geld in die Hand zu nehmen. Sie zahlt als Betreiber des Flughafens Pacht an die Besitzgesellschaft.

Bezüglich einer möglichen Zusammenarbeit mit dem benachbarten Ex-Militärflugplatz Zweibrücken werde am 27. Januar eine Verhandlungsrunde „auf Arbeitsebene“ zwischen dem rheinland-pfälzischen und dem Saar-Wirtschaftsministerium stattfinden. Daran nehmen auch die beiden Wirtschafts-Staatssekretäre Albert Hettrich und Günter Eymael teil. Gibt es schon eine Marschrichtung? Hettrich gestern: „Wir gehen die Verhandlungen ergebnisoffen an.“ Die Entscheidung nach Vertragsende über die Form des weiteren Engagements von Fraport in Saarbrücken ab 2008 werde um die Jahresmitte fallen, so Hettrich gestern.

 

Kommentar von Udo Rau

Keine Luftnummer

Der Flughafen Saarbrücken hat auch künftig eine Zukunft

 

Niemand in Europa ist derart gut mit Flughäfen ausgestattet wie die Region im Radius von 100 Kilometern um Saarbrücken herum. Die Flughäfen Luxemburg, Hahn, Metz-Nancy, Saarbrücken, Straßburg-Entzheim und Zweibrücken wetteifern um Kunden. Und gut 200 Kilometer entfernt lockt der Welt-Flughafen Frankfurt. Der Kunde hat die Wahl. Für die Saarländer spielen Entzheim und der lothringische Flughafen nur eine marginale Rolle.

In der Westpfalz müht man sich redlich, dem Ex-US-Militärflugplatz wirtschaftliches Leben einzuhauchen: bislang vergeblich. Die Vorschläge aus der Westpfalz, Saarbrücken doch dichtzumachen und alles auf die Zweibrücker Höhen hinter dem boomenden Factory Outlet Center zu verlagern, sind – gelinde gesagt – wirtschaftlicher Unfug. Eine längere Bahn (2675 Meter) wie in Zweibrücken (Saarbrücken weist derzeit noch zugelassene 2000 Meter aus) ist noch kein Grund, den Luftverkehr vom Saarland dorthin zu verlagern. Natürlich: Eine längere Bahn bietet mehr Sicherheitsreserven als eine kurze, wenn Piloten verspätet aufsetzen anstatt in kritischen Fällen – wie hundertfach im Simulator geübt – durchzustarten. Sollte sich eines Tages auf Grund neuer Sicherheitsvorschriften in Saarbrücken die tatsächlich rechnerisch zur Verfügung stehende Bahnlänge – was an der physischen Länge von 2000 Meter aber nichts ändert – maßgeblich verkürzen, wäre das eine neue Lage. Mehr Bahnlänge heißt aber nicht automatisch mehr Kunden. Und genau hier liegt des Pudels Kern: Würden die Saarländer Ensheim dichtmachen (was würde eigentlich aus den vielen hundert Arbeitsplätzen dort oben?), gäbe es nicht automatisch mehr Luftverkehr in der Region. Die bestehenden Verkehre würden lediglich von Ensheim nach Zweibrücken verlagert. Hoffnungen auf Ferienflüge in die weite Welt von Zweibrücken aus sind Träume: Wo sollen die Kunden dafür herkommen? Die Westpfalz ist kein wirtschaftliches Schwergewicht. Die Saar und Lothringen sind kein Reservoir für stetiges Langstreckenaufkommen. Diese Träumereien sollten die Westpfälzer endgültig begraben. Auch die Hoffnungen auf starkes Frachtaufkommen entbehren der ökonomischen Basis: Die Cargolux in Luxemburg saugt viel Tonnage ab, und Hahn hat ein starkes Frachtbein. Wo soll Tonnage für Zweibrücken herkommen?

Die ganze leidige Debatte um die Zukunft von Saarbrücken und Zweibrücken, teils von persönlichen Animositäten und Nadelstichen begleitet, ist buchstäblich eine Luftnummer und bedarf der Versachlichung. Zu verschenken hat niemand etwas: Eine wie auch immer geartete Kooperation zwischen den Flughäfen Saarbrücken und Zweibrücken darf für das Saarland kein Verlustgeschäft werden. Hier geht es um Arbeitsplätze, Steuern und um Glaubwürdigkeit für die angesiedelten Firmen. In der Pfalz müssen die Politiker eingestehen, dass sie bei den Flughafenchancen zu viel versprochen haben. Zweibrücken kann die Erfolgsgeschichte des Hahn nicht wiederholen.

FLUGFAIRKEHR Die Forderungen des VCD

Die steuerliche Bevorzugung des Flugverkehrs muss beendet werden. Die ökologischen Folgekosten müssen in die Flugtickets eingerechnet werden. Deshalb fordern der VCD und der Arbeitskreis Flugverkehr:

und wer dennoch Fliegen will oder muss, dem empfehlen wir über die Wiedergutmachung der Klimaschädigung nachzudenken: http://www.atmosfair.de

 

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