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Eine Städtereise nach London – mit dem Bus

Manuel Schauer

Ich war skeptisch. Von einer viertägigen Städtreise würde ich zwei Tage in einem Reisebus verbringen.

Auf dem Hinweg würde ich wahrscheinlich das Saarland kennenlernen, weil der Bus andere Mitreisende in ihren saarländischen Heimatorten abholen würde; wahrscheinlich würden alle zwei Stunden Pausen gemacht werden auf Autobahn-Rastplätzen, im Bus würde ich Volksmusik ertragen müssen, lange auf das Fährschiff warten müssen, Staus im Großraum London würden die Ankunft verzögern, ... Und auf der Rückfahrt das Gleiche noch einmal.

Doch mein 10-jähriger Sohn wollte lieber mit Bus und Fähre nach London fahren als mit dem „Billig-Flieger“. Und da der Preis der Busreise überschaubar war, keine Flughafensteuern, Kreditkartengebühren und Transferkosten anfielen, entschieden wir uns für eine Pauschalreise im Reisebus.

Tatsächlich lernten wir am Tag der Hinreise das saarländische Drei-Gang-Menue (Würstchen mit ungeröstetem Toastbrot und Senf), eine luxenburgische Autobahn-Tankstelle und eine belgische Raststätte kennen; das englische Fährschiff war wenig elegant, die Aussicht auf die Felsenküste von Dover indes grandios. Das – gehobenen Ansprüchen genügende - Hotel führte den Namen „M4 J4“, weil es am Motorway 4, Junction (Ausfahrt) 4 lag – fernab der Innenstadt, mit öffentlichen Verkehrsmitteln scheinbar nicht zu erreichen. Aus diesem Grund verbrachten wir den ersten Abend im Hotel, lasen in den mitgebrachten Reiseführern und legten uns früh zu Bett. 

Am nächsten Tag fuhr die Reisegruppe im Bus in die Innenstadt, wo ein Stadtführer zustieg. Einige Sehenswürdigkeiten wurden abgeklappert; nach drei Stunden „zur freien Verfügung“ im Stadtteil Kensington ging es abends um 19.30 Uhr zurück ins Hotel.

Am nächsten Tag verzichteten wir auf die angebotene Fahrt nach Windsor. In der Nähe des Hotels hatte ich eine Bushaltestelle entdeckt; mangels ausgehängten Fahrplans bestand Gelegenheit, mit dort wartenden Menschen ins Gespräch zu kommen, um Informationen über Abfahrtzeit und Ziel eines Linienbusses zu bekommen.

Den ganzen Tag fuhren wir U-Bahn und Bus - kreuz und quer durch die Stadt-, schlenderten über den Notting Hill Street Market und den Camden Street Market, besichtigten die königlichen Reitställe und das Schifffahrtsmuseum in Greenwich, erklommen die Aussichtsterrasse der Tate Gallery. Abends stießen wir am vereinbarten Treffpunkt zur Gruppe, weil die Fahrt mit dem Reisebus zum Hotel - außerhalb der Hauptverkehrszeit - nur 50 Minuten dauert, die mit U-Bahn und Linienbus mehr als das Doppelte.

Uns hat es gefallen: die Stadt, das Land, die Menschen – und auch die Fahrt im Bus. Nächstes Jahr werden wir, wenn der Französisch-Unterricht in der Schule begonnen hat, eine Städetreise nach Paris machen. Wieder mit dem Bus – und nach Möglichkeit mit demselben Chauffeur, dessen Freundlichkeit und Können wir schätzen gelernt hatten.

Die Fahrt mit Sunshine-Reisen Lambert kostete für einen Erwachsenen ca. 250 Euro und ca. 200 Euro für ein Kind. Informationen und Buchung unter www.Lambert-Reisen.de oder im Reisebüro. Auch andere saarländische Reiseveranstalter bieten Städtereisen nach London an.

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