Sind Tunnel wirklich die beste Lösung?
Der VCD und das Freiburger Klimabündnis sehen mit Sorge, dass Freiburg und seine Region unter weiter wachsendem Autoverkehr leiden. Für die Stadt Freiburg geht es dabei hauptsächlich um Ziel- und Quell- sowie durchfahrenden Verkehr. Dabei ist davon auszugehen, dass vom Verkehr auf der B31 mindestens 80% aus der Region, nur ca. 20% von weiter weg kommt.
Besonders von diesem Verkehr belastet sind natürlich die Menschen, die entlang der Dreisamufer-Straßen und der Schwarzwaldstraße in Freiburg wohnen.
Wir freuen uns sehr, dass die Region darauf mit einem guten Ausbau des ÖPNV reagiert und auch einiges für die Verbesserung der Bedingungen für die RadfahrerInnen tut.
Was uns weniger optimistisch stimmt, ist, dass gleichzeitig auf den massiven Ausbau des Straßennetzes gesetzt wird, um des wachsenden PKW- und LKW-Verkehrs Herr zu werden. Wir halten das für kontraproduktiv, denn allen Erfahrungen zufolge werden die "besser" ausgebauten Straßen auch weiteren Autoverkehr in unsere Region ziehen.
Besonders bedauerlich finden wir, dass die Stadt Freiburg einerseits einen Verkehrsentwicklungsplan beschließt, der als Maximalziel ein nur geringes Verkehrswachstum, nicht jedoch die notwendige Reduzierung des Autoverkehrs definiert, und dieses Ziel hauptsächlich durch den Bau eines vierspurigen Tunnels erreichen will.
Als logische Folge dieses Stadttunnels soll ein weiterer Tunnel am Falkensteig gebaut werden. Ziel ist es, insgesamt eine „leistungsfähige Ost-West-Achse“ (Landrätin Störr-Ritter) mit mindestens der doppelten Durchfahrtskapazität im Vergleich mit der heutigen Verbindung durch Freiburg zu haben. Dafür sind Stadt und Landkreis bereit, Millionenbeträge für die Planung vorzufinanzieren und siebenstellige Zinskosten zu tragen.
Da ist die tot geglaubte Schwarzwald-Autobahn nicht mehr weit ...
Das spricht gegen die Tunnel:
Der VCD sieht durchaus mögliche Vorteile für die Stadtentwicklung Freiburgs, schätzt nach Abwägung aller Argumente die Tunnel-Lösung aus folgenden Gründen jedoch sehr kritisch ein:
Auch Optimisten rechnen nicht vor 2025 mit einer Fertigstellung der Tunnel. Was die Stadt, Region und besonders die Anwohner der Strecke jedoch brauchen, sind kurz- und mittelfristig wirksame Maßnahmen zur Entlastung vom PKW- und LKW-Verkehr.
Die Verwirklichung der Tunnel ist angesichts vieler konkurrierender Straßenbauprojekte, die bereits fertig geplant sind, wenig wahrscheinlich. D.h. Stadt und Landkreis gehen ein hohes Risiko bei Nichtumsetzung oder Veralten der Pläne auf vorfinanzierten Planungskosten in Höhe von 7-8 Mio € plus Zinsen sitzen zu bleiben.
Der große Einsatz von Geld und Engagement für eine Durchsetzung der Tunnel verhindert offensichtlich den notwendigen Elan bei der Durchsetzung kurz- und mittelfristig wirksamer Lösungen.
Die jahrelange Bauzeit wird die Stadt vor ungeahnte Probleme stellen und den Anwohnern weitere massive Belastungen zumuten.
Die Umsetzung der Tunnel wird einen starken Anstieg des Autoverkehrs und weitere Straßenbauprojekte in Richtung auf eine Autobahn Donaueschingen – Freiburg – Colmar nach sich ziehen. Darunter werden alle Gemeinden entlang der Strecke sowie Erholungswert und touristische Attraktivität des Südschwarzwalds leiden.
Durch den zu erwartenden Anstieg des Autoverkehrs werden die anfänglichen positiven Klima- und Umweltauswirkungen rasch in ihr Gegenteil verwandelt werden.
Es könnte aber auch sein, dass durch die weiter steigenden Spritpreise der Autoverkehr signifikant abnimmt. Dann wären Planungen und möglicher Bau der Tunnel erst recht verschwendetes Geld, das an anderer Stelle bitter nötig ist.
Es gibt Alternativen!
Der VCD und das Klimabündnis sind überzeugt, dass es sinnvollere und günstigere Mittel gibt, die schneller zu einer Entlastung der Stadt führen und dabei nicht die Region stärker belasten. Und wir denken, dass es der "Green City" und ihrer Region gut anstünde Modellregion für eine konsequente Autoverkehrsreduzierung zu werden.
Folgende Maßnahmen sollten neben anderen im Rahmen eines Gesamtkonzeptes für unsere Region realisiert werden:
LKW-Maut und Tonnagebeschränkungen auf der B31
Einbeziehung der B31 in die Umweltzone Freiburg
Pförtnerampeln, die immer nur eine vorgegebene Anzahl von Fahrzeugen durchlassen
Rückbau und Verengung von Straßenabschnitten
Ausweichen des Verkehrs in kleinere Straßen verhindern
Flächendeckende Parkraumbewirtschaftung und höhere Parkgebühren in Freiburg, dafür günstige P+R-Plätze nahe an den
Verkehrsquellen im Umland
Rasche Umsetzung des zweigleisigen Ausbaus der Höllentalbahn bis Bahnhof Himmelreich, von Elektrifizierung und Begradigung der hinteren Höllentalbahn, der geplanten Maßnahmen an der Breisacher Bahn sowie der Rheinbrücke bei Breisach.
Uns ist durchaus bewusst, dass ein solches Konzept nicht leicht durchzusetzen ist. Dazu bedarf es politischen Willens, und es muss endlich der Glaube aufgegeben werden, dass mehr Autoverkehr auch mehr Wohlstand und Entwicklung bedeutet.
Doch auch vor der traditionellen Lösung des Tunnelbaus stehen gewaltige Hürden. Warum also nicht etwas konsequent Neues wagen und als Modellregion anderen Region vormachen, wie man dem wachsenden Autoverkehr wirksam etwas entgegensetzen kann.

