2007 - eine verkehrspolitische Bilanz - Aktivitäten und Positionen
Aktivitäten des Regionalverbandes:
*Der VCD startete in sein Jubiläumsjahr mit einem Grundsatzpapier 20 Forderungen für eine bessere Verkehrspolitik für die Region Südlicher Oberrhein. In ihnen hat der Verein kompakt zusammengefasst, was nötig ist, um klima- und umweltpolitisch in der Region voranzukommen.
*Im Frühjahr spitzte sich der Konflikt im 'mobile' zu. Der VCD fand nicht genügend Unterstützung für das Modell einer partnerschaftlichen und demokratisch verfassten Einrichtung und musste sich als Gesellschafter zurückziehen. In der Konsequenz wurde nach langen Diskussionen die Entscheidung für den Auszug aus dem 'mobile' getroffen, der im November/Dezember in die Tat umgesetzt wurde. Das 'mobile' als Fahrradstation und Mobilitätszentrale scheiterte jedoch auch an der mangelnden Unterstützung der Stadt, wodurch es nie möglich war z.B. eine professionelle Geschäftsführung zu bezahlen.
*Die VCD-Ausflugsbroschüren, der "Freizeitfahrplan für den Eurodistrikt" und "Durch Südbaden mit Bus und Bahn", erschienen in diesem Jahr in der 3. Auflage und fanden weiter großes Publikumsinteresse.
*Seit diesem Jahr arbeitet der VCD mit verschiedenen Vereinen und Institutionen im Freiburger Klimabündnis zusammen. Arbeitsergebnisse waren eine Stellungnahme zum Maßnahmeplan zur Klimaschutzstrategie der Stadt Freiburg und ein gemeinsames Klimafest am 7.7.07. Leider konnte das Bündnis die Stadt nicht zu einer längeren Sperrung des Rotteck- und Werderringes im Anschluss an das Uni-Jubiläum bewegen. Dies hätte ein deutliches Zeichen dafür sein können, dass Freiburg auch bezüglich des klimabelastenden Autoverkehrs zu entschlossenem Handeln bereit ist.
*Der VCD beteiligte sich mit einer Unterschriftenaktion und einer Podiumsdiskussion mit Landtagsabgeordneten am Widerstand der Region gegen die Kürzungen der Landesregierung im öffentlichen Regionalverkehr. Entsprechend hält er sich auch einen Teil des Erfolges der Rücknahme vieler Kürzungen zu gute.
*Ende Juni fand in Offenburg ein Gespräch mit der Spitze des TGO statt, an dem auch der VCD-Landesvorsitzende Matthias Lieb teilnahm. Der Verkehrsverbund hatte verärgert auf einen Artikel im letzten VCD-Rundbrief reagiert. Durch das Gespräch konnten nicht alle Meinungsverschiedenheiten ausgeräumt werden, jedoch konnte eine gute Basis für die weitere Zusammenarbeit gelegt werden, die z.B. bezüglich verschiedener VCD-Projekte fortgesetzt wurde.
*Der Verein freut sich, daß weiterhin zumindest an vielen Sonntagen Eisenbahnverkehr auf der Strecke Müllheim-Mulhouse durchgeführt wird und positive Zukunftsaussichten für die Linie bestehen. Der "VCD-Freizeitfahrplan für den Eurodistrikt" macht diese Fahrten noch attraktiver. Bereits im Jahr 1999 hatte er mit seiner Broschüre "Mulhouse-Neuenburg-Müllheim - eine Eisenbahnstrecke mit Zukunft" für die Wiederinbetriebnahme geworben.
*Eine weitere Initiative zur Verbesserung der Verbindungen ins Elsass unternahm der Verein, als er den ZRF anregte zu prüfen, ob die Eisenbahnbrücke zwischen Kehl und Straßburg, die in den nächsten Jahren ersetzt wird, nicht für die Strecke Freiburg-Colmar eingesetzt werden könnte mit entsprechenden Kosteneinsparungen. Leider ergab die Prüfung keine großen finanziellen Vorteile für die Verwirklichung der Strecke. Dennoch setzt sich der VCD weiter für die Linie ein.
*Im Spätsommer erschien die VCD-Mobilitätsfibel in einer neuen Ausgabe mit einem Freiburger Teil. In dieser Broschüre für GrundschülerInnen und ihre Eltern werden die verschiedenen Verkehrsarten im Bezug zu den Schulkindern beleuchtet. Im Regionalteil präsentieren sich die verschiedenen Anbieter von Verkehrs- und Mobilitätserziehung in unserem Raum. Die Broschüre wurde mit Unterstützung des Schulamtes Freiburg und der Verkehrswachten der Region an die Schulanfänger verteilt.
*Im April und im November 2007 fanden beim Regierungspräsidium Sitzungen der erweiterten Arbeitsgruppe zum Luftreinhalt-/Aktionsplan Freiburg statt, an denen auch der VCD teilnahm. Nachdem die Einrichtung einer Umweltzone für Freiburg schon auf das Jahr 2009 verschoben wurde, steht darüber hinaus zu befürchten, dass es so viele Ausnahmen (z.B. für Handwerker und auf der B 31) geben wird, dass mit einer Verbesserung der Luftqualität durch diesen Plan nicht zu rechnen ist. Aber vielleicht tragen die Stellungnahmen des VCD in der AG doch dazu bei, dass der Plan ein wirksames Instrument für die Luftentlastung wird.
*Im September erhielt der VCD-Regionalverband für seine Broschüre "Freizeitfahrplan" den Umweltpreis der Stadt Freiburg aus den Händen von Bürgermeisterin Gerda Stuchlik.
*Angesichts der immer deutlicher werdenden Klimaproblematik und des gleichzeitig weiter voran schreitenden Ausbaus der Straßen (nicht nur) in unserer Region lud der VCD im Herbst zu einer "AG Verminderung des motorisierten Verkehrs" ein. Diese hat sich vorgenommen, im Laufe des Jahres 2008 ein Konzept vorzulegen, wie in Südbaden der PKW- und LKW-Verkehr vermindert und weiterer Straßenbau überflüssig werden kann.
*Dank einer engagierten und fachkundigen Mitarbeiterin wurde in diesem Jahr eine neue Homepage für den VCD-Regionalverband aufgebaut. Sie enthält ausführliche politische Stellungnahmen genau so wie vielerlei Informationen für Ausflüge mit Fahrrad, Bahn und Bus in unserer Region.
*Ab Ende November zog der Regionalverband gemeinsam mit dem ADFC in die zentral am Bertoldsbrunnen gelegenen neuen Räume. In Kooperation mit verschiedenen Partnern wird hier u.a. ab März 2008 eine Mobilitätsberatung für Ausflüge und Reisen mit Fahrrad, Bus und Bahn angeboten.
Regelmäßig arbeiteten auch im Jahr 2007 Vorstandsmitglieder in verschiedenen öffentlichen Gremien mit und konnten durch vielfältige Ideen und Vorschläge Einfluss nehmen:Verkehrsausschuss des Freiburger Gemeinderates, RVF-Fahrgastbeirat, Fahrplankonferenz, AG Verkehrsentwicklungsplan Freiburg, Luftreinhalt-/Aktionsplan Freiburg, Vollversammlung des ZRF, AG Freiburger CO2-Diät.
*Den krönenden Abschluss des Jahres bildete am 6. Dezember der Jubiläumsempfang zu "20 Jahre VCD Südlicher Oberrhein e.V.". Die Freiburger Bürgermeisterin Gerda Stuchlik, der VCD Bundesvorsitzende Michael Gehrmann, Landtagsabgeordnete, Gemeinderätinnen und -räte sowie ein Vertreter des Verkehrs-Clubs der Schweiz gratulierten in den neuen Räumen des Vereins.
Positionen des Regionalverbandes:
*Der VCD begrüßt die neue Tageskarte "badisch24" als weiteren Schritt zu einer engeren Zusammenarbeit der Verkehrsverbünde in der Region. Er vermisst jedoch weiterhin einheitliche Übergangsregelungen bei den Einzelfahrkarten zu allen Nachbarverbünden und die Abschaffung der Tarif-lücken an den Grenzen zwischen den Verbünden.
*Im Juli beschloss der Freiburger Gemeinderat nach 12 Jahren eine Erhöhung der Parkgebühren auf den Stadtstraßen. Der VCD beurteilt diese Erhöhung als lange überfällig, zumal die Preise für den ÖPNV seit langem jährlich erhöht werden und in diesen 12 Jahren um 46 bis 60% gestiegen waren. Der Verein fordert eine entsprechende Anhebung auch der Parkgebühren mit einer jährlichen Anpassung entsprechend den ÖPNV-Tariferhöhungen, auch in den öffentlichen Parkhäusern. Es ist nicht einzusehen, dass umweltschonende Mobilität deutlich mehr belastet wird als der umweltbelastende Autoverkehr.
*Bezüglich des Verkehrs sieht der Verein deutliche Defizite in der Klimapolitik von Stadt und Region. Während z.B. das von Ökoinstitut und Energieagentur erarbeitete Gutachten: 'Klimaschutzstrategie Stadt Freiburg' viele wirksame Maßnahmen zur Verringerung der Folgen des Autoverkehrs aufführt, wurden in den beschlossenen Maßnahmeplan lediglich die Umstellung der Straßenbeleuchtung und die Anschaffung von mehreren Erdgasfahrzeugen durch die Stadt aufgenommen.
*Auch den Anfang 2008 zur Verabschiedung anstehenden Verkehrsentwicklungsplan der Stadt Freiburg sieht der VCD kritisch. Das vorgesehene "Weiter so" reicht bei weitem nicht aus, um ambitionierte Klimaziele zu erreichen. Vorsitzender Hannes Linck kritisierte in der Podiumsdiskussion das wenig ehrgeizige Ziel des Planes, höchstens ein Anwachsen der Folgen des motorisierten Verkehrs zu verhindern. Dies steht der "Umwelthauptstadt" - jetzt "Green City" - nicht gut zu Gesicht.
*Der Fahrradverkehr in Freiburg musste in diesem Jahr eine Halbierung der Radverkehrspauschale der Stadt und die Verbannung aller Fahrräder vom Bertoldsbrunnen hinnehmen. Beides kann nicht die Zustimmung des VCD finden. Wir freuen uns über die angekündigte Erhöhung für das Jahr 2008 und setzen uns dafür ein, dass die Radverkehrspauschale in der neuen Höhe mindestens so lange bleibt, wie für den umweltfreundlichen Radverkehr Bedarf dazu besteht, z.B. an ausreichenden und guten Abstellmöglichkeiten in der Innenstadt.
*Der VCD begrüßt, dass im ZRF konkrete Beschlüsse für den weiteren Ausbau des Stadtbahnnetzes gefasst wurden. Allerdings bemängelt er stark, dass die fertig geplante Verlängerung in Littenweiler und die S-Bahn ins Industriegebiet Nord weit zurück gestellt wurden.

