Für einen besseren Schienenverkehr im Kreis Warendorf
Wenn wir davon ausgehen, dass in unserer arbeitsteiligen Industriegesellschaft und in unseren gewachsenen individuellen Ansprüchen Mobilität auf Dauer gesichert werden soll, benötigen wir für die Zukunft auch im Kreis Warendorf eine andere Verkehrspolitik. Überall dort, wo es möglich ist, muss der Schienenverkehr zum Rückgrat eines verantwortbaren Verkehrskonzeptes werden, denn:
Der Schienenverkehr schneidet bei der Luftverschmutzung (1:8), beim Flächenbedarf (1:10), bei der Lärmbelastung (1:6), beim Energieverbrauch (1:3) und bei der Verkehrssicherheit (1:20) im Vergleich zum Straßenverkehr so viel günstiger ab, dass ein Großteil der Verkehrsleistung der Zukunft von der Schiene übernommen werden muss.
Es ist auch aus wirtschaftlichen Gründen absehbar, dass die Zuwachspotentiale beim Straßenverkehr ausgereizt sind und dass die attraktive Anbindung einer Gemeinde an den Schienenverkehr für den Wohn- und Industriebereich eine Standortfrage sein wird.
Im Kreis Warendorf gibt es fünf Eisenbahnstrecken mit folgenden Haltepunkten:
1. Haltepunkte Westbevern und Brock-Ostbevern auf der Strecke (KBS 385) Münster - Osnabrück
2. Haltepunkte Oelde, Neubeckum und Ahlen auf der Strecke (KBS 400) Bielefeld - Hamm
3. Haltepunkte Telgte, Raestrup-Everswinkel, Warendorf, Vohren und Beelen auf der Strecke (KBS 406) Münster - Warendorf - Rheda-Wiedenbrück - Bielefeld
4. Haltepunkte Rinkerode, Drensteinfurt und Mersch auf der Strecke (KBS 410) von Münster nach Hamm
5. Schienenverbindung der WLE (Westfälische Landeseisenbahn) von Münster über Sendenhorst nach Beckum (nu Güterverkehr)
Konkret schlagen wir für einen besseren und umweltfreundlichen Verkehr folgende Maßnahmen vor:
- Schnellstmögliche Reaktivierung des Personenverkehrs auf der WLE-Strecke Münster-Sendenhorst-Neubeckum. Von der Landesregierung sind für die Investition 90 % der insgesamt ca. 90 Millionen DM bereitgestellt. Die Stadt Münster will ebenfalls diese Strecke, der Kreis Warendorf vor allem in der Person des Landrates Kirsch stellt sich quer. Die F.D.P. in Münster und im Kreistag Warendorf ist die einzige Partei, die sich definitiv gegen den Personenverkehr auf der Strecke ausspricht. Diese Ignoranz und die ablehnende Hinhaltetechnik unseres Landrates und der CDU-Mehrheit im Kreistag sind für uns abwegig und unerträglich. Für die Kommunen Sendenhorst (Haltepunkte Albersloh und Sendenhorst), Ennigerloh (Haltepunkt Enniger) und Beckum ist Personenverkehr auf dieser Strecke attraktiv und wohnwertsteigernd. Der Schienenverkehr kann in zunehmendem Maße auch die Straße als Verkehrsträger entlasten und Forderungen nach (viel teureren und ökologisch unsinnigen) Straßenneubauprojekten erübrigen.
- Ein anhaltender Erfolg im Sinne deutlicher Nachfragesteigerung für den ÖPNV ist nur durch die Realisierung eines integrativen Gesamtverkehrskonzeptes zu erreichen und keinesfalls nur durch die Umsetzung isolierter Einzelmaßnahmen. Der Zweckverband und die beteiligten Kreise müssen Bahn- und Busverkehre, lokale Besonderheiten, AST (Anruf-Sammel-Taxi) fahrplanmäßig so gut wie eben möglich aufeinander abstimmen.
- Auf den Schienenstrecken (vor allem der Kursbuchstrecke 406) müssen wesentlich vereinfachte und kostengünstigere Betriebsverfahren zur Anwendung kommen. Beschrankte Bahnübergänge und Bahnhöfe mit Kreuzungsmöglichkeit und handbedienter voller Signalisierung sind bisher in erheblichem Maße personell besetzt. Hier müssen vollautomatisierte Bahnübergänge eingerichtet werden; u.a. müssen Kreuzungsmöglichkeiten mit Rückfallweichen ausgestattet werden. Ebenso wie der Omnibus muss in Zukunft auch der Triebwagenzug im Ein-Mann-Betrieb mit Fahrerselbstabfertigung gefahren werden. Der SPNV benötigt kostengünstigere, leichtere und attraktivere Fahrzeuge. Der heute zum Teil noch eingesetzte Fahrzeugpark ist z.B. wegen der Schwergängigkeit der Türen, der Einstiegshöhe, der Anzahl und Anordnung der Türen und des Innenraums weniger attraktiv. Investitionen in den Fahrweg und in die Fahrzeugtechnik sind für die Bezahlbarkeit der Schienenwege in der Zukunft zwingend notwendig. Sie werden sich wegen der geringeren Betriebskosten zusammen mit der zu erwartenden Steigerung des Fahrgastaufkommens in wenigen Jahren amortisieren.
- Die Flächennutzungs- und Bebauungsplanung der Kommunen muss in Zukunft stärker auf vorhandene Schienenstrecken abgestimmt werden. In diesem Bereich liegt es in der Hand der Kommunen, den SPNV bei der Ausweisung von Gewerbe- und Wohnflächen bestmöglich zu nutzen. Auf dem Hintergrund sich entwickelnder Siedlungsstrukturen ist der Haltepunkt Raestrup-Everswinkel aufzulösen und ein neuer Haltepunkt Müssingen einzurichten.
- Wegen der Rentabilität und der bestmöglichen Nutzung des Wagenparks darf es zum SPNV keinen parallelen Busverkehr geben. Der Bus hat in einem integrierten Nahverkehrskonzept für die Bahn Zubringerdienste zu leisten (z.B. Warendorf-Sassenberg, Einen- Müssingen, Stadtverkehre in Sendenhorst, Telgte und Warendorf) und den Taktfahrplan der Bahn für die Fläche zu erschließen.
- Für die Nutzung des öffentlichen Verkehrsangebots muss ein Fahrschein zum gleichen Tarif für mehrere Verkehrsträger existieren. Der zwangsweise Kauf mehrerer Fahrscheine in Folge würde die Attraktivität des ÖPNV deutlich senken. Es muss also in der Region ein Fahrschein, ein Tarif und ein Fahrplan gelten.
- Die Erschließung neuer Marktsegmente für den SPNV muss durch ein erweitertes Fahrplanangebot geleistet werden. Bisher war der Fahrplan hauptsächlich auf den Beruf- und Ausbildungsverkehr abgestimmt. Der Fahrgast muss die Möglichkeit bekommen, auch den Freizeit- und Erholungsverkehr und seine Einkaufsfahrten mit der Bahn durchführen zu können. Zuwachsraten im SPNV sind vor allem auf diesem Gebiet möglich. Das bedeutet ein erweitertes Fahrplanangebot in den Abend hinein und an Wochenenden. Durch die Investitionen in den Fahrweg ist eine zeitlich höhere Auslastung der Schienenwege nur mit einem verhältnismäßig geringen personellen Mehraufwand verbunden. Bei Bedarf können zusätzliche Züge flexibel angeboten werden (beispielsweise zu Festen mit hohem Besucheraufkommen wie Mariä Geburtsmarkt in Telgte, Mariä Himmelfahrt in Warendorf, dem Vier-Türme-Markt in Sendenhorst oder dem Pottmarkt in Enniger).
- Durch attraktive Bahnhöfe muss das Nutzerpotential gezielt vermehrt werden. Busse und Bahnen müssen räumlich und zeitlich optimal miteinander verknüpft werden. Das Umsteigen und die Wartezeiten müssen witterungsgeschützt und in attraktiver Umgebung möglich sein. Die Anlegung sicherer und ausgeschilderter Fuß- und Radwege zu den Haltepunkten, die Einrichtung von diebstahlsicheren und witterungsgeschützten Fahrradabstellanlagen evtl. auch die Anlage von Park and Ride - Plätzen ermöglichen eine bessere Erreichbarkeit des Haltepunktes. In den städtischen Bahnhöfen müssen wesentlich umfangreichere Serviceeinrichtungen als bisher zur Verfügung stehen. Wenn Dienstleister und Einzelhandel am Bahnhof vertreten sind, erspart dies manchen zusätzlichen Weg z.B. mit dem PKW. Bahnhöfe sollten mehr zu einem Mittelpunkt auch des mittelstädtischen Lebens werden. Der Bahnhofsbrand in der Kreisstadt Warendorf im Januar 1995 bietet Chancen für eine optimale Neugestaltung. Die Planungen hierzu sind zu begrüßen; der Baubeginn ist überfällig!
- Um den SPNV wirtschaftlich abzusichern, sind auf Dauer auch im Güterverkehr Erträge zu erwirtschaften. Der Güterverkehr gerät beim Thema Regionalisierung allzuoft in Vergessenheit. Zur künftigen Akquisition von Gütern ist die Schaffung kleinerer Organisationseinheiten mit kompetenter personeller Repräsentanz vor Ort eine Notwendigkeit. Mit dieser Konzeption erfolgreiche Eisenbahngesellschaften (z.B. EVB in Zeven) können das notwendige Know-How liefern.
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