24. Mai 1998 – Ein wichtiger Fahrplanwechsel bei der Bahn-AG! Seit U(h)rzeiten fährt an diesem Sonntagmorgen wieder ein Zug von Warendorf nach Münster. Fahrplanmäßig um 9.14 Uhr von dem Platz, wo vor Jahren einmal in Warendorf der Bahnhof stand. Erstaunlich, sogar 20 Fahrgäste wissen um diese Premiere, stehen am Bahnsteig und warten auf den Zug aus Beelen. 9.14 Uhr - nichts! - 9.20 Uhr - nichts! 9.25 Uhr - noch immer nichts und auch die Schranken am Freckenhorster Tor sind noch offen. Die Wartenden frotzeln:
“Wegen dieser ungewöhnlichen Dienstzeit hat der Lokführer wohl verschlafen oder der Schrankenwärter?” “Vielleicht steht auch ein Trecker auf den Schienen?! Seit Jahren fuhr sonntags der erste Zug ja erst am Nachmittag!” - Doch halt, da kommt der Triebwagen, aber er bleibt vor dem Bahnübergang stehen, denn die Schranken sind noch immer offen. Das darf nicht wahr sein! Vermutungen wie “Sonntags gilt rechts vor links!” oder “Um diese Zeit hat die Bahn noch keinen Strom”, sorgen für Heiterkeit. Aber dann spielt der Schrankenwärter selber Schranke, auch wenn er nicht rot-weiß gekleidet ist, und bleibt als Bollwerk mitten auf der Straße stehen, der Zug pfeift einmal schrill sein “Jetzt komm ich!” und rollt dann bis zum Haltepunkt.
Das war sie also, die Premiere des ITF, des Integralen Taktfahrplans. Mittlerweile hat sich der neue Fahrplan auf der Kursbuchstrecke 406 eingespielt. Was sich ab dem 24. Mai auf den Schienen im Münsterland tat, war schon eine kleine Schienenrevolution. Nicht mehr die Bahn-AG, sondern die Kreise Borken, Coesfeld, Steinfurt und Warendorf und die Stadt Münster sind für den Nahverkehr selbst verantwortlich. Sie werden mit entsprechenden Finanzen aus Düsseldorf ausgestattet, um in eigener Regie den Nahverkehr zu betreiben und sich möglichst optimal auf die Bedürfnisse der Kunden einzustellen. eingespielt. Und das heißt eben: Die Fahrzeiten der Züge und Busse werden nicht mehr getrennt und ortsfern geplant, sondern müssen in Nahverkehrsplänen aufeinander abgestimmt werden. Keine leichte Arbeit, wenn man bedenkt, dass der Nahverkehr auch mit den angrenzenden Gebieten verzahnt und dass eine Unmenge von Daten (und Wünschen!) berücksichtigt werden muss.
Gemeinschaftstarif von Bussen und Bahnen:
Der Fahrgast, der z.B. von Sünninghausen nach Ahlen möchte, steigt in Sünninghausen in den Bus, der ihn zum Oelder Bahnhof bringt. Dort kommt der Bus passend an, damit der Fahrgast ohne große Wartezeiten in den Regionalexpress in Richtung Ruhrgebiet steigen kann und nach kurzer Fahrzeit am Ahlener Bahnhof wieder aussteigt. Hier warten wiederum entsprechende Busse, die unseren Fahrgast - wenn gewünscht - an Stadtziele in Ahlen oder die nähere Umgebung bringen. Ganz entscheidend dabei: Alles funktioniert seit dem Jahr 2000 mit einem Fahrschein! Also kein Neulösen in Oelde am Bahnhof oder in Ahlen. Damit wurde endlich eine alte VCD-Forderung nach dem Gemeinschaftstarif von Bussen und Bahnen erfüllt.
Die Vorteile liegen auf der Hand:
Der Gemeinschaftstarif ist also Realität – allerdings mit dem faden Beigeschmack, dass einzelne Verbindungen durch die Tarifzonen bis zu 50% teurer geworden sind und z.B. die günstigen Bahn-Gruppentarife (bis zu 75% Ermäßigung seit dem Jahr 2001!) auf den Strecken im Münsterland nicht gelten. Die Verzahnung der Verbindungen von Bus und Bahn ist noch nicht entscheidend besser geworden, hier muss sich noch einiges tun! Bis alles realisiert ist, wird einige Zeit ins Land gehen und Arbeit und politischer Wille erforderlich sein. Der Anfang ist gemacht und lässt hoffen, dass in den Fortschreibungen der Nahverkehrspläne Zug um Zug eine bessere Verkehrspolitik möglich wird. Immerhin: In den letzten Jahren wurden die Jahres-Zugkilometer im Münsterland um 700.000 aufgestockt (Also knapp 2.000 km pro Tag), Taktlücken wurden geschlossen und sonntags wird mindestens im Zweistundentakt gefahren.