Ein Mann auf dem Fahrrad fährt zwischen Autos auf der Straße
Quelle: Eduardo Enrietti/Unsplash

Mobilitätsbudget statt Dienstwagen

In vielen Unternehmen gehört ein Dienstwagen immer noch zum Standard. Neben dem klassischen Außendienstleistenden ist dieses Privileg vor allem leitenden Angestellten vorbehalten. Da mit einem Dienstwagen sowohl dienstliche als auch private Fahrten möglich sind, werden selten andere, klimafreundlichere Verkehrsmittel genutzt. Begünstigt wird die Autonutzung zudem durch attraktive steuerliche Regelungen. Dennoch verliert das Dienstwagenprivileg an Bedeutung, Beschäftigte wollen flexibel unterwegs und nicht an ein Auto gebunden sein. Hier setzt die Idee für ein Mobilitätsbudget an. 

| ÖPNV Soziale Aspekte der Verkehrswende

Ein Mobilitätsbudget ist ein Angebot für Mitarbeiter*innen von Unternehmen, das es ihnen anstelle eines persönlichen Firmenwagens ermöglicht, im vereinbarten Budgetrahmen dienstliche sowie private Fahrten mit alternativen Verkehrsmitteln ihrer Wahl abzudecken. 

Im engeren Sinne meint ein Mobilitätsbudget, dass Unternehmen ihren Mitarbeiter*innen kein festes dienstlich genutztes Fahrzeug mehr bereitstellen. Stattdessen wird ihnen ein zuvor festgelegtes Budget bereitgestellt, welches sie flexibel einsetzen können, um klimaschonende Verkehrsmittel zu nutzen. Dazu zählen: öffentliche Verkehrsmittel wie Bus und Bahn, Carsharing, ein (E-)Fahrrad, ein Taxi oder ähnliches. Betragen die Kosten für einen Firmenwagen beispielsweise monatlich 500 Euro, könnte dieses Geld auf verschiedene andere Verkehrsmittel aufgeteilt werden. Wird das monatliche Budget nicht voll ausgeschöpft, kann das restliche Geld für andere Zwecke verwendet werden, beispielsweise für ein neues Fahrrad oder als Zuschuss zur Altersvorsorge. Die Vereinbarung einer zeitlichen Begrenzung, innerhalb welcher das Restbudget aufzubrauchen ist, kann dabei sinnvoll sein. Dank seiner Flexibilität ist das Mobilitätsbudget eine ganzheitliche Mobilitätslösung, die auf die individuellen Bedürfnisse und Anforderungen von Unternehmen und Mitarbeiter*innen eingeht. 

Mehr Flexibilität – vor allem für jüngere Arbeitnehmer*innen 

Zwei Aspekte werden immer wichtiger: Flexibilität und Freiheit. Arbeitnehmer*innen möchten selbst entscheiden, wie sie ihre Arbeitswege bestreiten und dabei möglichst ungebunden bleiben. Mit dem Mobilitätsbudget kann das Verkehrsmittel ganz nach Lebenssituation, Tagesform oder Gusto gewählt werden.1 Das Dienstwagenmodell scheint insbesondere bei der jungen Arbeitnehmendengeneration ein Auslaufmodell zu sein. Das Mobilitätsbudget stellt mit seinen flexiblen Einsatzmöglichkeiten hingegen einen attraktiven Benefit für Arbeitnehmer*innen dar, der beim Ringen um Top-Fachkräfte von Vorteil ist. 

Wer macht sowas? 

Ein Mobilitätsbudget wurde bislang nur von wenigen deutschen Firmen eingeführt. Im europäischen Vergleich sieht das Ganze allerdings anders aus: Laut dem “2020 Fleet Barometer” des Arval Mobility Observatory setzen bereits 13 Prozent aller großen bis sehr großen Firmen in Europa auf ein Mobilitätsbudget und 29 Prozent wollen es binnen drei Jahren einführen.2 Vorreiterländer sind hier Belgien, Luxemburg, die Schweiz, die Niederlande und Spanien. 

Steuerliche Behandlung 

Einige Firmen bieten ihren Mitarbeitenden eine Mobilitätskarte an, mit der Sie verschiedene Mobilitätsdienstleistungen buchen und bezahlen können. Dabei werden Mobilitätsleistungen wie „Sachbezüge“ behandelt. Voraussetzung ist, dass von dieser Karte kein Bargeld abgehoben werden kann. Für das Unternehmen sind diese Karten insofern lohnend, als dass die „Sachbezugsversteuerung“ einer deutlich niedrigeren Gesamtversteuerung entspricht als eine Gehaltsauszahlung. Auch für Arbeitnehmende ist der Sachbezug steuerlich vorteilhafter als die Ausbezahlung mit dem Einkommen.

Gleichbehandlung 

Ein fixer monatlicher Mobilitätszuschuss kann für mehr Gerechtigkeit unter den Mitarbeiter*innen sorgen. Während Dienstwagen häufig nur Führungskräften vorbehalten sind, kann ein Mobilitätsbudget im Rahmen eines geringeren Beitrags auch für Mitarbeiter*innen niedrigerer Gehaltsgruppen eingesetzt werden. Dies kann sich positiv auf das Betriebsklima auswirken. 

Findet das Mobilitätsbudget als Dienstwagenalternative im Unternehmen Anklang, geht es an die konkrete Umsetzung. Gegebenenfalls muss die Dienstwagen- oder Mobilitätsregelung angepasst oder separate Regelungen für das Mobilitätsbudget getroffen werden. Das Fuhrparkmanagement muss zudem unter anderem dafür Sorge tragen, dass Belege und Rechnungen für genutzte Fortbewegungsmittel gesammelt, archiviert und nachgehalten werden. Mittlerweile gibt es einige Anbieter auf dem Markt, die Firmen bei der Umsetzung eines Mobilitätsbudgets unterstützen. Dafür wird die aktuelle Situation im Unternehmen genauso betrachtet wie die zukünftigen Potenziale. Elektronische Belegerfassungen über Apps und Webanwendungen können den Prozess der Nachweiserbringung zusätzlich vereinfachen. 

Fazit: Für ein Mobilitätsbudget jenseits des klassischen Dienstwagens 

Ein Mobilitätsbudget bietet Unternehmen eine Reihe von Vorteilen. Der VCD unterstützt das Mobilitätsbudget, denn es ist inklusiver als ein Dienstwagen, gewährt Flexibilität und fördert umweltverträgliche Mobilität. Wir messen dem Mobilitätsbudget künftig eine höhere Bedeutung zu, daher sollte das Mobilitätsbudget die Dienstwagenregelung ablösen. Unser Ziel ist die Einführung eines Mobilitätsbudgets, mit dem die Menschen frei wählen können, wie sie sich fortbewegen wollen. Das Dienstwagenprivileg hätte damit ausgedient und mehr klima- und umweltschonende Alternativen hätten die Chance, Verkehrsmittel der ersten Wahl zu sein. 

Auf die gleiche Weise wie auch das Jobticket steuerlich begünstigt wird, sollten Arbeitgeber*innen ihren Angestellten ein in der Höhe flexibles monatliches Budget bereitstellen können. Dafür ist das Mobilitätsbudget dem ÖPNV-Jobticket durch den Gesetzgeber steuerlich gleichzustellen. Dieses Mobilitätsbudget sollten Arbeitnehmer*innen auch für ihre private Mobilität in öffentlichen oder geteilten Verkehrsträgern (Sharing- und Miet-Anbietern) nutzen können. 


Quellen

[1] “Exklusive FREE-NOW-Umfrage in Kooperation mit Civey: Jeder zweite Arbeitnehmer (51 Prozent) will eigene Mobilität nach Corona flexibler gestalten; Zustimmung dafür besonders hoch in deutschen Ballungsgebieten“, in Der Tagesspiegel, https://www.tagesspiegel.de/advertorials/ots/free-now-alternative-zum-dienstwagen-free-now-startet-mobilitaetsbudget-in-deutschland/27398698.html, 7.7.2021

[1] Arval Mobility Obervatory,2020 Fleet Barometer, https://cms-static.arval.com/sites/default/files/32/2020/06/Arval%20Mobility%20Observatory%20Barometer%202020%20-%20Global.pdf, Juni 2020, S. 72


Alexander Kaas Elias

Projektleiter »Verkehrswende: klimaverträglich und sozial gerecht« & Sprecher für klima- und sozialverträgliche Mobilität

alexander.kaaselias@vcd.org

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