Quelle: Foto - Biotope City, Architektur - RLP Rüdiger Lainer + Partner, Rendering - ©schreinerkastler.at

Spielplätze statt Parkplätze

Wie weniger Stellplätze für lebenswerte Städte sorgen

Parkplätze brauchen Platz. Platz, den man eigentlich für andere Dinge nutzen könnte – für das Zusammenleben, den Austausch, zum Spielen, Spazieren oder Radfahren. Die Mobilitätswende hilft uns, diesen Platz gerechter zu verteilen – und viel Geld einzusparen.

| Wohnen und Mobilität

Mehr Verkehr durch mehr Parkplätze

Mit dem Auto an einem Samstag in die Innenstadt fahren ist durch die Parkplatzsuche ziemlich lästig geworden. Konservative Politiker*innen fordern deshalb seit Jahren den Bau von Tiefgaragen. Schließlich müssten mehr Parkplätze da doch Abhilfe schaffen, oder? Tatsächlich sind mehr Parkplätze nicht die Lösung des Problems, denn das Angebot beeinflusst auch hier die Nachfrage. Wo mehr Parkplätze sind, gibt es auch mehr Verkehr. Viel sinnvoller ist die Verlagerung des Autoverkehrs auf Alternativen wie ÖPNV oder Radverkehr. So können lange Staus in Innenstädten vermieden werden.

Kosteneinsparung für Wohnungsunternehmen und Kommunen

Doch nicht nur der Verkehr wird durch weniger Platz für Parkplätze entlastet. Der Bau von Parkplätzen kostet auch eine Menge Geld. Besonders Tiefgaragen und Parkhäuser schlagen mit hohen Kosten zu Buche. Beim Bau von neuen Gebäuden kann also viel Geld gespart werden, wenn weniger Stellplätze errichtet werden müssen. Davon profitieren am Ende auch die Menschen. Jeder Parkplatz ist ca. 12 qm groß – genauso groß wie ein durchschnittliches deutsches Kinderzimmer! Den neu gewonnen Platz können wir dann für zum Entspannen, Urban Gardening, Fahrradfahren oder Spielen nutzen.

Stellplatzsatzungen als Instrument

Umsetzen lassen sich weniger Parkplätze über Regelungen in den sog. Stellplatzsatzungen der Länder. Die sollen eigentlich dafür sorgen, dass ausreichend Parkplätze in der Nähe von Gebäuden errichtet werden. Allerdings lassen sich diese Regelungen umgehen, indem Alternativen zum Auto bereitgestellt werden - wie zum Beispiel eine fußläufige ÖPNV-Haltestelle, Carsharing-Angebote oder Radabstellanlagen. Damit lassen sich die Parkplätze auf weniger als einen pro Wohnung reduzieren. Teilweise werden sogar Wohnquartiere komplett ohne Parkplätze errichtet. Dank intelligenter Mobilitätskonzepte können die Anwohner*innen so ganz ohne Auto bequem unterwegs sein. Und für Besucher*innen oder gehbehinderte Menschen stehen trotzdem noch ausreichend Parkplätze zur Verfügung.

Infobox Stellplatzsatzungen

Eine Stellplatzsatzung bestimmt die Anzahl der Stellplätze für Fahrzeuge, die bei Neubauten oder Umbauarbeiten im Bestand auf dem Grundstück oder in der Nähe errichtet werden müssen. Stellplatzsatzungen und -verordnungen waren ursprünglich darauf ausgerichtet, einer zunehmend motorisierten Bevölkerung ausreichend Platz für ihr Auto zur Verfügung zu stellen. Damit sorgen sie jedoch heute für einen enormen Flächenverbrauch. Ihre Umsetzung verteuert den Wohnungsbau und im schlechtesten Fall sorgen sie sogar für unnötigen Autoverkehr. Die Zahl der vorgeschriebenen Stellplätze hängt dabei von der Nutzungsart und von der Zahl der Nutzer*innen des Gebäudes ab.

Gutes Beispiel: Hannover

Die Stadt Hannover zeigt, wie diese Theorie in die Praxis umgesetzt werden kann. Dort ist das Stadtgebiet in verschiedene Zonen aufgeteilt. Desto zentraler die Zone, desto weniger Parkplätze müssen gebaut werden. Das funktioniert, wenn ein überdurchschnittlich gutes ÖPNV-Angebot vorhanden ist, eine gute Anbindung an das Radwegenetz und wettergeschützte Fahrradabstellanlagen zur Verfügung stehen. Außerdem muss es ein Mobilitätskonzept geben, das die Maßnahmen für einen geringeren Autoverkehr sinnvoll erklärt. Eine besondere Regelung gibt es noch für Carsharing-Modelle, die in der Nähe von Wohnungen errichtet werden müssen. Hier sieht die Stadt vor, dass vier Stellplätze durch einen Carsharing-Parkplatz ersetzt werden können. Im Schnitt muss dort dann nur für jeden zweiten Haushalt ein Stellplatz errichtet werden.

Im Masterplan Mobilität 2025 arbeitet die Stadt gerade an weiteren Möglichkeiten, den Autoverkehr zu senken und stattdessen nachhaltigen Verkehr zu fördern. Ein besonderer Schwerpunkt liegt dabei auf dem Ausbau des Radverkehrs. Damit geht Hannover in Deutschland als gutes Beispiel voran und zeigt, wie die Mobilität der Zukunft aussehen kann.

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