Neues Kraftstoffverbrauch-Testverfahren WLTP tritt in Kraft: Fünf Änderungen für Autokäuferinnen und Autokäufer

Ab 1. September 2018 gilt für alle Neuwagen das Testverfahren WLTP zur Ermittlung von Schadstoffemissionen und Kraftstoffverbauch. Der WLTP löst das veraltete und realitätsferne Verfahren NEFZ ab. Dadurch werden die Angaben zum Verbrauch und zum CO2-Ausstoß neuer Modelle realistischer. Der VCD erklärt Autokäufern, was sich ändert.

Berlin, 17. Juli 2018. Der neue Messzyklus WLTP (weltweit harmonisiertes Testverfahren für Pkw und leichte Nutzfahrzeuge) ist ein erster Schritt in Richtung realitätsnahe Verbrauchs- und CO2-Angaben bei Fahrzeugen. Da die WLTP-Verbrauchsmessungen nach wie vor im Labor auf einem Rollenprüfstand stattfinden, sind Manipulationen der Hersteller nicht ausgeschlossen. Die energieverbrauchende Klimaanlage ist weiterhin nicht einbezogen. Um den tatsächlichen Verbrauch und CO2-Ausstoß von Neuwagen anzugeben, müssen die Werte künftig auf der Straße im Alltagsbetrieb – ähnlich den bereits vorgeschriebenen Straßenmessungen bei Schadstoffen – ermittelt werden, urteilt der ökologische Verkehrsclub VCD. Der VCD erklärt, welche fünf Änderungen sich durch die realistischeren CO2-Angaben für Autokäufer ergeben.

1.      Dynamischerer Test führt zu höheren Angaben bei Kraftstoffverbrauch und CO2-Ausstoß

Der WLTP ist im Vergleich zum NEFZ wesentlich dynamischer, es wird stärker beschleunigt und gibt weniger Standphasen. Dadurch benötigt das Auto im Test mehr Energie. Kraftstoffverbrauch und CO2-Ausstoß steigen. Laut der internationalen Forschungsorganisation ICCT erhöhen sich aufgrund der geänderten Testbedingungen die Verbauchs- und CO2-Angaben im Vergleich zum NEFZ im Schnitt um zehn bis 15 Prozent. Je nach Modell können die Unterschiede kleiner oder größer ausfallen. Wichtig zu wissen ist: In der Realität verbraucht ein Auto weiterhin genauso viel wie vor der Umstellung. Es ist ungefähr so, als würde man die Außentemperatur in Celsius und Fahrenheit messen – unabhängig von der Maßeinheit bleibt es genauso kalt oder warm.

2.      Angaben für die Verbraucherinformation ändern sich schrittweise

Der WLTP enthält vier verschiedene Geschwindigkeitsphasen: niedrig, mittel, hoch und extra hoch. Daraus wird ein kombinierter Wert ermittelt. Somit stehen für die Verbraucherinformation insgesamt fünf gegenüber drei Werten beim NEFZ (innerorts, außerorts, kombiniert) zur Verfügung. Da der Gesetzgeber noch nicht die Grundlage zur Energiekennzeichnung von Pkw geändert hat, die auch als Basis für das Pkw-Label dient, geben Hersteller in einer Übergangsphase noch die alten NEFZ-Werte an. Zusätzlich weisen sie den kombinierten WLTP-Wert aus. Das hat zur Folge, dass Verbraucherinnen und Verbraucher mit unterschiedlichen Angaben zum Kraftstoffverbrauch und CO2-Emission konfrontiert sind. Erst im Laufe des kommenden Jahres könnte sich das ändern, wenn die neuen Regeln zur Energiekennzeichnung für Pkw in Kraft treten.

3.      Kfz-Steuer wird bei neuen Modellen auf WLTP-Angaben umgestellt

Die Kfz-Steuer bemisst sich nach Antriebsart, Hubraum und CO2-Ausstoß eines Fahrzeugs. Ab dem 1. September gilt für neuzugelassene Fahrzeuge der CO2-Ausstoß nach WLTP als Basis. Dadurch kann sich der Steuersatz bei einigen Modellen geringfügig erhöhen. Je zusätzliches Gramm CO2 pro Kilometer erhöht sich die Steuer lediglich um zwei Euro pro Jahr – eine zu vernachlässigende Größe. Fahrzeuge, die vor dem 1. September zugelassen wurden, werden weiterhin nach den NEFZ-Angaben besteuert.

4.      Neue CO2-Grenzen bei Dienstwagen

Viele Firmen stellen ihren Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter Dienstwagen zur Verfügung. Meist ist in der sogenannten Car-Policy geregelt, aus welchen Fahrzeugklassen sie wählen können und wie hoch der CO2-Ausstoß maximal sein darf. Ändern sich nun die Angaben, ist eine Anpassung der CO2-Grenzen nötig. Allerdings liegen noch keine Erfahrungswerte vor, wie sich die Angaben konkret bei den einzelnen Fahrzeugen ändern. Aus Klimasicht ist ein Beibehalten der bisherigen Werte zu begrüßen. Ein Vorteil für Dienstwagennutzer: auf einen Klick können sie erkennen, wie sich Extras bei der Sonderausstattung auf die Höhe des Kraftstoffverbauchs und des CO2-Ausstoßes auswirken.

5.      Einzelne Modelle verschwinden aus dem Angebot

Mit der Umstellung auf den WLTP müssen Hersteller nicht nur die Emissionen verschiedener Modellvarianten messen, auch bereits nach NEFZ typgenehmigte Modelle müssen erneut gemessen werden. Lediglich auslaufende Serien können noch bis September 2019 nach NEFZ zugelassen werden. Da einige Hersteller nicht mit dem Messen nachkommen, können einzelne Modellvarianten vorübergehend aus dem Angebot verschwinden, in weiteren Modellen werden bestimmte Motoren dauerhaft nicht mehr angeboten.   

Mehr zu den Messunterschieden zwischen WLTP und NEFZ sowie die Auswirkungen auf die geltenden CO2-Vorgaben der EU für Neuwagen unter: www.vcd.org/themen/auto-umwelt/reale-verbrauchsmessungen/#c2844

Wie sich das neue Testverfahren WLTP auf einzelne Pkw-Modelle auswirkt, zeigt der VCD in seiner diesjährigen Autoumweltliste. Diese erscheint im Oktober 2018.

Pressekontakt:

VCD-Pressestelle • Telefon 030/280351-12 • presse@vcd.orgwww.vcd.org  • Twitter: @VCDeV

Der ökologische Verkehrsclub VCD ist ein gemeinnütziger Umweltverband, der sich für eine umweltverträgliche, sichere und gesunde Mobilität einsetzt. Im Mittelpunkt steht dabei der Mensch mit seinen Bedürfnissen und Wünschen für ein mobiles Leben. Seit 1986 kämpft der VCD für ein gerechtes und zukunftsfähiges Miteinander zwischen allen Menschen auf der Straße – egal, ob sie zu Fuß, auf dem Rad, mit Bus und Bahn oder dem Auto unterwegs sind. Dafür arbeitet er vor Ort mit zwölf Landesverbänden und rund 140 Kreisverbänden und Ortsgruppen. Rund 55.000 Mitglieder, Spender und Aktivistinnen unterstützen die Arbeit des VCD für eine zukunftsfähige Mobilität.

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