Parkplatz als Bühne: VCD veranstaltet kleinstes Kulturfest Berlins auf zwölf Quadratmetern

Mit Musik, Diskussion und Theater auf besetztem Pkw-Parkplatz in Berlin fordert der ökologische Verkehrsclub VCD eine flächendeckende Parkraumbewirtschaftung und mehr Freiraum für Bürger statt Parkraum für Autos.

Berlin, 13.07.2019. Rund zwölf Quadratmeter beansprucht ein parkendes Auto im öffentlichen Raum – und das im Durchschnitt 23 Stunden täglich. Statt Fläche zum Entspannen und für Austausch zu bieten, reiht sich dort ein Pkw an den anderen. Der ökologische Verkehrsclub VCD veranstaltete heute das kleinste Kulturfest Berlins „12qmKultur“ und zeigte: Öffentliche Flächen können auch anders genutzt werden als nur für parkende Autos. Von 14 bis 20 Uhr lud der VCD im Berliner Kollwitzkiez Anwohner auf einem besetzten Parkplatz dazu ein, gemeinsam zu Swing der 30er-Jahre zu tanzen, sich beim Varieté-Theater zu amüsieren und sich von einer Lesung inspirieren zu lassen.

Ole Kamm, Projektleiter „Lebenswerte Städte“ beim VCD: „Wir fordern Freiraum für Anwohner statt Parkplätze für Autos. Parkende Autos zerschneiden den öffentlichen Raum, schaffen gefährliche Situationen für Fußgänger und Radfahrer und verschärfen den Platzmangel in den Städten. Mit 12qmKultur möchte der VCD zeigen: Der öffentliche Raum kann sinnvoller genutzt werden als für parkende Autos – zum Beispiel als Ort, um Nachbarn zu begegnen, sich kennenzulernen und auszutauschen.“

Der VCD fordert von der Bundesregierung, die im Straßenrecht verankerte Parklogik umzukehren. Die Straßenfläche stünde dann vorrangig Fußgängern und Radfahrern zur Verfügung. Das Parken von Autos im öffentlichen Raum wäre nur an ausgewiesenen Stellen erlaubt. Derzeit ist eine Reform der Straßenverkehrsordnung (StVO) geplant. Darin müsse Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer die Privilegien des Autoparkens gezielt abbauen, um Städte sicherer und lebenswerter zu machen.

„Die autofixierte Verkehrspolitik verdrängt das gesellschaftliche Leben von der Straße. Gewinnen die Menschen Räume zur Gestaltung ihres Lebensumfeldes, ist zum Beispiel Platz für spielende Kinder, das Pflanzen von Blumen und Kräutern oder für Nachbarschaftsfeste wie 12qmKultur“, sagt Kamm.

Bereits heute haben es die Kommunen in der Hand, Verkehrsflächen umzuwidmen und so die Stadt lebenswerter zu gestalten. Sie können den Rad- oder Fußverkehr bevorzugen oder Parkplätze zu Spielplätzen und anderen Aufenthaltsräumen umgestalten. Der VCD fordert Kommunen auf, diese Möglichkeiten zu nutzen. Zudem sollten die Kommunen das Parken von Pkw mit einer flächendeckenden Parkraumbewirtschaftung steuern und Parkfläche angemessen bepreisen. Der bundesweit geltende maximale Gebührensatz von 30,70 Euro pro Jahr für Anwohnerparken ist nach Ansicht des VCD auszuschöpfen.

Wie Flächen im Straßenraum zugunsten der Bewohner umverteilt werden können, haben andere Städte in Europa längst vorgemacht. In Paris gehört seit 2016 eines der Seine-Ufer allein den Fußgängern und Radfahrern. In Wien ist in der Mariahilfer Straße, einer Hauptverkehrsstraße der Stadt, seit 2013 eine beliebte Begegnungszone entstanden. In Berlin zeigt das Kulturfest 12qmKultur den Bürgern, welche Vorteile es hat, wenn der öffentliche Raum zuerst den Menschen und nicht dem Auto gehört.

Pressebilder der Aktion finden Sie im Laufe des Tages unter:www.vcd.org/service/presse/bildmaterial/aktionsfotos

Weitere Termine der 12qmKultur-Reihe sind der 10. August in Kreuzberg und der 31. August in Rixdorf, Neukölln. Das Kulturfest findet in Anlehnung an den jährlich stattfindenden, internationalen Park(ing) Day statt. Auf der ganzen Welt besetzen Bürger an diesem Tag Pkw-Parkplätze, um den öffentlichen Raum für Nachbarschaftsfeste, Spiele und Austausch zu nutzen. In diesem Jahr findet der Park(ing) Day am 20. September statt.
Mehr Info zu 12qmKultur finden Sie hier:www.vcd.org\12qmkultur

Pressekontakt:
Lisa Feitsch • VCD-Pressereferentin • Mobil 0171/6052409 • Fon 030/280351-18 • presse@vcd.orgwww.vcd.org • Twitter: @VCDeV

Der ökologische Verkehrsclub VCD ist ein gemeinnütziger Umweltverband, der sich für eine umweltverträgliche, sichere und gesunde Mobilität einsetzt. Im Mittelpunkt steht dabei der Mensch mit seinen Bedürfnissen und Wünschen für ein mobiles Leben. Seit 1986 kämpft der VCD für ein gerechtes und zukunftsfähiges Miteinander zwischen allen Menschen auf der Straße – egal, ob sie zu Fuß, auf dem Rad, mit Bus und Bahn oder dem Auto unterwegs sind. Dafür arbeitet er vor Ort mit zwölf Landesverbänden und rund 140 Kreisverbänden und Ortsgruppen, bundesweit und europaweit vernetzt. Rund 55.000 Mitglieder, Spender und Aktivistinnen unterstützen die Arbeit des VCD für eine zukunftsfähige Mobilität.

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