Regelbetrieb für Riesen-Laster verhindern

Demonstration gegen Gigaliner am Brandenburger Tor

Während Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt inzwischen ganz offen für eine Regelzulassung von Gigalinern auf deutschen Straßen wirbt, haben sich hochrangige Verkehrspolitiker aus Deutschland und der EU gegen Riesen-Laster ausgesprochen. Auf einer Demonstration am Brandenburger Tor, zu der unter anderem die Allianz pro Schiene, die EVG, der ökologische Verkehrsclub VCD und die Automobilclubs ACV und ACE aufgerufen hatten, kritisierte der Verkehrsausschussvorsitzende im EU-Parlament, Michael Cramer, „den Gigaliner als verkehrspolitischen Unsinn“. „Riesen-Lkw sind eine Gefahr für die Verlagerungsziele der EU“, sagte Cramer während der Kundgebung am Dienstag in Berlin. Auch Martin Burkert, Verkehrsausschussvorsitzender des Deutschen Bundestags, wandte sich gegen die Pläne des Bundes, überlange Lastwagen künftig durch Deutschland rollen zu lassen. „Gigaliner sind kein Beitrag zu einer nachhaltigen Verkehrspolitik“, sagte Burkert. „Der Verkehrsminister wäre gut beraten, nicht nur auf die Lkw-Lobby zu hören, die immer mehr und größere Laster unter dem Öko-Deckmantel verkaufen will.“

Dirk Flege, Geschäftsführer der Allianz pro Schiene, warf der Bundesregierung vor, ihre eigenen Verlagerungs- und Klimaziele zu hintertreiben. „Die Einführung von Riesen-Lkw wird die ohnehin sehr alarmierende CO2-Bilanz des Verkehrssektors weiter verschlimmern“, sagte Flege. „Je billiger die Politik den Straßengüterverkehr macht, desto mehr klimaschädliche Lkw werden wir am Ende auf unseren Straßen haben.“ Die Vertreter der Autoclubs ACE und ACV warnten davor, die Sicherheit der Autofahrer für die Interessen einiger Großspeditionen zu opfern. „Mehr als drei Viertel der Deutschen wollen keine Riesen-Lkw auf unseren Straßen, weil sie Angst um ihre Sicherheit haben“, sagte ACV-Sprecher Jürgen Koglin. „An jedem fünften tödlichen Unfall ist schon jetzt ein Lkw beteiligt“, sagte Matthias Knobloch vom ACE. „Statt einer Politik für mehr Sicherheit im Straßenverkehr erleben wir mit der Einführung von Riesen-Lkw das Gegenteil“, sagte Knobloch. Der Bundesvorsitzende des ökologischen Verkehrsclubs VCD, Michael Ziesak, forderte den Bund auf, die Pläne für den Regelbetrieb von Gigalinern auf Eis zu legen: „Gigaliner fahren im dünnbesiedelten Norden von Skandinavien. Für Deutschland sind sie zu groß und zu gefährlich, unsere Infrastruktur ist weder für 60-Tonner, noch für eine Lkw-Länge von 25,25 Meter ausgelegt.“ Für die kostspieligen Umbauten von Tunneln, Brücken und Rastplätzen werde außerdem die Allgemeinheit zur Kasse gebeten, während die Gewinne an die Transportindustrie gingen.

Jörg Hensel, Vorsitzender des Gesamtbetriebsrats von DB Schenker Rail, rechnet mit dramatischen Arbeitsplatzeinbußen beim Schienengüterverkehr. „Die Lastwagen-Branche bekommt durch den Riesen-Lkw wettbewerbsverzerrende Kostenvorteile von bis zu 30 Prozent, während ein umweltfreundlicher Verkehrsträger wie die Güterbahn durch bundespolitische Rahmenbedingungen nach wie vor stark benachteiligt wird", sagte Hensel. Nach einer aktuellen Studie der TH Wildau im Auftrag der Allianz pro Schiene würden durch die Zulassung von Riesen-Lkw mehr als 8 Millionen Tonnenkilometer von der Schiene auf die Straße verlagert – das sind 7,6 Prozent des Schienengüterverkehrs. Dies entspricht pro Tag 7000 zusätzlichen Lkw-Fahrten. 1.000 Jobs sind bei den Güterbahnen in Gefahr. Der Eisenbahn-Einzelwagenverkehr stünde laut Studie insgesamt auf der Kippe. Durch die zu erwartenden großen Nachfrageeinbrüche durch Riesen-Lkw könnte dieses Segment vollständig unrentabel werden. Die Verluste bei der Transportleistung und den Arbeitsplätzen wären dann um ein Vielfaches höher. Derzeit hat der Einzelwagenverkehr einen Anteil von 25 Prozent an der Transportleistung des gesamten Schienengüterverkehrs.

Weitere Informationen:

„Studie zu Wirkungen ausgewählter Maßnahmen der Verkehrspolitik auf den Schienengüterverkehr in Deutschland - Modal Split und Beschäftigung“, Prof. Herbert Sonntag, TH Wildau – Prof. Liedtke, TU Berlin

Film: Gigaliner – Schreckensvision für Deutschland

Forsa-Studie: Mehr als drei Viertel der Deutschen sind gegen den Riesen-Lkw

VCD: www.vcd.org/themen/gueterverkehr/gigaliner

 

Pressekontakte:

Pressekontakt Allianz pro Schiene: Dr. Barbara Mauersberg | Pressesprecherin
Tel.: 030.246 25 99 – 20
barbara.mauersberg@allianz-pro-schiene.de

Pressekontakt VCD: Anja Smetanin | Pressesprecherin
Tel.: 030. 280351-12
Anja.smetanin@vcd.org

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