VCD fordert Tempo 30 innerorts: Minister Scheuer muss Verkehr in den Städten sicherer und leiser machen

Lebenswerte Städte für alle Verkehrsteilnehmer: Tempo 30 muss als Regelgeschwindigkeit innerorts eingeführt werden. Es verhindert Unfälle, mindert die Unfallschwere und macht den Verkehr ruhiger und fließender.

Berlin, 11. Juni 2019. Der ökologische Verkehrsclub VCD fordert Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer auf, mit der geplanten Reform der Straßenverkehrsordnung (StVO) Tempo 30 als Regelgeschwindigkeit innerorts einzuführen. Dies sei die wichtigste Maßnahme, um nicht nur den Radverkehr, sondern den Verkehr für alle Verkehrsteilnehmer in den Städten sicherer, leiser und übersichtlicher zu machen. Eine Höchstgeschwindigkeit von 30 km/h reduziert nachweislich die Zahl sowie die Schwere von Unfällen, verringert den Verkehrslärm deutlich und ermöglicht einen flüssigeren und entspannteren Verkehrsablauf.

„Tempo 30 als Regelgeschwindigkeit in unseren Städten und Dörfern macht den Verkehr für Fahrradfahrer, Fußgänger und Autofahrer sofort sicherer und entspannter. Fahrradfahrer können angstfrei durch die Stadt radeln, Kinder sicher zur Schule laufen und Autofahrer stehen weniger im Stau. Minister Scheuer muss jetzt die Chance ergreifen und unsere Städte durch Tempo 30 lebenswerter machen“, sagt Anika Meenken, VCD-Sprecherin für Radverkehr.

Mit Tempo 30 können Unfälle verhindert werden, denn der Bremsweg der Autos halbiert sich gegenüber Tempo 50 um mehr als die Hälfte. Nach nur 13,3 Metern steht ein Auto, das mit 30 km/h unterwegs ist. Ein Auto mit 50 km/h hat nach 13 Metern noch nicht einmal gebremst. Der Aufprall erfolgt bei voller Geschwindigkeit. In einer bisher umfangreichsten Studie zu Tempo 30 wurden die Unfälle nach Einführung von so genannten „20 Miles per Traffic Speed Zones“ in London (entspricht in etwa unserem Tempo 30) über einen Zeitraum von 20 Jahren systematisch gemessen. Im Ergebnis sank die Unfallrate um fast 42 Prozent. Vor allem Unfälle mit Kindern und besonders schwere Unfälle konnten reduziert werden.

Verkehrslärm gehört zu den am stärksten empfundenen Lärmbelastungen, denen wir täglich ausgesetzt sind. Laut einer Umfrage des Umweltbundesamts fühlen sich drei Viertel aller Bürger in ihrem Wohnumfeld durch Straßenverkehrslärm belästigt. Häufig können Balkone und Terrassen nicht genutzt werden, weil die Geräuschkulisse jede Chance auf Gemütlichkeit verhindert. Verkehrslärm stört Entspannung, Erholung und Gespräche. Wer dauerhaft von Lärm geplagt ist, dem drohen Herz- und Kreislauferkrankungen. Tempo 30 als Regelgeschwindigkeit für Pkw in den Städten würde den Fahrlärm für die Stadtbewohner um zwei bis drei Dezibel reduzieren. Das menschliche Ohr nimmt Tempo 30 im Vergleich zu Tempo 50 wie eine Halbierung der Verkehrsmenge wahr.

Entgegen entsprechender Befürchtungen führt Tempo 30 nicht dazu, dass der Verkehr zähfließend wird und Autofahrer langsamer vorankommen. Die genannte Studie aus England zeigt im Gegenteil, dass der Verkehr durch die geringeren Geschwindigkeitsunterschiede insgesamt besser fließt, es weniger Staubildung gibt und grüne Wellen besser funktionieren. Weder mit dem Auto noch mit dem öffentlichen Nahverkehr hat sich die Reisezeit nach der Einführung von Tempo 30 (bzw. 20 Meilen pro Stunde) verlängert.

Meenken: „Mit Tempo 30 fließt der Verkehr gleichmäßiger und das gleichberechtigte Miteinander Aller wird gefördert. Die Kommunikation zwischen den einzelnen Verkehrsteilnehmern wird erleichtert, weil sich die Geschwindigkeiten annähern. 30 km/h in Städten und Dörfern ist ein Gewinn für uns Alle.“

 

Mehr Informationen:
Studie des Umweltbundesamtes zur Auswirkungen von Tempo 30 an Hauptverkehrsstraßen: www.umweltbundesamt.de/publikationen/wirkungen-von-tempo-30-an-hauptverkehrsstrassen

Studie zu den Auswirkungen von 20 Meilen pro Stunde auf die Verkehrssicherheit in London: http://content.tfl.gov.uk/20-mph-zones-and-road-safety-in-london.pdf

Zum 14. Juni ruft der VCD unter dem Motto „Stoppt den Straßentod!“ gemeinsam mit Changing Cities und dem „Personenbündnis Mahnmal Verkehrstote“ zum Protest vor dem Bundesverkehrsministerium auf. Mehr dazu Informationen unter: www.vcd.org/service/presse/pressemitteilungen/protest-stopptdenstrassentod/

Pressekontakt:
Almut Gaude, VCD-Pressesprecherin • Telefon 030/280351-12 • presse@vcd.orgwww.vcd.org  • Twitter: @VCDeV 

Der ökologische Verkehrsclub VCD ist ein gemeinnütziger Umweltverband, der sich für eine umweltverträgliche, sichere und gesunde Mobilität einsetzt. Im Mittelpunkt steht dabei der Mensch mit seinen Bedürfnissen und Wünschen für ein mobiles Leben. Seit 1986 kämpft der VCD für ein gerechtes und zukunftsfähiges Miteinander zwischen allen Menschen auf der Straße – egal, ob sie zu Fuß, auf dem Rad, mit Bus und Bahn oder dem Auto unterwegs sind. Dafür arbeitet er vor Ort mit zwölf Landesverbänden und rund 140 Kreisverbänden und Ortsgruppen, bundesweit und europaweit vernetzt. Rund 55.000 Mitglieder, Spender und Aktivistinnen unterstützen die Arbeit des VCD für eine zukunftsfähige Mobilität.

 

 

 

 

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