Schluss mit dem Mantra vom klimafreundlichen Diesel

Diesel leisten keinen Beitrag zum Klimaschutz und sind globale Nischentechnologie, zeigt eine Studie der europäischen Umweltschutzorganisation Transport & Environment. VCD fordert daher ein Ende der Dieselprivilegien und Vorfahrt für emissionsfreie Antriebe

Berlin/Brüssel, 18. September 2017. Diesel-Pkw stoßen mehr Schadstoffe und mehr klimaschädliches CO2 aus als Benzin-Autos, zeigt eine Studie von Transport & Environment (T&E). Zwei Jahre nach Beginn des Abgasskandals hat T&E als europäischer Dachverband der ökologischen Verkehrsclubs wie dem VCD auch die Klimabilanz von Diesel-Autos untersucht. Ergebnis: Über die gesamte Lebenszeit emittiert ein durchschnittlicher Diesel-Pkw knapp 4 Tonnen CO2 mehr als ein Benziner.

„Die T&E-Studie ist ein weiterer Beleg dafür, dass der Diesel keinen Beitrag zum Klimaschutz leistet”, sagt Michael Müller-Görnert, Referent für Verkehrspolitik beim VCD. “Trotzdem halten Politik und Autoindustrie dieses Argument wie ein Mantra hoch. Es gibt keinen umweltpolitischen Grund, den Diesel weiterhin steuerlich und abgasrechtlich zu bevorteilen.“

Die Gründe für den höheren Klimabeitrag des Diesels sind vielfältig: ein energieintensiverer Raffinerieprozess für den Dieselkraftstoff. Schwerere und komplexere Motoren, die mehr Material benötigen. Höhere Emissionen durch die Beimischung von Biodiesel sowie eine höhere Fahrleistung, die durch niedrigere Kraftstoffpreise begünstigt wird. In Deutschland zahlen Dieselfahrer pro Liter 18,4
Cent plus Mehrwertsteuer weniger Energiesteuer als für Benzin.

Die EU hat ebenfalls dazu beigetragen, dass der Diesel bei den Neuzulassungen Markanteile von mehr als 50 Prozent erzielt hat. Der Diesel profitiert auch von lascheren Vorgaben bei der Abgasgesetzgebung und der CO2-Regulierung. Neue Diesel dürfen im Vergleich zu Benzinern mehr Stickoxide emittieren, bei den CO2-Grenzwerten profitieren Diesel, da die Vorgaben nach Gewicht gestaffelt sind und schwere Fahrzeuge bevorteilen. Weltweit spielt der Dieselantrieb bei Pkw keine Rolle. In den USA liegt der Dieselanteil bei einem Prozent, in China bei zwei.

„Der Dieselantrieb bei Pkw ist global gesehen eine Nische und auf die Insel Europa beschränkt. Um weltmarktfähig zu sein, muss sich die deutsche Autoindustrie auf zukunftsfähige Technologien konzentrieren”, sagt Müller-Görnert. “Die Zukunft fährt emissionsfrei und elektrisch – die Autoindustrie darf den Anschluss nicht verlieren, sonst droht ihr das Schicksal von Agfa und Nokia.” Der VCD fordert die Bundesregierung auf, den Übergang zu emissionsfreien Antrieben politisch zu beschleunigen. Dazu zählt, die Dieselprivilegien abzuschaffen und sich für technologieneutrale Vorgaben bei der europäischen Abgas- und CO2-Gesetzgebung einzusetzen.

Die T&E-Studie „Diesel: the true (dirty) story“ finden Sie zum Download hier:
www.transportenvironment.org/press/dirty-diesel-also-worse-climate-petrol-cars-study

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