„Warten auf Grün“: VCD protestiert für fußgängerfreundliche Ampelschaltungen

Ökologischer Verkehrsclub fordert kürzere Wartezeiten und längere Grünphasen für Fußgänger an Ampeln und Tempo 30 als Regelgeschwindigkeit innerorts.

Berlin, 18. September 2018. Unter dem Motto „Warten auf Grün“ hat heute der ökologische Verkehrsclub VCD gegen die Benachteiligung von Fußgängern im Straßenverkehr protestiert. VCD-Aktive stellten auf der Mittelinsel der vielbefahrenen Leipziger Straße in Berlin-Mitte Wartestühle für Fußgänger auf, die dort aufgrund zu kurzer Grünphasen im vorbeirauschenden Verkehr ausharren müssen. Gleichzeitig hielten die VCD-Aktive Plakate mit der Aufschrift „Gestrandet auf der Mittelinsel“, „Fußgänger vor!“ und „Tempo 30 innerorts!“. Der VCD kritisiert, dass viele in den Städten aufgestellten Ampeln fußgängerunfreundlich und unsicher seien. Die Wartezeiten für Fußgänger seien oft zu lang, Grünphasen zu kurz.

Katja Täubert, VCD-Verkehrsreferentin: „Fußgänger müssen oft viel zu lange am dröhnenden Autoverkehr an Ampeln stehen und beim Warten giftige Stickoxide und Rußpartikel einatmen. Für Ältere und Kinder, die langsamer gehen, ist es oft nicht möglich, Straßen innerhalb einer Grünphase zu überqueren. Sie befinden sich noch auf der Fahrbahn, wenn die Autos anrollen. Die Wartezeiten für Fußgänger an Ampeln müssen verkürzt, die Grünphasen verlängert werden.“

Bei seiner Protestaktion maß der VCD beispielhaft an einer Ampel in Berlin-Mitte die Warte- und Grünphasen für die Fußgänger. Mit 15 Sekunden Grünphase ist es dort den Fußgängern nicht möglich, die sechsspurige Leipziger Straße in einem zu queren. Auf der Mittelinsel gestrandet, müssen die Menschen für 60 Sekunden bis zur nächsten Grünphase warten. Untersuchungen zeigen, dass ab 40 Sekunden Wartezeit die Akzeptanz gegenüber der Ampel sinkt und Fußgänger dann eher geneigt sind, über Rot zu gehen. Zudem sind die Fußgänger durch Linksabbieger gefährdet, die zeitgleich mit den Fußgängern Grün haben. Der VCD fordert, dass Grünphasen so verlängert werden, dass es Menschen jeden Alters in einem Zug auch über sechsstreifige Straßen schaffen. Kreuzungen mit Ampeln sollten zudem stets eigene Signalphasen für Linksabbieger haben.

Täubert: „Der tägliche Spießrutenlauf der Fußgänger in unseren Städten muss beendet werden. Nicht der Fuß- sollte dem Autoverkehr, sondern der Auto- dem Fußverkehr angepasst werden. Wir wollen lebenswerte Städte, in denen einfach sicher und fließend gegangen, in denen gespielt und entspannt werden kann. Mit mehrspurigen Betonschneisen durchschnittene, laute und dreckige Städte sind von gestern.“

In Deutschland starben im vergangenen Jahr 483 Fußgänger. Die allermeisten Fußgänger verunglücken innerorts beim Überqueren einer Straße. Die geltende  Regelgeschwindigkeit von 50 km/h erhöht die Unfallgefahr und erschwert das komfortable und sichere Queren von Straßen. Aus diesem Grund fordert der VCD eine Regelgeschwindigkeit von 30 km/h innerorts in allen Städten – und nicht nur als Testballon zur Stickoxidminderung wie an der Leipziger Straße. 

Die VCD-Aktion „Warten auf Grün“ findet im Rahmen der Europäischen Mobilitätswoche (EMW) statt. Während der EMW sind vom 16. bis 22. September rund 30 VCD-Gruppen in ganz Deutschland auf vielfältigste Weise – unter anderem zum Park(ing) Day am 21.9. – für die Verkehrswende aktiv. Eine Übersicht über die VCD-Aktivitäten finden Sie hier: www.vcd.org/emw-2018. Die EMW wurde von der EU-Kommission initiiert, um die nachhaltige Mobilität europaweit voranzubringen. Mehr Informationen zur EMW finden Sie hier: www.umweltbundesamt.de/europaeische-mobilitaetswoche.

Pressekontakt:
Almut Gaude, VCD-Pressesprecherin • Telefon 030/280351-12 bzw. 0171-6052409 • presse@vcd.orgwww.vcd.org Twitter:@VCDeV

Der ökologische Verkehrsclub VCD ist ein gemeinnütziger Umweltverband, der sich für eine umweltverträgliche, sichere und gesunde Mobilität einsetzt. Im Mittelpunkt steht dabei der Mensch mit seinen Bedürfnissen und Wünschen für ein mobiles Leben. Seit 1986 kämpft der VCD für ein gerechtes und zukunftsfähiges Miteinander zwischen allen Menschen auf der Straße – egal, ob sie zu Fuß, auf dem Rad, mit Bus und Bahn oder dem Auto unterwegs sind. Dafür arbeitet er vor Ort mit zwölf Landesverbänden und rund 140 Kreisverbänden und Ortsgruppen, bundesweit und europaweit vernetzt. Rund 55.000 Mitglieder, Spender und Aktivistinnen unterstützen die Arbeit des VCD für eine zukunftsfähige Mobilität.

zurück