VCD Verkehrswende Blog

„Wir wollen sichtbar sein – und uns die Straße mit einer Portion Glückshormone zurückerobern!“

Erster Berlin Bikini & Badehose Bicycle Ride am 9. Juni in Berlin: Bunt, fröhlich und mit Musik demonstrieren wir auf dem Fahrrad für saubere Luft.

 

Am 9. Juni findet jährlich der „World Naked Bicycle Ride“ statt. Warum holt der VCD das internationale Event des Nackt-Fahrradfahrens in diesem Jahr nach Berlin?

In diesem Jahr rufen wir zum Bikini Badehose Bicycle Ride in Berlin auf. Die Idee, nackt auf dem Fahrrad für saubere Luft, für mehr Platz in den Städten für Fahrradfahrer und ein gerechtes Miteinander im Straßenverkehr zu protestieren, stammt ursprünglich aus Spanien. Um auf ihre Verletzlichkeit im Straßenverkehr aufmerksam zu machen, finden seit Anfang der 2000er Jahre nackte Fahrradproteste in mehr als 70 Städten in 20 Ländern statt.

Am 9. Juni werden wir gut sicht- und hörbar auf dem Fahrrad gegen schlechte Luft, gegen die Autovorherrschaft und gegen Body Shaming in den Straßen Berlins protestieren. DJane Alma Linda wird mit einem Lastenrad mitfahren und Musik auflegen und wir werden Body Paint Farbe mitbringen. Wir werden bunt und laut sein!

Ein Protest gegen die Autovorherrschaft – Was meinen wir damit?

Momentan haben wir viele Probleme in unseren Städten, die direkt mit dem Auto verbunden sind. Schlechte Luft ist eines davon, die ungerechte Verteilung von öffentlichem Raum ein anderes. Auch die unglaublich hohe Anzahl an Verkehrstoten hat mit der autozentrierten Straßengestaltung zu tun.

Mehr als 70 Städte kämpfen derzeit mit teilweise starker Stickstoffdioxid-Belastung. Dass die giftigen Abgase aus den Dieselfahrzeugen Menschen krank machen, Lungenkrebs, Asthma und Herz-Kreislauf-Krankheiten hervorrufen ist unumstritten. Trotzdem weigert sich die Politik, konsequent gegen die Autoindustrie vorzugehen, obwohl diese das Problem der schlechten Luft mit dem Dieselskandal deutlich verschärft hat.

Graphik: Michael Anders

Unsere Städte sind für Autos und Autoverkehr gebaut und wir Bewohnerinnen, ob ältere Menschen, spielende Kinder, spazierende Schüler oder ins Büro laufende Angestellte, wir alle orientieren uns am Verkehrsfluss und am Platzanspruch des Autos. Statt der immensen Dichte an mehrspurigen Fahrbahnen und Parkplätzen in den Städten, wünschen wir uns mehr Lebensraum für Menschen: für breitere und sicherere Wege zum Fahrrad fahren und zu Fuß gehen zum Beispiel, zwei Mobilitätsformen, die unser Klima schonen statt es zu belasten. Aber auch zum Wohnen, für mehr Grünflächen, zum Spielen, Sport treiben oder als Ort für sozialen Austausch mit Nachbarinnen, Freunden und Familie brauchen wir Platz. Viele Menschen wünschen sich Städte, in denen sie gut von A nach B kommen und trotzdem gerne darin leben. Bereits vor einiger Zeit zeigte eine Studie des Umweltbundesamts, dass sich sogar 82 Prozent der Deutschen weniger Autos in den Städten und dafür mehr öffentlichen Nahverkehr sowie mehr Fuß- und Radwege wünschen. Dieses Bedürfnis muss die Politik ernst nehmen!

Gleichzeitig sind alleine im vergangenen Jahr 3177 Menschen in Deutschland im Verkehr ums Leben gekommen. Das ist eine unglaublich hohe Zahl. Warum wird diese Ursache, die jährlich für so viele Tote sorgt, von der Bundesregierung nicht sofort und vehement bekämpft? Beim Autoverkehr, der so vielen Menschen das Leben kostet, zögert die Regierung anstatt zu handeln. Maßnahmen, die uns unserer Vision von Null Verkehrstoten wirklich näher bringen würden, wie etwa eine Regelgeschwindigkeit für Autos in Städten von 30 Stundenkilometern oder ein Tempolimit für Autobahnen, so wie es in jedem anderen europäischen Land üblich ist, werden von der Politik seit Jahren abgeschmettert.

Das sind nur drei Probleme, die die Vorherrschaft des Autos verursacht und die das Leben der Menschen direkt betreffen. Sie sind dafür verantwortlich, ob Menschen am Leben bleiben, gesund sind und sich wohlfühlen. Mit unserem Protest auf dem Sattel möchten wir uns als Fahrradfahrerinnen und Fahrradfahrer sichtbar machen, wir möchten für unsere Verletzlichkeit im Verkehr sensibilisieren und zeigen, dass Fahrradfahren eine der Lösungen für viele Probleme in unseren Städten sein kann.

Graphik: VCD/Michael Anders

Luftverschmutzung und Verkehrssicherheit sind ernste Themen. Auf dem Berlin Bikini und Badehose Bicycle Ride sorgen wir mit Musik und Body-Paint Farbe auch für Spaß. Wie passt das zusammen?

Neben den ernsten Problemen von unsicheren Straßen und schmutziger Luft, darf der Spaß nicht fehlen. Man kann es so sagen: Wenn es mir Spaß macht, mit dem Fahrrad im Verkehr zu fahren, ich mich mit guter Laune auf den Sattel schwinge, ist das ein Zeichen dafür, dass ich mich unterwegs wohl und sicher fühle. Da wollen wir hin. Das ist Teil unserer Vision. Städte und Straßen müssen so gebaut und gestaltet sein, dass jede und jeder, ob acht oder achtzig Jahre alt, sicher und gerne mit dem Rad unterwegs ist. Spaß ist bei unserem Protest nicht nur erlaubt, sondern erwünscht. Wir wollen bunt, laut und sichtbar sein und uns die Straße mit einer Portion Glückshormone zurückerobern.

Wir haben den World Naked Bicycle Ride auf Berlin Bikini Badehose Bicycle Ride umbenannt – wieso das?

In Deutschland erregt Nacktheit im öffentlichen Raum öffentliches Ärgernis. Davon wollten wir uns nicht abhalten lassen! Um trotzdem möglichst nah am Original des World Naked Bicycle Ride zu bleiben, beschlossen wir kurzerhand auf Bademode umzusteigen. Denn auch im Bikini und in der Badehose sind wir auffällig und zeigen die Verletzlichkeit von Fahrradfahrer im Straßenverkehr. Selbstverständlich darf und soll jede und jeder so kommen, wie sie oder er sich wohlfühl. Auch gern komplett angezogen. 

Und was hat es mit Body Shaming auf sich? Warum protestiert der VCD dagegen?

Fahrradfahren steht für Freiheit und Leichtigkeit, ein befreites, positives Körpergefühl auch. Body Shaming heißt, Menschen aufgrund ihres Körpers abzuwerten, zu diskriminieren oder zu beleidigen. Wir glauben jedoch daran, dass alle Körper schön sind, ob groß, klein, dick oder dünn, muskelbepackt oder schmal. Der nackte Protest der Fahrradfahrerinnen weltweit kämpft bunt und kreativ, nicht-sexualisiert für Grundrechte wie saubere Luft und gesunde Städte. Wir möchten uns anschließen und in Bikini und Badehose für ein gesundes, positives Selbstbild und gesunde, saubere Luft, für das Wohlfühlen im eigenen Körper und das Wohlfühlen in unseren Städten kämpfen. Darum protestieren wir auch gegen Body Shaming.

Was, Wann, Wo

Was: Bikini & Badehose Bike Ride

Wann: Samstag, 9. Juni

16 Uhr Body Paint, Treffpunkt Frankfurter Tor
17 Uhr Beginn des Rides
Dauer: ca. 2 Stunden

Wo: Frankfurter Tor,  Karl-Marx-Allee, 10243 Berlin

Musik: DJane Alma Linda auf Facebook und Soundcloud

Mehr Infos: www.facebook.com/events/358020778027870

Material

Hier gibt es Demo-Plakate zum Ausdrucken, Mitbringen und Hochhalten.

Hinweis: Die Grafik darf nur für diese Zwecke genutzt werden und eine Bearbeitung und ein darüber hinaus gehender Gebrauch sind nicht erlaubt.

Lisa Feitsch

Volontärin für die Pressearbeit
lisa.feitsch@vcd.org

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