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Mobilität der Zukunft - Eine andere Welt ist nötig

Welche Folgen hat die Verkehrswende für den Globalen Süden? Dieser Frage geht VCD-Pressereferentin Lisa Feitsch in einem Gastbeitrag für das Magazin des Weltfriedensdienst e.V. auf den Grund.

Zwei Fahrradfahrerinnen radeln sicher und gemütlich nebeneinander zur Arbeit. Auf dem drei Meter breiten Radweg in Kopenhagen bringt ein Vater seine Kinder im Lastenrad zur Kita. Mit ausreichend Abstand überholt ihn ein Rennrad.

U-Bahnen rattern über die Gleise, die Tram klingelt beim Einfahren in die Station. In Wien fährt man mit dem Jahresticket 365 Tage lang mit dem öffentlichen Nahverkehr für nur 1 Euro pro Tag. Städte, die den ÖPNV, Rad- und Fußwege ausbauen, bieten gesunde Mobilität, saubere Luft und schaffen Lebensqualität.

In Deutschlands Städten staut sich hingegen noch Auto an Auto. Stickoxide und Feinstaub verpesten die Luft. Lärm schlägt auf die Gesundheit der Menschen. Der CO2-Ausstoß heizt das Klima weiter auf. Laut Umweltbundesamt stammen ein Viertel der CO2-Emissionen in Deutschland aus dem Flug-, Auto- und dem Schiffverkehr.

Die durch den Verkehr mit verursachte Klimakrise verwandelt im globalen Süden ehemals landwirtschaftlich nutzbare Gebiete in Wüsten. Das treibt Konflikte um Ressourcen voran, verschärft den Kampf um die Lebensgrundlagen der Menschen. In Simbabwe kämpfen Kleinbauern für ihre Ernährungssouveränität. Der Grundwasserspiegel sinkt. Quellen versiegen. Flussbette trocknen aus. Ob ich morgens in die Pedale trete oder mich ins Auto setze, ist eine persönliche, aber auch eine politische Entscheidung. Ob ich mit der Bahn oder dem Flugzeug in den Urlaub reise, beeinflusst mein eigenes und das Leben Milliarden anderer Menschen.

Für eine Entwicklung hin zu einer Welt, in der alle Menschen gut leben können, muss die Erderhitzung auf maximal 1,5 Grad Celsius begrenzt werden. Dazu braucht es viele individuelle Umstiege an vielen einzelnen Orten. Aber es braucht auch den Einstieg in die Verkehrswende. Die Bundesregierung muss sich von einer autozentrierten Verkehrspolitik verabschieden und hin zu mehr Klimaschutz umsteuern: anstatt Flugverkehr von der Kerosinsteuer zu befreien und Steuerrabatte auf Dieselkraftstoff zu verschenken, sollte sie den Bahnverkehr fördern, in den öffentlichen Nahverkehr investieren und die Fahrradinfrastruktur ausbauen.

Denn sind Bus- und Bahnnetz gut ausgebaut, fahren verlässlich und sind bezahlbar, ist der öffentliche Verkehr eine komfortable Alternative zu Auto oder Kurzstreckenflügen. Wo es ausreichend und sichere Fahrradwege gibt, steigen die Menschen aufs Rad. Und sind Fußwege angenehm gestaltet, lädt die Stadt zum Flanieren ein. Sind wir zukünftig klimafreundlich mobil, verbessert das die Lebensbedingungen aller Menschen. Weltweit.

 

Dieser Text erschien zuerst im Querbrief 1/19, Magazin des Weltfriedensdienst e.V. www.weltfriedensdienst.de

Lisa Feitsch

Lisa Feitsch arbeitet für die Verkehrswende in der Pressestelle des ökologischen Verkehrsclub VCD.

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