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Was bedeuten die Durchsagen und Störmeldungen der Bahn?

Wir erklären, was sich hinter den Durchsagen im Zug verbirgt und präsentiert die lustigsten Beispiele aus dem Bahn-Alltag.

Seit Juli 2019 hat die Bahn eine neue Stimme. Der aus Hessen stammende Heiko Grauel (45) sprach 14.000 verschiedene Zeilen ein, die jetzt auf allen Bahnhöfen der Republik aus den Lautsprechern tönen. Gemeinsam mit einem verbesserten Audio-System, das derzeit in Frankfurt und München getestet wird, sollen die neuen Aufnahmen für eine bessere Verständlichkeit sorgen.

In den Zügen bleibt dagegen mehr Raum für Individualität: Hier sprechen die Zugchefs die Durchsagen frei – und nutzen diesen Spielraum gelegentlich, um ihre Fahrgäste zum Schmunzeln zu bringen. Damit sie die passende Sprachmelodie und Tonlage treffen, werden sie von der Bahn eigens in Sprechertrainings geschult.

Dass man die Durchsagen akustisch versteht, heißt aber noch nicht, dass man weiß, was sie bedeuten. fairkehr erklärt, was hinter den gängigsten Durchsagen steckt, und garniert sie mit lustigen Beispielen aus dem Bahnalltag. Gesammelt werden diese auf dem beliebten Twitter-Account @BahnAnsagen.

„Verzögerungen im Betriebs­ablauf“

Diese Formel ist ein besonders gutes Beispiel für unverständliches Bahn-Sprech. Die Zugchefs und -chefinnen bemühen sie besonders gern bei kleinen Verspätungen. Das Kuriose: Intern führt die Bahn diesen Verspätungsgrund gar nicht als eigene Kategorie. Das geht aus einer Antwort der Bundesregierung auf eine kleine Anfrage von Bündnis 90/Die Grünen im Bundestag hervor: „Die DB AG hat mitgeteilt, dass Verzögerungen im Betriebsablauf keine klar definierte und abgegrenzte Ursache von Verspätungen sind und daher nicht besonders erfasst werden.“ Anders gesagt: Die Formel ist ein Sammelbecken für alle möglichen Verspätungsursachen, vom Personenstau an den Türen beim Ein- und Aussteigen bis zur verspäteten Bereitstellung eines Zuges.

„Technische Störung“

Auch hinter der „technischen Störung“ verbergen sich unterschiedliche Ursachen. Gemeint sein können Störungen an der Leit- und Sicherheitstechnik, wie etwa an Weichen und Signalen. Sie sind für etwa sieben Prozent der Verspätungsminuten verantwortlich. Einen leicht größeren Anteil – knapp elf Prozent – machen Fehlfunktionen an Fahrzeugen oder Loks aus. Wenn ein Bahnhof wegen „technischer Störungen“ nicht angefahren wird, kann der Grund aber auch sein, dass Verspätungen eingeholt werden sollen – selbst wenn am Bahnhof alles bestens funktioniert.

„Personen im Gleis“

Hier gibt es nicht viel zu interpretieren: Wenn Personen auf abgestellte Eisenbahnwaggons klettern, Autofahrer*innen bei blinkendem Warnlicht Bahnübergänge queren oder Jugendliche Selfies auf Bahngleisen machen, ist das nicht nur lebensgefährlich, sondern kann den Zugverkehr kurzfristig lahmlegen.

„Geänderte Wagenreihung“

Die Bahn verrät nicht, wie viele Personenzüge mit einer geänderten oder umgekehrten Wagenreihung fahren. Laut Einschätzung der Süddeutschen Zeitung liegt die Quote bei etwa 30 Prozent. Gründe können Streckensperrungen oder außerplanmäßig nicht angefahrene Kopfbahnhöfe sein. Aber auch Verspätungen und Personalmangel können zu einer geänderten Wagenreihung führen; dann nämlich, wenn nicht genügend Zeit oder Personal vorhanden ist, um einen Zug im Bahnhof zu wenden. Besonders ärgerlich: Die veränderte Wagenreihung kann weitere Verspätungen verursachen, wenn Fahrgäste mit Reservierungen am Bahnsteig länger brauchen, um den richtigen Einstieg zu finden.

„Oberleitungsstörung“

Etwa 60 Prozent des deutschen Schienennetzes sind elektrifiziert, also mit einer Oberleitung ausgestattet. Störungen an der Oberleitung können vielfältige Ursachen haben, wie z. B. Wetterschäden, Beeinträchtigungen durch Vogelflug oder Instandsetzungsarbeiten.Reißt die Oberleitung, dann ist schnell Land unter. So mussten im April 2019 in Düsseldorf 160 Reisende von der Feuerwehr aus einem ICE evakuiert werden, weil die gerissene Oberleitung auf der Außenhülle des Zuges auflag und eine Weiterfahrt unmöglich machte.

Tim Albrecht

schreibt seit 2018 für das fairkehr-Magazin über Mobilitäts- und Umweltthemen. Er ist ein optimistischer Europäer mit transatlantischem Einschlag und liebt Fahrräder, Literatur und Basketball.
Tim.Albrecht@fairkehr.de

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