Benzinpreise

Wer macht Kasse?

Benzinpreise erleben ein ständiges Auf und Ab. Zur Zeit sind die Preise vergleichsweise niedrig. Über die Ressourcenknappheit kann dies allerdings nicht hinwegtäuschen: Die Preise werden künftig wieder steigen.

Preisanzeige einer Tankstelle
Quelle: Gloger/VCD

Nachdem die Benzin- und Dieselpreise 2009 in Folge der Weltwirtschaftskrise stark gefallen waren, stiegen die Preise in den Folgejahren zum Teil stark an. Bis Ende 2014 gingen die Benzinpreise allerdings wieder auf Talfahrt, z.T. kostete der Liter Diesel weniger als 1 Euro.  

Die Ölkonzerne begründen die Preissprünge mit den Rohölpreisen und der Nachfrage auf dem internationalen Markt, die jüngste Entwicklung hat seine Ursachen allerdings an dem Förderboom von Schieferöl in den USA (Fracking) und einer gesunkenen Nachfrage auf dem Weltmarkt. In der öffentlichen Diskussion wird häufig auch der Staat verantwortlich gemacht. Die Steuern haben allerdings mit aktuellen Preisentwicklungen nur sehr wenig zu tun. Die Ökosteuer wurde letztmals 2003 erhöht und der aktuelle Mehrwertsteuersatz gilt seit dem 01.01.2007.

Mineralöl- und Ökosteuer sind feste Beträge je Liter, die unabhängig vom Produktpreis gelten. Prozentual bemisst sich hingegen die Mehrwertsteuer (z.Zt. 19 Prozent). Wenn die Preise an der Tankstelle steigen, erhöhen sich daher die Einnahmen an Steuern durch die Mehrwertsteuer.

Die Preissteigerungen von 2009 auf 2010 um 13 Cent/Liter Benzin und 14 Cent/Liter Diesel brachten dem Staat im Durchschnitt aber nur 2 Cent/Liter mehr an Mehrwertsteuer ? sowohl für Benzin als auch für Diesel. Der Steueranteil pro Liter ist entsprechend der höheren Produktpreise sogar zurückgegangen: Während die Steuerquote 2009 für Benzin bei durchschnittlich rund 68 % und für Diesel bei durchschnittlich rund 60 % lag, war sie 2010 für Benzin auf einem Stand von 63 % und für Diesel von 55 % (Quelle: Aral, Februar 2011). 2012 lag die Steuerquote für Benzin in Deutschland bei 54,7 % (Quelle: Norwegisches Finanzministerium 2012).

Vergleicht man die heutigen Benzinpreise mit denen von vor 40 Jahren, so haben sie zwar mehr als vervierfacht, sind aber ? und das ist die entscheidende Vergleichsgröße ? in etwa genauso stark gestiegen wie das durchschnittliche Haushaltseinkommen.

Die Preisentwicklung der letzten Jahre zeigt aber auch, dass die Zeit der günstigen Spritpreise vorbei ist. Auf das höhere Preisniveau und starke Preisschwankungen müssen sich alle einstellen. Werden nicht bald die Weichen für eine ressourcenschonende Politik gestellt, sind weitere Preissprünge zu erwarten.

Fragen und Antworten zum Spritpreis

Sind die Steuern an den steigenden Preisen schuld?

Nein. Die Mineralölsteuer ist ein fester Steuerbetrag, der unabhängig vom Verkaufspreis pro Liter erhoben wird. Die letzten Erhöhungen der Mineralölsteuer erfolgten im Zuge der ökologischen Steuerreform in fünf Stufen von 1999 bis 2003. Alle seither eingetretenen Preissteigerungen verantwortet die Mineralölwirtschaft.

Die derzeit relativ hohen Kraftstoffpreise resultieren aus der Entwicklung der Rohölpreise, die von den Konzernen an die Verbraucher weitergegeben werden. Die wesentliche Ursache für steigende Preise ist die begrenzte Verfügbarkeit von Erdöl, die weltweit gestiegene Nachfrage sowie politische Spannungen in den Förderländern. Der Rohölpreis hat sich von 1999 bis Juli 2008 von 10 US-Dollar auf 141 US-Dollar pro Fass (1 Barrel=159 Liter) erhöht. Anfang November 2008 liegt der Preis jedoch wegen Finanzkrise und sinkender Nachfrage wieder bei 65 Dollar pro Barrel. Laut einer Studie der Energywatchgroup wird inzwischen fünf mal soviel Öl pro Jahr verbraucht wie neu entdeckt wird. Daher wird der Ölpreis auch künftig steigen, denn die Schere zwischen Angebot und Nachfrage öffnet sich stetig. Der Ölpreis kann somit nur durch einen geringeren Verbrauch gesenkt werden, und das heißt: Sparen, sparen, sparen!

»Sprit war noch nie so teuer wie heute!« - Stimmt das?

Die Benzin- und Dieselpreise sind in den letzten 35 Jahren zwar stetig angestiegen, genauso wie die Preise für viele andere Produkte des täglichen Bedarfs auch. Aussagekräftig ist der Benzinpreisanstieg jedoch nur im Verhältnis zum verfügbaren Einkommen. Danach waren Benzin und Diesel 1974 und 1975 sowie zwischen 1981 und 1985 ungefähr so teuer wie heute. Von 1986 bis 1999 war die Steigerung des Kraftstoffpreises wesentlich schwächer als der Anstieg des Einkommens. Erst im Jahr 2000 glich sich mit der Ökosteuer und dem gleichzeitigen Anstieg des Produktpreises die Benzinpreisentwicklung wieder der Einkommensentwicklung an.

Die Preissprünge im Jahr 2005 haben diesen Anstieg spürbar gemacht und seit Januar 2006 ist Benzin im Verhältnis zum verfügbaren Einkommen tatsächlich teurer als in den letzten 35 Jahren. Dieser Trend wird sich in nächster Zeit wahrscheinlich fortsetzen, da bei steigender Nachfrage und begrenztem Angebot mit immer höheren Rohölpreisen zu rechnen ist.

Wie kann ich beim Fahren sparen?

Durch konsequent spritsparendes Fahren kann der Kraftstoffverbrauch um bis zu 30 Prozent reduziert werden. Was Autofahrerinnen und Autofahrer dafür im Einzelnen beachten müssen, hat der VCD in 10 Spritspartipps zusammengestellt, die in der rechten Menüspalte heruntergeladen werden können. Weiterreichende Spritsparkurse bieten sich für Unternehmen, aber auch Privatpersonen an.

Lohnt der Umweg zur Billig-Tankstelle?

Zwar kann es sich lohnen, Spritpreise zu vergleichen, aber Umwege oder gar Extratouren zur günstigeren Tankstelle erzeugen zusätzliche Umweltbelastungen durch Schadstoffe und Lärm. Je weiter der Weg zur nächsten günstigen Tankstelle, desto mehr Sprit wird verbraucht, desto mehr Kosten entstehen und desto mehr Schadstoffe und Treibhausgase werden ausgestoßen. Bei einem Mittelklassewagen und 50 l Tankmenge rechnet sich ein Extraweg nur bis 1,1 km (Benzin) bzw. 1,4 km (Diesel) je Cent Ersparnis pro Liter - nachzurechnen bei Aral.

Gibt es brauchbare Alternativen zu Benzin und Diesel?

Es gibt verschiedene Möglichkeiten, Fahrzeuge mit alternativen Kraftstoffen oder alternativen Antriebstechniken zu fahren. Solche Kraftstoffe sind beispielsweise Erdgas und Autogas, die allerdings genau wie Benzin oder Diesel fossile Brennstoffe und damit endlich sind. Aus nachwachsenden Rohstoffen werden Biodiesel, Pflanzenöl und Designerkraftstoffe gewonnen. Zu den alternativen Antriebstechniken gehören der Elektro-, Brennstoffzellen- und Hybridmotor. Die einzelnen Techniken haben Vor- und Nachteile.

Muss es immer das eigene Auto sein?

Das ideale Auto für jeden Zweck gibt es nicht. Reicht für den täglichen Weg zur Arbeit und den üblichen Einkauf ein Kleinwagen, wird für den Großeinkauf am Wochenende oder den Transport der Kinder häufig schon ein Kompaktwagen benötigt. Steht hingegen der Urlaub mit der ganzen Familie oder der Transport sperriger Ladung an, ist sogar ein großer Kombi oder Van gefragt. Im Ergebnis kaufen viele Menschen ein viel größeres Fahrzeug, als sie für den Alltag benötigen.

Alternativen bieten Mietwagen, Car-Sharing oder Auto-Teilen. Wer nur hin und wieder ein größeres Fahrzeug benötigt, findet in Autovermietungen eine gute Ergänzung zum eigenen Pkw. Car-Sharing kann das eigene Auto vollständig ersetzen und ermöglicht die Nutzung verschieden großer Pkw, je nach Bedarf. Wer den eigenen Pkw nicht ständig braucht, kann ihn mit Freunden oder Nachbarn teilen. Auch Fahrgemeinschaften helfen, Autofahrten und Kosten einzusparen.

Wie kann ich mich sonst noch energiesparend fortbewegen?

Wer in Zeiten hoher Benzinpreise sparen möchte, sollte die Nutzung des Autos einschränken oder ganz auf einen eigenen Pkw verzichten. Auf vielen Strecken sind das Fahrrad oder die eigenen Beine konkurrenzfähig. Die Studie Mobilität in Deutschland im Auftrag des Verkehrsministeriums zeigt: Rund einer von zwanzig Wegen, die täglich in Deutschland mit dem Auto zurückgelegt werden, ist maximal einen Kilometer lang. Die Hälfte aller mit dem Auto zurückgelegten Wege ist immerhin kürzer als sechs Kilometer. Solche Strecken können gut zu Fuß oder mit dem Fahrrad zurückgelegt werden.

Für größere innerörtliche Distanzen bietet sich in vielen Städten und Gemeinden der Öffentliche Personennahverkehr an. Weitere Entfernungen können häufig bequem und schnell mit dem Fernverkehr der Bahn zurückgelegt werden.

Gerd Lottsiepen

Verkehrspolitischer Sprecher
Fon 030/28 03 51-11
gerd.lottsiepen@vcd.org