Fragen und Antworten zum Carsharing

Carsharing - alle Antworten rund ums Autoteilen

Die Idee ist simpel: Statt ein Auto zu besitzen, dieses teilen, Kosten sparen und mehr Platz in Städten gewinnen. Doch für wen kommt Carsharing in Frage? Was sind die Vorteile? Und welche Auswirkungen hat Carsharing auf Umwelt und öffentlichen Nahverkehr? Alle Antworten gibt es hier.

Quelle: tamyca.de

4 Fragen zum Carsharing

Für wen eignet sich Carsharing?

Carsharing ist die ideale Ergänzung für alle, die multimodal unterwegs sind oder sein wollen - das heißt sich je nach Situation mit dem Fahrrad, zu Fuß oder dem öffentlichen Nahverkehr fortbewegen und wenn nötig, auf das Carsharing zurückgreifen. Das heißt für alle, die im Alltag wiederkehrend Wege mit dem Auto zurücklegen müssen, aber nicht täglich darauf angewiesen sind.

Carsharing kann sich sowohl für Menschen in Städten als auch in ländlichen Gebieten lohnen. Entscheidend ist, das eigene Nutzungsverhalten mit den verschiedenen Angeboten - dem stationsbasierten Carsharing, dem Free-Floating-Carsharing und dem privaten Carsharing - zu überprüfen. Für alle Arten gilt: Wer sich das Auto mit anderen teilt, der teilt auch die Kosten.

Was sind die Vorteile für Nutzer/-innen?

Das private Auto verursacht hohe Kosten - nicht nur durch die Anschaffung und das Tanken, sondern auch durch Wertverlust, Werkstattkosten, Versicherung und Steuern. Durch Carsharing können diese Kosten eingespart werden, denn nicht nur das Fahrzeug wird geteilt, sondern auch die Kosten.

Carsharing erweitert zudem die eigenen Mobilitätsmöglichkeiten - auch ohne eigenes Auto. Wer zum Beispiel unter der Woche mit den öffentlichen Verkehrsmitteln pendelt und am Wochenende einen Ausflug machen will, benötigt kein eigenes Auto mehr, er kann auf das Carsharing-Auto zugreifen.

Außerdem ist Carsharing die beste Möglichkeit, Elektroautos auszuprobieren. Denn die emissionsfreien Fahrzeuge kommen hier oft zum Einsatz. So kann mögliche Skepsis gegenüber dem alternativen Antrieb abgebaut und die Akzeptanz erhöht werden.

Welche Formen des Carsharing gibt es?

Es gibt drei Varianten des Carsharings: Erstens das ursprüngliche stationäre Carsharing, bei dem Autos an bestimmten Stellplätzen abgeholt und wieder abgegeben werden müssen - ideal für Nutzer, die im Alltag wiederkehrend für bestimmte Routen ein Auto benötigen, zum Beispiel für den wöchentlichen Einkauf. Zweitens das private Carsharing, bei dem Privatpersonen ihre Fahrzeuge anderen Personen zur Verfügung stellen - ideal für Nutzer in ländlichen Regionen, wo kommerzielle Carsharing-Anbieter bisher nicht aktiv sind. Und drittens das sogenannte Free-Floating-Carsharing, bei dem über eine Smartphone-App verfügbare Autos auf einer Karte angezeigt und ausgeliehen werden - ideal für Großstadtmenschen und die Ein-Weg-Fahrt.

Nicht alle Angebote gibt es in allen Städten und Gemeinden, zudem unterscheiden sie sich in Kosten und Flexibilität. Welche Carsharing-Form für welche Verbraucher am ehesten in Frage kommt, unterscheidet sich daher von Nutzerin zu Nutzer. Mehr Informationen hier.

Was sind die Effekte für die Umwelt und lebenswerte Städte?

Die im Oktober 2015 veröffentlichte Studie "Wirkungen von E-Carsharing Systemen auf Mobilität und Umwelt in urbanen Räumen", finanziert vom Bundesministerium für Umwelt und Bau, konnte erste fundierte Antworten auf die drängendsten Fragen beantworten. So zeigt die Studie, dass Carsharing kein Konkurrent zum öffentlichen Nahverkehr sein muss, sondern vielmehr eine Ergänzung sein kann. Denn Carsharing bietet Anreiz, den eigenen Wagen häufiger stehen zu lassen, da es mehrere Alternativen für den Hin- und Rückweg gibt. Damit dieses Potenzial voll ausgeschöpft werden kann, braucht es mehr gute Schnittpunkte zwischen dem Umweltverbund aus ÖPNV, Fahrrad sowie Fußverkehr und Carsharing-Angeboten. Dann profitieren der Umweltverbund und das Carsharing voneinander und machen gemeinsam den privaten Autobesitz unnötig. Kommunen haben die rechtliche Handhabe und sollten solche Schnittpunkte schaffen: mit Carsharing-Parkplätzen und guten Fahrradabstellanlagen an Bus- und Bahnhaltestellen.

Wenn gute Umsteigemöglichkeiten dazu führen, dass tatsächlich immer mehr Menschen den eigenen Pkw abschaffen, dann schafft das auch mehr Platz in den Städten. Carsharingautos werden zudem öfter genutzt, sind keine "Stehzeuge". Der dadurch freiwerdende Raum sollte wiederum für mehr Fahrradabstellplätze, Parks und Spielmöglichkeiten für Kinder genutzt werden - Carsharing kann also einen Beitrag für lebenswerte Städte leisten. Hier ist die Stadtplanung gemeinsam mit den Kommunen gefragt, Konzepte zu entwickeln und umzusetzen.

Auch für die Akzeptanzsteigerung der Elektroautos in Deutschland ist das Carsharing sehr nützlich. Denn hier werden E-Autos - oft erstmals - ausprobiert und können Nutzer überzeugen.

Fazit: Noch ist der Anteil des Carsharings am Verkehr gering, daher auch die Effekte für Stadt und Umwelt. Doch das Potenzial ist deutlich zu erkennen. Um es vollständig heben zu können, sollte die Politik diese nachhaltige Mobilitätsform unterstützen und fördern. Die Bundesregierung muss mit dem lang angekündigten, doch weiterhin fehlenden Carsharing-Gesetz dafür sorgen, dass sich diese Potenziale entfalten. Es muss die Privilegierung der Carsharing-Autos vor dem privaten Auto deutlich machen, Schnittstellen zwischen ÖPNV, Fahrrad und Carsharing fördern und - gekoppelt an das zweite E-Mobilitätsgesetz - den öffentlichen Ausbau der Ladeinfrastruktur für E-Autos in Carsharing-Flotten unterstützen.