Einflüsse auf den Ticketpreis der Bahn

Das beeinflusst den Ticketpreis

Bahnfahren ist in den vergangenen Jahren teurer geworden. Die Fahrkartenpreise im Fernverkehr sind seit 2015 um 3,1 Prozent gestiegen.

Noch stärker stiegen die Preise im Nahverkehr. Aktuell müssen Fahrgäste im Schnitt 12,4 Prozent mehr für die Fahrt mit Regionalzügen bezahlen als vor drei Jahren (Quelle: Statistisches Bundesamt 10/2018). Zum Fahrplanwechsel am 9. Dezember 2018 soll laut Angaben der Deutschen Bahn der Flexpreis um durchschnittlich 0,9 Prozent steigen.

Für eine Fahrt im Fernverkehr der Deutschen Bahn gibt ein Fahrgast im Schnitt zwölf Euro pro 100 Kilometer Reisestrecke aus. Zieht man die Mehrwertsteuer ab, kommen beim Bahnunternehmen 10 Euro an. Abzüglich der Kosten für Personal, Schienenmaut oder Bahnstrom verdiente der Bahnkonzern 2017 knapp einen Euro an einer solchen Fahrt (eigene Berechnung, nach DB Fernverkehr AG Geschäftsbericht 2017, berücksichtigt sind die Gesamterlöse im Personenfernverkehr sowie der Gewinn vor Steuern EBIT).

Hohe Kosten und Abgaben der Bahnunternehmen verhindern niedrigere Ticketpreise. Die als Schienen-Maut bekannten Trassenpreise belasten die Bahnunternehmen und machen den Zugverkehr teuer. Dass es auch anders geht, zeigt diese Entscheidung der Bundesregierung: Seit Juli 2018 übernimmt der Bund nahezu die  Hälfte der Trassenpreise für Güterbahnen – ein Anreiz, mehr Gu?ter auf die Schiene zu verlagern. Für den Personenverkehr steht diese Entscheidung in Deutschland noch aus.

Auch die Mehrwertsteuer verteuert die Ticketpreise. Jedes Fernverkehrsticket enthält den vollen Mehrwertsteuersatz von 19 Prozent. Das ist in Europa keinesfalls die Regel. Fast die Hälfte der Mitgliedsstaaten erheben nur eine reduzierte Mehrwertsteuer für Inlandsreisen. In Dänemark, Irland und dem Vereinigten Königreich ist der nationale Bahnfernverkehr sogar von der Mehrwertsteuer befreit. Gerade im harten Preiswettbewerb mit dem Flugverkehr fällt die Mehrwertsteuer ins Gewicht. Flüge zwischen allen EU-Staaten sind generell davon befreit. Um den Wettbewerb zwischen Bahn und Flieger fairer zu gestalten, verzichten die meisten EU-Staaten zumindest im grenzüberschreitenden Bahnverkehr auf Mehrwertsteuern (s. Grafik). Deutschland bildet mit Kroatien und Griechenland jedoch die Ausnahme und macht Bahntickets durch die Mehrwertsteuer fast um ein Fünftel teurer als Flugtickets.

Philipp Kosok

Sprecher für Bahn, ÖPNV und Multimodialität
Fon 030/28 03 51-36
philipp.kosok@vcd.org
Twitter @PhilippKosok

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