Ergebnisse Villingen-Schwenningen

Zebrastreifen statt Tunnel

In Villingen-Schwenningen wurden Haltestellen und Wege auf ihre Qualität hin untersucht. Mit der Aktion „Zebrastreifen statt Tunnel“ lenkte der VCD Aufmerksamkeit auf das Gefahrenpotential für Schüler*innen an der Haltestelle Romäusring.

Mangelhafte Querungsmöglichkeiten am Romäusring

Im Fokus des Fußverkehrschecks in Villingen-Schwenningen stand die Haltestelle Romäusring. Sie fiel mit 46 von 100 möglichen Prozentpunkten „mangelhaft“ aus. Insbesondere die Querungssituation ist für Fußgänger*innen suboptimal: Es gibt eine Unterführung, die von der Haltestellenseite unter der Straße hindurch führt, zum Gymnasium auf der anderen Seite. Circa 80 Meter weiter führt ein Überweg mit Zebrastreifen und Ampel über die Straße, der jedoch für Menschen zu Fuß einen Umweg bedeutet. Eine dunkle, schmutzige Unterführung, in der Fußgänger*innen sich nicht wohl fühlen, wird nicht genutzt. Sie symbolisiert zudem: Der Autoverkehr hat Vorrang, die Menschen müssen unter die Erde ausweichen. Die Unterführung an der Haltestelle Romäusring ist zudem nicht barrierefrei, auf beiden Seiten fehlt eine Rampe. In stressigen Situationen kommt es vor, dass die Schüler*innen des Gymnansiums gegenüber der Bushaltestelle Romäusring schnell über die Hauptstraße zur Schule laufen. Diese wird mit Tempo 50 befahren, was das ungesicherte Queren hier sehr gefährlich macht.

Auch die Haltestelle Romäusring an sich kann nicht besonders punkten. Sie ist sehr eng, zwischen Büschen und Zäunen bleibt nur ein knapper Streifen zur Straße, durch den die Fahrgäste ein- und aussteigen müssen. Ein haltender Bus kann lediglich eine Tür öffnen und nicht ganz an den Bordstein heranfahren. Das bedeutet, dass der Ein- und Ausstieg nicht barrierefrei ist und es zu Platzproblemen kommt. Auch der Aufenthalt von größeren Gruppen an der Haltestelle, wie es zu den Spitzenstunden an einer Schule vorkommt, ist kaum möglich.

Busbahnhof Villingen – in allen Bereichen durchschnittlich

Als zweite exemplarische Haltestelle wurde der Villinger Busbahnhof dem VCD-Test unterzogen. Der Bereich „Sicherheit“ schnitt mit 69 Prozentpunkten am besten ab. Da der Bushalt separiert vom Straßenverkehr liegt, bietet er seinen Fahrgästen Schutz. Die Gegend ist belebt und die Haltestelle beleuchtet. In Sachen Orientierung und Information hat der Busbahnhof einige Stärken: es gibt ein Display, das Linien sowie Abfahrtszeiten anzeigt. Durch die große Schrift kann es auch von Menschen im Rollstuhl oder seheingeschränkten Personen gut gelesen werden. Außerdem hängt an der Haltestelle ein Plan, der anzeigt, an welchem Haltepunkt welche Linien abfahren.

Weiterhin gibt es ein taktiles Bodenleitsystem und der Zugang zur Wartefläche ist stufenfrei. Auch der Bodenbelag ist für Menschen mit Rollstuhl oder Rollator gut befahrbar. Barrieren für die Fahrgäste lassen sich weiter reduzieren durch:

  • zusätzliche akustische Informationen
  • Wegweisersystem für Fußgänger*innen
  • Schließung der Lücke der Dachkonstruktion über dem Blindenleitstreifen
  • Errichten eines Zebrastreifens als Querungshilfe

„Harzer Straße“ zu trist und überzeugt im Test nicht

Auch in Schwenningen wurde ein exemplarischer Weg zur Haltestelle untersucht. Dort wurde die „Harzer Straße“ ausgewählt, eine Bushaltestelle, an der die Linien nur in eine Richtung fahren. Von dort führt die Strecke durch die Fußgängerzone „In der Muslen“ bis zur Kreuzung Friedrich-Ebert-Straße. Die Querung über die Straße wurde ebenfalls untersucht. Haltestelle, Strecke und Querung erhielten insgesamt einen Wert von 67 % – „befriedigend“ in Schulnoten.

Die Haltestelle kam dabei am Schlechtesten weg – mit 55 % erhielt sie ein „ausreichend“. Kritikpunkte fielen im Bereich „Komfort und Aufenthaltsqualität“ auf: Es gibt weder ein Wartehäuschen noch Sitzgelegenheiten. Die Erkennbarkeit und der Zugang zur Haltestelle sind gut, barrierefrei ist sie kaum. Nachts reicht lediglich die Beleuchtung der nahestehenden Gebäude an die „Harzer Straße“ heran, eine eigene Beleuchtung kann sie nicht aufweisen. Durch die Wohnhäuser und Innenhöfe hinter dem Bushalt entstehen einige dunkle, nicht einsehbare Ecken, was das Sicherheitsgefühl der Fahrgäste senkt.

Ergebnisse des Checks

Fabian Wagner

Sprecher für den VCD Kreisverband Schwarzwald-Baar-Rottweil
fabian.wagner@vcd-bw.de

Raum- und Verkehrsdaten

Einwohner*innen: 85.101 [2018]

Fläche: 165,5 km2

Verkehrsverbund: VVR-Verkehrsunternehmen

Diese Wege haben wir getestet

Villingen: Von der Bushaltestelle “Romäusring” bis zum Eingang des Gymnasiums am Romäusring  (200m)

Strecke: 46 % (mangelhaft)

Querung: 73 % (gut)

Haltestelle: 46 % (mangelhaft)

Gesamtbewertung: 55 % (ausreichend)

Villingen: Vom Bahnhofsausgang bis zum Busbahnhof Villingen (100 m)

Querung: 66 % (befriedigend)

Haltestelle: 66 % (befriedigend)

Gesamtbewertung: 66 % (befriedigend)

Schwenningen: Von der Haltestelle “Harzer Straße” durch die Fußgängerzone bis zur Friedrich-Ebert-Straße (150 m)

Strecke: 64 % (befriedigend)

Querung: 83 % (sehr gut)

Haltestelle: 55 % (ausreichend)

Gesamtbewertung: 67 % (befriedigend)