Nein zu Gigalinern

Gigaliner auf europäischen Straßen?

15.04.2014 - Ein Kommentar von Heidi Tischmann, VCD-Referentin für Verkehrspolitik, zur aktuellen Debatte um die Zulassung von Gigalinern auf europäischen Straßen.

Der VCD begrüßt, dass sich das EU-Parlament am 15. April 2014 gegen die Zulassung von Gigalinern im grenzüberschreitenden Verkehr in der EU ausgesprochen hat. Es folgt damit der Empfehlung des Verkehrsausschusses, der die Zulassung zum jetzigen Zeitpunkt für zu nicht entscheidungsreif hält und zunächst eine Abschätzung der Folgen angeraten hatte.

„Es ist eine kluge Entscheidung des EU-Parlaments, vor einer generellen Freigabe im grenzüberschreitenden Verkehr eine belastbare Folgenabschätzung für den Einsatz von Riesen-Lkw vorzunehmen”, so Heidi Tischmann, Referentin beim VCD. „Eine gründliche Untersuchung ist auch deswegen zwingend notwendig, weil die Erlaubnis grenzüberschreitender Fahrten der Dammbruch sein könnte, mit dem zeitversetzt die Riesen-Lkw in allen Ländern Europas Einzug halten.” Laut Votum des EU-Parlaments sollen die Ergebnisse der Untersuchung spätestens 2016 vorliegen. Danach wird neu verhandelt.

Der VCD verweist in diesem Zusammenhang auf die zwei grundlegenden Problematiken - den Klimaschutz und die Verkehrssicherheit.

Im Transportbereich müssen in erster Linie Leerfahrten und unnötige Transporte vermieden werden, aber auch die Verlagerung von Transporten von der Straße auf Bahn und Schiff. Mit Gigalinern sind diese Ziele nicht zu erreichen. Im Gegenteil: Ihre Einführung ist umweltpolitisch schädlich. Durch ihren Einsatz werden das Transportaufkommen auf der Straße und infolgedessen auch die Fahrtenhäufigkeit deutlich zunehmen, und zwar aus drei Gründen:

  • durch den Anreiz, bisherige Schienenverkehre auf Gigaliner zu verlagern,
  • durch den Anreiz, aufgrund des größeren Verkehrsvolumens der Lkw die Lagerhaltung seitens der Frachtkunden weiter abzubauen, und
  • durch die Notwendigkeit, Zubringerverkehre mit Standard-Lkw zu Umladepunkten einzuführen, da Gigaliner aufgrund ihrer Größe Ziele innerhalb von Städten vielfach nicht erreichen können.

Der Einsatz von Gigalinern ist aber auch aus Gründen der Verkehrssicherheit grundsätzlich  abzulehnen. Derzeit ist an jedem fünften Verkehrsunfall mit tödlichem Ausgang ein Lkw beteiligt. Es liegt auf der Hand, dass Unfälle desto gravierendere Folgen haben, je schwerer die Fahrzeuge sind. Zudem behindern Gigaliner durch ihre Länge den Verkehr. Sie machen Überholvorgänge unübersichtlich, sie haben längere Räumzeiten an Kreuzungen und Bahnübergängen, sie erhöhen das Unfallrisiko für alle Verkehrsteilnehmerinnen und Verkehrsteilnehmer.

Brücken, Tunnel, Leitplanken, Parkplätze, Bahnübergänge - unsere Straßen sind weder für 60-Tonner noch für eine Lkw-Länge von 25,25 Meter ausgestattet. Es entstehen Kosten für den Ausbau und auch für Reparaturen, da Gigaliner den Verschleiß beschleunigen.

Der VCD sagt: Keine Gigaliner! Nirgends. Nicht im grenzüberschreitenden Verkehr in Europa, nicht innerhalb Deutschlands.

Philipp Kosok

Referent für Verkehrspolitik, Bahn/Öffentlicher Verkehr; Projektleitung »Multimodal unterwegs«
beim VCD
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