Verkehrsmittel im Vergleich

Intelligent mobil

Jedes Verkehrsmittel hat seine spezifischen Vor- und Nachteile. Der VCD macht den Vergleich. Mit welchem Verkehrsmittel kann man die größte Menge CO2, die meiste Zeit und das meiste Geld einsparen?

Mit dem Fahrrad ist man auf Kurzstrecken unschlagbar schnell unterwegs, kommt damit aber nur schwer bis New York, in der Bahn hat man Zeit zum Lesen, muss sich aber bei der Reisegestaltung an Fahrpläne halten, mit dem Auto kann man zwar jederzeit losfahren, muss sich dann aber mit Parkplatzsuche, Staus und Reparaturen herumärgern. Je nach Anlass entscheidet man sich mal für dieses, mal für jenes Fortbewegungsmittel. Wir machen für Sie den Vergleich. Mit welchem Verkehrsmittel kann man

  • die größte Menge CO2
  • die meiste Zeit
  • und das meiste Geld einsparen?

Und wie schneiden die verschiedenen Verkehrsmittel eigentlich im direkten Vergleich ab?

Umweltfaktor

Beim Vergleich der Verkehrsmittel ist es wichtig, den Auslastungsgrad  zu berücksichtigen, da sich mit zunehmender Besetzung des Fahrzeugs die CO2-Bilanz pro Person verbessert: Während ein Auto im Mittel mit 1,5 Personen besetzt ist — also eine Auslastung von etwa 30 Prozent hat — ist die Bahn mit durchschnittlich 42 Prozent ausgelastet. Wegen der vergleichsweise hohen Auslastung schneidet der Reisebus im Umweltvergleich sogar besser ab als die Bahn. Im Umkehrschluss bedeutet das für den direkten Vergleich, dass die Fahrt in einem voll besetzten Pkw klimaverträglicher sein kann als in der Bahn, wenn nur zwei Personen mitreisen. Die öffentlichen Verkehrsmittel verkehren jedoch ohnehin nach Fahrplan; jede Strecke, die alternativ zum Pkw mit Bus und Bahn zurückgelegt wird, reduziert daher den CO2-Ausstoß.

Die Klimawirksamkeit des Flugverkehrs ist mindestens dreimal höher, als der Treibstoffverbrauch es nahegelegt. Das liegt daran, dass Flugzeuge ihre Emissionen in Höhen ausstoßen, in denen sie größere Schäden anrichten als gleiche Mengen am Boden. Der direkte CO2-Ausstoß von Flugzeugen wird deshalb üblicherweise mit dem so genannten RFI-Faktor (Radiative Forcing Index) multipliziert, um den Klimaschaden zu errechnen.

Vergleich der Emissionen einzelner Verkehrsträger im Personenverkehr, 2016

Das würden Bahn, Flieger, Auto und Bus mit einer CO2-Steuer kosten

Bus und Bahn sind in ihrer Klimabilanz dem Auto und dem Inlandsflieger überlegen. In den kommenden Jahren wird sich dieser Vorsprung vergrößern, da der Anteil an Strom aus erneuerbaren Energien schnell steigt. Die Bahn fährt im Fernverkehr vollständig elektrisch, während die Elektromobilität bei den Pkw zuletzt bei einem Anteil von 0,9 Prozent lag (KBA 1/2019, einschließlich Hybrid-Fahrzeuge). Der vermeintliche Umweltvorteil von Bus und Bahn kommt den Verkehrsmitteln in der Realität jedoch nicht zu Gute. Bisher gibt es keinerlei Begrenzungen der Treibhausgas-Emissionen im Straßenverkehr. Ändern soll das eine CO2-Steuer. Der von der Bundesregierung ab 2021 vorgesehenen Preis von zunächst 10 Euro pro Tonne lässt aber keinerlei Lenkungswirkung erwarten. Hinzu kommt, dass die Bahn aufgrund ihres Betriebs mit Strom nicht dem Verkehrs-, sondern dem Energiesektor zugerechnet wird. Dieser ist bereits seit Jahren verpflichtet am Handel mit Emissionsrechten der EU teilzunehmen. Aktueller Preis für eine Tonne CO2: 24,97 Euro. Bahnunternehmen legen diese Kosten auf die Ticketpreise um. Auch der europäische Flugverkehr nimmt am Emissionsrechtehandel teil, muss sich jedoch nur für 15 Prozent seines Treibhausgasausstoßes Emissionsrechte beschaffen.

Mit einem Einstiegspreis von 50 Euro pro Tonne wäre ein erstes Preissignal gesetzt. Mit diesen Steuermehreinnahmen ließe sich eine deutliche Angebotsausweitung im öffentlichen Verkehr zu sozial verträglichen Ticketpreisen ermöglichen. Verschiedene Studien und die Erfahrungen aus dem europäischen Ausland, wie  etwa aus Schweden legen nahe, dass erst ab einem CO2-Preis jenseits von 100 Euro je Tonne die notwendige Lenkungswirkung eintritt. Die schwedische Regierung führte bereits 1991 eine Abgabe auf den Ausstoß des klimawirksamen Treibhausgases ein und steht heute bei einem Preis von 115 Euro pro Tonne. Seit der Einführung der Abgabe ist die skandinavische Volkswirtschaft um 78 Prozent gewachsen und konnte dabei ihren CO2-Fußabdruck um ein Viertel verringern. 

Der VCD fordert einen CO2-Preis mit Lenkungswirkung. Ein Einstiegspreis kann dafür nicht unter 50 Euro je Tonne liegen.

Zeitfaktor

Die Dauer einer Fahrt ist mehr als die reine Reisezeit. Im Nahverkehr ist das Fahrrad unschlagbar schnell, bei einer Entfernung bis zu fünf Kilometer hängt es alle anderen Verkehrsmittel ab, man muss an keiner Haltestelle warten, keinen Parkplatz suchen, sondern fährt direkt bis vor die Tür.

Im Fernverkehr ist das Flugzeug nicht zwangläufig das schnellste Verkehrsmittel: Transfers von und zum Flughafen, Check-In, Sicherheitskontrollen und das Warten aufs Gepäck verlängern die Reisezeit beträchtlich.

Kostenfaktor

Mobilität kostet. Gerade Autofahren ist viel teurer als die meisten denken: Zwischen 40 und 60 Cent kostet jeder gefahrene Kilometer, wenn man von den sogenannten Vollkosten ausgeht. Darin enthalten sind der Wertverlust, die Betriebskosten, sonstige Fixkosten und die Kosten für Wartung und Reparatur. Bei einer Fahrleistung von 15.000 Kilometern kommt man schnell auf Gesamtkosten zwischen 6.000 Euro und 9.000 Euro pro Jahr.

Auch Fliegen hat seinen Preis. Insbesondere Billigairlines sind beim Erfinden von Extra-Gebühren begabt: Wenn man die versteckten Kosten für Gepäckmitnahme, Sitzplatzreservierung, Abfertigungs- oder Buchungsgebühren hinzurechnet, sind die Billigflieger gar nicht mehr so günstig. Zusätzlich werden bei allen Fluggesellschaften Steuern und Sicherheitsgebühren fällig.

Die Bahn hingegen ist günstiger als ihr Image. Mit den Sparpreisen, der BahnCard und den Mitfahrer-Ermäßigungen kann der Normalpreis deutlich reduziert werden. Frühbucher können mit dem sogenannten DauerSpezial-Angebot für 29 Euro durch ganz Deutschland fahren.

Verkehrsmittel im direkten Vergleich

Der VCD hat jeweils für eine exemplarische Kurz- und Langstrecke die Reisezeiten (von Tür zu Tür), die Kosten und den CO2-Ausstoß der verschiedenen Verkehrsmittel berechnet:

Von Tür zu Tür: Verkehrsmittelvergleich Kurzstrecke


Die Fahrradstrecke ist sowohl die schnellste als auch, zusammen mit dem Fußweg, die kürzeste und umweltverträglichste. Das Auto ist zwar drei Minuten schneller als der ÖPNV, dafür fast drei Mal umweltschädlicher.

Von Tür zu Tür: Verkehrsmittelvergleich Langstrecke

Die Bahn schneidet sowohl beim Zeit- als auch beim Kostenaufwand mit 29 Euro und 4:19 Stunden am besten ab. Beim CO2-Ausstoß ist der Reisebus die Nummer Eins. Das Auto ist mit über fünf Stunden deutlich länger unterwegs als die Bahn. Die vergleichsweise hohen Kosten und CO2-Emissionen ließen sich durch die Mitnahme von Mitfahrern deutlich reduzieren. Das Flugzeug kann auf dieser Strecke seinen vermeintlichen Zeitvorteil nicht ausspielen.

Michael Müller-Görnert

Verkehrspolitischer Sprecher
Fon 030/28 03 51-19
michael.mueller-goernert@vcd.org

Verbändekonzept »Klimafreundlicher Verkehr in Deutschland«

Umweltverbände WWF, BUND, Germanwatch, NABU und VCD zeigen auf, wie sich die Treibhausgasemissionen bis 2050 um 95% reduzieren lassen.

Verbändekonzept »Klimafreundlicher Verkehr in Deutschland«
Juni 2014 (pdf, 3,1MB)

Hintergrundpapier: Einführung von CO2-Grenzwerten für Lkw

Argumente und Forderungen des BUND, Nabu und VCD für die Einführung von CO2-Grenzwerten für Lkw.

Hintergrundpapier »Einführung von CO2-Grenzwerten für Lkw«
September 2016 (pdf, 480KB)

VCD-Newsletter

Interesse an unserer Arbeit geweckt? Dann verpassen Sie keine Neuigkeiten und abonnieren Sie unseren Newsletter.

Jetzt VCD-Newsletter abonnieren