Einfach Mobil Offenburg

Die Marke Einfach Mobil schafft Infrastruktur mit einheitlichem Design

Unter der Marke Einfach Mobil sind im baden-württembergischen Offenburg vier Mobilitätsstationen in enger Nachbarschaft mit Haltepunkten des Bus- und Schienenverkehrs entstanden, die Platz für Bike- und Carsharing und Abstellmöglichkeiten für private Fahrräder bieten.

Als Teil des Mobilitätsmanagements des Integrierten Verkehrs- sowie Klimaschutzkonzepts der Stadt Offenburg begann 2013 die Planung von vorerst vier Mobilitätsstationen als Pilotprojekt. Ziel ist der Aufbau eines dichten Netzes an Stationen an zentralen Punkten der Kernstadt, in Wohngebieten, Stadt- und Ortsteilen, Gewerbegebieten und in benachbarten Gemeinden um u.a. den Umweltverbund zu stärken, finanzierbare Mobilität für alle zu schaffen und eine neue öffentliche Mobilitätskultur zu fördern. Die Dachmarke Einfach Mobil soll hier auch als Motto für einfach zu realisierende Mobilität gelten. Die Stadt Offenburg und ihre unselbstständige Tochter Technische Betriebe Offenburg (TBO) sind die federführenden Akteure in dem Vorhaben, wobei der Abteilungsleiter für Verkehrsplanung der Stadt Offenburg im Rahmen des Mobilitätsmanagements das Projekt leitet. Einfach Mobil verknüpft die Sharingangebote für Auto, Rad und Pedelecs an derzeit vier geeigneten Standorten in der Stadt, die von der TBO betrieben werden. An diesen Mobilitätsstationen können auch private Räder abgestellt werden. Dafür wurden von der Stadt Flächen zur Verfügung gestellt. Die Mobilitätskarte Einfach Mobil kann sowohl online, als auch im BürgerBüroBauen bestellt und gegen eine einmalige Gebühr von 5 Euro abgeholt werden. Die Registrierung bei nextbike und/oder Stadtmobil Südbaden kann nach Erhalt der Einfach Mobil-Karte erfolgen. Zentrale Funktionen der Chipkarte sind derzeit der zentrale Zugang zu den Fahrzeugen und deren rabattierte Nutzung.

Vier Mobilitätsstationen bilden die infrastrukturelle Grundlage der neuen Öffentlichen Mobilität

Die Flächen der vier Mobilitätsstationen wurden von der Stadt zur Verfügung gestellt, während die Aufbauten zum Sondervermögen der TBO gehören. Für zwei Stationen fand ein städtischer Grunderwerb statt, zwei weitere waren bereits im Besitz der Stadt. Drei weitere Stationen sind geplant. Auch diese Standorte befinden sich auf öffentlichen Liegenschaften bzw. im öffentlichen Straßenraum. Die ersten Standorte wurden über Sondernutzungsgenehmigungen geregelt.  Alle weiteren zukünftigen Standorte für die Stationen sind bereits im Bebauungsplan ausgewiesen.

Die Finanzierung des Baus der Stationen erfolgte wesentlich über den Stadthaushalt. Die bisherigen Investitionen für die vier Pilotstationen können mit 240.000 Euro für die Flächen und die Aufbauten beziffert werden. Die Fahrzeuge werden vom Anbieter Stadtmobil Südbaden finanziert. Für den Einsatz der E-Fahrzeuge gewährte die Stadt einen Zuschuss. Für das Vorhaben konnten Fördertöpfe des Bundesumweltministerium, des baden-württembergischen Ministeriums für ländlichen Raum und des Finanzministeriums Baden-Württemberg genutzt werden.  Die Betriebskosten für die Stationen belaufen sich auf 2.000 bis 4.000 Euro/ Jahr. Die Betreiber der Sharing-Angebote zahlen 50 Euro/Standort und Monat (Stadtmobil Südbaden), bzw. 50 Euro/Standort und Jahr (nextbike). Für diese geringe Nutzungsgebühr stellen die Anbieter im Gegenzug die anonymen Nutzungsdaten zur Verfügung, auf Basis deren das Angebot evaluiert und dem Nutzerverhalten angepasst werden kann. Eine Anschaffung der Carsharing-Fahrzeuge erfolgt eigenwirtschaftlich durch den Betreiber. Beim Bikesharing übernimmt die Stadt die Anschaffungskosten der Fahrräder bzw. Pedelecs, für welche sie wiederum Fördermittel bei regionalen Versorgungsunternehmen akquirieren konnte.

Die Eignung der jeweiligen Standorte konnte durch die folgenden Parameter bestimmt werden: vorheriges Sharing-Nutzungsverhalten, Vernetzung des vorhanden Angebots, Erweiterung des Angebots, systematischer Erschließung (auch ÖPNV-unterversorgter Gebiete), potentieller Nutzergruppen, städtebaulicher und  nachbarschaftlicher Akzeptanz.

Die Attraktivität der Mobilitätsstationen soll durch Kooperationen mit Städten und Gemeinden aus dem Umland gesteigert werden. Gespräche dazu finden bereits statt, z.B. mit dem französischen Straßburg. Zusätzlich gibt es 16  nextbike-Stationen, deren Räder auch unter der Dachmarke Einfach Mobil laufen. Sind sieben bis zehn Stationen in Betrieb soll die Nutzung über öffentliche Ausschreibungen für Konzessionsverträge erfolgen. Damit soll der Wettbewerb zwischen potentiellen Dienstleistern ermöglicht werden.

Auch neue Fahrradboxen entsprechen im Auftritt der Marke „Einfach Mobil“. Außerdem errichtete die Stadt ein vollautomatisches Fahrradparkhaustypo3/#_msocom_1mit Palettentechnik mit zwölf Zugängen am Hauptbahnhof, welches ebenso von der TBO betrieben wird. Das "Radhaus" erscheint ebenfalls im Einfach Mobil-Design.

Eine gemeinsame Einfach mobil-Mobilitätszentrale aller Anbieter soll voraussichtlich ab 2020 in Betrieb gehen. Die Buchung der Sharing-Fahrzeuge erfolgt online oder per Smartphone. Die Einfach Mobil-Webseite www.mobil-in-offenburg.de leitet derzeit zur Buchung der Fahrzeuge auf die Seite des Stadtmobil Südbaden. Die Webseite informiert über das Angebot, die Standorte der Mobilitätstationen sowie der von ausschließlich nextbike oder ausschließlich Stadtmobil Südbaden. Per Bestellfunktion kann die Einfach Mobil-Chipkarte direkt auf der Webseite gebucht werden. Ein wichtiger Partner im Tourismusbereich  ist das  Hotel Mercure am Messegelände. Die Gäste werden dort über die multimodalen Angebote in der Stadt informiert und ihnen wird leihweise die Einfach Mobil Karte für die Nutzung der nextbike-Räder zur Verfügung gestellt.

Tarifliche Integration von ÖPNV ab 2018

In Zukunft werden auch der städtische Busverkehr Lastenpedelecs und das "Radhaus" in das Angebot von Einfach Mobil integriert. Inhaber/innen der Einfach Mobil-Chipkarte bekommen Rabatte bei den beteiligten Mobilitätsanbietern. Dadurch erhalten diese beim Carsharing eine Rabattierung der Fahrtkosten von 10 % und der jährliche RadCard-Tarif von nextbike sinkt um 20 %. Des Weiteren kann ein nextbike die ersten 30 Minuten jeder Fahrt kostenlos genutzt werden. Die Jahresabonnent/innen des städtischen Busverkehrs können ab Ende 2017 die Einfach Mobil-Karte auch als Träger/innen ihres ÖV-Abos nutzen. Allerdings noch nicht als eTicket. Die Chipkarte wird bisher noch mit einem Icon zur Identifizierung als Jahreskarteninhaber versehen. Einfach Mobil soll dann auch Rabatte für ÖV-Tickets bieten, sowohl für die Busse, also auch im Anruf-Sammel-Taxi-Verkehr. Wer eine Einfach Mobil-Karte besitzt, kann dann alle öffentlichen Verkehrsmittel rabattiert nutzen, wobei sich dies im Busverkehr auf Dauerkarteninhaber beschränkt.

Integrierte Kommunikation & ein Neubürgerpaket

Eine Kommunikationsagentur entwickelte und betreut die integrierte Kommunikationsplanung- und Umsetzung der gesamten derzeitigen und zukünftigen Einfach Mobil-Infrastruktur. Die neue Marke versteht sich als Gesamtkommunikation des Themas „Öffentliche Mobilität“. Das Corporate Design der neuen Marke Einfach Mobil dient als Grundlage für die Gestaltung des Erscheinungsbildes aller  öffentlicher Verkehrsangebote in Offenburg (eCar- und Bikesharing und zukünftig auch die Busse des ÖPNV), sowohl den Infrastrukturelementen als auch den alten (z.B. Bushaltestellen und Radwegen) und neuen Anlagen (z.B. Mobilitätsstationen). Ein Neubürgerpaket informiert über umweltfreundliche Mobilität in Offenburg. Ab 2017 wird ein neues Paket, ebenfalls im Einfach mobil-Design,  ausgegeben, welches auch einen Gutschein für ein kostenloses Schnupper-Ticket für den städtischen und regionalen Bus- und Schienenverkehr enthalten wird. In den Exposés der Neubaugebiete ist die Verfügbarkeit zukünftiger multimodaler Angebote bereits angekündigt, so dass zukünftige Bewohnerinnen und Bewohner, mit dem Wissen um zusätzliche Angebote,  angeregt werden ihr Mobilitätsverhalten mit ihrem Umzug nach Offenburg zu verändern.

Als in der Nähe von Schulen neue Schutzstreifen für den Radverkehr eingeführt wurden, klärte eine gemeinsame Kommunikationskampagne der Stadt Offenburg und Einfach Mobil über deren Vorteile für alle Verkehrsteilnehmer/innen auf. Die „Kleine Schutztruhe“ enthielt Materialien für Schüler/innen, Eltern und Lehrer/innen für Aktivitäten rund um das Thema Verhaltensregeln für mehr Miteinander im Verkehr und Rücksicht unter Radfahrern, Fußgängern und Autofahrern. Zusätzlich wurden vor den Schulen Banner angebracht die einerseits Werbung und andererseits Aufklärung vor Ort sind.

Umsetzung des Vorhabens und Finanzierung

Das Vorhaben Einfach Mobil wurde durch einstimmige Beschlüsse des Stadtrates zur Planung und Umsetzung gebracht. Der Bürgermeister und die zuständige Dezernent/innen setzten sich für das Vorhaben ein. Die Ergebnisse der ersten Befragungswelle von Nutzer/innen und Nicht-Nutzer/innen ist im Dezember 2016 verfügbar. Es werden parallel das Feedback und der Bedarf der Nutzerinnen und Nutzer ermittelt. Bis Ende 2017 wird das Pilotprojekt vollständig evaluiert sein. Beide bilden die Grundlage zukünftiger Beschlussfassung bzgl. der Entwicklung Vorhabens.  

Die größten Schwierigkeiten für die Umsetzung des Vorhabens lagen im Zusammenbringen der einzelnen Akteure sowie in der Überzeugungsarbeit, damit für eine freiwillige Leistung der Stadt erhebliche Finanzmittel zur Verfügung gestellt wurden. Eine weitere Schwierigkeit lag in der beschränkten Personalkapazität für dieses Projekt. Relativ aufwendig war die Akquise der umfangreichen Fördermittel über verschiedene Ministerien auf Bundes- und Landesebene sowie Energieversorger.

Die Gesamtkosten für das Umsetzungskonzept, die Planung der Stationen, das Marketingkonzept mit Umsetzung, die Einrichtung eines Online-Portals, die Einführung der Mobilitätskarte, die Anschaffung der nextbike-Bordcomputer, die Einrichtung von vier Mobilitätsstationen, die Zuschüsse für E-Fahrzeuge sowie Ladeinfrastruktur belaufen sich auf 590.000 Euro. Diesem Aufwand stehen Fördermittel in Höhe von insgesamt 353.000 Euro gegenüber.

    Steckbrief Einfach Mobil Offenburg

    Offenburg: 60.000 Einwohner/innen

    Wegeanteil Umweltverbund: 52% (Integriertes Verkehrskonzept Offenburg 2006)

    Elemente: Mobilitätsstationen, Bikesharing, Carsharing, Mobilitätskarte

    Start:  2016

    Akteure: Stadt Offenburg, Technische Betriebe Offenburg, Stadtmobil Südbaden, nextbike

    Nutzergruppe: Einfach Mobil Abonnent/innen (kostenlos)

    Kosten: 590.000 Euro, 240.000 Euro für Mobilitätsstationen

    Finanzierung: Städtische Mittel und Bundesmittel

    Besonderheit: Integrierte Kommunikationsplanung für  den gesamten Öffentlichen Verkehr

    Ansprechpartner:

    Mathias Kassel

    Stadt Offenburg

    Fachbereich Tiefbau/Verkehr

    Abteilung Verkehrsplanung

    Tel: 0781-82 2413

    mathias.kassel@offenburg.de