Wohnen und Multimodalität

Multimodal unterwegs am Wohnstandort

Mehr als 80 % aller Wege in Deutschland starten und enden in den eigenen vier Wänden. Damit kommt dem Wohnstandort als Ausgangspunkt der Mobilität eine entscheidende Hebelwirkung zur Beeinflussung der Verkehrsmittelwahl zu.

© SchedlWohnstraßen als Lebensraum

Gibt es vor der eigenen Haustür attraktive Rahmenbedingungen für den Fuß- und Radverkehr, ÖPNV oder Sharing-Angebote, fällt es leicht, das eigene Auto stehen zu lassen und stattdessen umweltfreundliche Mobilitätsoptionen zu nutzen.

Auch hier ist Multimodalität Trumpf: je mehr Mobilitätsangebote vor der eigenen Haustür zu finden sind, desto größer die Wahrscheinlichkeit, dass Mieterinnen und Mieter genau die klimaverträglichen Verkehrsmittel vorfinden, die am besten in ihren Alltag integrierbar sind.

Nachhaltig mobil im ÖPNV dank Schnupper- und Mietertickets

Wohnungsunternehmen und Kommunen können hier eine wichtige Multiplikatorenfunktion einnehmen. Das beginnt bereits beim Begrüßen von Neubürgern. Da Personen gerade in Umbruchsituationen besonders empfänglich für Verhaltensänderungen sind, gilt es hier, gleich die Weichen für nachhaltige Mobilität zu stellen: beispielsweise in Form eines Neubürger- bzw. Neumieterpakets, das Neuzugezogenen z.B. Schnuppertickets für den ÖPNV oder Car Sharing-Ermäßigungen anbietet. Gelungene Neubürgerpakete aus Bremen, Aachen („clever mobil“), München („Gscheid mobil“) sowie Offenburg zeigen, wie’s geht. Ähnlich attraktiv sind auch Mietertickets, wie sie etwa die Bielefelder BGW in Kooperation mit dem lokalen Verkehrsunternehmen moBiel anbietet: das Wohnungsunternehmen tritt hier als Großkunde auf und gibt die reduzierten Preise an ihre Mieter weiter, die so in den Genuss eines ermäßigten Abos kommen.

Fahrradfreundliches Wohnen

© Jan Hilmar, Wohnprojekt Wien

Radfahrende freuen sich dagegen über witterungsbeständige, diebstahlsichere Abstellanlagen für ihren Drahtesel. Die autofreie Siedlung Stellwerk 60 in Köln wurde für ihre Fahrrad-Tiefgarage, die bequem über eine Rampe erreicht werden kann und auch Platz für Spezialräder bietet, bereits mit dem Deutschen Fahrradpreis ausgezeichnet. Serviceangebote wie Fahrradreparaturen sowie Verleihsysteme für Spezialräder wie Pedelecs oder Lastenräder tragen ebenfalls zu einem fahrradfreundlichen Klima bei. Für die immer beliebter werdenden E-Bikes sind entsprechende Ladesäulen vorzusehen.

Flexibel mobil mit Carsharing am Wohnort

Ein Einkauf beim Möbelhaus? Oder ein Ausflug an einen Badesee, der mit öffentlichen Verkehrsmitteln nur schwer erreichbar ist? Car Sharing ist eine ideale Alternative für Personen, die nur gelegentlich ein Auto benötigen. Ergänzend dazu kann auch privates Autoteilen bzw. Car Pooling angedacht werden, in dem Nachbarn ihren privaten Pkw gemeinschaftlich nutzen. Das spart Kosten, schont die Umwelt und stärkt das Gemeinschaftsgefühl.

Alles aus einer Hand in der Mobilitäts- und Servicestation

Viele Dienstleistungen unter einem Dach – eine Mobilitäts- und Servicestation bietet ein Depot für Waren- und Paketannahme und bündelt verschiedene Mobilitätsdienstleistungen (bspw. Infos zu Car und Bikesharing, Auskunft und Ticketverkauf zum ÖPNV, Fahrradreparatur). Der Münchner Domagkpark bietet bereits eine Art „Mobilitätszentrale“ mit „Concierge-Service“ an, inklusive Annahme und Auslieferung von Paketen.

Kommunikation und Service

Wohnen leitet Mobilität – und umgekehrt. Mit teils sehr einfachen und niederschwelligen Maßnahmen können Wohnungsunternehmen, Kommunen und Mobilitätsdienstleister neue Nutzergruppen für ihre Angebote gewinnen. Der wichtigste Punkt wird dabei oft vergessen: ohne die entsprechende Kommunikation und Information über die Angebotspalette auf  verschiedensten Kanälen (Mieterzeitungen, Aushänge, Social Media) verpuffen viele gut gemeinte Maßnahmen wieder, bevor sie sich etablieren konnten. Hier gilt: Nur wenn nachhaltige Mobilität im Wohnumfeld als prominentes Thema bei Wohnungsunternehmen verankert ist, kann es gelingen, einen signifikanten Beitrag zur Senkung des mobilitätsbedingten CO2-Ausstoßes zu leisten.

Das VCD-Projekt "Wohnen leitet Mobilität" widmet sich ausführlich der Gestaltung des Wohnstandortes als Zugang zu klimaverträglichen Verkehrsmitteln. Durch das Bereitstellen verschiedener Mobilitätsangebote soll langfristige die mobilitätsbedingten CO2-Emissionen von Mietern durch Änderung des Mobilitätsverhaltens erreicht werden.