Tipps zur Straßenumgestaltung

Neuer Lebensraum mit sanfter Mobilität

Das urbane Leben drängt zurück auf die Straße. Doch nur mit ausreichend Platz, Sicherheit und Komfort können Fußgänger und Radfahrer die Stadt nützen. Nach Jahrzehnten der autogerechten Stadtplanung gilt es, durch die Schaffung von attraktiven Fußwegen, sicheren Radverbindungen oder mehr Raum für Kinderspiel die Lebensqualität für alle zu steigern. Auch mit einfachen Mitteln können Sicherheit und Aufenthaltsqualität in der Straße wirkungsvoll verbessert werden. 

Vorbilder für deutsche Städte

  • Quelle: Peter Steudtner
  • Quelle: Gehl Architects
  • Quelle: Anna Wernhart
  • Quelle: Mariana Gil
  • Radfahrstreifen
    Quelle: VCD/Saskia Leckel

Neben dem Radverkehr prägt die Wiederentdeckung des zu Fuß Gehens immer stärker das Stadtbild in vielen Städten weltweit: Metropolen wie New York, Großstädte wie Zürich oder auch kleinere Kommunen wie Brighton in Großbritannien gewinnen dadurch stark an Lebensqualität. Die deutschen Städte dürfen diesen Trend nicht verpassen. 

Wiederentdeckung des Gehens

Was viele nicht wissen: In zahlreichen Städten (u.a. Berlin, Frankfurt am Main oder Halle) legt die Bevölkerung mehr Wege zu Fuß zurück als mit dem Auto. Egal ob von zu Hause zur Schule, auf dem Weg zur nächsten Haltestelle oder vom Parkplatz zum Einkauf- jeder ist täglich auch Fußgänger. Damit ist der Fußverkehr die selbstverständliche Basis unserer Mobilität. In der Verkehrsplanung und Politik findet das zu wenig Berücksichtigung. 

Wissenswertes über den Fußverkehr

Quelle: fairkehr/Playground www.weareplayground.com

Doch nicht nur in der Planung werden Fußgänger häufig übersehen: Im Straßenverkehr führen zu hohe Geschwindigkeit und schlechte Sicht (z.B. hinter parkenden Autos) häufig zu Unfällen mit schweren Folgen. Das wurde mit dem VCD-Städtecheck 2014 zur Sicherheit von Fußgängerinnen und Fußgängern deutlich. Der VCD setzt sich unter dem Leitbild „Vision Zero“ dafür ein, den Straßenraum konsequent an den Bedürfnissen der ungeschützten Verkehrsteilnehmer und damit des Menschen auszurichten.

Das bedeutet mehr Platz, niedrigeres Tempo, bessere Sichtbeziehungen und vor allem gestalterische „Einladungen zum Gehen“. Die Rückeroberung der Straße für Fußgänger führt dann wie beim Radverkehr zu „safety in numbers“ – allein dadurch, dass Autofahrer immer mit Menschen zu Fuß oder auf dem Rad rechnen.

Planungsprinzipien für die Zukunft

Attraktive Straßenräume und urbanes Leben entstehen nicht per Zufall. Für die Planung und Gestaltung von Straßen sind einfache Grundregeln nötig. Der VCD rückt das Miteinander der Verkehrsteilnehmer in den Mittelpunkt. Damit dies möglich wird, sollen Straßen zunächst für den Fuß- und Radverkehr konzipiert werden. Auch der Öffentliche Verkehr und der Lieferverkehr benötigen aufgrund ihrer wichtiger werdenden Versorgungsfunktion häufig mehr Platz.

Der VCD empfiehlt, sich vor Ort über die Prioritäten für die künftige Verteilung von Straßenräumen zu einigen. Das Ergebnis dient zur Orientierung bei Straßenplanungen und in der politischen Diskussion.

Barcelona macht es vor: Klare Prioritäten, welcher Verkehrsform künftig wie viel Straßenraum zukommt

Freiwerden soll der für mehr Radverkehr und ein besseres Straßenleben dringend nötige Platz u.a. durch eine niedrigere Geschwindigkeit und eine effizienteren Umgang mit Parkraum.

Einfache Maßnahmen zum Nachahmen

Nicht immer braucht die Rückeroberung der Straße ein großes Budget und lange Bauzeiten. In unserem Soforthilfe-Papier „Rückeroberung der Straße“ sammeln wir Beispiele für einfache Aktionen und Maßnahmen, wie

  • aus Parkplätzen attraktive Aufenthaltsbereiche für die Gastronomie oder kleine Parks entstehen,
  • Kreuzungsbereiche und Querungsstellen durch farbige Markierungen sicherer werden,
  • durch Fahrradbügel neuer Parkraum für Fahrräder gewonnen wird oder
  • temporäre Spielstraßen mehr Raum für Kinderspiel im öffentlichen Raum schaffen.

Diese übertragbaren Maßnahmen stoßen den Wandel hin zu Straßen für Menschen an und zeigen, wie die Lebensqualität konkret vor Ort verbessert werden kann. Das Papier erscheint im Frühjahr 2016.

Wenden Sie sich an uns, wenn Ihnen gute Beispiele bekannt sind!