Niedersachsen

Projektregion Niedersachsen

Eine Metropolregion zwischen Klimaschutzzielen und Mobilitätswirtschaft – wie kann eine nachhaltige Mobilitätswende im Wohnquartier unter diesen Voraussetzungen gelingen? Im Vorgängerprojekt »Wohnen leitet Mobilität« ließen sich schon deutliche Erfolge verzeichnen. Doch wie geht es nun weiter?

Die Projektregion Niedersachsen

Niedersachsen ist mit etwa 47.600 km² das zweitgrößte Flächenland in Deutschland. Der Siedlungs-, Wirtschafts- und infrastrukturelle Schwerpunkt liegt im Bereich der Region Hannover und den Städten Braunschweig, Wolfsburg, Hildesheim, Salzgitter sowie Göttingen. Dieser Ballungsraum bildet das Zentrum der Metropolregion Hannover-Braunschweig-Göttingen-Wolfsburg. Entsprechend der Bevölkerungsverteilung befindet sich hier auch ein Schwerpunkt der niedersächsischen Verkehrswege. Da etwa 80 Prozent aller Wege am Wohnort beginnen oder enden, stellt das Thema »Wohnen« ein zentrales Handlungsfeld für Klimaschutzmaßnahmen dar.

Bisherige Erfolge

Die Landeshauptstadt Hannover war bereits in den Jahren 2017 bis 2019 als Partnerin am Vorgängerprojekt »Wohnen leitet Mobilität« zur Förderung umweltverträglicher Mobilität am Wohnstandort beteiligt. Das Vorhaben adressierte schwerpunktmäßig kommunale Verwaltungen, die Unternehmen der Wohnungswirtschaft sowie Mobilitätsdienstleister. Fünf Dialogforen dienten der Netzwerkbildung der Akteure untereinander. Hier wurden in Workshops relevante Themen identifiziert und Impulsreferate über Good-Practice-Beispiele sorgten für spannende Diskussionen unter den Teilnehmenden. Zudem wurden Beratungsgespräche mit zahlreichen Wohnungsunternehmen sowie Mieteraktionen durchgeführt.
Schwerpunkte in Hannover waren die Themenbereiche Stellplatzsatzungen, (E-) Fahrradverkehr/-verleih, (barrierearmer) Fußverkehr, Mobilitätskonzepte für Wohnungsunternehmen, Carsharing, digitale Lösungen und Kommunikation.

Das dritte Dialogforum mit dem Titel »Kommunale Stellplatzsatzungen als Instrument zur Förderung klimaverträglicher Mobilitätsangebote am Wohnstandort« lieferte starke Impulse für die Erstellung einer Stellplatzsatzung für die Landeshauptstadt Hannover. Die Relevanz des Themas spiegelte sich auch im Medieninteresse wider. An der Pressekonferenz zum Dialogforum nahmen sowohl Vertreter der örtlichen Tageszeitungen als auch des lokalen Fernsehens teil. Der Rat der Landeshauptstadt Hannover hat im November 2018 den Antrag zur Erarbeitung einer Stellplatzsatzung gestellt, der im Dezember 2018 beschlossen wurde. Der »Beschluss einer Stellplatzsatzung für das Stadtgebiet der Landeshauptstadt Hannover« wurde am 30. April 2020 mit der Verkündung im Amtsblatt rechtskräftig.

Bisher wurde der Stellplatzbedarf in Hannover nach der Niedersächsischen Bauordnung (NBauO) in Verbindung mit den vom Umweltministerium herausgegebenen Ausführungsempfehlungen bemessen. Nach dieser Regelung wurde häufig ein Stellplatz pro neugebauter Wohnung gefordert. Die Stellplatzsatzung sieht nunmehr je nach Zone einen Regelbedarf von 0,5, 0,6 beziehungsweise 0,8 Einstellplätzen je Wohneinheit vor. Mit Mobilitätskonzepten zur Vermeidung oder Beschränkung des motorisierten Individualverkehrs kann der Stellplatzschlüssel weiter reduziert werden. Zu diesen Maßnahmen zählen beispielsweise eine gute ÖPNV-Anbindung, attraktive Radwege und Fahrradabstellanlagen sowie Carsharing-Angebote.

Im Rahmen des vom Bund geförderten Schaufensters Elektromobilität wurde 2013-2016 unter Beteiligung des VCD-Landesverbandes Niedersachsen als Konsortialpartner ein Pedelec-Verleihsystem aufgebaut. Anschließend betrieb die Stadt das Projekt »PedsBlitz« von Juli 2016 bis einschließlich August 2020 weiter. Noch während der Laufzeit des WoMo-Projekts haben zwei Unternehmen der Wohnungswirtschaft probeweise den Verleih von Lastenpedelecs an Mieter*innen und Quartiersbewohner*innen unter Nutzung der »PedsBlitz«-Plattform eingeführt (Betreuung durch den VCD).

Die Stadt Hannover

Laut amtlicher Statistik leben in der Landeshauptstadt Hannover etwa 540.000 Menschen, in der gesamten Region Hannover (Stadt und Umlandkommunen) etwa 1,2 Millionen Einwohner.
Das Thema »Wohnen« spielt für Hannover aufgrund der Bevölkerungszunahme in der größten Stadt Niedersachsens eine immer wichtigere Rolle. Allein in Niedersachsens größtem Neubaugebiet Kronsrode nahe des Messegeländes entstehen 3.500 Wohneinheiten. Weiterhin erfährt die Innenstadt eine umfangreiche Nachverdichtung.

Vor diesem Hintergrund hatte sich die Stadt als Standort des VCD-Projekts »Wohnen leitet Mobilität« beworben. Als besonders wichtige Bereiche konnten die Themen »Stellplatzsatzung« und »(E-) Radverkehr« identifiziert werden. Die Behandlung in einem Dialogforum gab wichtige fachliche Impulse für die politische Meinungsbildung und letztendlich für die Umsetzung. Durch eine weitere Ausgestaltung und Verbesserung der Bedingungen für den (E-) Radverkehr soll sein Anteil am Modal Split kontinuierlich gesteigert werden. Im Leitbild Radverkehr verfolgt die Stadt das Ziel, das Radverkehrsnetz auszubauen und somit den Radverkehrsanteil bis zum Jahr 2025 auf 25 Prozent zu steigern. Der Zuwachs soll hauptsächlich durch Verlagerungen vom motorisierten Individualverkehr gewonnen werden.

Im Bereich des ÖPNV erweitert Hannover sukzessive sein Stadtbahnnetz. Aktionen zur Förderung des Bewusstseins für eine umweltfreundliche Mobilität sind das alle zwei Jahre stattfindende Klimafest »Autofreier Sonntag« und der jährliche Regionsentdeckertag mit vielen ökologischen Angeboten und zahlreichen Tourenzielen rund um Hannover, die mit preiswerten ÖPNV-Tickets erfahren werden können.

Die Stadt Hameln

Das Mittelzentrum Hameln mit etwa 60.000 Einwohnern liegt 50 Kilometer in südwestlicher Richtung von Hannover entfernt. Es bestehen sowohl über die Straße als auch auf der Schiene (S-Bahn) ausgeprägte Pendlerbeziehungen.
Die »Rattenfängerstadt« engagiert sich bereits vermehrt im Klimaschutz. Mit dem Hamelner Klimaschutzkonzept 2010-2020 wurde ein Handlungskonzept unter Einbeziehung vieler Akteure aus Wirtschaft, Politik, Schulen und Vereinen, Umweltverbänden und Bürger*innen erstellt.

Der vom Bund (BMVI) geförderte Masterplan »Nachhaltige Mobilität« sieht die Schaffung klimafreundlicher und zukunftsweisender Mobilitätsangebote vor. Er fokussiert sich stark auf die Förderung des Fahrradverkehrs als Anfang für eine weitgehend autofreie Innenstadt. Neben Planungen für weitere Fahrradstraßen, der Ausweitung des Radverkehrsnetzes und der Anlage von Velorouten verfolgt die Stadt das Projekt »Wohnortnahes Fahrradparken«. Es sieht ein flächendeckendes, komfortables und sicheres Abstellsystem für Fahrräder im direkten Wohnumfeld vor. Hauptsächlich auf privatem Grund sollen 565 Abstellflächen für Einzelboxen entstehen, davon 450 bei Wohnungsbaugesellschaften. Die ersten Boxen sollen im Oktober aufgestellt werden. Zudem sind Park&Bike-Anlagen und doppelstöckige Fahrradabstellanlagen geplant. Bei der Umsetzung werden innenstadtnahe PKW-Parkplätze entfallen. Die Verkehrsgesellschaft Hameln-Pyrmont (VHP) denkt über weitere Angebote wie einen Pedelecverleih nach.
Carsharing existiert in Hameln nicht. Es hat mehrere Versuche gegeben, aber es scheint in der ländlichen Region nicht angenommen zu werden. Es gibt jedoch privat organisierte Nachbarschafts-Auto-Initiativen. Die Aktivitäten der Stadt Hameln bieten damit eine gute Basis für die Projektpartnerschaft im Vorhaben »Bundesweites Netzwerk Wohnen und Mobilität«.

Weitere Projektpartner

Die Wirtschaftsförderungsgesellschaft hannoverimpuls GmbH setzt sich dafür ein, Ökologie und Wirtschaft zusammen zu bringen. Sie engagiert sich unter anderem mit dem monatlichen »Akteursforum E-Mobilität« sowie auf Veranstaltungen und Messen für die Elektromobilität und bot damit bereits dem Vorgängerrojekt eine wichtige Plattform.

Die Metropolregion arbeitet an der Entwicklung der Elektromobilität in ihrem Gebiet und war bereits im Vorgängerprojekt ein bedeutender Partner.

Außerdem unterstützte bisher die Hochschule Hannover bezüglich des städtischen Pedelec-Verleihsystems »PedsBlitz« und der Einbindung von Wohnungsunternehmen.

Unser Angebot

An den Projektstandorten Hannover und Hameln sind innerhalb der Projektlaufzeit jeweils 5 regionale Netzwerktreffen vorgesehen, die in der Einbindung von konkreten Wohnprojekten münden sollen. Jeweils drei regionale Fachforen dienen der Beschäftigung mit bestimmten Themen. Sie umfassen Impulsreferate zu Good-Practice-Beispielen (Wissenstransfer) und bieten Raum für Workshops, Diskussionen und Austausch der Teilnehmenden untereinander. Zielgruppen sind in erster Linie Unternehmen der Wohnungswirtschaft, Kommunen, Mobilitätsdienstleister, Architekt*innen, Stadtplaner*innen und Verbände.
Zudem bieten wir für Wohnungsunternehmen Beratungsworkshops und auch Einzelberatungen an.

Termine

Nächstes Dialogforum

Wie in unserem Vorgängerprojekt »Wohnen leitet Mobilität« wird es auch in Zukunft sog. Fachforen zu unterschiedlichen Themen aus dem Bereich »Nachhaltige Mobilität im Quartier« geben. Die Termine dazu finden Sie demnächst auf dieser Seite. Im Downloadbereich finden Sie die Rückschau auf die letzten Fachveranstaltungen.

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Christian Harstrick

Regionalkoordinator Niedersachsen
Fon 01522/866 28 69
christian.harstrick@vcd.org

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