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Ohne Auto leben

 

 

Gute und sichere Fahrradabstellanlagen

 

Um den Radverkehrsanteil zu steigern, müssen sich Radelnde darauf verlassen können, ihre abgestellten Fahrräder danach unbeschädigt wieder vorzufinden. Da mancherorts noch diebstahlsichere Fahrradanlehnbügel fehlen, hat die Region Hannover ein Programm aufgelegt: 1.000 Fahrradanlehnbügel können pro Jahr zu günstigen Konditionen aufgestellt werden. Auch Unternehmen kommen in den Genuss der aufgrund Mengenrabatts von der Region Hannover kostengünstig beschafften Bügel – hier ein Beispiel aus Garbsen:

 

Ulrich Wilk, Vorstandsmitglied des VCD-Kreisverbandes Region Hannover e.V., hat seinen Arbeitgeber davon überzeugt, solche Bügel aufzustellen.

Mehr Informationen zum 1.000-Bügel-Programm der Region Hannover siehe Abschnitt "Abstellanlagen" auf 

http://www.hannover.de/Service/Presse-Medien/Region-Hannover/Weitere-Meldungen-der-Region-Hannover/2016/Ein-Jahr-Handlungskonzept

 

 

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Ohne Auto mobil. Tipps und praktische Informationen zur Fortbewegung ohne Auto

Herausgegeben vom VCD-Kreisverband Region Hannover e.V. mit Unterstützung der Landeshauptstadt Hannover

Redaktion: Uwe Klingebiel, Gitta Voigt (2008)

Das Heft wird gratis abgegeben.

 

 

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Fahrradsternfahrt am 31. Mai 2015

Der Auftakt der Stadtradeln-Aktion 2015 gab am 31. Mai den Anlass für eine Fahrradsternfahrt, die über weite Strecken über die eigens dafür dem motorisierten Individualverkehr entzogenen Schnellwege führte. Einige subjektive Eindrücke eines Teilnehmers: 

 

Wenn einer an einer Sternfahrt teilnimmt, dann kann er was erzählen.

In diesem Fall geht es um die über weite Strecken über Schnellwege führende Fahrradsternfahrt am Sonntag, 31.05.2015. Anlass war die Eröffnung des diesjährigen Stadtradelns.

Auf die Idee des Verfassers, sich statt am Sammelpunkt S-Bahnhof Anderten erst an der Auffahrt Brabeckstraße zur B 65 einzureihen, waren auch einige Dutzend weitere Radelnde gekommen. Sie hatten - auf das "Hauptfeld" wartend - sich und ihre Gefährte auf Rad- und Gehweg entlang der Brabeckstraße abgestellt. Mitunter bedarf es keiner Pkw und keiner Fußgänger, um den Radverkehr zu behindern ... Oder anders ausgedrückt: Auch unter Radlern gibt es Mitdenkende und nicht ganz so weit Mitdenkende.

In besagtem Knoten hielten sich mit orangefarbenen Westen gekennzeichnete Posten auf, die per Funk oder von einem Motorrad-Polizisten Anweisungen erhielten, wann sie welche Fahrbeziehungen mittels Baken und Lübecker Hütchen zu sperren hatten. Schon erstaunlich frühzeitig wurde das Auffahren auf die B 65 Richtung Landwehrkreisel unterbunden.

Es zog sich. Ein Kind hörte ich sagen, ihm sei langweilig. Ein anderes begab sich samt Papa zwecks dringenden Geschäfts ins Gebüsch. Nun ist natürlich dem Organisationsteam kein Vorwurf zu machen, dass an diesem Konten keine mobile Toilette zur Verfügung stand, denn der offizielle Sammelpunkt befand sich ja in Anderten. Aber so als Anregung fürs nächste Mal ...

Zwischendurch fragte ein ganz in schwarz gekleideter Motorradfahrer den Polizisten nach einer trotz der Sperrungen möglichen Route nach Hildesheim. Dem Mann konnte geholfen werden. Uneinsichtige Autofahrer sind mir nicht aufgefallen – es lief meist sonntäglich entspannt ab. Aber es gab wohl durch heruntergelassene Seitenscheiben manche Erläuterung.

Der zunehmende Einsatz der Helfer vor Ort sowie die steigende Zahl motorradisierter Polizisten ließ darauf schließen, dass die in Anderten gestarteten RadlerInnen demnächst in Sicht kommen würden.

Das Einreihen in den von einem Polizei-Kleinbus angeführten Pulk gestaltete sich unspektakulär. Übrigens habe ich während der gesamten Tour keinen radelnden Polizisten gesehen.

Als notorischer Radler und ÖPNV-Nutzer Hannover mal von einem Schnellweg aus zu sehen, ist schon ein Erlebnis. Es erweitert die "Mind Map" und gibt ein Gefühl für die Öde eines vierspurigen Schnellwegs, den Autofahrende über weite Strecken durch ihre Windschutzscheibe wahrnehmen statt der per Fahrrad sonst erlebbaren Abwechslung.

Ein anderes Erlebnis ist die Vielfalt: Von Jung bis Alt waren Menschen dabei, manche mit Helm, andere ohne. Ganz überwiegen waren sie leger gekleidet. Typische Radler-Bekleidung war ebenso die Ausnahme wie der feine Sonntags-Zwirn. Neben vielen "normalen" Fahrrädern gab es kaum eine Sonderkonstruktion, die nicht dabei gewesen wäre: teilverkleidete und unverkleidete Liegeräder, Tandems, Dreiräder, Fahrräder mit Anhänger, Falträder etc.

Auch die akustische Vielfalt beeindruckte: Immer mal wieder bahnten sich Radelnde mit neongelben Helfer-Westen ganz links den Weg nach vorn, wohl um die Polizei beim temporären Sperren der nächsten Auffahrt zu unterstützen. Dabei benutzten sie sonst von Radelnden ungewohnte Signaltöne. Mitunter wurden mittels Klingeln Grüße an Passanten übermittelt und Solidaritätsbekundungen mit nicht teilnehmenden Radlern ausgetauscht. Von einem Fahrradanhänger erschollen sogar Schlager – aber der Zug war lang genug um davon Abstand zu gewinnen.

Diese Vielfalt ließ der Berichterstatter im Knoten B 65 / Messeschnellweg an sich vorüberziehen - dabei manchen gewunkenen und genickten Gruß mit ihm bekannten Radelnden austauschend. Eine Zählung ergab zwar 1020. Allerdings dürfte ob der dafür gewählten eher groben Methode die Anzahl der gültigen Stellen zu hoch angesetzt sein.

Die ungewohnte Route verführt natürlich zum Betrachten der Landschaft, manche Radelnde lenkten sich auch mit Gesprächen ab, gelegentlich wurde telefoniert und fotografiert, ein Vater wies sein offenbar gelangweiltes Kind auf die zahlreichen unterschiedlichen Fahrradkonstruktionen hin. All diese Ablenkungen ließen es geraten erscheinen, bei Überholmanövern mit Bedacht und Rücksicht zu agieren.

Natürlich blieben auch Kommentare nicht aus. Einen Radler hörte ich vor einem von ihm vorhergesehenen Überholvorgang sagen: "Achtung, Schickimicki-Radler von hinten". Ein Radler ermahnte angesichts eines Verkehrszeichens, nicht schneller als 70km/h zu fahren.

A propos Geschwindigkeit: Das Führungsfahrzeug gab sie vor - für meinen Geschmack hätten es zwar einige km/h mehr sein dürfen, aber für Kinder war es wohl gerade recht. Unverständlicherweise wurde auch mit einigermaßen konstantem Tempo in Engstellen eingefahren wie auf die auf eine Spur pro Richtung verschmälerte Brücke über die Hildesheimer Straße, was unweigerlich zum Stau führte.

Ungewohnt: Rot zeigende Lichtsignalanlagen galt es ausnahmsweise zu ignorieren. Eine Radlerin hörte ich sagen, sie hätte unwillkürlich gebremst, als weniger Meter von ihr eine zuvor grüne Ampel auf gelb umsprang.

Verkehrsteilnehmer, die den langen Zug passieren lassen mussten, verhielten sich überwiegend geduldig. Lediglich ein fahrradschiebender Fußgänger regte sich auf: Er hatte das Queren der Friedrich-Ebert-Straße mittels Taster angefordert, hatte grün erhalten, und schimpfte, weil dennoch niemand anhielt um ihm das Queren der Fahrbahn zu ermöglichen. Er rief den Radelnden zu, sie hätten gefälligst anzuhalten, da sie rot hätten. Leider war kein Ordner in der Nähe, der ihn beruhigend auf die Besonderheiten der Verkehrssituation hätte hinweisen können. Vielleicht sollten bei der nächsten Fahrradsternfahrt auch solche Querungen in die Ordner-Einsatz-Planung einbezogen werden.

Schade, dass für die Busse der Linie 300 ab Haltestelle Gronostraße keine alternative Fahrtroute Richtung Hauptbahnhof zur Verfügung stand, sondern ein Bus warten musste bis die Radelnden seine Route verlassen hatten. Dass sich Radelnde zumindest vorübergehend Verkehrsflächen vom Auto zurückerobern „dürfen“, kann gern häufiger vorkommen, aber bitte nicht zu Lasten des ÖPNV.

Abschließend ein Lob der Regie: An der Kaisergabel liefen die Züge aus Herrenhausen und aus Anderten zeitgleich parallel Richtung Ritter-Brüning-Straße ein.