Gigaliner − zu groß, zu schwer, zu gefährlich

Gigaliner auf der Straße
Foto: Allianz pro Schiene/Kraufmann

Wie lang und wie schwer Lkw im europäischen Verkehr sein dürfen, ist einheitlich festgelegt: maximal 18,75 Meter lang und 40 Tonnen schwer. Diese Begrenzungen gelten ebenfalls für den Lkw-Verkehr innerhalb Deutschlands.

Seit Jahren schon gibt es Bestrebungen von Herstellern und Großspeditionen, aber auch auf EU-Ebene, die Maße und Gewichte für Lkw zu erhöhen:

  • auf 25,25 Meter Länge und
  • ein zulässiges Gesamtgewicht von bis zu 60 Tonnen.

In Europa fahren diese Gigaliner, bereits in Schweden und Finnland sowie im Rahmen von Feldversuchen in den Niederlanden, Dänemark und Norwegen. Mit der Entscheidung über die grundsätzliche Zulassung von Gigalinern in Europa tut sich die EU-Kommission schwer.

Gigaliner in Deutschland

Deutschland hatte sich bereits 2007 gegen die Mega-Trucks entschieden. Nach mehreren Feldversuchen in verschiedenen Bundesländern sprach sich die Verkehrsministerkonferenz der Länder im Oktober 2007 dafür aus, bestehende Tests mit Giaglinern zu beenden und keine weiteren durchzuführen.

Mit dem politischen Wechsel durch die Bundestagswahl Ende 2009 änderte sich die politische Meinung zum Einsatz von Gigalinern in Deutschland. 2010 wurde von der Bundesregierung die Durchführung eines bundesweiten Feldversuchs mit überlangen Lkw beschlossen. Die Verkehrsministerkonferenz der Länder sprach sich jedoch mehrheitlich dagegen aus. Sie befürchtete negative Auswirkungen auf die Verkehrssicherheit und die Umwelt, sowie teure Infrastrukturmaßnahmen, wie den Bau von Parkplätzen und Umladestationen.

Trotz der ablehnenden Haltung der Bundesländer startete die Bundesregierung den Feldversuch auf der Grundlage einer Ausnahme-Verordnung. Diese  ist am 1. Januar 2012 in Kraft getreten.

Von einem »bundesweiten Feldversuch« kann allerdings keine Rede sein. Nur die Länder Bayern, Hessen, Niedersachsen, Sachsen, Schleswig-Holstein, Thüringen und mit Einschränkungen Hamburg gestatten das Fahren von überlangen Lkw auf ihren Straßen. Die übrigen Länder lehnen den Versuch ab. Nordrhein-Westfalen und Bremen verweigern den Gigalinern sogar die Durchfahrt.

Gigaliner sind verkehrspolitisch unsinnig und umweltpolitisch schädlich

Klimaziele müssen auch und gerade im Transportbereich erreicht werden. In erster Linie kann das dadurch gelingen, dass Leerfahrten und unnötige Transporte vermieden und Transporte von der Straße auf Bahn und Schiff verlagert werden.

Mit Gigalinern sind diese Ziele nicht zu erreichen. Im Gegenteil: Durch ihren Einsatz wird das Transportaufkommen auf der Straße und die Fahrtenhäufigkeit deutlich zunehmen und zwar aus drei Gründen:

  • Bisherige Transporte auf der Schiene werden auf Gigaliner verlagert
  • Frachtkunden werden aufgrund der größeren Transportmenge die Kapazitäten ihrer Lager weiter abbauen.
  • Aufgrund ihrer Größe können Gigaliner viele Ziele innerhalb von Städten nicht erreichen. Daher ist es notwendig Zubringerverkehre mit Standard-Lkw zu Umladepunkten einzuführen.

Auch im Hinblick auf die Verkehrssicherheit ist der Einsatz von Gigalinern abzulehnen. Bereits heute ist an jedem fünften Verkehrsunfall mit tödlichem Ausgang ein Lkw beteiligt. Unfälle werden gravierendere Folgen haben, je schwerer die Fahrzeuge sind. Zudem behindern Gigaliner durch ihre Länge den Verkehr. Sie machen Überholvorgänge unübersichtlich, sie haben längere Räumzeiten an Kreuzungen und Bahnübergängen und sie erhöhen das Unfallrisiko für alle Verkehrsteilnehmerinnen und Verkehrsteilnehmer.

Brücken, Tunnel, Leitplanken, Parkplätze, Bahnübergänge − unsere Straßen sind weder für 60-Tonner noch für eine Lkw-Länge von 25,25 Meter ausgestattet. Die Infrastrukturkosten, die allein beim Ausbau von Brücken für Lkw über 40 Tonnen entstehen, schätzt das Bundesministerium für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung (BMVBS) auf bis zu acht Milliarden Euro. Hinzu kommen Kosten für Reparaturen, die im gesamten Straßennetz anfallen, wenn Gigaliner den Verschleiß beschleunigen.



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