VCD zu Betrugsverdacht bei Audi: „Vorsprung durch Schummeln“

Bundesregierung muss 5000 Euro Strafe pro manipuliertem Diesel verhängen, Audi Chef Stadler alle Betrugs-Diesel offenlegen

Berlin/Ingolstadt. Der ökologische Verkehrsclub VCD fordert die Bundesregierung auf, unverzüglich Sanktionen gegen die betrügerische Autoindustrie zu verhängen. Wie gestern bekannt wurde, steht Audi erneut unter Verdacht, bisher nicht entdeckte unzulässige Abschalteinrichtung eingesetzt zu haben. Aus diesem Grund hat der Konzern die Auslieferung von Modellen aus der Audi A6 und A7-Baureihe gestoppt. Laut EU-Recht sind Abschalteinrichtungen verboten. Bei Verstößen müssen Mitgliedstaaten zu Sanktionen greifen und können Strafen in Höhe von bis zu 5000 Euro pro manipuliertem Pkw verhängen. Bislang verzichtet die Bundesregierung jedoch auf dieses Sanktionsmittel, obwohl der VW-Konzern  bereits nachweislich des Betrugs überführt wurde. Zur heutigen Audi-Hauptversammlung in Ingolstadt ruft der VCD Audi-Konzern-Chef Rupert Stadler auf, sämtliche weitere Betrugs-Diesel offen zu legen und die beim Kauf von neuen Diesel-Pkw gewährte sogenannte Umweltprämie sofort zu streichen.

Gerd Lottsiepen, verkehrspolitischer Sprecher des VCD: „Es reicht. Trotz vollmundiger Bekundungen der VW-Konzernspitze zu mehr Anständigkeit setzt sich der unglaubliche Dieselskandal weiter fort. Bundeskanzlerin Merkel und Verkehrsminister Scheuer dürfen nicht länger Anwälte der betrügerischen Autoindustrie sein. Die Bundesregierung weiß, dass 5000 Euro Strafe pro Betrugsfahrzeug möglich sind. Mit diesem Geld  ließe sich die überfällige Hardware-Nachrüstung von schmutzigen Diesel-Pkw finanzieren. Tut Verkehrsminister Scheuer weiter nichts,  bekommt dies das Geschmäckle einer Strafvereitelung im Amt.“

Es sei hanebüchen, dass ausgerechnet in den aktuellen gewinnträchtigen Audi- Luxusmodellen der Euro 6-Norm, die vom Konzern als besonders sauber beworben wurden, bis vor wenigen Tagen Manipulationssoftware eingesetzt worden sein soll. Käufer erhielten bei der Verschrottung ihres alten Diesels gegen den Kauf dieser angeblich sauberen Fahrzeuge eine „Umweltprämie“ in Höhe von 10000 Euro. Dieser fortgesetzte Betrug auf Kosten der Verbraucher und der Gesundheit zigtausender Menschen sei nur aufgrund der Untätigkeit der Bundesregierung möglich, kritisierte Lottsiepen. Verkehrsminister Andreas Scheuer hat – wie Recherchen des Bayrischen Rundfunks belegen – bereits im Jahr 2010 als Staatssekretär im Verkehrsministerium festgestellt, dass bis zu 5000 Euro Strafe pro manipuliertem Auto fällig werden können. Auf eine solche Strafe, wie auch auf die Hardware-Nachrüstung auf Kosten der Hersteller wurde aber bislang verzichtet. Stattdessen propagieren die Bundesregierung und die Hersteller die „Umweltprämie“ und die unzureichenden Software-Updates als gute Mittel zur Lösung des Stickoxid-Problems.

Lottsiepen: “Vor nun fast drei Jahren wurde der Dieselskandal bekannt. Die Bundesregierung lässt die Autohersteller weiter gewähren und verzichtet auf eine Bestrafung der Schuldigen. Die jetzt bei Audi entdeckte Betrugssoftware beweist, dass die Versprechen der Autohersteller völlig unzureichend und unglaubwürdig sind. Die Umweltprämie erweist sich als Mogelpackung – bei Audi frei nach dem Slogan „Vorsprung durch Schummeln.“ Anstatt die mutmaßliche Abgasmanipulation als Arbeitsfehler herunterzuspielen, muss Audi-Chef Rupert Stadler jetzt jede weitere Betrugs-Software offen legen und die widersinnige Umweltprämie streichen.“

Pressekontakt:
Almut Gaude • VCD-Pressesprecherin • Telefon 030/280351-12 • presse@vcd.orgwww.vcd.org

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